Multilokus Migrations-Selektions-Modelle
Multilocus Migration-Selection Models
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (30%); Mathematik (70%)
Keywords
-
Evolutionary Dynamics,
Population Genetics,
Difference Equations,
Spatially Varying Selection,
Multilocus Models,
Migration
Natürliche Populationen sind häufig geographisch strukturiert und leben unter heterogenen Umweltbedingungen. Bekanntermaßen kann Populationsstruktur bedeutende evolutionäre Konsequenzen haben. Zum Beispiel kann dadurch erhöhte genetische Variabilität erhalten werden oder es kann zu ökologischer Spezialisierung und, letztendlich, zu Artbildung kommen. Die Effekte von geographischer Strukturierung, von Migration, und räumlich variabler Selektion sind aber nur für den Fall gut verstanden, dass Selektion auf einen Genort wirkt. Im allgemeinen wirkt sie aber auf mehrere, da die meisten wichtigen Merkmale quantitativ sind und von vielen Genen beeinflusst werden. Dieses Projekt ist der Analyse populationsgenetischer Modelle gewidmet, die Evolution unter Migration, Rekombination und Selektion auf multilokus Genotypen beschreiben. Solche Modelle werden üblicherweise mithilfe von Systemen nichtlinearer Differenzen- oder Differentialgleichungen formuliert. Die beiden folgenden, eng zusammenhängenden, Ziele werden angestrebt. Das erste ist die Identifikation von Bedingungen, unter denen Polymorphismus an mehreren Genorten durch ein Gleichgewicht aus Migration und Selektion erhalten werden kann; besonderes Augenmerk liegt dabei auf Bedingungen, unter denen das in panmiktischen Populationen unmöglich ist. Das zweite Ziel besteht in der Identifizierung von Bedingungen, die lokale Anpassung und ökologische Spezialisierung ermöglichen. Zur Erreichung dieser Ziele sollen insbesondere drei ökologisch motivierte Szenarien studiert werden: heterogene Umwelt (Selektion) ohne Populationsstruktur (Levene Modell), antagonistische gerichtete Selektion in zwei Habitaten, die durch Migration verbunden sind, und stabilisierende Selektion auf ein quantitatives Merkmal, wobei der optimale Phänotyp zwischen den Habitaten variiert. Methodisch sollen diese Ziele erreicht werden, in dem einerseits mathematische Methoden aus der Theorie der dynamischen Systeme herangezogen werden um damit die Gleichgewichts- und Stabilitätsstruktur der zugrunde liegenden Modelle zu bestimmen. Andrerseits sollen ergänzend dazu umfangreiche numerische Studien durchgeführt werden.
Natürliche Populationen sind häufig geographisch strukturiert und damit verschiedensten Umweltbedingungen unterworfen. Die dadurch ausgelöste Selektion kann eine Reihe von interessanten Folgen für die Evolution solcher Arten haben. Einerseits kann die genetische Diversität in derartigen Populationen erhöht sein, weil in verschiedenen Umwelten unterschiedliche genetische Typen besser angepasst sind. Andererseits kann stetig verbesserte Anpassung an lokale Gegebenheiten und reduzierte Migration zwischen den Teilpopulationen zu verstärkter Differenzierung und, letztendlich, auch zu Artbildung führen.In diesem Projekt wurden populationsgenetische Modelle mathematisch analysiert, die Evolution unter dem Einfluss von Migration, Rekombination und Selektion auf Merkmale beschreiben, die von mehreren oder vielen Genen beeinflusst werden. In einer Hauptrichtung der Forschungsarbeit wurden Bedingungen identifiziert, unter denen Polymorphismus an mehreren Genorten oder für mehrere Allele an einem Genort erhalten werden kann. Dabei war das Hauptaugenmerk auf Bedingungen gerichtet, die charakteristisch für räumlich strukturierte Population sind, also in einer gleichförmigen Umwelt keine Polymorphismen erlauben. Zum Beispiel wurde gezeigt, dass selbst in gut durchmischten, daher genetisch homogenen, Populationen räumlich heterogene Selektion Polymorphismus an jenen Genorten erhalten kann, an denen verschiedene Allele an verschiedenen Orten optimal angepasst sind und diese zumindest partiell dominant sind. Dabei spielen also sogenannte Genotyp-Umwelt Interaktionen eine bedeutende Rolle.In einem zweiten Hauptteil wurde die Evolution von lokaler Anpassung und Differenzierung untersucht. Es wurde gezeigt, dass Anpassung und Differenzierung dann besonders leicht evolvieren, wenn neue, lokal adaptive Mutationen nahe (auf der DNA) an einem bereits polymorphen Genort auftreten, der ebenfalls zur Differenzierung beiträgt. Dadurch kann es zu Anhäufungen von Genen entlang eines Chromosoms kommen, die alle an lokaler Anpassung beteiligt sind. Das führt zu interessanten Vermutungen über die Evolution von genetischer Architektur und von Mechanismen, wie Chromosomeninversionen, die Rekombination unterdrücken.
- Universität Wien - 100%
- Michael Whitlock, University of British Columbia - Kanada
- Thomas Nagylaki, University of Chicago - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 683 Zitationen
- 15 Publikationen
-
2012
Titel The Limits to Parapatric Speciation: Dobzhansky–Muller Incompatibilities in a Continent–Island Model DOI 10.1534/genetics.111.137513 Typ Journal Article Autor Bank C Journal Genetics Seiten 845-863 Link Publikation -
2014
Titel The Effect of Linkage on Establishment and Survival of Locally Beneficial Mutations DOI 10.1534/genetics.114.163477 Typ Journal Article Autor Aeschbacher S Journal Genetics Seiten 317-336 Link Publikation -
2014
Titel Epistasis and natural selection shape the mutational architecture of complex traits DOI 10.1038/ncomms4709 Typ Journal Article Autor Jones A Journal Nature Communications Seiten 3709 Link Publikation -
2013
Titel Approximate Bayesian computation for modular inference problems with many parameters: the example of migration rates DOI 10.1111/mec.12165 Typ Journal Article Autor Aeschbacher S Journal Molecular Ecology Seiten 987-1002 -
2010
Titel The number of equilibria in the diallelic Levene model with multiple demes DOI 10.1016/j.tpb.2010.12.002 Typ Journal Article Autor Novak S Journal Theoretical Population Biology Seiten 97-101 Link Publikation -
2010
Titel Dominance and the maintenance of polymorphism in multiallelic migration-selection models with two demes DOI 10.1016/j.tpb.2010.03.006 Typ Journal Article Autor Peischl S Journal Theoretical Population Biology Seiten 12-25 -
2014
Titel The consequences of dominance and gene flow for local adaptation and differentiation at two linked loci DOI 10.1016/j.tpb.2014.04.001 Typ Journal Article Autor Akerman A Journal Theoretical Population Biology Seiten 42-62 Link Publikation -
2013
Titel Asymmetric selection and the evolution of extraordinary defences DOI 10.1038/ncomms3085 Typ Journal Article Autor Urban M Journal Nature Communications Seiten 2085 Link Publikation -
2013
Titel The consequences of gene flow for local adaptation and differentiation: a two-locus two-deme model DOI 10.1007/s00285-013-0660-z Typ Journal Article Autor Akerman A Journal Journal of Mathematical Biology Seiten 1135-1198 Link Publikation -
2011
Titel The effects of linkage and gene flow on local adaptation: A two-locus continent–island model DOI 10.1016/j.tpb.2011.07.002 Typ Journal Article Autor Bürger R Journal Theoretical Population Biology Seiten 272-288 Link Publikation -
2011
Titel Some Mathematical Models in Evolutionary Genetics DOI 10.1007/978-3-0348-0122-5_4 Typ Book Chapter Autor Bürger R Verlag Springer Nature Seiten 67-89 -
2013
Titel The effect of linkage on establishment and survival of locally beneficial mutations DOI 10.48550/arxiv.1311.6326 Typ Preprint Autor Aeschbacher S -
2012
Titel The effects of stochastic and episodic movement of the optimum on the evolution of the G-matrix and the response of the trait mean to selection DOI 10.1111/j.1420-9101.2012.02598.x Typ Journal Article Autor Jones A Journal Journal of Evolutionary Biology Seiten 2210-2231 Link Publikation -
2011
Titel Evolution of Assortative Mating in a Population Expressing Dominance DOI 10.1371/journal.pone.0016821 Typ Journal Article Autor Schneider K Journal PLoS ONE Link Publikation -
2010
Titel Evolution and polymorphism in the multilocus Levene model with no or weak epistasis DOI 10.1016/j.tpb.2010.06.002 Typ Journal Article Autor Bürger R Journal Theoretical Population Biology Seiten 123-138 Link Publikation