Ursprung und Domestikation der Altweltkamele (Camelini)
Origin and domestication of the Old World camelids (Camelini
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Camelus bactrianus (ferus),
Camelus dromedarius,
Populationsgenetik,
Mitochondriale Phylogenie,
Conservation genetics,
In-situ conservation
Ein fehlendes Bindeglied in der Domestikationsgeschichte unserer Haustiere ist die Abstammung der Altweltkamele (Camelini), des zweihöckrigen Kamels (Trampeltier; C. bactrianus) und Dromedars (C. dromedarius). Im Gegensatz dazu sind die genetischen Ursprünge unserer großen Haustierrassen (Rind, Schaf, Ziege, Pferd, etc.) weit gehend untersucht. Das Ziel dieser Arbeit ist die Erforschung des genetischen Ursprungs und der Domestikation der Zweiköckrigen Kamele und Dromedare mittels molekulargenetischen Evolutionsanalysen. Aufgrund von zooarchäologischen Funden und basierend auf den Ergebnissen unserer Vorarbeiten zu diesem Projekt nehmen wir an, dass Trampeltier und Dromedar von getrennten Vorfahren abstammen und sich unabhängig voneinander entwickelt haben. Diese Hypothese steht im Gegensatz zu früheren Vermutungen über eine gemeinsame Abstammung der Altweltkamele. Mittels molekulargenetischer Analysen von Kamelproben, die aus dem heutigen Verbreitungsgebiet, sowie von den letzten Wildkamelen (C. ferus) in der Mongolei und China stammen, werden die genetischen Ursprünge sowie die genetische Diversität der Altweltkamele untersucht. Im Rahmen internationaler Kooperationen stehen uns des weiteren historische und prähistorische Proben des ausgestorbenen Riesenkamels (C. thomasi), des einhöckrigen Wildkamels (Camelus sp.) und von domestizierten Zweihöckrigen Kamelen und Dromedaren zur Verfügung. In Anbetracht der Tatsache, dass die Wildvorfahren unserer Haustiere ein Reservoir genetischer Vielfalt darstellen, wird dieses Projekt vor allem auch zur in-situ Arterhaltung des vom Aussterben bedrohten Wildkamels (C. ferus) und damit zur Erhaltung der Biodiversität unserer Haustiere beitragen.
Die Geschichte von Mensch und Kamel ist eng miteinander verknüpft, vor allem in ariden Regionen, in denen Menschen ohne diese außergewöhnlichen Tiere nicht überleben könnten. Zunehmende Trockenheit, eine der Folgen des globalen Klimawandels, betrifft immer größere Gebiete und rückt somit Kamele als unentbehrliche und nachhaltige Nutztiere in den Focus von Wirtschaft und Wissenschaft. Altweltkamele (Camelus bactrianus und Camelus dromedarius) gehören zu den zuletzt domestizierten Haustierarten, vor ca. 3000 bis 6000 Jahren. Die einzig noch lebende Wildkamelart, das zweihöckrigen Wildkamel (Camelus ferus), existiert nur noch in sehr kleinen Gruppen in der Mongolei und in China. Im Gegensatz zu vorangegangenen Annahmen, dass es sich bei diesen Tieren um ausgewilderte Hauskamele handelt, konnten wir nachweisen, dass sie tatsächlich eine eigene Spezies bilden. Diese spaltete sich vor ca. 0.5 1.2 Millionen Jahren von einem gemeinsamen Vorfahren mit den Trampeltieren ab. Ähnlich wie bei den Wildpferden gehen wir nun davon aus, dass die heutigen Wildkamele zwar eng verwandt mit den Trampeltieren, aber nicht deren direkte Vorfahren sind. Für die Domestikation der zweihöckrigen Kamele wurde ein Pool von Tieren rekrutiert, die sich deutlich von den heute lebenden Wildkamelen unterscheiden. Seit ihrer Domestikation hatten Dromedare eine Schlüsselrolle in der Verbreitung und ErhaltungvonZivilisationen.Mit ihrer Anpassungsfähigkeitanextremste Umweltbedingungen übertrafen sie dabei alle anderen Säugetiere in ariden Regionen. Das Potential der "Wüstenschiffe" wurde in Karawanen genutzt, die auf historischen Routen vom Indischen Ozean bis zum Mittelmeer zogen und asiatische, afrikanische und europäische Kulturen miteinander verbanden. Die Ergebnisse unserer Studie spiegeln diesen extensiven Austausch wieder und zeigen eine unerwartet hohe globale genetische Vielfalt in der heutigen Dromedarpopulation. Durch die Analysen von mehr als tausend Dromdaren sehen wir, dass sich zwei ursprüngliche mütterliche Linien durch den Domestikationsprozess erhalten haben, die mindestens sechs weibliche Gründertiere umfassen. Diese anfängliche Diversität ist erstaunlich hoch angesichts der räumlich und zeitlich limitierten Koexistenz von Wilddromedaren und früh-domestizierten Tieren auf der Arabischen Halbinsel. Angesichts der Problematik von nachhaltiger Landwirtschaft in zunehmend trockenen Gebieten sind unsere Ergebnisse von hoher Bedeutung für die Öffentlichkeit. Die Kostenwirksamkeit von Kamelen, der hohe Insulingehalt ihrer Milch und die Besonderheiten des Immunsystems erwecken erneut medizinisch-wissenschaftliches Interesse an diesen außergewöhnlichen Tieren.
- Joris Peters, Freie Universität Berlin - Deutschland
- Hooshang Ziaie, Environment Conservation Department of Iran - Iran
- Oliver Hanotte, International Livestock Research Institute ILRI - Kenya
- Badamjav Lhagvasuren, Mongolian Academy of Sciences - Mongolei
- Khorloojav Tumennasan, Mongolian Academy of Sciences - Mongolei
- Viktor Lukarevskii, Russian Academy of Sciences - Russland
- Yang Weikang, Chinese Academy of Sciences - Taiwan
- Han Jianlin, Gansu Agricultural University - Taiwan
Research Output
- 289 Zitationen
- 5 Publikationen
-
2015
Titel Validating local knowledge on camels: Colour phenotypes and genetic variation of dromedaries in the Nigeria-Niger corridor DOI 10.1016/j.livsci.2015.07.008 Typ Journal Article Autor Abdussamad A Journal Livestock Science Seiten 131-136 Link Publikation -
2016
Titel Ancient and modern DNA reveal dynamics of domestication and cross-continental dispersal of the dromedary DOI 10.1073/pnas.1519508113 Typ Journal Article Autor Almathen F Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Seiten 6707-6712 Link Publikation -
2010
Titel High mitochondrial differentiation levels between wild and domestic Bactrian camels: a basis for rapid detection of maternal hybridization DOI 10.1111/j.1365-2052.2009.01993.x Typ Journal Article Autor Silbermayr K Journal Animal Genetics Seiten 315-318 Link Publikation -
2011
Titel Phylogeography, genetic structure and population divergence time of cheetahs in Africa and Asia: evidence for long-term geographic isolates DOI 10.1111/j.1365-294x.2010.04986.x Typ Journal Article Autor Charruau P Journal Molecular Ecology Seiten 706-724 Link Publikation -
2013
Titel Estimating the Population Mutation Rate from a de novo Assembled Bactrian Camel Genome and Cross-Species Comparison with Dromedary ESTs DOI 10.1093/jhered/est005 Typ Journal Article Autor Burger P Journal Journal Of Heredity Seiten 933-940 Link Publikation