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Miozäne hochfrequente Vegetations &-Klima Variabilität

Miocene high frequence vegetation and climate variability

Mathias Harzhauser (ORCID: 0000-0002-4471-6655)
  • Grant-DOI 10.55776/P21414
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2009
  • Projektende 31.12.2012
  • Bewilligungssumme 298.462 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geowissenschaften (100%)

Keywords

    Miocene, Vegetation dynamics, Lake Pannon, Climate change, Palynology, Sub-Milankovitch Cycles

Abstract Endbericht

Das Erkennen von hochfrequenten Mustern und Zyklen in sedimentären und paläontologischen Befunden, sowie deren Kalibrierung mit astronomischen Zyklen, haben bedeutend zum besseren Verständnis der Klimaentwicklung beigetragen. Bohrungen und geophysikalische Datenreihen aus dem Pannonischen Becken belegten bereits den Einfluss der 100-kyr und 400-kyr Exzentrizitätszyklen auf die Sedimentationsgeschichte (Juhsz et al. 1999; Hohenegger et al. 2007; Harzhauser et al., 2004). Präzessionszyklen dürften das benthische Leben im Pannon See beeinflusst haben und erlaubten den Pionier-Taxa das periodische Vordringen in tiefere Bereiche des Sees (Harzhauser und Mandic, 2004). In den letzten Jahren konnten sogar diverse, von Glazialeffekten unabhängige, Sub-Milankovitch Signale in neogenen Seesedimenten nachgewiesen werden: Kloosterboer-van Hoeve et al. (2006) dokumentierten ~10, ~2,5 and ~1,5 kyr Periodizitäten, die auf periodische Variationen der Solaraktivität rückführbar sind, in frühpliozänen Pollenspektren Griechenlands. Multi-dekadische und centenniale Variabilität der Gleissberg- (~80, 140-110 yr) and Suess- (~250-200 yr) Zyklen der Solaraktivität modulierten die Sedimentation in einem pleistozänen Maarsee in Südafrika (Garcin et al., 2006) und in einem pleitozänen bis holozänen Moor in New Mexico (Jiménez-Moreno et al., 2008). Sogar Schwabe Zyklen (10-12 yr) innerhalb der Sonnenaktivität konnten in holozänen Seesedimenten erkannt werden (Theissen et al., 2008). Derartige Sub-Milankovitch Zyklen sind jedoch bisher aus miozänen Ablagerungen undokumentiert. Um dieser Fragestellung nachzugehen, werden 4 Bohrkerne untersucht, die die miozänen Zeitscheiben um 11,0, 10,4, 9,8 und 8,8 Millionen Jahren repräsentieren. Alle Kerne befinden sich im Wiener Becken, um die geographische Komponente bei den unterschiedlichen Pollenspektren in den Kernen zu minimieren. Zunächst werden Pollen und Dinoflagellaten in einer höchstauflösenden Probendichte untersucht (eine Probe pro cm). Geochemische Analysen (Carbonatgehalt, total carbon, total organic carbon TOC, Schwefel) und geophysikalische Messungen (magnetische Suszebtibilität, natürliche Gammastrahlung) werden diese Daten ergänzen. Dadurch sollen Schwankungen der Vegetation, der Oberflächenwasserproduktivität und der Entwässerung erkannt werden. Diese hochfrequenten Änderungen werden in Hinblick auf Schwankungen der Insolation analysiert, um die klimatische Variabilität im späten Miozän zu erfassen. Darüber hinaus umspannen die gewählten Kerne eine Zeit, die aufgrund der Umbrüche in den Säugetiervergesellschaftungen als Vallesische Krise bezeichnet wird. In dieser Phase werden die Feuchtgebiete Europas allmählich durch offenere Landschaftstypen ersetzt. Ein vertieftes Verständnis des Klimageschehens könnte zu einer Neubewertung dieses entscheidenden Umbruchs führen.

Der Schwerpunkt des Projektes war die Beschreibung von Umweltänderungen und Klimaschwankungen während des Miozäns mit einer zeitlichen Auflösung von Jahrzehnten bis zu Jahrtausenden. Das Erkennen von hochfrequenten Klimaschwankungen anhand von Proxydaten und das Erfassen ihres Einflusses auf die verschiedenen Paläoökosysteme ermöglicht ein tieferes Verständnis des Klima Systems der Erde. In der hier entwickelten Methode wird versucht Zyklizitäten im geologischen Befund in mehreren Proxys nachzuweisen und deren Frequenzmuster zu ermitteln. Mithilfe einer best-fit Anpassung werden diese mit bekannten Sub-Milankovitch Zyklen ähnlicher Frequenz verglichen. Im Idealfall reflektieren diese Frequenzmuster die Einflüsse des unteren und oberen Gleissberg-Zyklus (~5080 und ~90140 Jahre), des de Vries/Suess-Zyklus (~200-210 Jahre), des ~500-Jahr-Zyklus, des ~1000-Jahr-Zyklus und des Hallsatt-Zyklus (~2400 Jahre) neben anderen. Das Vorhandensein derartiger repetitiver Frequenzmuster in geologischen Archiven ist somit ein guter Hinweis auf den Einfluss von Solarzyklen und erlaubt eine Abschätzung der Sedimentationsraten. Jede der untersuchten Lokalitäten repräsentiert unterschiedliche Ablagerungsbedingungen (ästuarin, lagunär lakustrin, küstenfern lakustrin) sowie verschiedene Klimabedingungen (mittelmiozänes Klimaoptimum, frühtortone Warmphase, mitteltortone Transition). Dennoch zeigen alle deutliche Änderungen in der Vegetation, der Oberflächenproduktivität, den Bodenbedingungen, der Salinität und dem Sedimenteintrag, in einer Auflösung von Jahrzehnten und wenigen Jahrhunderten. Diese Schwankungen stehen im Zusammenhang mit einem geringen Klimaänderungen. Bei den See-Studien sind dies die Niederschlagsmenge und/oder die Windrichtungen, während eine Präzessionszyklus-gesteuerte Meeresspiegelschwankung die Umweltbedingungen im Ästuar beeinflusste. Bei keiner der Studien konnten die Temperaturschwankungen als treibende Kraft erkannt werden, da diese im Rahmen solch kurzer Zeitspannen stabilerer zu sein scheint als der Niederschlag. Ein interessanter Punkt ist der Nachweis eines sehr prominenten 1500-Jahr-Zyklus. Dieser steht nicht direkt mit Solarzyklen in Verbindung und ist noch schlecht verstanden. Die Präsenz in zahlrechen Proxys und seine Modulation von höherfrequenten Zyklen erweist diesen Zyklus aber als wesentlichen Faktor für die Umweltbedingungen. Die beobachteten Muster entsprechen jenen vergleichbarer Holozän-Studien. Somit konnte das große Potential von hoch-auflösenden Studien außerhalb des 14C-Messbereiches als Methode zur Ermittlung von prä-pleistozänen Paläoumwelt- und Paläoklima-Schwankungen mit einer Auflösung von Dekaden gezeigt werden.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 40%
  • Naturhistorisches Museum Wien - 60%
Nationale Projektbeteiligte
  • Werner E. Piller, Universität Graz , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Angela Bruch, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) - Deutschland
  • Johanna Eder-Kovar, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart - Deutschland
  • Fabrizio Lirer, Consiglio Nazionale delle Ricerche - Italien
  • Gonzalo Jimenez- Moreno, Northern Arizona University - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 421 Zitationen
  • 18 Publikationen
Publikationen
  • 2018
    Titel Sphaeripilosa wernerpilleri, a new peridinioid dinoflagellate genus and species from the late Miocene of Lake Pannon, Austria
    DOI 10.1016/j.revpalbo.2018.02.005
    Typ Journal Article
    Autor Soliman A
    Journal Review of Palaeobotany and Palynology
    Seiten 29-40
  • 2017
    Titel Late Miocene (Tortonian) gonyaulacacean dinoflagellate cysts from the Vienna Basin, Austria
    DOI 10.1016/j.revpalbo.2017.02.003
    Typ Journal Article
    Autor Soliman A
    Journal Review of Palaeobotany and Palynology
    Seiten 325-346
    Link Publikation
  • 2014
    Titel High-resolution calcareous nannoplankton palaeoecology as a proxy for small-scale environmental changes in the Early Miocene
    DOI 10.1016/j.marmicro.2014.06.005
    Typ Journal Article
    Autor Auer G
    Journal Marine Micropaleontology
    Seiten 53-65
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Millennial-scale vegetation dynamics in an estuary at the onset of the Miocene Climate Optimum
    DOI 10.1016/j.palaeo.2010.07.014
    Typ Journal Article
    Autor Kern A
    Journal Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology
    Seiten 247-261
    Link Publikation
  • 2011
    Titel A Middle Miocene endemic freshwater mollusc assemblage from an intramontane Alpine lake (Aflenz Basin, Eastern Alps, Austria)
    DOI 10.1007/s12542-011-0117-x
    Typ Journal Article
    Autor Harzhauser M
    Journal Paläontologische Zeitschrift
    Seiten 23-41
  • 2011
    Titel Biotic and abiotic response to palaeoenvironmental changes at Lake Pannons' western margin (Central Europe, Late Miocene)
    DOI 10.1016/j.palaeo.2011.10.010
    Typ Journal Article
    Autor Gross M
    Journal Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology
    Seiten 181-193
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Stable isotope composition of the Miocene Dinaride Lake System deduced from its endemic mollusc fauna
    DOI 10.1007/s10750-011-0618-3
    Typ Journal Article
    Autor Harzhauser M
    Journal Hydrobiologia
    Seiten 27-46
  • 2010
    Titel Detecting solar cycles and high-frequency vegetation dynamics in the European Miocene.
    Typ Journal Article
    Autor Kern Ak
    Journal American Association of Paleobotany - The Palynological Society Newsletter
  • 2010
    Titel Neue hochauflösende Untersuchungen über den Zusammenhang von Vegetation, Klima und Sonnenzyklen im späten Miozän.
    Typ Journal Article
    Autor Kern Ak
    Journal Rundbrief des Arbeitskreises für Paläobotanik und Palynologie
  • 2010
    Titel Stratigraphic re-evaluation of the stratotype for the regional Ottnangian stage (Central Paratethys, middle Burdigalian)
    DOI 10.1127/0078-0421/2010/0001
    Typ Journal Article
    Autor Grunert P
    Journal Newsletters on Stratigraphy
    Seiten 1-16
  • 2013
    Titel High-resolution analysis of upper Miocene lake deposits: Evidence for the influence of Gleissberg-band solar forcing
    DOI 10.1016/j.palaeo.2012.12.005
    Typ Journal Article
    Autor Kern A
    Journal Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology
    Seiten 167-183
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Mendicodinium mataschenensis : a new endemic dinoflagellate cyst from the Late Miocene (Tortonian) of Lake Pannon (Austria)
    DOI 10.1080/01916122.2012.662180
    Typ Journal Article
    Autor Feist-Burkhardt S
    Journal Palynology
  • 2013
    Titel Phenotypic evolution in a fossil gastropod species lineage: Evidence for adaptive radiation?
    DOI 10.1016/j.palaeo.2012.11.025
    Typ Journal Article
    Autor Neubauer T
    Journal Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology
    Seiten 117-126
  • 2013
    Titel Global warming and South Indian monsoon rainfall—lessons from the Mid-Miocene
    DOI 10.1016/j.gr.2012.07.015
    Typ Journal Article
    Autor Reuter M
    Journal Gondwana Research
    Seiten 1172-1177
    Link Publikation
  • 2013
    Titel The Miocene coastal vegetation of southwestern India and its climatic significance
    DOI 10.1016/j.palwor.2013.10.001
    Typ Journal Article
    Autor Kern A
    Journal Palaeoworld
    Seiten 119-132
  • 2012
    Titel Precipitation driven decadal scale decline and recovery of wetlands of Lake Pannon during the Tortonian
    DOI 10.1016/j.palaeo.2011.11.021
    Typ Journal Article
    Autor Kern A
    Journal Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology
    Seiten 1-12
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Strong evidence for the influence of solar cycles on a Late Miocene lake system revealed by biotic and abiotic proxies
    DOI 10.1016/j.palaeo.2012.02.023
    Typ Journal Article
    Autor Kern A
    Journal Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology
    Seiten 124-136
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Changing seasonality patterns in Central Europe from Miocene Climate Optimum to Miocene Climate Transition deduced from the Crassostrea isotope archive
    DOI 10.1016/j.gloplacha.2010.12.003
    Typ Journal Article
    Autor Harzhauser M
    Journal Global and Planetary Change
    Seiten 77-84

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