Der Einfluß von Erfahrung auf das physikalische Verständnis
The effect of early experience on physical cognition in dogs
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (50%); Psychologie (50%)
Keywords
-
Physical Cognition,
Cognition,
Experience,
Learning,
Development,
Dog
Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Hunde während der Domestikation besondere Fähigkeiten entwickelt haben, die es ihnen ermöglichen, das Sozialverhalten und die Kommunikation des Menschen zu deuten (e.g. Viranyi et al., 2006; Miklosi & Soproni, 2006). Andererseits sind Hunde oft verhältnismäßig schlecht, wenn es um das Lösen von Problemen im physikalischen Bereich geht (Collier-Baker et al., 2004; Osthaus et al., 2005). Gesamt betrachtet deuten die Ergebnisse der verschiedenen Studien darauf hin, dass Hunde anscheinend keine abstrakten Repräsentationen bilden können und gleichzeitig sehr abhängig von der Kommunikation des Menschen sind (Topal et al., 1997). Diese für Hunde spezifische kognitive Anpassung im sozialen Bereich ist besonders interessant im Vergleich mit Menschenaffen, deren logisches Denken relativ weit entwickelt ist besonders in Bezug auf Nahrungsbeschaffung (Call, 2004; 2006). Allerdings haben die meisten Menschenaffen, die für Studien im physikalischen bereich herangezogen werden, bereits viel Erfahrung mit ähnlichen Aufgaben, während die untersuchten Hunde meist nur Erfahrung im sozialen Bereich haben. Es stellt sich also die Frage, inwieweit die Erfahrung während der Entwicklung für die Unterschiede zwischen Primaten und Hunden verantwortlich ist und noch wichtiger inwieweit spezifische Erfahrung die Leistung in einem bestimmten Bereich fördern kann. Flexibles und kreatives Verhalten im physikalischen Bereich erfordert, dass man funktionale und nicht-funktionale Eigenschaften von Objekten erkennt, dass man den Effekt von einem Objekt auf ein anderes Objekt erahnen kann und dass man gewisse physikalische Konzepte wie Schwerkraft, Kraft und Verbundenheit versteht. Es ist allerdings unrealistisch anzunehmen, dass neue Probleme mit unbekannten Objekten und Materialien gelöst werden können ohne Erfahrung damit zu sammeln. Um den Einfluss von Erfahrung auf die physikalische Intelligenz bei Hunden zu untersuchen, werden wir systematisch eine Gruppe von Hundewelpen mit Problemen aus dem physikalischen Bereicht konfrontieren, während wir eine zweite Gruppe zwar mit neuen Problemen konfrontieren, diese aber kein Wissen über physikalische Eigenschaften vermitteln. Mit 1,5 Jahren werden sie alle Hunde dann in solchen Aufgaben getestet, in denen Hunde bislang nicht erfolgreich waren (z.B. Kausales Verständnis) oder in denen Hunde noch nie getestet wurden (z.B. Verbundenheit). Um den Einfluss von Menschen auf das Problemlöseverhalten auszuschließen, werden beide Gruppen bei diesen letzten Tests in Abwesenheit von Menschen getestet. Dieses Design ermöglicht uns, den Einfluss von Erfahrung auf das Problemlöseverhalten zu untersuchen. Mithilfe von weiteren Tests von erwachsenen Hunden welche entweder Erfahrung mit dem Manipulieren von Gegenständen aufweisen oder nicht, werden wir zusätzlich untersuchen i) inwieweit die jeweilige Erfahrung und ii) die Anwesenheit eines Menschen das Problemlöseverhalten der Hunde beeinflusst, iii) wie sich das physikalische Intelligenz der Hunde über das erste Lebensjahr entwickelt und iv) wie Hunde neuartige Probleme im physikalischen Bereich lösen wie z.B. Aufgaben zu Schwerkraft und Verbundenheit. Dieses Projekt ist als Anschlussprojekt eines EU-Projekts geplant, das sich mit der Evolution, Entwicklung und intentionalen Kontrolle von Imitation beschäftigte. Unser Projekt profitiert daher von einer engen Kollaboration mit dem Department für Ethologie an der Eötvös Lorand University und dem Institut für Entwicklungspsychologie der Hungarian Academy of Sciences.
Die kognitiven Fähigkeiten von Tieren sind in den letzten Jahrzehnten zu einem Brennpunkt der Forschung geworden, da sie Aufschluss darüber geben können, wie sich unsere eigenen Fähigkeiten im Laufe der Evolution entwickelt haben. Speziell im Bereich der physikalischen Kognition, dem Verständnis von Gesetzmäßigkeiten in der physikalischen Umwelt, kamen dabei große Unterschiede zwischen Tierarten zu Tage. Ob diese Unterschiede hauptsächlich in der unterschiedliche Selektion über die Jahrtausende begründet liegen, oder ob sie zu einem großen Teil durch unterschiedliche individuelle Erfahrungen erklärt werden können, welche die Tiere während ihres Lebens sammeln, ist jedoch bis heute unklar. Das Ziel dieses FWF-Projekts war es daher zu untersuchen, welche Faktoren die Fähigkeiten von Tieren im Bereich der physikalischen Kognition beeinflussen.Im Gegensatz zu Primaten schließen Hunde bei Problemlösungsaufgaben im Bereich der physikalischen Kognition typischerweise vergleichsweise schlecht ab. Mit unserem Projekt wollten wir daher untersuchen, ob das Abschneiden der Hunde darin begründet liegt, dass sie wenige Gelegenheiten haben, Erfahrungen über physikalische Gesetzmäßigkeiten zu sammeln. Zu diesem Zweck versorgten wir eine Kohorte von Hunden im Alter zwischen 3 und 18 Monaten mit einer Serie von Intelligenzspielzeugen, welche ihnen Gelegenheiten gaben, physikalische Zusammenhänge zu erkennen. Anschließend wurden diese Hund in einer Batterie von sechs Aufgaben der physikalischen Kognition getestet und dabei mit einer Kontrollgruppe von Hunden verglichen, welche ohne diese erweiterten Gelegenheiten aufgewachsen war. Obwohl die Hunde die Intelligenzspielzeuge größtenteils hervorragend zu beherrschen lernten, hatte dies keine Auswirkung auf ihr Abschneiden in den anschließenden Tests der physikalischen Kognition. Daraus konnten wir schließen, dass zumindest bei Hunden Unterschiede in kognitiven Fähigkeiten im physikalischen Bereich nicht in unterschiedlichen Erfahrungen begründet liegen, sondern dass Hunde wohl eher jedes Problem von neuem zu lösen lernen. In einer Erweiterung des Projekts hat sich zudem gezeigt, dass das individuelle Problemlösungsvermögen von Hunden weniger durch Persönlichkeitszüge oder die Bindung zum Besitzer beeinflusst wird, wohl aber durch die Fähigkeit des Hundes zur Impulskontrolle. Da für dieses Projekt eine Kohorte von Hunden über eine 2-Jahresperiode begleitet wurde, haben wie die Gelegenheit zudem genutzt, um die Entwicklung von individuellen Verhaltensunterschieden, oder Persönlichkeitszügen, von Hunden von den ersten Lebenswochen bis ins frühe Erwachsenenalter zu untersuchen. Dabei hat sich gezeigt, dass frühe Temperaments- oder Persönlichkeitstests im Alter von einer Woche und sechs Wochen wenig Vorhersagekraft für Verhaltensunterschiede von Erwachsenen im Alter von 2 Jahren haben. Des Weiteren hat sich gezeigt, dass gewisse Verhaltensmerkmale ab einem Alter von 6 Monaten relativ stabil sind, während sich andere Merkmale auch noch im 2. Lebensjahr markant ändern können.
Research Output
- 941 Zitationen
- 27 Publikationen
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2024
Titel Why Do People Choose a Particular Dog? A Mixed-Methods Analysis of Factors Owners Consider Important When Acquiring a Dog, on a Convenience Sample of Austrian Pet Dog Owners DOI 10.3390/ani14182634 Typ Journal Article Autor Udvarhelyi-Tóth K Journal Animals Seiten 2634 Link Publikation -
2020
Titel Individual and group level personality change across the lifespan in dogs DOI 10.1038/s41598-020-74310-7 Typ Journal Article Autor Turcsán B Journal Scientific Reports Seiten 17276 Link Publikation -
2016
Titel Inhibitory Control, but Not Prolonged Object-Related Experience Appears to Affect Physical Problem-Solving Performance of Pet Dogs DOI 10.1371/journal.pone.0147753 Typ Journal Article Autor Müller C Journal PLOS ONE Link Publikation -
2018
Titel Personality traits in companion dogs—Results from the VIDOPET DOI 10.1371/journal.pone.0195448 Typ Journal Article Autor Turcsán B Journal PLOS ONE Link Publikation -
2012
Titel Dogs imitate selectively, not necessarily rationally: reply to Kaminski et al. (2011) DOI 10.1016/j.anbehav.2012.03.020 Typ Journal Article Autor Huber L Journal Animal Behaviour Link Publikation -
2012
Titel Brief owner absence does not induce negative judgement bias in pet dogs DOI 10.1007/s10071-012-0526-6 Typ Journal Article Autor Müller C Journal Animal Cognition Seiten 1031-1035 Link Publikation -
2015
Titel Training for eye contact modulates gaze following in dogs DOI 10.1016/j.anbehav.2015.04.020 Typ Journal Article Autor Wallis L Journal Animal Behaviour Seiten 27-35 Link Publikation -
2016
Titel How Dogs Perceive and Understand Us DOI 10.1177/0963721416656329 Typ Journal Article Autor Huber L Journal Current Directions in Psychological Science Seiten 339-344 -
2016
Titel Dog Owners' Interaction Styles: Their Components and Associations with Reactions of Pet Dogs to a Social Threat DOI 10.3389/fpsyg.2016.01979 Typ Journal Article Autor Cimarelli G Journal Frontiers in Psychology Seiten 1979 Link Publikation -
2016
Titel Individual and group level trajectories of behavioural development in Border collies DOI 10.1016/j.applanim.2016.04.021 Typ Journal Article Autor Riemer S Journal Applied Animal Behaviour Science Seiten 78-86 Link Publikation -
2016
Titel Aging effects on discrimination learning, logical reasoning and memory in pet dogs DOI 10.1007/s11357-015-9866-x Typ Journal Article Autor Wallis L Journal AGE Seiten 6 Link Publikation -
2014
Titel Dogs (Canis familiaris) Can Learn to Attend to Connectivity in String Pulling Tasks DOI 10.1037/a0033202 Typ Journal Article Autor Riemer S Journal Journal of Comparative Psychology Seiten 31-39 Link Publikation -
2014
Titel Part-Based and Configural Processing of Owner's Face in Dogs DOI 10.1371/journal.pone.0108176 Typ Journal Article Autor Pitteri E Journal PLoS ONE Link Publikation -
2014
Titel Lifespan development of attentiveness in domestic dogs: drawing parallels with humans DOI 10.3389/fpsyg.2014.00071 Typ Journal Article Autor Wallis L Journal Frontiers in Psychology Seiten 71 Link Publikation -
2014
Titel The Predictive Value of Early Behavioural Assessments in Pet Dogs – A Longitudinal Study from Neonates to Adults DOI 10.1371/journal.pone.0101237 Typ Journal Article Autor Riemer S Journal PLoS ONE Link Publikation -
2014
Titel Dog Imitation and Its Possible Origins DOI 10.1007/978-3-642-53994-7_4 Typ Book Chapter Autor Huber L Verlag Springer Nature Seiten 79-100 -
2012
Titel Do Owners Have a Clever Hans Effect on Dogs? Results of a Pointing Study DOI 10.3389/fpsyg.2012.00558 Typ Journal Article Autor Schmidjell T Journal Frontiers in Psychology Seiten 558 Link Publikation -
2012
Titel The use of a displacement device negatively affects the performance of dogs (Canis familiaris) in visible object displacement Tasks. Typ Journal Article Autor Huber L Et Al -
2012
Titel Dogs’ attention towards humans depends on their relationship, not only on social familiarity DOI 10.1007/s10071-012-0584-9 Typ Journal Article Autor Horn L Journal Animal Cognition Seiten 435-443 Link Publikation -
2013
Titel The Importance of the Secure Base Effect for Domestic Dogs – Evidence from a Manipulative Problem-Solving Task DOI 10.1371/journal.pone.0065296 Typ Journal Article Autor Horn L Journal PLoS ONE Link Publikation -
2013
Titel Choice of conflict resolution strategy is linked to sociability in dog puppies DOI 10.1016/j.applanim.2013.09.006 Typ Journal Article Autor Riemer S Journal Applied Animal Behaviour Science Seiten 36-44 Link Publikation -
2013
Titel Impulsive for life? The nature of long-term impulsivity in domestic dogs DOI 10.1007/s10071-013-0701-4 Typ Journal Article Autor Riemer S Journal Animal Cognition Seiten 815-819 Link Publikation -
2013
Titel Dogs’ use of the solidity principle: revisited DOI 10.1007/s10071-013-0709-9 Typ Journal Article Autor Müller C Journal Animal Cognition Seiten 821-825 Link Publikation -
2014
Titel The Use of a Displacement Device Negatively Affects the Performance of Dogs (Canis familiaris) in Visible Object Displacement Tasks DOI 10.1037/a0036032 Typ Journal Article Autor Müller C Journal Journal of Comparative Psychology Seiten 240-250 Link Publikation -
2014
Titel Dogs learn to solve the support problem based on perceptual cues DOI 10.1007/s10071-014-0739-y Typ Journal Article Autor Müller C Journal Animal Cognition Seiten 1071-1080 Link Publikation -
2011
Titel Female but not male dogs respond to a size constancy violation DOI 10.1098/rsbl.2011.0287 Typ Journal Article Autor Müller C Journal Biology Letters Seiten 689-691 Link Publikation -
2011
Titel Dogs are able to solve a means-end task DOI 10.1007/s10071-011-0394-5 Typ Journal Article Autor Range F Journal Animal Cognition Seiten 575-583 Link Publikation