Die Wiener Hofburg im 16. und 17. Jahrhundert
The Viennese Hofburg in the 16th and 17th century
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (40%); Geschichte, Archäologie (20%); Kunstwissenschaften (40%)
Keywords
-
History Of Residences,
Ikonology Of Architecture,
Court Representation,
Renaissance Architecture,
Early Baroque Architecture,
Garden History
Das zur Bewilligung vorgelegte Projekt dient der Fortsetzung des auslaufenden FWF-Projektes P18040-G06 "Die Wiener Hofburg im 16. und 17. Jahrhundert. Bau- und Planungsgeschichte, Funktion und Bedeutung". Es ist Teil eines umfassenden, an der Kommission für Kunstgeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften angesiedelten Großprojektes über die Wiener Hofburg. Bestehend aus fünf autonom forschenden, aber dennoch in regem Austausch stehenden Projektgruppen verfolgt dieses Unternehmen das Ziel, eine Gesamtdarstellung der Residenz von den mittelalterlichen Anfängen bis in die Gegenwart zu erarbeiten. Das hier vorgelegte Teil-Projekt hat die Residenzentwicklung vom Herrschaftsantritt Kaiser Ferdinands I. bis einschließlich Kaiser Leopold I., also den Zeitraum von 1521/22 bis 1705, zum Gegenstand. Aufbauend auf den umfangreichen Ergebnissen des Erstprojekts sind folgende Arbeitsschritte geplant, die für den Abschluss der Untersuchung unumgänglich sind: Transkription von genau definierten Rest-Beständen im Österreichischen Staatsarchiv und dem Wiener Stadt- und Landesarchiv, und vor allem der Berichte der am Kaiserhof tätig gewesenen Gesandten von Venedig (Venedig), des Heiligen Stuhls (Rom), der spanischen Krone (Madrid) und Schwedens (Stockholm). Weitere detaillierte Baubefundungen an Schweizerhof, Stallburg, Amalienburg, Leopoldinischen Trakt und Redoutensaaltrakt. Abgesehen von diesen grundlegenden materialkundlichen Untersuchungen sollen Fragestellungen weitergeführt werden, deren Beantwortung im ersten Projekt begonnen worden sind: Die Erfassung des komplexen Gefüges der unterschiedlichen Raumfunktionen in der Kaiserresidenz (Repräsentation, Wohnen, Verwaltung, Versorgung), die Klärung des vielschichtigen Zusammenhangs von Repräsentationsraum und Zeremoniell, die Hofburg als Ort von Theater und Fest und schließlich das Bedeutungsverhältnis der Hofburg zu anderen Residenzen (der Habsburger oder sonst im Deutschen Reich gelegen). Diese Frage führt zu einer (im Verlauf der Arbeiten immer wichtiger gewordenen) neuen Fragestellung, die das Verhältnis der Hofburg zu den Residenzen der spanischen Linie der Habsburger beleuchtet. Es gibt Indizien für eine mögliche bau- und ausstattungsspezifische Repräsentationsstrategie, die auf subtile Weise innerhalb des Hauses Habsburg entwickelt worden sein könnte. Ein weiteres ambitioniertes Ziel des Projektes ist es, die Herrschaftsikonologie der Residenzarchitektur gemeinsam mit der Ikonologie der ehemaligen Burggärten zusammen zu sehen und synthetisierende Bedeutungsmodelle zu rekonstruieren (etwa in den Bereichen Kunst- und Pflanzensammlungen!). Auch sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Aspekte (Finanzierung der Bauvorhaben, Logistik der Baustellen, etc.) sind wichtige Anliegen des Projektes. Schließlich ist es ein für alle Projektgruppen zentrales Anliegen, eine 3D-Visualierung der Bau- und Funktionsgeschichte der Hofburg in Zusammenarbeit mit entsprechenden Spezialisten zu erstellen, die einen außerordentlichen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn ermöglichen wird.
Das Projekt "Die Hofburg im 16. und 17. Jahrhundert - Baugeschichte, Funktion und Etablierung als Kaiserresidenz" ist Teil eines an der Kommission für Kunstgeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften angesiedelten Großprojektes, das die Kunst- und Funktionsgeschichte der kaiserlichen Residenz vom Mittelalter bis ins das 21. Jahrhundert zum Gegenstand hat. Es basiert auf den Ergebnissen eines Vorläuferprojektes (FWF P18040-G06) und untersucht die Entwicklung der Residenz vom Herrschaftsantritt Kaiser Ferdinands I. bis einschließlich Kaiser Leopold I., also den Zeitraum von 1521/22 bis 1705. Auf der umfangreichen Quellensammlung des Erstprojektes aufbauend konnte die detaillierte Bau- und Funktionsgeschichte der einzelnen Gebäude, aber auch des gesamten Burgkomplexes erarbeitet werden. Neben umfangreichen Schrift- und Bildquellen haben vor allem restauratorische Befunde, die an den Gebäuden selbst vorgenommen wurden (Putz- und Mauerbefunde), und Altersbestimmungen der Dachstühle die materielle Grundlage für die Baugeschichte gebildet. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit lag auf der Beurteilung der Wiener Hofburg im internationalen Zusammenhang, wobei ein Hauptaugenmerk auf der habsburgische Residenzkultur im Vergleich der österreichischen mit der spanischen Linie gelegt wurde. Darüber hinaus war die Analyse der Wiener Residenzanlage als vielfältig fassbares Medium fürstlicher Repräsentation ein Kernanliegen. Von der Annahme ausgehend, dass Residenzarchitektur immer auch Gehäuse höfischer Kultur und Träger visualisierter Politik ist, wurde versucht, die politischen Inhalte der kaiserlichen, königlichen und erzherzoglichen Hofburg herauszuarbeiten. Solcherart wurde eine Topographie der fürstlichen Repräsentation entwickelt, die ihren Niederschlag an vielen Orten der Hofburg gefunden hat. Symbole und verweisende Bilder konnten an Fassaden, in der bildnerischen Ausstattung und in der Gartenkultur festgemacht werden. Gerade auch den hortologischen Aspekten der höfischen Kultur Habsburgs wurde besonderes Augenmerk geschenkt. Gesucht wurde in diesem Sinn nach möglichen bau- und ausstattungsspezifischen Repräsentationsstrategien, die vorrangig von dynastischen Ansprüchen getragen wurden. Unumgänglich dafür war es, die historischen Grundlagen und Erkenntnisse zur Politik- und Herrschaftsgeschichte bei der kunsthistorischen Analyse nicht aus den Augen zu verlieren und unter dem Aspekt von Kunst als mediales Vermittlungs- und Propagandainstrument von Politik Zusammenhänge zu suchen. Auch wurde die in der Fachliteratur mehrfach besprochene dynastische Traditionspflege als eine habsburgische Leitidee im Umgang mit Residenzarchitektur mit neuen Argumenten kritisch reflektiert. Als wichtige Orte fürstlicher Repräsentation schließlich wurden Theateraufführungen und Festinszenierungen untersucht, die die verschiedensten Säle und Plätze der Hofburg zur Bühne gemacht haben. Die Ergebnisse sind geeignet, die Bau- und Funktionsgeschichte der Hofburg völlig neu darzustellen und gleichzeitig neue residenzhistorisch relevante Forschungsfelder zu entwickeln, die weit über das untersuchte Objekt, die Wiener Hofburg des 16. und 17. Jahrhunderts, hinaus von Bedeutung sind.