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Vom ´Text´ zur ´Performanz´. Neue Aspekte der Geschichte der Wiener Juden

From ´Text´ to ´Performance´. New Aspects of the History of Viennese Jews

Klaus Hödl (ORCID: 0000-0002-0356-4368)
  • Grant-DOI 10.55776/P21041
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 16.07.2008
  • Projektende 15.01.2011
  • Bewilligungssumme 160.104 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (60%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%)

Keywords

    Jews, Anti-Semitism, Performance, Yiddish Theatre, Vienna, Synagogue

Abstract Endbericht

Der vorliegende Text stellt ein Ansuchen um eine Verlängerung des laufenden Projektes Vom Text` zur Performanz`. Neue Aspekte zur Geschichte der Juden Wiens im Fin de Siècle dar. Im Rahmen meiner Arbeit haben sich neue Fragestellungen ergeben und neue Forschungsfelder aufgetan, die mit Hilfe des Nachfolgeprojektes beantwortet und bearbeitet werden sollen. Der Antrag ist in vier Bereiche untergliedert. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit theoretischen Fragestellungen, die aus der Verwendung von Performanz als methodischem Ansatz zur Erforschung jüdischer Geschichte resultieren. Sie beziehen sich u. a. auf die Verfassung eines historischen Narrativs auf Grundlage diskreter performativer Akte und auf den Übergang von der Beschreibung zur Erklärung performativer Ereignisse. Der zweite Teil ist dem jiddischen Theater gewidmet. Partiell wird an die Fragestellungen des laufenden Projektes angeknüpft, gleichzeitig aber in zeitlicher wie auch geographischer Hinsicht darüber hinausgegangen. Ein weiteres Untersuchungsfeld stellen Translationen` von klassischen europäischen Dramen ins Jiddische dar. Im dritten Kapitel werden jüdische performative Aktivitäten untersucht. Dabei handelt es sich um eine Abkehr vom derzeitigen Projekt, das Interaktionen zwischen Juden und Nichtjuden untersucht. Trotzdem werden damit nicht allein innerjüdische kulturelle Prozesse nachgezeichnet (siehe dazu Ausführungen im ersten Untersuchungsfeld). Die Forschungsgebiete beziehen sich auf die Rollen, die Rabbiner und Kantoren beim Gottesdienst einnehmen, wie auch auf die Innenarchitektur der Synagoge und deren Einfluss auf die Gottesdienstgestaltung. Im letzten Teil des Projektes soll der performative Ansatz auf dem Gebiet der Antisemitismusforschung angewandt werden. Dabei werden antisemitische Artikulationen untersucht, die sich aus Begegnungen von Juden und Nichtjuden ergeben.

Die Forschungsarbeit hat neue Herangehensweisen zur jüdischen Identität und zu jüdisch-nichtjüdischen Beziehungen untersucht und herausgearbeitet. Dabei wurde Performanz als ein entsprechender Ansatz verwendet. Zudem wurden das jiddische Theater sowie Performanz auf dem Gebiet des Gottesdienstes und des Antisemitismus erforscht. Die Projektarbeit hat zu neuen Perspektiven auf das jüdische Theater in Wien geführt und es in einen größeren Kontext mit Entwicklungen der jüdischen Bühne in Osteuropa sowie in den Vereinigten Staaten, vor allem New York, integriert. Es konnte nachgewiesen werden, dass das jüdische Theater viel beliebter unter Nichtjuden war, als bisher angenommen wurde, und dass die Beschäftigung mit jüdischer und nichtjüdischer Kultur als zwei deutlich voneinander unterschiedene kulturelle Gebiete eine heikle Angelegenheit, wenn nicht gar ein falsches Unterfangen ist. Durch die Anwendung des Konzepts der Performanz in der religiös-liturgischen Sphäre konnten binäre Kategorisierungen wie die von Wiener und osteuropäischen Juden oder von liberalen und orthodoxen Juden aufgebrochen werden. Die Verwendung von Performanz als methodische Herangehensweise half, die Geschichte der Wiener Juden an der Wende zum 20. Jahrhundert in allgemeine kulturelle Prozesse einzubinden und dabei Grenzmarkierungen zwischen Juden und Nichtjuden zu verwischen. Letztlich konnten mit dem Projekt unterschiedliche Thesen über Performanz als methodischer Ansatz zur Bestimmung der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden bestätigt werden. Durch die Verwendung von Performanz als methodische Herangehensweise kann mehr und besseres Wissen über die Geschichte der Wiener Juden erlangt werden.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%

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