Produktivität, Löhne und Bildung in Alternden Gesellschaften
Productivity, Wages and Training in Ageing Societies
Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (40%); Wirtschaftswissenschaften (60%)
Keywords
-
Matched employer-employee data set,
Wages,
Ageing,
Training,
Productivity,
Panel estimation techniques
Der vorhersehbare Rückgang und die Alterung der Arbeitsbevölkerung in den meisten Industrieländern wird den Druck auf umlagefinanzierte Sozialsysteme erhöhen. Um die Nachhaltigkeit dieser Systeme zu garantieren, ist ein Produktivitätswachstum zwingend. Neben technologischem Fortschritt, Humankapitalinvestition, ökonomischen Strukturen etc. wird das Produktivitätswachstum wesentlich von der Altersstruktur der Arbeitsbevölkerung beeinflusst. Diesbezüglich stellt sich die Frage, ob eine alternde Arbeitsbevölkerung das Produktivitätswachstum hindert und die "demographische Last" (das Verhältnis der Personen im Ruhestand zu jenen im Arbeitsprozess) verstärkt. Um die Beziehung zwischen Produktivität und Altersstruktur der Arbeitsbevölkerung zu untersuchen, folgen wir der Literatur und wählen die Firmenebene als geeignete Untersuchungseinheit. Unsere Studie basiert auf dem erst seit kurzem (September 2008) verfügbaren Panel eines Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Datensatzes für Österreich für die Jahre 2002-2005. Während der Laufzeit des Projektes werden die Daten kontinuierlich erweitert. Ein erstes Ziel dieses Projektes ist es festzustellen, ob ein höherer Anteil von älteren Arbeitnehmern einen negativen Effekt auf die Produktivität auf Firmenebene hat. Die Anwendung von Paneldatenmethoden erlaubt es uns, für unbeobachtete (zeitinvariante) Heterogenität sowie für die Endogenität der unabhängigen Variablen zu kontrollieren. Ein weiteres Ziel ist eine Sensitivitätsanalyse der Ergebnisse in Bezug auf die Wahl der Altersstrukturvariablen. Es ist offensichtlich, dass die Alterszusammensetzung der Arbeitsbevölkerung - charakterisiert durch den Mittelwert, aber auch durch die Varianz der Altersverteilung - die Produktivität auf Firmenebene beeinflusst. Drittes Ziel unseres Projektes ist es, das Alters-Produktivitätsprofil dem Alters- Lohnprofil gegenüberzustellen. Basierend auf bisherigen theoretischen und empirischen Studien erwarten wir, dass diese beiden Maße divergieren, wobei für jüngere Altersgruppen Löhne unter der Produktivität und für höhere Altersgruppen Löhne über der Produktivität lägen. Das vierte Ziel unseres Projektes ist die Kontrolle für Weiterbildungsmaßnahmen auf Firmenebene, d.h. ändert sich das Alters-Produktivitätsprofil, wenn wir für Weiterbildungsmaßnahmen kontrollieren? Ebenso werden wir testen, ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer mehr von den Weiterbildungsmaßnahmen profitieren, d.h. ob Weiterbildungsmaßnahmen die Löhne und die Produktivität auf Firmenebene unterschiedlich beeinflussen. Abschließend werden wir unsere Analyse auch auf Sektoren vs. Firmenebene durchführen, um zu überprüfen, ob externe Produktivitätseffekte zwischen Firmen des gleichen Sektors bestehen. Zusammenfassend stellt unsere Studie die erste umfangreiche Analyse der Altersstruktureffekte von Arbeitnehmern auf die Firmenproduktivität unter Verwendung eines Paneldatensatzes für Österreich dar. Außerdem soll das Projekt den Anstoß zu der kontinuierlichen Aufbereitung eines Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Datensatzes geben, der für weitere interessante Fragestellungen im Bereich der Arbeits- und Betriebsökonomie von großem Interesse wäre.
In den meisten Industrieländern wird die Arbeitsbevölkerung in den nächsten Jahren sowohl schrumpfen als auch altern. Ob umlagefinanzierte Sozialsysteme durch diese demographische Entwicklung gefährdet sind, hängt wesentlich vom zukünftigen Produktivitätswachstum ab. Es stellt sich jedoch die Frage inwieweit eine alternde Arbeitsbevölkerung Produktivität eventuell negativ beeinflussen wird. Um die Beziehung zwischen Produktivität und der Altersstruktur der Arbeitsbevölkerung zu untersuchen, betrachten wir die Unternehmensebene als geeignete Untersuchungseinheit. Basierend auf unserer Initiative wurde von der Statistik Austria ein ArbeitnehmerInnen-ArbeitgeberInnen Datensatz für Österreich generiert. Dieser baut im Wesentlichen auf den Datensätzen der Leistungs- und Strukturerhebung sowie den Daten des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger auf und umfasst 19.633 Firmen in Österreich über die Jahre 2002-2005.Zunächst haben wir anhand deskriptiver Analysen die Beziehung der Altersstruktur der ArbeitnehmerInnen innerhalb eines Unternehmens und der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität (gemessen als Wertschöpfung pro ArbeitnehmerIn) innerhalb des Unternehmens untersucht. Die Ergebnisse der beschreibenden Statistiken haben bereits darauf hingewiesen, dass der Zusammenhang zwischen Produktivität und Altersstruktur auf Firmenebene nach Sektoren unterschiedlich ist. Im Folgenden haben wir mittels moderner Paneldatenmethoden drei unterschiedliche Studien durchgeführt, welche sich wesentlich durch die Aggregationsebene, auf welcher die Daten analysiert wurden, unterschieden. Diese waren die Firmenebene, die Sektorenebene und die Firmenebene kombiniert mit dem sektoralen und regionalen Kontext. Grundsätzlich zeigt sich, dass wir den häufig vermuteten negativen Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität innerhalb einer Firma und dem Anteil älterer Arbeitnehmer nicht bestätigen können. Im Gegensatz dazu scheint der Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität innerhalb einer Firma und dem Anteil jüngerer Arbeitnehmer negativ zu sein. Auch konnten wir im Allgemeinen keine Überbezahlung auf Basis zunehmenden Alters feststellen, d.h. innerhalb einer Firma ist der Durchschnittslohn nicht signifikant höher als die Durchschnittsproduktivität, wenn es einen höheren Anteil älterer Beschäftigter gibt. Zusammenfassend können unsere Ergebnisse die Hypothese abnehmender Produktivität mit höherem Alter der Belegschaft nicht bestätigen. Vielmehr bestimmen unternehmensspezifische Charakteristika wie auch der geographische und sektorale Kontext, in welchem sich die Firmen befinden, die Produktivität.
- Technische Universität Wien - 100%
Research Output
- 123 Zitationen
- 10 Publikationen
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2011
Titel Ageing, Productivity and Wages in Austria DOI 10.2139/ssrn.2000163 Typ Preprint Autor Mahlberg B Link Publikation -
2011
Titel A Matched Employer-Employee Panel Data Set for Austria: 2002-2005 DOI 10.2139/ssrn.2000148 Typ Preprint Autor Freund I Link Publikation -
2013
Titel The age-productivity pattern: Do location and sector affiliation matter? DOI 10.1016/j.jeoa.2013.08.002 Typ Journal Article Autor Mahlberg B Journal The Journal of the Economics of Ageing Seiten 72-82 Link Publikation -
0
Titel A matched employer-employee panel data set for Austria: 2002-2005. Typ Other Autor Freund I -
0
Titel Ageing, productivity and wages in Austria: evidence from a matched employer-employee data set at the sectoral level. Typ Other Autor Freund I -
2013
Titel Ageing, productivity and wages in Austria DOI 10.1016/j.labeco.2012.09.005 Typ Journal Article Autor Mahlberg B Journal Labour Economics Seiten 5-15 Link Publikation -
2013
Titel Special issue: The Economics of Ageing, Selected Papers from the 2012 Annual Meeting of the Austrian Economic Association DOI 10.1007/s10663-013-9229-8 Typ Journal Article Autor Prskawetz A Journal Empirica Seiten 391-395 Link Publikation -
2012
Titel An Economic Perspective on Ageing. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Fürnkranz-Prskawetz A Konferenz Ageing Societies - Mature People. Gesundes Altern als Chance? Symposium 10.Mai 2011. Anlässlich der Feierlichen Sitzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ÖAW: Forschung und Gesellschaft -
2012
Titel Ageing, productivity and wages in Austria: sector level evidence DOI 10.1007/s10663-012-9192-9 Typ Journal Article Autor Mahlberg B Journal Empirica Seiten 561-584 -
2012
Titel A Matched Employer-Employee Panel Data Set for Austria: 2002-2005 DOI 10.2139/ssrn.2176654 Typ Preprint Autor Freund I Link Publikation