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Deutungsrahmen politischer Fernsehdiskussionen

Interpretative Frames in the Perception of Political Debates

Emo Gotsbachner (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P20814
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2008
  • Projektende 30.11.2011
  • Bewilligungssumme 296.449 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Sozialwissenschaften (50%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)

Keywords

    Interpretational Frames, Discourse Analysis, Political Controversies, Audience Research, Constitution Of Meaning, Ideological Polysemy

Abstract Endbericht

Das Projekt untersucht Wirkungen und Verstehensprozesse bei der öffentlichen Wahrnehmung politischer Diskussionen. Analysen massenmedial verbreiteter Diskurse vernachlässigen meist den Aspekt, dass nicht von einer einheitlichen Wirkungsweise politischer Rhetorik ausgegangen werden kann. Wenn politische Akteure versuchen, ihre Deutungen aktueller gesellschaftlicher Probleme und politischer Massnahmen breitenwirksam zu etablieren, sind ihre Äusserungen in der öffentlichen Rezeption aber oft einer radikalen Umdeutung unterworfen, besonders wo bestimmte Publikumskreise sie als zu einer anderen Gesellschaftsperspektive oder politischen Ausrichtung als der je eigenen gehörig bewerten. Das heisst, dass politische Aussagen im Zusammenhang mit anderen mehr oder weniger hegemonialen Diskursen betrachtet werden müssen, an denen sie sich implizit ausrichten und gegen die sie konkurrieren. Mit der Untersuchung politischer Streitgespräche im Fernsehen nehmen wir von vornherein diese Situation ins Blickfeld, wie Deutungsangebote gegeneinander antreten und wie heterogene Publikumsschichten sie unter Nutzung ihres je eigenen `sozialen Wissens` verarbeiten, um sich eine für sie selbst plausible und erfahrungsnahe Wirklichkeitsbestimmung politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse zu konstruieren. Wir analysieren zuerst mittels komplexer diskursanalytischer Methoden auf verschiedenen Ebenen der Handlungs- und Bedeutungskonstitution rhetorische Strategien, wie politische Akteure ihre jeweiligen Sichtweisen gegen andere durchzusetzen versuchen, bevor wir dann deren Publikumswirkung untersuchen. Aktuelle, aus den Nachrichtensendungen des ORF aufgezeichnete Studio-Live-Diskussionen werden verschiedenen, möglichst `organischen` Gruppen von Fernsehkonsumierenden mit unterschiedlichem sozialem und politischem Hintergrund vorgespielt, und in einer Art offenem Gruppeninterview abgefragt, wie sie diese verstanden haben und welche Haltung sie dazu einnehmen. Die davon hergestellten Audioaufzeichnungen bilden den zweiten, umfassenderen und wichtigeren Teil des Untersuchungsmaterials, das konversations- bzw. diskursanalytisch minutiös ausgewertet wird. An ihm wird beobachtet, welche Publikumsgruppen die einzelnen Deutungen und Durchsetzungsstrategien der Streitgegner wie ratifizieren, um Aufschluss über die Wirkungsweise von Deutungsrahmen in politischen Debatten zu erhalten. Interessant sind vor allem die Fälle, wo politische Akteure Elemente ihrer Deutungsangebote über ihr (bezogen auf Parteipräferenz und soziale Schicht) eigenes` Klientel hinaus verankern können, weil dort, wo Diskurse sich verbreiten und dominant werden, die Effekte der pragmatisch-ideologischen Deutungskämpfe ansetzen, welche einen gewichtigen Teil gesellschaftspolitischer Dynamiken ausmachen. Die Untersuchung fußt in einer elaborierten theoretischen Konzeption von Deutungsrahmen, wobei ein ursprünglich in der Medienwirkungsforschung entwickelter und bewährter Ansatz um eine sehr genaue Diskurs- bzw. Konversationsanalyse von vielfältigen Aspekten der Bedeutungskonstitution erweitert wird. Diese Vorgangsweise und das an der Grounded Theory orientierte, genuin qualitative Forschungsdesign gewährleisten, dass Zusammenhänge aus der Dichte des Untersuchungsmaterials heraus entdeckt, fortlaufend an weiteren Fällen überprüft, erweitert und schließlich in gegenstandsnahe Konzeptionen übersetzt werden können, die sie in ihrer Komplexität weitestmöglich fassbar machen.

Das Projekt untersucht Wirkungen und Verstehensprozesse bei der öffentlichen Wahrnehmung politischer Diskussionen. Analysen massenmedial verbreiteter Diskurse vernachlässigen meist den Aspekt, dass nicht von einer einheitlichen Wirkungsweise politischer Rhetorik ausgegangen werden kann. Wenn politische Akteure versuchen, ihre Deutungen aktueller gesellschaftlicher Probleme und politischer Massnahmen breitenwirksam zu etablieren, sind ihre Äusserungen in der öffentlichen Rezeption aber oft einer radikalen Umdeutung unterworfen, besonders wo bestimmte Publikumskreise sie als zu einer anderen Gesellschaftsperspektive oder politischen Ausrichtung als der je eigenen gehörig bewerten. Das heisst, dass politische Aussagen im Zusammenhang mit anderen mehr oder weniger hegemonialen Diskursen betrachtet werden müssen, an denen sie sich implizit ausrichten und gegen die sie konkurrieren. Mit der Untersuchung politischer Streitgespräche im Fernsehen nehmen wir von vornherein diese Situation ins Blickfeld, wie Deutungsangebote gegeneinander antreten und wie heterogene Publikumsschichten sie unter Nutzung ihres je eigenen "sozialen Wissens" verarbeiten, um sich eine für sie selbst plausible und erfahrungsnahe Wirklichkeitsbestimmung politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse zu konstruieren. Wir analysieren zuerst mittels komplexer diskursanalytischer Methoden auf verschiedenen Ebenen der Handlungs- und Bedeutungskonstitution rhetorische Strategien, wie politische Akteure ihre jeweiligen Sichtweisen gegen andere durchzusetzen versuchen, bevor wir dann deren Publikumswirkung untersuchen. Aktuelle, aus den Nachrichtensendungen des ORF aufgezeichnete Studio-Live-Diskussionen werden verschiedenen, möglichst "organischen" Gruppen von Fernsehkonsumierenden mit unterschiedlichem sozialem und politischem Hintergrund vorgespielt, und in einer Art offenem Gruppeninterview abgefragt, wie sie diese verstanden haben und welche Haltung sie dazu einnehmen. Die davon hergestellten Audioaufzeichnungen bilden den zweiten, umfassenderen und wichtigeren Teil des Untersuchungsmaterials, das konversations- bzw. diskursanalytisch minutiös ausgewertet wird. An ihm wird beobachtet, welche Publikumsgruppen die einzelnen Deutungen und Durchsetzungsstrategien der Streitgegner wie ratifizieren, um Aufschluss über die Wirkungsweise von Deutungsrahmen in politischen Debatten zu erhalten. Interessant sind vor allem die Fälle, wo politische Akteure Elemente ihrer Deutungsangebote über ihr (bezogen auf Parteipräferenz und soziale Schicht) "eigenes" Klientel hinaus verankern können, weil dort, wo Diskurse sich verbreiten und dominant werden, die Effekte der pragmatisch-ideologischen Deutungskämpfe ansetzen, welche einen gewichtigen Teil gesellschaftspolitischer Dynamiken ausmachen. Die Untersuchung fußt in einer elaborierten theoretischen Konzeption von Deutungsrahmen, wobei ein ursprünglich in der Medienwirkungsforschung entwickelter und bewährter Ansatz um eine sehr genaue Diskurs- bzw. Konversationsanalyse von vielfältigen Aspekten der Bedeutungskonstitution erweitert wird. Diese Vorgangsweise und das an der Grounded Theory orientierte, genuin qualitative Forschungsdesign gewährleisten, dass Zusammenhänge aus der Dichte des Untersuchungsmaterials heraus entdeckt, fortlaufend an weiteren Fällen überprüft, erweitert und schließlich in gegenstandsnahe Konzeptionen übersetzt werden können, die sie in ihrer Komplexität weitestmöglich fassbar machen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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