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Kaiser Sigismund: Herrschaftspraxis in drei Reichen

Emperor Sigismund: Lordship in Practice in three Monarchies

Karel Hruza (ORCID: 0000-0002-6206-5411)
  • Grant-DOI 10.55776/P21198
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2008
  • Projektende 31.12.2012
  • Bewilligungssumme 480.994 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (90%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (10%)

Keywords

    Emperor Sigismund (1410/11-1437), Bohemia, Hungary, Late Middle Ages, Lordship, Charters, Communication

Abstract Endbericht

Sigismund von Luxemburg (1368-1437) erlangte die ungarische (1387), die römisch-deutsche (1410/11), die böhmische (1420) und die lombardische (1431) Königskrone. 1433 wurde er zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt. Die von ihm beherrschten Herrschaftskomplexe bildeten ein riesiges "Imperium", das sich auf die heutigen Staaten Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, Luxemburg, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Polen, Rumänien, Bulgarien und die Nachfolgestaaten Jugoslawiens erstreckte. Da Sigismund verstärkt als "Reisekönig" agierte, war er für seine "Untertanen" über lange Zeiträume hinweg ein "ferner" Kaiser und König und übte eine "Herrschaft von der Ferne" aus. Im Projekt soll untersucht werden, wie diese Situation, die hohe kommunikative Ansprüche stellte, Einfluss auf Rekrutierung und Wechsel des personellen Umfeldes Sigismunds und auf die Kommunikation zwischen Sigismund, seinem Hof und den mit diesen in Verbindung tretenden "Untertanen" nahm. Beantwortet soll zudem die Frage werden, welchen Ausdruck die damalige kommunikative Situation in der Quantität und Qualität der schriftlichen Zeugnisse gefunden hat. Als Basisarbeit sind zunächst grundlegende Archivrecherchen zu leisten. Wegen der großen Anzahl der Urkunden Sigismunds (ca. 20.000) soll dieser Themenkomplex an drei exemplarischen Herrschaftsräumen Sigismunds in Ostmitteleuropa untersucht werden: Ungarn 1413-1419 (ca. 900 zu übersetzende und erheblich zu ergänzende Regesten des ungarischen Zsigmondkori Oklevéltr), Böhmen (ca. 350-400 Urkunden aus Archiven) und Ober- und Niederlausitz und Schlesien (ca. 400 Urkunden aus Archiven). Als Ergebnis sind zwei Ergänzungshefte der Regesta Imperii XI (Böhmen, Ober- und Niederlausitz und Schlesien), die auch bei den "Regesta Imperii Online" mit open access eingestellt werden, eine Regestenpublikation bei den "Regesta Imperii Online" (Ungarn) und begleitende analytische Studien zu den oben angeführten Themen vorgesehen. Mit dem Projekt soll versucht werden, die Herrschaftspraxis Sigismunds als wichtige Übergangszeit von seinen Vorgängern Karl IV., Wenzel und Ruprecht, die noch "typisch" mittelalterlich regiert haben, zur bereits auf die Frühe Neuzeit verweisenden Herrschaftspraxis Friedrichs III. und Maximilians I. zu definieren. Weiters sollen die umfänglichen Urkundenbestände Sigismunds aus Ungarn der deutschsprachigen Forschung zugänglich gemacht und eine Neubearbeitung der Regesta Imperii XI in den historischen Ländern Böhmen, Ober- und Niederlausitz und Schlesien verwirklicht und so ein wichtiger Schritt bei der modernen editorischen Erschließung der ca. 20.000 Urkunden Sigismunds geleistet werden. Neben der laufenden Publikationstätigkeit der Projektmitarbeiter und ihrer Teilnahme an Tagungen sollen die Forschungsergebnisse des Projekts im letzten Projektjahr in einer zu veranstaltenden internationalen Tagung des Projekts präsentiert werden.

Das 20082012 laufende Projekt Der ferne Kaiser. Herrschaftspraxis, Netzwerke und Kommunikation Sigismunds von Luxemburg (13681437) als Kaiser und König der drei Reiche Deutschland, Ungarn und Böhmen war mit Mitarbeiter/innen aus Österreich, Deutschland, Slowakei, Tschechien und Ungarn international besetzt und in das österreichisch-deutsche Editionsunternehmen Regesta Imperii eingegliedert. Im Zuge des Projekts wurden wesentliche Forschungsergebnisse zu Herrschaft und Urkunden Sigismunds veröffentlicht: Der Konferenzband Kaiser Sigismund (13681437) Zur Herrschaftspraxis eines europäischen Monarchen (Wien 2012, 564 S.) mit 19 Beiträgen von Historiker/innen aus Österreich, Deutschland, Schweiz, Tschechien, Slowakei und Ungarn beleuchtet vielfältig Verwaltung, Konfliktlösung, Urkundenvergabe und zeremonielles Verhalten Sigismunds. Der erste Band der Neubearbeitung der Regesten (wissenschaftliche Abstracts von Urkunden) Sigismunds, J. F. Böhmer, Regesta Imperii XI. Regesten Kaiser Sigismunds (14101437). Band 1: Die Urkunden und Briefe aus den Archiven und Bibliotheken Mährens und Tschechisch-Schlesiens (Wien 2012, 303 S.), bedeutet nach mehr als 100 Jahren des editorischen Stillstands im deutschsprachigen Raum einen großen Schritt in der Edition der Urkunden und Briefe Sigismunds und demonstriert, dass viele nicht edierte und nicht bekannte Quellen des Kaisers gefunden werden können. Als Manuskript abgeschlossen ist die monografische Studie Herrschaft und Urkunden Sigismunds in Mähren. Die im Projekt geleistete Übersetzung und Nachbearbeitung der Regesten des ungarischen Zsigmondkori oklevéltr (Urkundenbuch des Zeitalters Sigismunds), deren erste Lieferung 2013 bei den Regesta Imperii-Online erscheint, wird eine große Anzahl Urkunden Sigismunds zuvorderst ungarischer Provenienz der (nicht ungarischen) Fachwelt zur Verfügung stellen und es ermöglichen, Sigismunds Herrschaft in Ungarn weitaus präziser in seine europäische Gesamtherrschaft einzugliedern und seine Herrschaft aus der Ferne klarer zu erfassen. Zu diesen Aspekten haben Projektleiter und mitarbeiter/innen Vorträge gehalten und Aufsätze publiziert. Des Weiteren wurden Urkunden Sigismunds aus Böhmen, der Ober- und Niederlausitz und Schlesien in bis auf wenige Ausnahmen allen relevanten Archiven und Bibliotheken ausgehoben und bilden die Basis für weitere Bände der Sigismund-Neubearbeitung innerhalb der Regesta Imperii. Die Mitarbeiter/innen waren auch an der Organisation der mehrtägigen internationalen Konferenz Kommunikation im Krieg im späten Mittelalter beteiligt, die 2011 in Prag veranstaltet wurde. Als großer Erfolg kann die auf Initiative des Projektleiters erfolgte Einrichtung einer Arbeitsstelle der Sigismund-Regesten an der Masaryk-Universität in Brno (CZ) gelten. Insgesamt konnte sich das Institut für Mittelalterforschung der ÖAW durch das an ihm angesiedelte Projekt, dessen Forschungsergebnisse und weit gefächerte Kooperationen viel Anerkennung gefunden haben, zu einem internationalen Zentrum der Sigismund-Forschung etablieren.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%

Research Output

  • 3 Zitationen
  • 22 Publikationen

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