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Der Einfluß von Erfahrung auf das physikalische Verständnis

The effect of early experience on physical cognition in dogs

Ludwig Huber (ORCID: 0000-0002-0217-136X)
  • Grant-DOI 10.55776/P21418
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2009
  • Projektende 31.12.2013
  • Bewilligungssumme 326.854 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (50%); Psychologie (50%)

Keywords

    Physical Cognition, Cognition, Experience, Learning, Development, Dog

Abstract Endbericht

Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Hunde während der Domestikation besondere Fähigkeiten entwickelt haben, die es ihnen ermöglichen, das Sozialverhalten und die Kommunikation des Menschen zu deuten (e.g. Viranyi et al., 2006; Miklosi & Soproni, 2006). Andererseits sind Hunde oft verhältnismäßig schlecht, wenn es um das Lösen von Problemen im physikalischen Bereich geht (Collier-Baker et al., 2004; Osthaus et al., 2005). Gesamt betrachtet deuten die Ergebnisse der verschiedenen Studien darauf hin, dass Hunde anscheinend keine abstrakten Repräsentationen bilden können und gleichzeitig sehr abhängig von der Kommunikation des Menschen sind (Topal et al., 1997). Diese für Hunde spezifische kognitive Anpassung im sozialen Bereich ist besonders interessant im Vergleich mit Menschenaffen, deren logisches Denken relativ weit entwickelt ist besonders in Bezug auf Nahrungsbeschaffung (Call, 2004; 2006). Allerdings haben die meisten Menschenaffen, die für Studien im physikalischen bereich herangezogen werden, bereits viel Erfahrung mit ähnlichen Aufgaben, während die untersuchten Hunde meist nur Erfahrung im sozialen Bereich haben. Es stellt sich also die Frage, inwieweit die Erfahrung während der Entwicklung für die Unterschiede zwischen Primaten und Hunden verantwortlich ist und noch wichtiger inwieweit spezifische Erfahrung die Leistung in einem bestimmten Bereich fördern kann. Flexibles und kreatives Verhalten im physikalischen Bereich erfordert, dass man funktionale und nicht-funktionale Eigenschaften von Objekten erkennt, dass man den Effekt von einem Objekt auf ein anderes Objekt erahnen kann und dass man gewisse physikalische Konzepte wie Schwerkraft, Kraft und Verbundenheit versteht. Es ist allerdings unrealistisch anzunehmen, dass neue Probleme mit unbekannten Objekten und Materialien gelöst werden können ohne Erfahrung damit zu sammeln. Um den Einfluss von Erfahrung auf die physikalische Intelligenz bei Hunden zu untersuchen, werden wir systematisch eine Gruppe von Hundewelpen mit Problemen aus dem physikalischen Bereicht konfrontieren, während wir eine zweite Gruppe zwar mit neuen Problemen konfrontieren, diese aber kein Wissen über physikalische Eigenschaften vermitteln. Mit 1,5 Jahren werden sie alle Hunde dann in solchen Aufgaben getestet, in denen Hunde bislang nicht erfolgreich waren (z.B. Kausales Verständnis) oder in denen Hunde noch nie getestet wurden (z.B. Verbundenheit). Um den Einfluss von Menschen auf das Problemlöseverhalten auszuschließen, werden beide Gruppen bei diesen letzten Tests in Abwesenheit von Menschen getestet. Dieses Design ermöglicht uns, den Einfluss von Erfahrung auf das Problemlöseverhalten zu untersuchen. Mithilfe von weiteren Tests von erwachsenen Hunden welche entweder Erfahrung mit dem Manipulieren von Gegenständen aufweisen oder nicht, werden wir zusätzlich untersuchen i) inwieweit die jeweilige Erfahrung und ii) die Anwesenheit eines Menschen das Problemlöseverhalten der Hunde beeinflusst, iii) wie sich das physikalische Intelligenz der Hunde über das erste Lebensjahr entwickelt und iv) wie Hunde neuartige Probleme im physikalischen Bereich lösen wie z.B. Aufgaben zu Schwerkraft und Verbundenheit. Dieses Projekt ist als Anschlussprojekt eines EU-Projekts geplant, das sich mit der Evolution, Entwicklung und intentionalen Kontrolle von Imitation beschäftigte. Unser Projekt profitiert daher von einer engen Kollaboration mit dem Department für Ethologie an der Eötvös Lorand University und dem Institut für Entwicklungspsychologie der Hungarian Academy of Sciences.

Die kognitiven Fähigkeiten von Tieren sind in den letzten Jahrzehnten zu einem Brennpunkt der Forschung geworden, da sie Aufschluss darüber geben können, wie sich unsere eigenen Fähigkeiten im Laufe der Evolution entwickelt haben. Speziell im Bereich der physikalischen Kognition, dem Verständnis von Gesetzmäßigkeiten in der physikalischen Umwelt, kamen dabei große Unterschiede zwischen Tierarten zu Tage. Ob diese Unterschiede hauptsächlich in der unterschiedliche Selektion über die Jahrtausende begründet liegen, oder ob sie zu einem großen Teil durch unterschiedliche individuelle Erfahrungen erklärt werden können, welche die Tiere während ihres Lebens sammeln, ist jedoch bis heute unklar. Das Ziel dieses FWF-Projekts war es daher zu untersuchen, welche Faktoren die Fähigkeiten von Tieren im Bereich der physikalischen Kognition beeinflussen.Im Gegensatz zu Primaten schließen Hunde bei Problemlösungsaufgaben im Bereich der physikalischen Kognition typischerweise vergleichsweise schlecht ab. Mit unserem Projekt wollten wir daher untersuchen, ob das Abschneiden der Hunde darin begründet liegt, dass sie wenige Gelegenheiten haben, Erfahrungen über physikalische Gesetzmäßigkeiten zu sammeln. Zu diesem Zweck versorgten wir eine Kohorte von Hunden im Alter zwischen 3 und 18 Monaten mit einer Serie von Intelligenzspielzeugen, welche ihnen Gelegenheiten gaben, physikalische Zusammenhänge zu erkennen. Anschließend wurden diese Hund in einer Batterie von sechs Aufgaben der physikalischen Kognition getestet und dabei mit einer Kontrollgruppe von Hunden verglichen, welche ohne diese erweiterten Gelegenheiten aufgewachsen war. Obwohl die Hunde die Intelligenzspielzeuge größtenteils hervorragend zu beherrschen lernten, hatte dies keine Auswirkung auf ihr Abschneiden in den anschließenden Tests der physikalischen Kognition. Daraus konnten wir schließen, dass zumindest bei Hunden Unterschiede in kognitiven Fähigkeiten im physikalischen Bereich nicht in unterschiedlichen Erfahrungen begründet liegen, sondern dass Hunde wohl eher jedes Problem von neuem zu lösen lernen. In einer Erweiterung des Projekts hat sich zudem gezeigt, dass das individuelle Problemlösungsvermögen von Hunden weniger durch Persönlichkeitszüge oder die Bindung zum Besitzer beeinflusst wird, wohl aber durch die Fähigkeit des Hundes zur Impulskontrolle. Da für dieses Projekt eine Kohorte von Hunden über eine 2-Jahresperiode begleitet wurde, haben wie die Gelegenheit zudem genutzt, um die Entwicklung von individuellen Verhaltensunterschieden, oder Persönlichkeitszügen, von Hunden von den ersten Lebenswochen bis ins frühe Erwachsenenalter zu untersuchen. Dabei hat sich gezeigt, dass frühe Temperaments- oder Persönlichkeitstests im Alter von einer Woche und sechs Wochen wenig Vorhersagekraft für Verhaltensunterschiede von Erwachsenen im Alter von 2 Jahren haben. Des Weiteren hat sich gezeigt, dass gewisse Verhaltensmerkmale ab einem Alter von 6 Monaten relativ stabil sind, während sich andere Merkmale auch noch im 2. Lebensjahr markant ändern können.

Forschungsstätte(n)
  • Veterinärmedizinische Universität Wien - 100%

Research Output

  • 941 Zitationen
  • 27 Publikationen
Publikationen
  • 2024
    Titel Why Do People Choose a Particular Dog? A Mixed-Methods Analysis of Factors Owners Consider Important When Acquiring a Dog, on a Convenience Sample of Austrian Pet Dog Owners
    DOI 10.3390/ani14182634
    Typ Journal Article
    Autor Udvarhelyi-Tóth K
    Journal Animals
    Seiten 2634
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Individual and group level personality change across the lifespan in dogs
    DOI 10.1038/s41598-020-74310-7
    Typ Journal Article
    Autor Turcsán B
    Journal Scientific Reports
    Seiten 17276
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Inhibitory Control, but Not Prolonged Object-Related Experience Appears to Affect Physical Problem-Solving Performance of Pet Dogs
    DOI 10.1371/journal.pone.0147753
    Typ Journal Article
    Autor Müller C
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Personality traits in companion dogs—Results from the VIDOPET
    DOI 10.1371/journal.pone.0195448
    Typ Journal Article
    Autor Turcsán B
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Dogs imitate selectively, not necessarily rationally: reply to Kaminski et al. (2011)
    DOI 10.1016/j.anbehav.2012.03.020
    Typ Journal Article
    Autor Huber L
    Journal Animal Behaviour
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Brief owner absence does not induce negative judgement bias in pet dogs
    DOI 10.1007/s10071-012-0526-6
    Typ Journal Article
    Autor Müller C
    Journal Animal Cognition
    Seiten 1031-1035
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Training for eye contact modulates gaze following in dogs
    DOI 10.1016/j.anbehav.2015.04.020
    Typ Journal Article
    Autor Wallis L
    Journal Animal Behaviour
    Seiten 27-35
    Link Publikation
  • 2016
    Titel How Dogs Perceive and Understand Us
    DOI 10.1177/0963721416656329
    Typ Journal Article
    Autor Huber L
    Journal Current Directions in Psychological Science
    Seiten 339-344
  • 2016
    Titel Dog Owners' Interaction Styles: Their Components and Associations with Reactions of Pet Dogs to a Social Threat
    DOI 10.3389/fpsyg.2016.01979
    Typ Journal Article
    Autor Cimarelli G
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 1979
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Individual and group level trajectories of behavioural development in Border collies
    DOI 10.1016/j.applanim.2016.04.021
    Typ Journal Article
    Autor Riemer S
    Journal Applied Animal Behaviour Science
    Seiten 78-86
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Aging effects on discrimination learning, logical reasoning and memory in pet dogs
    DOI 10.1007/s11357-015-9866-x
    Typ Journal Article
    Autor Wallis L
    Journal AGE
    Seiten 6
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Dogs (Canis familiaris) Can Learn to Attend to Connectivity in String Pulling Tasks
    DOI 10.1037/a0033202
    Typ Journal Article
    Autor Riemer S
    Journal Journal of Comparative Psychology
    Seiten 31-39
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Part-Based and Configural Processing of Owner's Face in Dogs
    DOI 10.1371/journal.pone.0108176
    Typ Journal Article
    Autor Pitteri E
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Lifespan development of attentiveness in domestic dogs: drawing parallels with humans
    DOI 10.3389/fpsyg.2014.00071
    Typ Journal Article
    Autor Wallis L
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 71
    Link Publikation
  • 2014
    Titel The Predictive Value of Early Behavioural Assessments in Pet Dogs – A Longitudinal Study from Neonates to Adults
    DOI 10.1371/journal.pone.0101237
    Typ Journal Article
    Autor Riemer S
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Dog Imitation and Its Possible Origins
    DOI 10.1007/978-3-642-53994-7_4
    Typ Book Chapter
    Autor Huber L
    Verlag Springer Nature
    Seiten 79-100
  • 2012
    Titel Do Owners Have a Clever Hans Effect on Dogs? Results of a Pointing Study
    DOI 10.3389/fpsyg.2012.00558
    Typ Journal Article
    Autor Schmidjell T
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 558
    Link Publikation
  • 2012
    Titel The use of a displacement device negatively affects the performance of dogs (Canis familiaris) in visible object displacement Tasks.
    Typ Journal Article
    Autor Huber L Et Al
  • 2012
    Titel Dogs’ attention towards humans depends on their relationship, not only on social familiarity
    DOI 10.1007/s10071-012-0584-9
    Typ Journal Article
    Autor Horn L
    Journal Animal Cognition
    Seiten 435-443
    Link Publikation
  • 2013
    Titel The Importance of the Secure Base Effect for Domestic Dogs – Evidence from a Manipulative Problem-Solving Task
    DOI 10.1371/journal.pone.0065296
    Typ Journal Article
    Autor Horn L
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Choice of conflict resolution strategy is linked to sociability in dog puppies
    DOI 10.1016/j.applanim.2013.09.006
    Typ Journal Article
    Autor Riemer S
    Journal Applied Animal Behaviour Science
    Seiten 36-44
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Impulsive for life? The nature of long-term impulsivity in domestic dogs
    DOI 10.1007/s10071-013-0701-4
    Typ Journal Article
    Autor Riemer S
    Journal Animal Cognition
    Seiten 815-819
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Dogs’ use of the solidity principle: revisited
    DOI 10.1007/s10071-013-0709-9
    Typ Journal Article
    Autor Müller C
    Journal Animal Cognition
    Seiten 821-825
    Link Publikation
  • 2014
    Titel The Use of a Displacement Device Negatively Affects the Performance of Dogs (Canis familiaris) in Visible Object Displacement Tasks
    DOI 10.1037/a0036032
    Typ Journal Article
    Autor Müller C
    Journal Journal of Comparative Psychology
    Seiten 240-250
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Dogs learn to solve the support problem based on perceptual cues
    DOI 10.1007/s10071-014-0739-y
    Typ Journal Article
    Autor Müller C
    Journal Animal Cognition
    Seiten 1071-1080
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Female but not male dogs respond to a size constancy violation
    DOI 10.1098/rsbl.2011.0287
    Typ Journal Article
    Autor Müller C
    Journal Biology Letters
    Seiten 689-691
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Dogs are able to solve a means-end task
    DOI 10.1007/s10071-011-0394-5
    Typ Journal Article
    Autor Range F
    Journal Animal Cognition
    Seiten 575-583
    Link Publikation

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