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Public Fathers - Männer als Kindergartenpädagogen

Public Fathers - Austrian Male Work Force in Child Care

Josef Christian Aigner (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P20621
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2008
  • Projektende 30.11.2010
  • Bewilligungssumme 208.913 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Erziehungswissenschaften (60%); Psychologie (40%)

Keywords

    Child Care, Gender, Early Childhood Services, Staffing, Men, Masculinity

Abstract Endbericht

Im gesamten Bereich der institutionellen Kinderbetreuung ist europaweit eine eklatante Unterrepräsentation von Männern festzustellen. Der Anteil männlicher Kinderbetreuer liegt in Europa generell unter fünf Prozent, Österreich liegt mit 0,8 % weit unter dem EU-Durchschnitt. Literatur über Männer in Kinderbetreuungseinrichtungen ist nur spärlich vorhanden, empirische Forschungen beschränken sich häufig auf Einzelfallstudien. Wir wissen sehr wenig darüber, wie Männer in diesen Beruf gelangt sind, über Motive und Erfahrungen von Männern in Kinderbetreuungseinrichtungen, über ihre biografischen Besonderheiten (Kontakte zu Männer und Vätern) und wie Männer mit Widersprüchen und Konflikten zwischen der angeblich "typisch weiblichen" Tätigkeit und ihrer männlichen Identität umgehen. Aufgrund der mangelnden Forschungen in Bereich der "public fathers" nehmen die Ergebnisse der bereits etablierten "father studies" einen hohen Stellenwert ein (siehe auch die Publikationen des Projektleiters, insbesondere Aigner, J.C.: "Der ferne Vater" Gießen 2001). Die spezifischen Ziele der Studie sind Erforschung des Profils und der Erfahrungen von Männern in Kinderbetreuungseinrichtungen bezüglich Sozialisation und Biographie, Ausbildung, Berufslaufbahn, Männlichkeitsbild, Berufszufriedenheit, Neigungen etc. Annäherung an die Frage einer "männliche Art" der Betreuung von Kindern Ausgehend davon: Identifizierung von Faktoren, die eine Steigerung des Anteils von Männern erschweren bzw. begünstigen. Die empirische Erhebung beinhaltet Befragungen der wesentlich beteiligten Personengruppen: Schüler vor der Berufswahlentscheidung, Kindergartenpädagogen in Ausbildung, Schulabbrecher dieses Schultyps und tatsächlich tätige Kindergartenpädagogen. Es wird untersucht, wie die Berufswahl von der Sozialisation als Mann, vom familiären und sozialen Umfeld abhängt, welche Männlichkeitsbilder dominieren, welchen Einfluss das Ausbildungssystem auf die Attraktivität des Berufs für Männer hat. Daran folgend werden Faktoren identifiziert, die eine Steigerung des Anteils von Männern begünstigen können. Qualität in der frühkindlichen Erziehung und Betreuung hängt von einer hoher Qualität der Ausbildung ab und - wie der OECD-Report Starting Strong II herausstreicht - Strategien sind nötig zur Rekrutierung und zum Erhalt eines gut ausgebildeten, gemischtgeschlechtlichen Personals(OECD 2006a). Die Studie versteht sich als eine der wenigen universitären Forschungsleistungen in Österreich zum weitgehend vernachlässigten Forschungsbereich "Frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung".

In den letzten Jahren wächst das Bewusstsein dafür, dass Männer für die Entwicklung von Kindern wichtig sind. Immer mehr Männer gestalten als Väter oder als Fachkräfte die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern mit - bereits im Kindergarten. Die Ergebnisse des hier vorgelegten Forschungsprojektes belegen unmissverständlich, dass Männer auch im Bereich der institutionellen Betreuung von Kindern wichtig sind. Bislang haben es Kinder im Kindergarten allerdings zumeist nur mit Frauen zu tun: Der Anteil männlicher Fachkräfte im Elementarbereich liegt in den meisten europäischen Ländern unter fünf Prozent, in Österreich mit weniger als einem Prozent noch weit unter dem EU-Durchschnitt. Bislang gab es zu diesem Thema international nur wenig, in Österreich überhaupt keine empirische Forschung. Am Institut für psychosoziale Kommunikation und Interventionsforschung der Universität Innsbruck wurde daher von 2008 bis 2010 ein Forschungsprojekt durchgeführt, das Lebenswege, Ausbildungserfahrungen, Einstellungen und Praxiserfahrungen von Burschen und Männern im Bereich der Elementarpädagogik umfassend und differenziert untersuchte. Mit einem breiten Forschungsdesign, das qualitative und quantitative Verfahren umfasste, wurden männliche und weibliche Schüler an Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik sowie männliche und weibliche Fachkräfte in Kindertagesheimen befragt. Angestrebt wurde eine Vollerhebung der männlichen Schüler und Fachkräfte. Darüber hinaus wurden mit kleineren Stichproben Befragungen von Schülerinnen und Schülern in der Berufsorientierungsphase sowie von Eltern durchgeführt. Die Ergebnisse belegen insgesamt eine breite Zustimmung zu männlichen Pädagogen im Kindergarten in allen Befragten-Gruppen. Sie zeigen Burschen und Männer als kompetente und engagierte Fachkräfte und geben Hinweise auf die Bedeutung des Geschlechts von Bezugspersonen in der frühen Bildung. Sie belegen aber auch spezifische Schwierigkeiten und Barrieren, die es Burschen und Männern erschweren, eine Perspektive im Arbeitsfeld der Bildung und Betreuung von Kindern zu entwickeln. Aus den Ergebnissen des Forschungsprojekts werden vielfältige Konsequenzen abgeleitet. An erster Stelle steht eine Erhöhung des Ansehens des frühpädagogischen Berufsfeldes insgesamt in der Öffentlichkeit, eine Veränderung des Images des Kindergartens als "weiblichem" Bereich sowie ein differenziertes Bewusstsein der Bedeutung männlicher Pädagogen für die Entwicklung von Kindern. Die Ergebnisse sprechen weiter dafür, die Ausbildung im Bereich der Elementarpädagogik grundlegend zu reformieren. In Bezug auf die Praxis geben die Resultate des Projekts etliche Hinweise darauf, wie Kindertageseinrichtungen geschlechtergerechter und "männerfreundlicher" gestaltet werden und auf dieser Grundlage auch mehr männliche Mitarbeiter gewinnen können. Abschließend werden politische Strategien skizziert, die auf eine Gewinnung von mehr männlichen Fachkräften als Beitrag zur Weiterentwicklung der Qualität der Kinderbetreuung abzielen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

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