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Die Architektur des Stupa im indo-tibetischen Buddhismus

The Architecture of the Stupa in Indo-Tibetan Buddhism

Gerald Kozicz (ORCID: 0000-0003-1107-8615)
  • Grant-DOI 10.55776/P21139
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2009
  • Projektende 28.02.2013
  • Bewilligungssumme 203.490 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Bauwesen (80%); Philosophie, Ethik, Religion (20%)

Keywords

    Stupa, Form, Buddhism, Spatial Configuration, Proportion, Mandala

Abstract Endbericht

Mit der Integration kosmologischer Konzepte zu Beginn des Mahayana Buddhismus wurde auch die symbolische und architektonische Rolle des Stupa neu definiert. In der Folge wurde im aufkommenden Vajrayana Buddhismus die Anordnung der "Fünf Buddhafamilien" basierend auf einem zentralen Buddha und vier Bauddhawesenheiten in den Kardinalspunkten zur Grundlage der idealen Raumordnung. So kam es ausgehend von Bengalen im 7./8. Jahrhundert zur Standardisierung des allgemein als cruciform temple bezeichneten Bautypus, der auf einer symmetrischen Anordnung von vier Raumelementen um einen zentralen Stupa basiert. Konzeptionell betrachtet wurde der Stupa damit zum Zentrum einer idealen, geometrisch exakt definierten Mandala-Architektur. Parallel zu dieser neuen Kombination von Tempelarchitektur und Stupa wurden Stupa-Typen entwickelt, die auch als solitäre Elemente bereits die Mandala-Idee reflektierten. Diese architektonischen Konzepte verbreiteten sich innerhalb der gesamten Einflusssphäre des Vajrayana von Westtibet bis Java, wo der Borobudur noch heute die Komplexität dieses Ansatzes bezeugt. Im vorangegangenen Forschungsprojekt "Architekturprinzipien des frühen Vajrayana Buddhismus" wurden Indizien für dieses auf materieller wie auch symbolischer Ebene immer komplexer werdende Zusammenspiel von Raum und architektonischer Form bis in die westtibetische Architektur des 13. Jahrhunderts gesammelt. Ziel des neuen Projekts ist es, Form, Proportion und Aufbau einzelner Stupas zu analysieren und abgestimmt auf diese Auswertungsergebnisse eine systematische, formale Klassifizierung dieser frühen Stupas vorzunehmen. Das ermöglicht, einzelne Stupas typologisch einzuordnen und nachvollziehbar zu vergleichen, sowie Stupas im übergeordneten räumlich-geometrischen Bezug zu anderen architektonischen Elementen systemisch zu erklären und darzustellen. Das detaillierte Nachvollziehen dieser Entwicklung und die Darstellung des Kontexts von architektonischem Raum und Stupa sind damit unerlässlich für das Verständnis dieser frühen Phase der tibetischen Architektur als Gesamtes. Auf Grund des direkten Zusammenhangs von Objekt, Raum und Ritual ist das Studium dieser Architektur von wesentlicher Bedeutung. Ein Teil der Studie widmet sich Votivstupas aus Holz, die vermutlich eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der Lehre spielten, ähnlich den Mandalaskizzen, welche an der Seidenstraße gefunden wurden. Jüngste klimatische Umbrüche in allen infrage kommenden Regionen sowie zunehmend falsch durchgeführte Restaurierungen erhöhen den Zeitdruck, da viele dieser Monumente bald unkenntlich sein werden.

Der Stupa reflektiert wie kein anderes Symbol des Buddhismus die unterschiedlichen Ansätze und Entwicklungen der Lehre. Im Zentrum des Projekts stand die vermutlich prägnante Phase, nämlich die Endphase des Buddhismus in Indien und die parallel dazu verlaufende Frühphase eines zunehmend eigenständigen Zweiges der Lehre im tibetischen Kulturkreis. In dieser Phase setzt eine Entwicklung ein, die im intellektuellen Milieu des buddhistischen Tantrismus oder Vajrayana (auch Mantrayana) steht und in deren Zuge es zu wesentlichen Änderungen der Stupakonzeption kam. Aus dem vormals hermetischen, objekthaften Bauwerkstyp wurde eine auch im Inneren begehbare Architekturform. Der Schwerpunkt der Studie lag im westlichen Himalaya, da gerade hier entlang der transkontinentalen Handelsrouten sowohl unterschiedliche Stupatypen realisiert wurden, als auch mit der Zunahme des nach der Vernichtung des Buddhismus in Indien um 1200 CE im stärker werdenden zentraltibetischen Einfluss der Übergang von Frühformen zum standardisierten tibetischen Formenkanon deutlich nachvollziehen lässt. Die hier durchgeführten Bauaufnahmen wurden mit Bauwerksdokumentationen in Nordostindien (Bihar und Westbengalen) sowie mit Archivdaten von Anlagen an der Seidenstraße verglichen. Die Grundlagenarbeit umfasste daher 1) die Dokumentation und Aufnahme von Monumenten in Ladakh, Spiti und Lahul, 2) die detaillierte Dokumentation von religiösen Themen, die in und an Stupas visualisiert wurden wie Malereien, Reliefs oder eingestellte Skulpturen, 3) die gesamtheitliche Darstellung von Stupa und jeweiligem Inhalt in Form von architektonischen Plänen, Wandabwicklungen und Modellen. Dabei konnte in einigen Fällen eine räumliche komplexe Übereinstimmung von Mandalakonzeption und architektonischem Raumplan nachgewiesen werden. Am deutlichsten wird dies in den Laternendecken der Stupas der Alchi Gruppe, in denen Mandala, Raum und architektonische Umrissform um ein gemeinsames Zentrum, die vertikale Achse (axis mundi), organisiert wurden, das darüber hinaus auch noch betretbar war. Damit wurde die Idealvorstellung des tantrischen Buddhismus, das Zentrum des Mandala einnehmen zu können, auf fast perfekte Weise umgesetzt. Ebenso konnte die Verwendung der Zahl 108, die für die Anordnung von Stupas eine große Bedeutung spielt, auch innerhalb der Ordnung von ikonographischen Programmen in Stupas nachgewiesen werden. Der Stupa ist in der Übergangsphase (10.-14.Jh.) damit nicht mehr nur als Reliquienschrein Zentrum der klassischen Umwandlung und Anbetung, sondern wird zum betretbaren, räumlichen Modell, in dem Aspekte der tantrischen Lehre im räumlichen Kontext manifestiert werden. Neben diesem Schwerpunkt wurde auch eine Vielzahl von geschlossenen Stupabauwerken aufgenommen, deren Dokumentationen teilweise bereits im Netz frei zugänglich sind (http://stupa.arch-research.at/). Dabei konnte festgestellt werden, dass bei den frühen Stupaformen ein Variantenreichtum herrscht, der im tibetischen Buddhismus durch einen strengen Formenkanon, der darüber hinaus auch inhaltlich mit den großen Ereignissen im Leben des Glaubensgründers verknüpft wurde, verloren ging.

Forschungsstätte(n)
  • Bundesland Steiermark - 100%

Research Output

  • 3 Zitationen
  • 10 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Ushishavijaya: On the Relationship between a Buddhist Deity and her Architectural Framework in Ladakh.
    Typ Journal Article
    Autor Kimmet T
    Journal Orientations
  • 2012
    Titel The Temple of Triloknath – A Buddhist Nagara Temple in Lahul
    DOI 10.1080/02666030.2012.659897
    Typ Journal Article
    Autor Widorn V
    Journal South Asian Studies
    Seiten 15-35
  • 2010
    Titel Verdeckte Fugen.
    Typ Book Chapter
    Autor Kozicz G
  • 2010
    Titel The 12th Century Stupa Temple of Saspotse.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Kozicz G
    Konferenz Arslan, Saadet and Peter Schwieger (Ed.s) Tibetan Studies: An Anthology (Vol.23). Proceedings of the 11th Seminar of the International Association for Tibetan Studies
  • 2009
    Titel The Temples of Alchi Tsatsapuri: A Brief Introduction into the Architecture and the Iconographic Program'.
    Typ Journal Article
    Autor Kozicz G
    Journal Indo-Asiatische Zeitschrift
  • 2009
    Titel From Mainamati to Nyarma: Remarks on the Development from Cruciform to Oblong-shaped Temple Lay-outs'.
    Typ Journal Article
    Autor Kozicz G
    Journal Journal of Bengal Art
  • 2010
    Titel The Architectural Matrix of the Alchi Sumstek.
    Typ Journal Article
    Autor Kozicz G
    Journal Indo-Asiatische Zeitschrift
  • 2010
    Titel Why the Axis Does Not Conform to the Centre.
    Typ Book Chapter
    Autor Kozicz G
  • 2010
    Titel The "100-Stupa-Temple of Yarkhoto": A Comparative Study of the Architecture and its Symbolism.
    Typ Book Chapter
    Autor Kozicz G
  • 2011
    Titel Die Laternendecke: Von den Höhlentempeln Bamiyans zu den Stupas von Alchi.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Kozicz G
    Konferenz Kostka, Robert (Ed.) Wakhan: Talschaft zwischen Pamir und Hindukusch

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