Die Österreichischen Alpen während des letzten Glazialzyklus
The Austrian Alps during the last glacial cycle
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (25%); Geowissenschaften (25%); Physik, Astronomie (50%)
Keywords
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Quartär,
Sedimentologie,
Lumineszenz-Datierung,
Alpen,
Geomorphologie,
Eiszeit
Während des Quartärs, der jüngsten Periode der Erdgeschichte, wurden in den Tälern und Becken der Alpen und des Alpenvorlandes große Mengen an Sedimenten abgelagert. Diese Kiese, Sande, Schluffe und Tone stellen nicht nur wertvolle Rohstoffe dar und beherbergen bedeutende Grundwasser-Vorkommen; sie sind auch ein Archiv der gewaltigen Klima-Änderungen, die im Rhythmus von Kalt- und Warmzeiten die alpine Landschaft prägten. Die größte Herausforderung besteht darin, den Faktor Zeit in diesen Sedimenten präzise zu fassen. Der vorliegende Projektantrag zielt auf die Anwendung einer neuartigen Methode zur Altersbestimmung dieser quartären Sedimente in den Alpen: Die optisch stimulierte Lumineszenz (OSL) Methode. Gegenüber der weitum bekannten Radiokarbon-Methode hat diese zwei entscheidende Vorteile: Mit OSL lassen sich Sedimente altersbestimmen, in denen Holz- und andere organische Reste fehlen, und die Methode erlaubt es, von wenigen hundert bis etwa 200.000 Jahre in die Vergangenheit zurückzudatieren. Zwei Untersuchungsgebiete im Inntal von Westösterreich werden vorgeschlagen, einem klassischen Quartärforschungsgebiet in den Alpen. Umfangreiches, wissenschaftlich bislang unbearbeitetes Bohrkernmaterial sowie seismische Daten wurden im Zuge geologischer Erkundungsarbeiten in diesem Raum gewonnen und werden für dieses Forschungsvorhaben zur Verfügung stehen. Durch die Anwendung der OSL und Radiokarbon-Methoden in Verbindung mit einem multiproxy-Ansatz (Sedimentologie, Pollen, Makroreste) können somit wesentliche Neuerkenntnisse zur Klima- und Landschaftsgeschichte in dieser klassischen Region der alpinen Quartärforschung erzielt werden.
Wie kalt war die letzte Eiszeit? Gab es damals in den Alpen Wälder? Waren die Alpen immer vergletschert? Wann und wie rasch wechselte das Klima? Spannende Fragen, die bislang nur ansatzweise beantwortet werden können, da es sehr schwierig ist aus dieser lange vergangenen Zeit messbare verlässliche Spuren zu finden. Das Auffinden ausgedehnter Sedimentlagen innerhalb der Terrasse von Unterangerberg im Tiroler Unterinntal im Zuge von Bohrungen für einen geplanten Eisenbahntunnel war der Startpunkt dieses Forschungsprojektes. Unterhalb der Moräne des letzten Eisvorstoßes in das Alpenvorland hinaus (vor ca. 25.000 Jahren) fanden sich Kiese, Sande, Schluffe und gepresste Torflagen, die während des letzten Glazials gebildet wurden, als das Unterinntal unvergletschert war. Die Altersbestimmungen ergab, dass sich innerhalb dieses letzten Glazialzyklus drei Mal hintereinander Seen gebildet hatten, in denen Sedimente abgelagert wurden und so erhalten blieben. Die älteste Seephase fand vor 115.000 bis 105.000 Jahren statt, die zweite um 70.000 bis 60.000 und die jüngste um 52.000 bis 43.000 Jahre vor heute. Es sind diese feinkörnigen Seesedimente, die den Schlüssel zur Rekonstruktion der damaligen ökologischen und klimatologischen Bedingungen bilden. In den Sedimenten blieben organische Spuren erhalten, u.a. Blütenstaub, der untersucht wurde und zeigt, dass z.B. um 80.000 Jahre vor heute noch Nadelwald im Unterinntal wuchs, der aufgrund einer dramatischen Klimaverschlechterung rasch verschwand. Diese kurzfristigen Wärmephasen während des letzten Glazials, die sogenannten Dansgaard-Oeschger Ereignisse, die von sibirisch-kalten Zeiten unterbrochen waren, sind z.B. aus dem Eis Grönland bekannt und konnten nunmehr auch für den inneralpinen Raum anhand der raschen Vegetationsänderungen nachgewiesen werden. Landschaftsgeschichtlich interessant ist die Frage warum hier Seen existierten und auch dies konnte beantwortet werden. Vom nördlich anschließenden Gebirgskamm gingen zwei Mal Bergstürze nieder, die das Inntal teilweise aufstauten. Reste dieser gewaltigen Trümmermassen sind in den Bohrungen nachgewiesen worden und zeigen, dass es letztlich solchen Großereignissen zu verdanken ist, dass aus diesen entfernten Zeiten verwertbare Klima-Archive erhalten geblieben sind.
- Universität Innsbruck - 100%
- Barbara Wohlfarth, University of Stockholm - Schweden
Research Output
- 430 Zitationen
- 7 Publikationen
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2013
Titel Late Pleistocene climate change and landscape dynamics in the Eastern Alps: the inner-alpine Unterangerberg record (Austria) DOI 10.1016/j.quascirev.2013.02.008 Typ Journal Article Autor Starnberger R Journal Quaternary Science Reviews Seiten 17-42 Link Publikation -
2011
Titel NALPS: a precisely dated European climate record 120–60 ka DOI 10.5194/cp-7-1247-2011 Typ Journal Article Autor Boch R Journal Climate of the Past Seiten 1247-1259 Link Publikation -
2013
Titel A new radiocarbon chronology of Baumkirchen, stratotype for the onset of the Upper Würmian in the Alps DOI 10.1002/jqs.2645 Typ Journal Article Autor Spötl C Journal Journal of Quaternary Science Seiten 552-558 Link Publikation -
2008
Titel A terrestrial U/Th-dated stable isotope record of the Penultimate Interglacial DOI 10.1016/j.epsl.2008.09.029 Typ Journal Article Autor Spötl C Journal Earth and Planetary Science Letters Seiten 283-292 -
2011
Titel Chronology of the Last Glacial Maximum in the Salzach palaeoglacier area (Eastern Alps) DOI 10.1002/jqs.1477 Typ Journal Article Autor Starnberger R Journal Journal of Quaternary Science Seiten 502-510 -
2010
Titel Humid climate during deposition of sapropel 1 in the Mediterranean Sea: Assessing the influence on the Alps DOI 10.1016/j.gloplacha.2009.10.003 Typ Journal Article Autor Spötl C Journal Global and Planetary Change Seiten 242-248 -
2009
Titel Stretching the Envelope of Past Surface Environments: Neoproterozoic Glacial Lakes from Svalbard DOI 10.1126/science.1165373 Typ Journal Article Autor Bao H Journal Science Seiten 119-122