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Visualizing (the Derra de Moroda) Dance Archives

Visualizing (the Derra de Moroda) Dance Archives

Claudia Jeschke (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P20834
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2008
  • Projektende 31.01.2013
  • Bewilligungssumme 181.461 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (25%); Informatik (25%); Kunstwissenschaften (50%)

Keywords

    3D Animation, Movement Analysis, Archives of Dance Memory, Dance History, Dance Practice

Abstract Endbericht

Tanzarchive stellen ein weit gefächertes Gedächtnis für den Tanz zur Verfügung; die Tanzforschung greift auf dieses Gedächtnis zu - vor allem an der Universität Salzburg, an der die akademische und kreative Interaktion von Tanzforschung und den Derra de Moroda Dance Archives eine führende, signifikante und für den Tanz einzigartige Rolle spielt. Das spezielle Salzburger Profil eines Tanzzentrums richtet sich sowohl an Forscher als auch an Praktiker, um die traditionelle Trennung von Theorie und Praxis, Geschichte und Gegenwart über verbale, visuelle und - vor allem - kinetische Materialien zum Tanz zu überwinden. Der Zugriff auf dieses heterogene Wissen des Tanzes fordert die Tanzforschung aufgrund der Natur und der Qualität der zur Verfügung stehenden Quellen heraus. Zum Beispiel ist die Forschung zu Epochen vor den Erfindungen von Film und Video durch die Abwesenheit`, d.h. die fehlende Verfügbarkeit des eigentlichen, visuellen, experientiellen Bewegungsmaterials limitiert. Dieses Projekt wird einen neuen Ansatz zur Verwendung von historischen Materialien in Tanz-forschung und - praxis kreieren. Ein neuartiges und methodologisch viel versprechendes Tool in Form einer Computerapplikation unterstützt die Re-Konstruktion von Tanz mit Hilfe von animierten Bewegungssequenzen, indem es die Transformation von Bewegungsinhalten aus einer Vielzahl von Quellen in eine visuelle, dreidimensionale Repräsentation ermöglicht. Diese Transformation führt zu einer Systematisierung von Re-Konstruktionsprozessen, welche wiederum physisch orientierte Sichtweisen auf performative Praktiken in einem weitaus größerem Ausmaß als bisher möglich begünstigt. Die Entwicklung der geplanten Software wird von der Re-Konstruktion ausgewählter Materialien des Derra Archivs im Rahmen von Fallstudien begleitet. Diese umfassen die choreographischen Beschreibungen und Notizen von A. Freising, das Musterbuch der Opfermanns, und eine zusätzliche Auswahl ikonographischer Quellen. Mit Hilfe dieser Fallstudien wird ein Pool von virtuellen, sich bewegenden Bildern erstellt. Dieser wachsende Pool erweitert die motorischen und kinetischen Dimensionen im Verständnis der Tanzgeschichte, weil er Strategien und Werkzeuge aufbereitet (für Akademiker und Künstler gleichermaßen), um Historie in deren zeitgenössische Herangehensweisen an den Tanz zu integrieren. Im Licht der gegenwärtigen, vielfältigen Aktivitäten zeitgenössischer Choreographen, Tanzwissen über virtuelle Archive und Onlineressourcen zu verbreiten und/oder zugänglich zu machen, ist dieses Projekt innovativ und außergewöhnlich, da es einen (von Person und Werk, von Ort und Zeit, von der Quellenlage weitestgehend) unabhängigen Rahmen zur Re-Präsentation von Bewegung zur Verfügung stellt und so eine einzigartige und solide Grundlage für historische Forschung schafft.

Das Projekt untersucht die Potentiale digitaler Animationstechnologie für die Tanzgeschichtsforschung. Während des Projektes wurde ein innovatives, notationsbasiertes 3d Animationssystem entwickelt, mit bestehenden Systemen verglichen und zur Visualisierung choreographischer und stilistischer Aspekte historischer Tanzdokumente verwendet.Der Bewegungsgehalt historischer Tanzdokumente (wie sie sich in der Form von verbalen Beschreibungen oder ikonographischen und symbolischen Darstellungen im Derra de Moroda Tanzarchiv der Universität Salzburg befinden) kann in der Regel nur vermittels von Bühnenaufführungen, die einer Vielzahl von Akteuren wie Tänzern, Musikern, Bühnentechnikern, Kostümbildnern und anderer Spezialisten bedürfen, veranschaulicht werden. Mit der Entwicklung computerbasierter Animationstechnologien bietet sich mittlerweile eine weniger aufwändige Möglichkeit zur Rekonstruktion der kinetischen Formen historischer Tänze und Choreografien.Der Animationsansatz kann und soll die Rekonstruktion mit Hilfe von Live-Aufführungen nicht ersetzen, aber er erlaubt es, solche Rekonstruktionen vorzubereiten und verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten des Bewegungsmaterials zu testen. Damit wird auch ForscherInnen, die sonst selten über die entsprechenden Ressourcen verfügen, um professionelle TänzerInnen für akademische Projekte zu beschäftigen, die Rekonstruktion von Archivmaterial ermöglicht. Es war deshalb ein wichtiges Projektziel, optimale Softwarelösungen für spezifische Forschungsfelder der Tanzwissenschaft, nämlich Bewegungsanalyse und Choreografie-Forschung, zu identifizieren und selbst zu entwickeln. Bewegungsanalyse: Die Entwicklung eines innovativen 3D Systems wurde für diesen Bereich als ein zentrales Projektziel erarbeitet. Basierend auf den Konzepten der Eshkol Wachman Bewegungsnotation (EWMN) sowie der Labanotation unterstützt dieses Programm insbesondere die Artikulation von Bewegungswissen, indem es den positionalen Ansatz der Key-Frame Interpolation um einen bewegungsorientierten Ansatz erweitert. Das Programm trägt die Bezeichnung MOVment-oriented animation Engine (MovEngine). Die analytischen Möglichkeiten von MovEngine wurden unter anderem mit der Rekonstruktion von Elementen des französischen höfischen Tanzes, auch Barocktanz genannt, bereits erfolgreich getestet. Die komplexen Armbewegungen dieses Tanzstils wurden in 3D Animationssequenzen rekonstruiert, wobei das Programm die Möglichkeit bietet, die Bewegungskomponenten gleichzeitig automatisch in einer Bewegungspartitur zu dokumentieren. ForscherInnen können somit ihre Thesen sowohl an Hand der Animationssequenzen als auch in Bezug auf die detaillierten Bewegungspartituren verdeutlichen. Die MovEngine wird der interessierten Öffentlichkeit im Frühjahr 2013, zunächst in einer Testversion, zum freien Download zur Verfügung gestellt.Choreografische Forschung: Unter den bestehenden Softwaresystemen wurde das Programm 'LifeForms' ausgewählt, das ebenfalls in einem tanzpraktischen Kontext entwickelt wurde und deshalb von besonderer Relevanz für das Forschungsfeld des Projektes ist. Hier besteht die Möglichkeit, mit der Darstellung multipler Figuren historische Choreografien zu untersuchen. Der Fokus richtete sich dabei auf den noch wenig erforschten Bühnentanz der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere auf die seltenen Quellen dieser Periode, die die Einführung der Arabesque in das Design von dekorativen Gruppen und den Einsatz des Corps de Ballett zur Herstellung visueller Effekte widerspiegeln. Mit Beispielen aus den Skizzenbüchern der Choreografen und Tanzmeister F. Opfermann und A. Freising wurden zwei kontrastierende choreografische Strategien dieser Zeit analysiert und mit LifeForms visualisiert. Die Animationen zu diesen Untersuchungen werden auf der Webseite des Projektes zugänglich gemacht.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%

Research Output

  • 2 Publikationen
Publikationen
  • 2010
    Titel Tanzschriften und Notierungsweisen.
    Typ Book Chapter
    Autor Claudia Jeschke
  • 2010
    Titel Bilder. Texte. Wissen.
    Typ Book Chapter
    Autor Brandstetter

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