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Medienbildung im Volksschulalter

Media Literacy at Primary Age

Christian Swertz (ORCID: 0000-0002-5050-1722)
  • Grant-DOI 10.55776/P20876
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2008
  • Projektende 30.06.2012
  • Bewilligungssumme 304.639 €

Wissenschaftsdisziplinen

Erziehungswissenschaften (70%); Soziologie (30%)

Keywords

    Media Education and Media Literacy, Media, Popular Culture and New Technolog, Audience Research, New Literacies / Multimodal Literacies, Action Reseach

Abstract Endbericht

Das vorliegende Forschungsprojekt untersucht die Genese schulischer Medienkultur als Verständigungsprozess zwischen LehrerInnen und SchülerInnen vor dem Hintergrund privater medialer Praktiken. Die Hypothese ist, dass die schulische Medienkultur als Aushandlungsprozess vor dem Hintergrund des privaten Mediennutzungsverhalten geprägten medialen Habitus der LehrerInnen und SchülerInnen verstanden werden kann. Das Projekt zielt auf folgende drei Forschungsergebnisse: Erstens werden durch eine Triangulation quantitativer und qualitativer Forschungsmethoden in einem Querschnittsdesign die Mediennutzung von Kindern, die Bedeutung der Populärkultur und neuer Medientechnologien zu Hause und in der Schule sowie die medialen Praktiken von Eltern und LehrerInnen erhoben. Die Forschungsfrage ist darauf gerichtet, vor dem Hintergrund divergierender privater Mediennutzung das soziale und kulturelle Umfeld, in dem Kinder sowohl `traditionelle` Lese/Schreibfähigkeiten wie auch neue mediale Lese/Schreibfähigkeiten (`new literacies`) entwickeln, zu untersuchen und die Spannungen und Widersprüche, die aus den divergierenden privaten Medienkulturen von LehrerInnen und SchülerInnen resultieren, im Wechselspiel zwischen theoretischem Vorverständnis und erhobenen Daten abzubilden. Zweitens wird danach gefragt, wie Medienbildung und mediale Literalität in der Schule gefördert werden können, und identifiziert, welche inneren und äußeren Barrieren der erfolgreichen Integration von Medienbildung in österreichischen Volksschulen im Wege stehen. Hierbei wird auf ein Habensmodell der Medienbildung und das Konzept der `new` oder `multiple` literacies Bezug genommen wird. Dazu werden ein theoretischer Rahmen und Beobachtungs- bzw. Beurteilungswerkzeuge entwickelt, die es ermöglichen, die kindliche Beschäftigung mit Medien und schulische Medienkultur zu verstehen, die Funktion von Medien in Lernprozessen zu beschreiben und die Bedingungen medienbildender Massnahmen und Medienprojekten in der Volksschule darzustellen. Drittens zielt das Forschungsprojekt darauf ab, zur Entwicklung eines kohärenten Modells der Lernprogression für den Bereich der Medienbildung beizutragen. Eine Langzeitstudie in Form von Aktionsfoschungsprojekten, im Rahmen derer LehrerInnen eine Reihe von aufeinander aufbauenden Projekten zu Medienerziehung in der Volksschule entwickeln, wird in einem Längsschnitt die Lernerfahrungen der SchülerInnen nachzeichnen. Das Forschungsprojekt wird die Wirkung der Aktionsforschungsprojekte untersuchen, in Hinblick auf die Entwicklung eines pädagogischen Rahmenkonzeptes, welches die Kontinuität des Lernens und Lernprogression von analytisch- kritischen Fähigkeiten und praktisch-kreativen Fertigkeiten der Medienproduktion, bzw. multimodalen Textproduktion unterstützt. Zugleich soll auch ein Einblick in die Lernerprozesse und Erfahrungen der LehrerInnen bei der Umsetzung in Hinsicht auf deren eigene Professionalisierung gewonnen werden.

Menschen benutzen Medien wie das Gespräch, Fernseher, Schultafeln, Bücher oder das Internet regelmäßig im privaten und beruflichen Alltag. Dabei gibt es deutliche Unterschiede im Umgang mit den Medien: Während manche Menschen am liebsten mobile Internetzugänge oder Gespräche verwenden, ziehen andere Menschen Bücher oder Musik- CDs vor. Dieser unterschiedliche Umgang mit Medien ist verbunden mit individuellen Einstellungen und Überzeugungen. Diese medienbezogenen Einstellungen und Überzeugungen werden als medialer Habitus bezeichnet. Der mediale Habitus kommt in einem bestimmten Mediengeschmack zum Ausdruck und entsteht vor allem während der Kindheit und Jugend durch den Mediengeschmack in der Familie, aber auch durch den Mediengeschmack der gesellschaftlichen Gruppen, an denen Menschen teilnehmen. Mit dem medialen Habitus sind bestimmte Erwartungen an die Verständigung über Wissen verbunden. Ein Mensch, der gerne fernsieht, schätzt andere Darstellungen von Wissen als ein Mensch, der gerne Bücher liest. Die Vermutung ist nun, dass z.B. Menschen, die gerne Bücher lesen, Schwierigkeiten haben, Wissen so mitzuteilen, dass es für Menschen, die gerne fernsehen, gut verständlich ist. Diese Vermutung wurde im Projekt Medien im Volksschulalter in Kooperation mit Volksschulen in Wien untersucht. Dazu wurde eine Erhebung mit 1.130 TeilnehmerInnen und ausführliche Befragungen mit 30 SchülerInnen und LehrerInnen durchgeführt. Ergänzend wurden Unterrichtsmaterialien und Unterrichtsreihen zur Vermittlung von Medienkompetenz entwickelt und erprobt. Die Ergebnisse zeigen, dass die medienbezogenen Einstellungen und Überzeugungen mit der Theorie des medialen Habitus erfasst werden können. Unterschiedliche mediale Habitus konnten sowohl mit der Erhebung als auch mit den Befragungen beschrieben werden: Während viele LehrerInnen Bücher und Audiomedien (Musik-CDs, Hörbücher etc.) bevorzugen, ist das nur bei einem Teil der SchülerInnen der Fall. Für einen größeren Anteil der SchülerInnen sind Computertechnologie oder das Fernsehen wichtiger. Diese Unterschiede können die Verständigung über Wissen in der Schule beeinflussen: Während für SchülerInnen, die wie die meisten LehrerInnen Bücher und Audiomedien bevorzugen, die Art und Weise, wie Wissen im Rahmen dieses medialen Habitus mitgeteilt wird, verständlich ist, ist das für SchülerInnen, die andere Medien bevorzugen, möglicherweise nicht der Fall. Günstig ist es dann, die mediendidaktische Vielfalt in der Schule zu erhöhen und neben Büchern auch häufiger mit Videos oder Internetangeboten zu arbeiten.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • David Buckingham, Loughborough University - Vereinigtes Königreich
  • Andrew Burn, University of London - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 264 Zitationen
  • 2 Publikationen
Publikationen
  • 2018
    Titel Two mechanisms of nanoparticle generation in picosecond laser ablation in liquids: the origin of the bimodal size distribution
    DOI 10.1039/c7nr08614h
    Typ Journal Article
    Autor Shih C
    Journal Nanoscale
    Seiten 6900-6910
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Impact of lattice dynamics on the phase stability of metamagnetic FeRh: Bulk and thin films
    DOI 10.1103/physrevb.94.174435
    Typ Journal Article
    Autor Wolloch M
    Journal Physical Review B
    Seiten 174435
    Link Publikation

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