Neue Antikrebswirkstoffe aus chinesischen Pflanzenextrakten
Novel anticancer compounds from Chinese plant extracts
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (80%); Chemie (20%)
Keywords
-
Chinese Medicinal Plant Extracts,
Anticancer Compounds,
Activity Guided Isolation,
Cytotoxicity
Krebs liegt mit einem Prozentsatz von 12% in Österreich und Deutschland an zweiter Stelle aller Todesursachen. Naturstoffe haben sich als wichtige Quelle für die Entwicklung neuer Wirkstoffe mit Antikrebseigenschaften erwiesen. In einem Pilotprojekt des Antragstellers in Kooperation mit Joanneum Research Graz, dem Institut für Toxikologie der Universität Mainz und dem Institut für Botanik in Kunming (Chinesische Akademie der Wissenschaften) wurden 23 aktive Extrakte aus einer Gesamtanzahl von 256 getesteten Extrakten identifiziert, die eine starke Hemmwirkung gegen die menschliche Leukämiezelllinie CCRF-CEM besaßen. Aus diesen wurden 8 Extrakte von 5 verschiedenen Pflanzen aufgrund ihrer außerordentlichen Aktivität gegen Leukämiezellen (mehr als 90 % Hemmung des Zellwachstums) und der Tatsache, dass die Wirkstoffe noch unbekannt sind, ausgewählt. Diese aktiven Extrakte wurden durch chromatographische Methoden fraktioniert und erneut getestet. Dabei wurden 42 höchst aktive Fraktionen identifiziert. Hauptziel des Projektes ist die Isolierung der Wirkstoffe aus diesen Fraktionen. Sie soll mit einer Strategie erfolgen, die als "activity guided isolation" bezeichnet wird. Damit wurden z.B. auch die Krebsmedikamente Paclitaxel oder Camptothecin gefunden. Dies bedeutet, dass jeder aktive Extrakt in Fraktionen aufgetrennt wird, die anschließend wieder in Cytotoxizitäts-Tests untersucht werden. Aktive Fraktionen werden wieder in weitere Fraktionen aufgetrennt, die wieder getestet werden usw. bis am Ende die Reinstoffe erhalten werden. Die für die Testungen erforderlichen Zelllinien sind am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften (CCRF-CEM leukaemia cells, MDA-MB-231 breast cancer cells, HCT116 colon cancer cells, and U251 CNS cancer cells) bzw. am Deutschen Krebsforschungsinstitut (MCF-7, MX-1, und MDA-MB-231 Brustkrebszellen, SK-OV-3 Ovarialkarzinomzellen, AN2CA Endometriumkarzinomzellen, HeLa Zervixkarzinomzellen, A549, LX1, und LXF289 Bronchialkarzinomzellen, PC-3, DU-145, and DAN-G Prostatakrebszellen, DLD1, HCT 116, und CX1 Darmkrebszellen, U87-MG, U937, und U251 Gehirntumorzellen, MeWo, MEL 154, und SK-MEL28 Melanomzellen sowie ACHN, MRI-H-121 und 769 Nierenkrebszellen) vorhanden und werden dort getestet. Die aktiven Reinstoffe sollen im Anschluss in weiteren mechanistischen Assays untersucht werden. Normalerweise führt das Verfahren der "activity guided isolation" zielgerichtet zu den aktiven Inhaltsstoffen und es sind keine alternativen Strategien nötig. Trotzdem kann in seltenen Fällen während des Isolationsprozesses die Aktivität verloren gehen. Das bedeutet meist, dass die aktiven Stoffe instabil sind. Diese Tatsache kann durch eine umfassende Analyse des Extraktes vor und nach der Fraktionierung aufgeklärt werden, wobei die Unterschiede dann direkt auf die instabilen und damit vermutlich für die verloren gegangene Wirkung verantwortlichen Stoffe hindeuten. Wenn Instabilität der Inhaltsstoffe auftritt, sollen sanftere Isolierungstechniken angewandt werden. Eine zweite Erklärung für den Verlust der Aktivität könnte sein, dass synergistische Effekte für die Aktivität verantwortlich sind. Diese Tatsache kann durch nachträgliche Kombinierung inaktiver Fraktionen bzw. Substanzen, die aus einem aktiven Extrakt hervorgegangen sind, aufgeklärt werden. Die aktiven Fraktionen, die getestet werden sollen, stammen von folgenden Pflanzen: Hydnocarpus anthelmintica (Flacourtiaceae, extract HA-E1), Eleutherococcus senticosus (Araliaceae, extract ES-E1), Lonicera japonica extract (Caprifoliaceae, extract LJ-E1), Caesalpinia sappan (Caesalpiniacea, extracts CS-E1 and CS-E2), Confidential plant (Euphorbiaceae, extracts BJ- E1, BJ-E2 and BJ-E3). Anschließend werden in einem nachfolgenden Projekt die wirksamen Inhaltsstoffe mit wachstumshemmenden Eigenschaften an soliden Tumorzelllinien validiert (MCF-7, SK-OV-3, A549, PC-3, DLD1, U87, MeWo). Die sensitivsten Zelllinien sollen als Xenograft-Tumore auf Nacktmäuse transplantiert werden um die Wirkung der aktiven Verbindungen auch in vivo zu testen. Zusätzlich soll die Toxizität auch an gesunden Geweben getestet werden. Substanzen, die in vitro und in vivo Wirkung zeigen, sollen in low und high density Microarrays mit krebsrelevanten Genen hinsichtlich ihres Wirkmechanismus untersucht werden.
Schätzungsweise werden 700 bis 800 Pflanzen in der traditionellen Chinesichen Medizin (TCM) verwendet, um Krebs oder verwandte Symptome zu behandeln. Mehrere etablierte Zytostatika wie Placlitaxel und Camptothecin wurden bereits aus (TCM) Pflanzen isoliert oder haben eine direkte Beziehung dazu. In vorausgehenden Untersuchungen wurde von unserer Gruppe eine Datenbank mit über 560 Arten, mit denen Krebs oder Geschwüre behandelt werden, erstellt. Im aktuellen Projekt wurden sieben dieser Pflanzen, die auf der Grundlage eines ersten Screenings ausgewählt wurden, bezüglich ihrer Anti-Krebs Wirkung untersucht. Diese Pflanzen waren Bischofia javanica Blume, Caesalpinia sappan L., Eleutherococcus senticosus (Rupr. & Maxim.) Harms., Hydnocarpus anthelminthica Pierre ex Laness., Onosma paniculata Burr. & Franch., Periploca sepium Bunge, und Saussurea lappa Clarke. Ziel war die Isolierung und Identifizierung von Verbindungen, die für die zytotoxische Wirkung verantwortlich sind. Von jeder Pflanze wurden Extrakte unterschiedlicher Polaritäten hergestellt und getestet, ob sie das Wachstum von verschiedenen Krebszelllinien in vitro hemmten. Die aktiven Extrakte wurden dann einer aktivitätsgerichteten Fraktionierung unterzogen. Mittels chromatographischer Techniken wurden sie weiter aufgetrennt und so erhaltene Fraktionen weiter analysiert und verarbeitet. Die erhaltenen Reinstoffe wurden schließlich mit Hilfe verschiedener spektroskopischer Techniken, wie NMR, MS und CD, identifiziert. Der vielversprechendste Kandidat war Onosma paniculata, eine Pflanze, deren Wurzeln traditionell genutzt werden, um insbesondere Tumore, Schnitte, Dermatitis und Verbrennungen zu behandeln. Fünf aktive Verbindungen, alles Shikoninverbindungen, konnten isoliert und identifiziert werden. Der aktivste und Hauptwirkstoff, Dimethylacrylshikonin, wurde bezüglich seines Wirkungsmechanismus in Krebs-, insbesondere in Melanom-Zelllinien weiter untersucht. Bisher durchgeführte Experimente deuten darauf hin, dass es einen programmierten Zelltod induziert und Proteine beeinflusst, die beim Zelltod, dem Zellüberleben und Arzneimittel-Resistenzen beteiligt sind. Diese Verbindung und ihre Wirkungsweise werden Forschungsinhalt in einem Folgeprojekt sein. Aus Caesalpinia sappen (Brazilin, Sappanchalcone und Sappanol), Periploca sepium (Periplocin, Glucosyl-Divostrosid, Periplocymarin, Periplogenin, Periplocoside M und einige weitere), und Saussurea lappa (Costunolid und Dehydrocostus Lactone) wurden ebenfalls aktive Verbindungen isoliert.
- Joanneum Research - 15%
- Universität Graz - 85%
- Herbert Böchzelt, Joanneum Research , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Thomas Efferth, Johannes Gutenberg-Universität Mainz - Deutschland
Research Output
- 277 Zitationen
- 12 Publikationen
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2010
Titel A petrol ether extract of the roots of Onosma paniculatum induces cell death in a caspase dependent manner DOI 10.1016/j.jep.2010.02.006 Typ Journal Article Autor Rinner B Journal Journal of Ethnopharmacology Seiten 182-188 -
2010
Titel Effects of dimethylacrylshikonin and epoxyshikonin on melanoma cell lines DOI 10.1055/s-0030-1264656 Typ Journal Article Autor Kretschmer N Journal Planta Medica -
2010
Titel Authentication and identification of Chinese plant materials Periploca sepium Bunge, Acanthopanax gracilistylus W. W. Smith and Acanthopanax senticosus (Rupr. & Maxim.) Harms. DOI 10.1055/s-0030-1264302 Typ Journal Article Autor Wagner S Journal Planta Medica -
2010
Titel Abstracts from the 10th Euroconference on Clinical Cell Analysis of the European Society for Clinical Cell Analysis (ESCCA) and the Iberian Society for Cytometry (SIC) DOI 10.1002/cyto.b.20563 Typ Journal Article Journal Cytometry Part B: Clinical Cytometry Seiten 406-459 Link Publikation -
2009
Titel Activity-Guided Isolation of Anti-Tumor Compounds from Saussurea lappa Clarke DOI 10.3797/scipharm.oephg.21.po-47 Typ Journal Article Autor Kretschmer N Journal Scientia Pharmaceutica Seiten 246 Link Publikation -
2018
Titel Periplocin, the most anti-proliferative constituent of Periploca sepium, specifically kills liposarcoma cells by death receptor mediated apoptosis DOI 10.1016/j.phymed.2018.10.008 Typ Journal Article Autor Lohberger B Journal Phytomedicine Seiten 162-170 -
2012
Titel Effect of Costunolide and Dehydrocostus Lactone on Cell Cycle, Apoptosis, and ABC Transporter Expression in Human Soft Tissue Sarcoma Cells DOI 10.1055/s-0032-1315385 Typ Journal Article Autor Kretschmer N Journal Planta Medica Seiten 1749-1756 Link Publikation -
2012
Titel Naphthoquinones from Onosma paniculata Induce Cell-Cycle Arrest and Apoptosis in Melanoma Cells DOI 10.1021/np2006499 Typ Journal Article Autor Kretschmer N Journal Journal of Natural Products Seiten 865-869 Link Publikation -
2012
Titel Antimicrobial and Cytotoxic Isohexenylnaphthazarins from Arnebia euchroma (Royle) Jonst. (Boraginaceae) Callus and Cell Suspension Culture DOI 10.3390/molecules171214310 Typ Journal Article Autor Damianakos H Journal Molecules Seiten 14310-14322 Link Publikation -
2013
Titel Sesquiterpene Lactones Downregulate G2/M Cell Cycle Regulator Proteins and Affect the Invasive Potential of Human Soft Tissue Sarcoma Cells DOI 10.1371/journal.pone.0066300 Typ Journal Article Autor Lohberger B Journal PLoS ONE Link Publikation -
2011
Titel Cytotoxic Furanogermacranolides from the Flowers of Helianthus angustifolius DOI 10.1055/s-0031-1279994 Typ Journal Article Autor Kretschmer N Journal Planta Medica Seiten 1912-1915 -
2011
Titel Comparison of the cytotoxicity and antimicrobial activity of several isohexenylnaphthazarins DOI 10.1055/s-0031-1282957 Typ Journal Article Autor Kretschmer N Journal Planta Medica