Kognition und Emotionaler Hintergrund bei Kooperation
Cognitive tools and emotional context in canine cooperation
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (80%); Psychologie (20%)
Keywords
-
Cooperation,
Development,
Cognition,
Emotions,
Canine Study System,
Behaviour
Kooperation ist ein fundamentaler Aspekt unserer Gesellschaft und hat das Interesse vieler Forscher sowohl in der Psychologie als auch in der Wirtschaftswissenschaft geweckt. Die kooperativen Fähigkeiten der Menschen sind außergewöhnlich, aber erst ein Vergleich mit Tieren ermöglicht ein Verständnis der proximaten Mechanismen von Kooperation, deren evolutionären Ursprungs, deren funktionaler Relevanz sowie deren Entwicklung. Ziel unseres Projektes ist, mit neuen Ansätzen einen Einblick in die mechanistischen Grundlagen und evolutionären Funktionen von Kooperation und deren ontogenetischer Entwicklung zu gewinnen. Bei Hundeartigen ist Kooperation die Basis des Sozialsystems. Wölfe und Hunde sind daher ein ideales Modellsystem, um Kooperation mit Artgenossen und mit Menschen genauer zu untersuchen. Zwei Wolfsrudel (gesamt 16-20 Tiere) und zwei Hundegruppen (20 Tiere) sollen etabliert werden, indem die Tiere kontrolliert von Menschen aufgezogen werden. Die emotionale Entwicklung als wichtiger Motivationshintergrund für Kooperation wird analysiert, indem die sozialen Beziehungen innerhalb der Gruppen und die Reaktion auf die physikalische Umwelt durch eine Reihe von Tests untersucht werden Cortisolbestimmung aus dem Speichel erlauben eine Beurteilung der akuten Stressbelastung und damit auch der Persönlichkeit der Tiere, sie sind daher eine wichtige Ergänzung zu den Tests. Die Entwicklung der geistigen Leistungen, die für eine erfolgreiche Kooperation notwendig sind, wird analysiert, indem soziale Aufmerksamkeit und das Verständnis zwischen Ursache und Wirkung getestet werden. Eine Wiederholung dieser Tests in gewissen Zeiträumen ermöglicht es, die emotionale und kognitive Entwicklung zu verfolgen. Wenn die Tiere erwachsen sind, werden ihre potentiellen Kooperationsfähigkeiten mit Artgenossen und mit Menschen in einem Neophobie-Test und in dem Seilzieh-Test analysiert. Die unterschiedlichen Kooperationstests ermöglichen es, z.B. das Verständnis zwischen Ursache und Wirkung zu untersuchen (kognitives Verständnis) oder die Abhängigkeit der Kooperationsbereitschaft von einem bevorzugten Partner zu untersuchen (emotionale Einstellung). Das Projekt basiert auf erheblicher Erfahrung von Seiten der Antragsstellerin und ihrer Teamkollegen und wird außerdem von der Kollaboration mit Prof. Adam Miklosi (Department of Ethology, Eötvös University, Budapest) profitieren. Prof. Miklosi hat vor kurzem ein Wolf-Hund Projekt geleitet, bei dem es um die Mensch-Tier- Interaktionen bei hand-aufgezogenen Tieren ging. Eine Pilotstudie der Antragsteller und Prof. Kotrschal mit Wölfen des Schönbrunner Zoos bestätigt die Durchführbarkeit des Vorhabens. Ein weiteres Pilot Projekt in Zusammenarbeit zwischen dem Department of Ethology, Eötvös University Budapest und der Konrad Lorenz Forschungsstelle Grünau, Österreich, testet derzeit, ob Hunde prinzipiell auch gemeinsam an Seilen ziehen, um ein Futterstück zu bekommen. Weiterhin haben wir ein Wolfforschungszentrum aufgebaut (www.wolfscience.at), in dessen Rahmen das vorgeschlagene Projekt ablaufen soll.
Hunde sind seit ca. 15 000 Jahren ein Teil der menschlichen Gesellschaft und nehmen viele verschiedene Rollen in unserem Leben ein. Sie wurden gezüchtet und trainiert für verschiedenste Zwecke, angefangen vom Bewachen des Hauses, dem Unterstützen behinderter Menschen bis hin zum Einsatz bei der Jagd oder als Polizeihunde. In all diesen verschiedenen Tätigkeitsbereichen sind die Hunde auf ihre mentalen Fähigkeiten angewiesen: sie müssen viele Dinge lernen und oft eigene Entscheidungen treffen. Hunde stammen vom Wolf ab und obwohl wir wissen, dass sie sich im Zuge der Domestikation in verschiedenen Aspekten an das Zusammenleben mit Menschen adaptiert haben, ist nach wie vor nicht geklärt, ob und inwieweit sich ihre kooperativen Fähigkeiten und ihr Problemlösungsverhalten geändert haben. Eine populäre Hypothese unterstreicht die außergewöhnliche Kooperationsbereitschaft von Hunden und nimmt an, dass ihr, im Gegensatz zu Wölfen, zahmes und tolerantes Temperament ihnen ermöglich hat, geistig höhere Fähigkeiten zu entwickeln. Aber im Gegensatz zu freilebenden Hunden, ist für Wölfe die Kooperation mit Artgenossen (Aufzucht von Jungen, Verteidigung vom Revier und Jagen) im täglichen Leben sehr viel wichtiger und hat uns dazu geführt, eher die Kooperationsbereitschaft von Wölfen als potentielle Quelle für die Hund-Mensch Kooperation zu sehen statt der Domestikation. Am Wolfsforschungszentrum halten wir Hunde und Wölfe in Rudeln und sozialisieren sie sowohl mit Menschen als auch mit Artgenossen. Die identischen Haltungs- und Aufzuchtbedingungen erlauben uns, die beiden Arten miteinander zu vergleichen und Effekte der Domestikation auf die geistigen Fähigkeiten von Hunden zu untersuchen. Im sozialen Bereich haben wir gefunden, dass Hunde sehr gut sind in der Kommunikation mit dem Menschen, vor allem, wenn dieser sehr klare Signale gibt, wie zum Beispiel mit dem Finger auf etwas deuten. Wölfe hingegen sind besser als Hunde, sobald eher arttypische Signale verwendet werden (z.B. eine Drehung des Kopfes, um in eine bestimmte Richtung zu schauen) - unabhängig davon ob ein Mensch oder ein Artgenosse das Signal gibt. Andere Experimente haben gezeigt, dass Wölfe besser sind als Hunde, wenn es darum geht, von Artgenossen zu Lernen. Schlussendlich haben wir gefunden, dass Wölfe toleranter sind, wenn es darum geht, Futter mit Artgenossen zu teilen als Hunde. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass die Beziehungen mit Artgenossen für Wölfe wichtiger sind als für Hunde, während sich die Hunde eher zum Menschen wenden um Unterstützung zu bekommen. In Bezug auf das physikalische Verständnis und Angst gegenüber neuen Gegenständen, haben wir keine wirklichen Unterschiede zwischen den beiden Arten gefunden. Zusammenfassend zeigen diese Ergebnisse, dass die Unterschiede zwischen Wölfen und unserem besten Freund, dem Hund, nicht so klar sind, wie einst angenommen wurde und dass wir über neue Domestikationshypothesen nachdenken sollten.
- Adam Miklosi, Eötvös Loránd University - Ungarn
- Jeffrey Stevens, University of Nebraska at Lincoln - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 2611 Zitationen
- 37 Publikationen
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2015
Titel Testing the myth: tolerant dogs and aggressive wolves DOI 10.1098/rspb.2015.0220 Typ Journal Article Autor Range F Journal Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences Seiten 20150220 Link Publikation -
2015
Titel The Effect of Domestication on Inhibitory Control: Wolves and Dogs Compared DOI 10.1371/journal.pone.0118469 Typ Journal Article Autor Marshall-Pescini S Journal PLOS ONE Link Publikation -
2017
Titel Motivational Factors Underlying Problem Solving: Comparing Wolf and Dog Puppies' Explorative and Neophobic Behaviors at 5, 6, and 8 Weeks of Age DOI 10.3389/fpsyg.2017.00180 Typ Journal Article Autor Marshall-Pescini S Journal Frontiers in Psychology Seiten 180 Link Publikation -
2017
Titel Correction to Werhahn et al. (2016) DOI 10.1037/com0000056 Typ Journal Article Journal Journal of Comparative Psychology Seiten 49-49 -
2017
Titel The effects of domestication and ontogeny on cognition in dogs and wolves DOI 10.1038/s41598-017-12055-6 Typ Journal Article Autor Lampe M Journal Scientific Reports Seiten 11690 Link Publikation -
2016
Titel Play Behavior in Wolves: Using the ‘50:50’ Rule to Test for Egalitarian Play Styles DOI 10.1371/journal.pone.0154150 Typ Journal Article Autor Essler J Journal PLOS ONE Link Publikation -
2016
Titel Training Reduces Stress in Human-Socialised Wolves to the Same Degree as in Dogs DOI 10.1371/journal.pone.0162389 Typ Journal Article Autor Da Silva Vasconcellos A Journal PLOS ONE Link Publikation -
2016
Titel A comparison between wolves, Canis lupus, and dogs, Canis familiaris, in showing behaviour towards humans DOI 10.1016/j.anbehav.2016.09.023 Typ Journal Article Autor Heberlein M Journal Animal Behaviour Seiten 59-66 Link Publikation -
2016
Titel Critical issues in experimental studies of prosociality in non-human species DOI 10.1007/s10071-016-0973-6 Typ Journal Article Autor Marshall-Pescini S Journal Animal Cognition Seiten 679-705 Link Publikation -
2016
Titel Wolves (Canis lupus) and Dogs (Canis familiaris) Differ in Following Human Gaze Into Distant Space But Respond Similar to Their Packmates’ Gaze DOI 10.1037/com0000036 Typ Journal Article Autor Werhahn G Journal Journal of Comparative Psychology Seiten 288-298 Link Publikation -
2016
Titel A comparison between wolves, Canis lupus, and dogs, Canis familiaris, in showing behaviour towards humans DOI 10.5167/uzh-134993 Typ Other Autor Heberlein Link Publikation -
2016
Titel Investigating the Function of Play Bows in Dog and Wolf Puppies (Canis lupus familiaris, Canis lupus occidentalis) DOI 10.1371/journal.pone.0168570 Typ Journal Article Autor Byosiere S Journal PLOS ONE Link Publikation -
2015
Titel Tracking the evolutionary origins of dog-human cooperation: the “Canine Cooperation Hypothesis” DOI 10.3389/fpsyg.2014.01582 Typ Journal Article Autor Range F Journal Frontiers in Psychology Seiten 1582 Link Publikation -
2015
Titel The influence of relationships on neophobia and exploration in wolves and dogs DOI 10.1016/j.anbehav.2015.06.008 Typ Journal Article Autor Moretti L Journal Animal Behaviour Seiten 159-173 Link Publikation -
2014
Titel The evolution of self-control DOI 10.1073/pnas.1323533111 Typ Journal Article Autor Maclean E Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Link Publikation -
2014
Titel The Predictive Value of Early Behavioural Assessments in Pet Dogs – A Longitudinal Study from Neonates to Adults DOI 10.1371/journal.pone.0101237 Typ Journal Article Autor Riemer S Journal PLoS ONE Link Publikation -
2014
Titel Wolves Are Better Imitators of Conspecifics than Dogs DOI 10.1371/journal.pone.0086559 Typ Journal Article Autor Range F Journal PLoS ONE Link Publikation -
2014
Titel Difference in quantity discrimination in dogs and wolves DOI 10.3389/fpsyg.2014.01299 Typ Journal Article Autor Range F Journal Frontiers in Psychology Seiten 1299 Link Publikation -
2014
Titel Dogs (Canis familiaris) Can Learn to Attend to Connectivity in String Pulling Tasks DOI 10.1037/a0033202 Typ Journal Article Autor Riemer S Journal Journal of Comparative Psychology Seiten 31-39 Link Publikation -
2011
Titel Domestic dogs (Canis familiaris) flexibly adjust their human-directed behavior to the actions of their human partners in a problem situation DOI 10.1007/s10071-011-0432-3 Typ Journal Article Autor Horn L Journal Animal Cognition Seiten 57-71 -
2011
Titel Dogs are able to solve a means-end task DOI 10.1007/s10071-011-0394-5 Typ Journal Article Autor Range F Journal Animal Cognition Seiten 575-583 Link Publikation -
2011
Titel Evaluating the logic of perspective-taking experiments DOI 10.3758/s13420-011-0040-8 Typ Journal Article Autor Virányi Z Journal Learning & Behavior Seiten 306-309 Link Publikation -
2013
Titel Wolf Howling Is Mediated by Relationship Quality Rather Than Underlying Emotional Stress DOI 10.1016/j.cub.2013.06.066 Typ Journal Article Autor Mazzini F Journal Current Biology Seiten 1677-1680 Link Publikation -
2013
Titel The Importance of the Secure Base Effect for Domestic Dogs – Evidence from a Manipulative Problem-Solving Task DOI 10.1371/journal.pone.0065296 Typ Journal Article Autor Horn L Journal PLoS ONE Link Publikation -
2009
Titel Explaining Dog Wolf Differences in Utilizing Human Pointing Gestures: Selection for Synergistic Shifts in the Development of Some Social Skills DOI 10.1371/journal.pone.0006584 Typ Journal Article Autor Gácsi M Journal PLoS ONE Link Publikation -
2013
Titel Social learning from humans or conspecifics: differences and similarities between wolves and dogs DOI 10.3389/fpsyg.2013.00868 Typ Journal Article Autor Range F Journal Frontiers in Psychology Seiten 868 Link Publikation -
2013
Titel Wolf howling is mediated by relationship quality rather than underlying emotional stress DOI 10.5167/uzh-91545 Typ Other Autor Mazzini Link Publikation -
2013
Titel The Information Content of Wolf (and Dog) Social Communication DOI 10.1007/978-94-007-7414-8_4 Typ Book Chapter Autor Faragó T Verlag Springer Nature Seiten 41-62 -
2013
Titel Discrimination of familiar human faces in dogs (Canis familiaris) DOI 10.1016/j.lmot.2013.04.005 Typ Journal Article Autor Huber L Journal Learning and Motivation Seiten 258-269 Link Publikation -
2013
Titel Choice of conflict resolution strategy is linked to sociability in dog puppies DOI 10.1016/j.applanim.2013.09.006 Typ Journal Article Autor Riemer S Journal Applied Animal Behaviour Science Seiten 36-44 Link Publikation -
2012
Titel Dogs’ attention towards humans depends on their relationship, not only on social familiarity DOI 10.1007/s10071-012-0584-9 Typ Journal Article Autor Horn L Journal Animal Cognition Seiten 435-443 Link Publikation -
2012
Titel Birds of a feather flock together? Perceived personality matching in owner–dog dyads DOI 10.1016/j.applanim.2012.06.004 Typ Journal Article Autor Turcsán B Journal Applied Animal Behaviour Science Seiten 154-160 -
2012
Titel The Influence of the Relationship and Motivation on Inequity Aversion in Dogs DOI 10.1007/s11211-012-0155-x Typ Journal Article Autor Range F Journal Social Justice Research Seiten 170-194 -
2012
Titel Do Owners Have a Clever Hans Effect on Dogs? Results of a Pointing Study DOI 10.3389/fpsyg.2012.00558 Typ Journal Article Autor Schmidjell T Journal Frontiers in Psychology Seiten 558 Link Publikation -
2012
Titel Domestication has not affected the understanding of means-end connections in dogs DOI 10.1007/s10071-012-0488-8 Typ Journal Article Autor Range F Journal Animal Cognition Seiten 597-607 Link Publikation -
2012
Titel Quantity Discrimination in Wolves (Canis lupus) DOI 10.3389/fpsyg.2012.00505 Typ Journal Article Autor Utrata E Journal Frontiers in Psychology Seiten 505 Link Publikation -
2011
Titel Development of Gaze Following Abilities in Wolves (Canis Lupus) DOI 10.1371/journal.pone.0016888 Typ Journal Article Autor Range F Journal PLoS ONE Link Publikation