Das letzte Regierungsjahrzehnt Kaiser Friedrichs III.
The final decade of emperor Frederick III´s rule
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (90%); Rechtswissenschaften (10%)
Keywords
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Emperor Frederick III. (1440-1493),
Austrian hereditary lands,
Late Middle Ages,
Holy Roman Empire,
Foreign Affairs,
Imperial Reform
Ziel des beantragten Projektes ist es, die Grundlagen für die Bewertung der Herrschaft Kaiser Friedrichs III. in seinem letzten, aber durchaus tatkräftigen Regierungsjahrzehnt anhand des Archivmaterials des HHStA (AUR, "Familienurkunden" und der "Urkundenabschriften") umfassend zu erweitern und für weitere Forschungen nutzbar zu machen. In einem ersten Schritt sollten die Archivalien des HHStA aus den genannten Beständen in Form von Regesten quellenkritisch aufgearbeitet werden. Damit soll die bewährte und in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit gut bewertete Reihe der Regesten Friedrichs III., in der bisher von Wiener Seite die Zeiträume bis einschließlich 1479 bearbeitet werden konnten, bis zum Endjahr 1493 fortgesetzt und vollendet werden. Auf der damit gewonnenen Quellenbasis ist in weiterer Folge die Spätzeit der Regierung Kaiser Friedrichs zu beleuchten und in Einzelstudien, darunter eine von Mag. Daniel Luger zu verfassende Arbeit, darzustellen. Zentrale Ereignisse dieser Jahre waren die Reichsversammlungen bzw. Reichstage besonders der 80er Jahre, auf denen die Wahl Erzherzog Maximilians zum römisch-deutschen König erfolgte, über Reichshilfe gegen die in die österreichischen Erblande eingefallenen, Wien und Wiener Neustadt besetzt haltenden Ungarn, die Landfriedenserneuerung oder Gerichts- sowie Finanzreformen verhandelt wurden. Das zu erschließende Wiener Archivmaterial sowie auf ihm beruhende Studien sollen im Verbund mit der systematischen Sammlung aller direkten und indirekten Friedrich-Nachrichten also entscheidend zur Beurteilung der späten Regierungsjahre Friedrichs III. beitragen. So sollen Einblicke in Entwicklungen der Verfassungs- und Staatengeschichte gegeben werden, die trotz besonderer Bedingungen im engeren Reichsverbund "in allen Nachfolgestaaten der karolingisch- okzidentalen Christenheit" erfolgten (1: 1984, 330). Es gilt in diesem Zusammenhang darzulegen, in welchem Maße die Reformgesetze von 1495 - also die erste Reichsverfassung - in substantieller Hinsicht schon vorher praktiziert wurden. Die Auswertung des spezifischen Wiener Materials ermöglicht es des weiteren, auf der besonders interessanten Saumlinie zwischen Landesherrschaft und Reich u.a. folgende Fragen zu beantworten: Welche machtpolitischen, personellen oder finanziellen Beiträge zur (Selbst-)"Befreiung" vermochte Friedrich III. noch aus den besetzten Erblanden zu ziehen? Wie verhielten sich die Stände der besetzten Erbländer zu ihm als ihrem "natürlichen" Herrn bzw. welche Kontakte vermochte dieser zu ihnen zu knüpfen? Nicht zuletzt erschließt jeder weitere Regionalband der landes- und lokalgeschichtlichen Forschung eine Fülle von bisher unbeachteten Quellen.
Das Projekt beschließt eine Reihe von insgesamt fünf 1997 begonnenen FWF-Projekten, in denen in chronologischer Folge alle Urkunden und Briefe Friedrichs III. (1440-1493) aus den Beständen Allgemeine Urkundenreihe, Familienurkunden und Abschriftensammlungen des Österreichischen Staatsarchivs, Abteilung Haus-, Hof- und Staatsarchiv erschlossen wurden. Im Verbund mit anderen historiographischen und urkundlichen Quellen bilden sie eine unverzichtbare Grundlage zur Erforschung des römisch-deutschen Reiches in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In den genannten Projekten wurden insgesamt 9 Bände/Manuskripte mit rund 2.800 ausführlichen Regesten (Abstracts) einschließlich begleitendem wissenschaftlichen Apparat (Angaben zu Überlieferung, Literatur, Querverweise, Kommentare etc.) erarbeitet. An etwa 1.000 davon wurde im Projekt P21397 gearbeitet. Diese wissenschaftliche Arbeit bildet den größten Teil des österreichischen Beitrags zu dem internationalen Editionsunternehmen Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440-1493), die in Provenienzheften nach Archiven und Bibliotheken geordnet erscheinen. Mit Friedrich III. (1440-1493) rückte jener Fürst an die Spitze des Reiches, der den Boden für die über 400 Jahre währende Bindung der römisch-deutschen Königswürde an die habsburgische Dynastie und deren Aufstieg zur europäischen Großmacht bereiten sollte. Die in Projekt P21397 untersuchten Urkunden zeigen den sich verschärfenden Konflikt Friedrichs III. mit König Matthias von Ungarn, die drohende Gefahr einer türkischen Invasion, Friedrichs III. Verteidigung der habsburgischen Erbländer, die Sicherung im Westen sowie die beginnende Doppelregierung mit seinem Sohn Maximilian I. Die Urkunden spiegeln daneben Friedrichs landesfürstliche Aktivitäten v.a. in Innerösterreich, wie z.B. seine Kirchen- und Klosterpolitik. Darüber hinaus bieten die Urkunden vielfältige Möglichkeiten zur Erforschung von Struktur und Verfasstheit des Reiches im ausgehenden Spätmittelalter und leisten ferner einen wichtigen Beitrag zur Erforschung von Landes- und Lokalgeschichte.
Research Output
- 2 Publikationen
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Titel Die Urkunden und Briefe des Österreichischen Staatsarchivs, Abteilung Haus-, Hof- und Staatsarchiv: Allgemeine Urkundenreihe, Familienurkunden und Abschriftensammlungen. Typ Other Autor Dünnebeil S -
2011
Titel L'imperatore lontano? La prassi della sovranità e dell'amministrazione nel tardo medioevo: l'esempio di Trieste. Typ Journal Article Autor Luger D Journal Quaderni Giuliani di Storia