Illuminierte Handschriften und Inkunabeln der OÖLB, Teil 2
Illuminated Manuscripts and Incunabula in the OÖLB, Part 2
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (20%); Kunstwissenschaften (60%); Philosophie, Ethik, Religion (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%)
Keywords
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Buchmalerei / Book illumination,
Provenienzforschung / Research into provenance,
Kodikologie / Codicology,
Kunstgeschichte / Art History,
Einbandkunde / Research into bookbinding,
Geschichte des Mittelalters / History of the MA
Das Ziel des vorliegenden Forschungsvorhabens, das die Fortsetzung des FWF-Projektes P 18282 G06 darstellt, ist es, die Katalogisierung der illuminierten spätgotischen Handschriften und Inkunabeln der Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz weiterzuführen. Sind im Vorgänger-projekt alle Bände aus der Zeit von ca. 1450-1530 beschrieben worden, die in Österreich oder Bayern ausgeschmückt wurden, so setzt sich das im Folgeprojekt zu untersuchende Bücherkonvo-lut aus den folgenden Objektgruppen zusammen: 1. den Handschriften und Inkunabeln aus der Zeit von ca. 1450-1530, die außerhalb Österreich und Bayerns illuminiert wurden, 2. den Inkunabeln, die ihren Schmuck in Suben erhielten, und 3. den Handschriften aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Methodisch folgt die Beschreibung der Objekte den Richtlinien, die im Rahmen des Projektes zur Katalogisierung der illuminierten Handschriften und Inkunabeln der Österreichischen Nationalbibliothek erarbeitet wurden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der sorgfältigen Beschreibung und gründlichen kunsthistorischen Analyse des Buchschmuckes, die die Haupt-grundlage für die zeitliche und geographische Einordnung der katalogisierten Bände bildet. Dane-ben beinhalten die Katalogtexte jeweils auch eine ausführliche kodikologische Beschreibung sowie weiters eine genaue Untersuchung und Einordnung des Einbandes, eine detaillierte Rekonstruktion der Provenienzgeschichte und eine dem aktuellen Forschungsstand gerecht werdende Be-stimmung der textlichen Inhalte des betreffenden Buches. Methodisches Neuland betritt das Projekt insofern, als der bislang gültige Beschreibmodus an den Buchtyp der Inkunabel angepaßt wurde und die Katalogisierung von Inkunabeln unter besonderer Berücksichtigung des Buchschmuckes eine etwas veränderte Herangehensweise an die Objekte erforderte. Der wissenschaftliche Nutzen des Projektes, dessen Ergebnisse in Form eines im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gedruckten Katalogs publiziert werden sollen, liegt zum einen in der Bereitstellung der ermittelten Daten an sich (zu den Objekten selbst, zu Einbänden, zu Vorbesitzern usw.), zum anderen in deren synthetischer Interpretation. Die Ergebnisse dieser Interpretation fließen in die kommentierenden Teile der Katalogtexte sowie in Einleitungen zu bestimmten Gruppen von Beschreibungen ein. Abgehandelt werden darin Themen wie die stilistische Entwicklung eines bestimmten Illuminators, Ausmaß und Qualität der Buchproduktion in einzelnen Stiften oder die Geschichte privater Büchersammlungen. Die allgemeine Einleitung zum Katalog wiederum wird hautpsächlich die Zusammensetzung des beschriebenen Bücherkonvoluts erörtern, daneben aber auch allgemeine Themen wie etwa die Entwicklung der Buchmalerei von der Handschrift zum ge- druckten Buch behandeln. Von dem vorliegenden Projekt, das einen äußerst wichtigen Beitrag zur Katalogisierung illuminierter Handschriften und Inkunabeln in Österreich leistet, sind somit große Fortschritte auf dem Gebiet der Handschriften- und Inkunabelforschung zu erwarten. Darüber hi-naus sind die durch das Projekt gewonnenen Erkenntnisse auch für Kunsthistoriker, Mittelalterhis-toriker, Forscher auf dem Gebiet der mittelalterlichen Philologie, Theologie, Realienkunde, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte usw. von großer wissenschaftlicher Relevanz.
Ziel des Projektes war es, einen wissenschaftlichen Katalog der illuminierten spätgotischen Handschriften und Inkunabeln der Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz (OÖLB) zu erstellen. Bearbeitet wurden die mit Buchschmuck versehenen Handschriften und Inkunabeln aus der Zeit zwischen ca. 1450 und 1540, die außerhalb des österreichisch-bayerischen Raums entstanden, sowie die illuminierten Handschriften aus der ersten Hälfte des 15. Jhs. Im unmittelbaren Vorgängerprojekt waren bereits jene Objekte aus der zweiten Hälfte des 15. Jhs. und der ersten Hälfte des 16. Jhs. katalogisiert worden, die in den aus dem vorliegenden Projekt ausgesparten geographischen Raum lokalisierbar waren. Das Linzer Projekt leistet einen überaus wichtigen Beitrag zur großangelegten Katalogisierungskampagne, deren Grundstein bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelegt wurde und im Rahmen derer auf lange Sicht so viele Sammlungen illuminierter Handschriften und Inkunabeln wie möglich erschlossen werden sollen. Den Kern dieser Langzeitunternehmung bilden jene Forschungsprojekte, die die Katalogisierung der illuminierten Bestände der Österreichischen Nationalbibliothek zum Inhalt haben. Demgemäß orientieren sich die Linzer Projekte, wie auch jene Forschungsvorhaben, die sich mit den illuminierten Objekten der Universitätsbibliothek Graz befassen, methodisch an den Wiener Projekten. So wurde auch beim vorliegenden Projekt der Schwerpunkt auf die kunsthistorische Analyse des Buchschmucks gelegt, deren Ergebnisse die wichtigste Grundlage für die zeitliche und geographische Einordnung der katalogisierten Bände bildeten, wobei jedoch auch alle anderen äußeren Merkmale der beschriebenen Bände berücksichtigt wurden. Als methodische Neuerung kann der Bearbeitungsmodus der Inkunabeln bezeichnet werden, bei deren Bearbeitung die veränderten Produktionsweisen dieses neuen Buchtypus zu berücksichtigen waren. Zu den wichtigsten Ergebnissen des Nachfolgeprojekts gehört die Zuschreibung einer Reihe von Bänden an so renommierte Illuminatoren wie Johannes Bämler, Berthold Furtmeyr oder Antonio Maria de Villafora; im Vorgängerprojekt waren wiederum Zuschreibungen an Ulrich Schreier, den Meister des Friedrichsbreviers oder den Lehrbüchermeister gelungen. Andere, bislang unbekannte Illuminatoren wurden mit Notnamen wie Meister des Johannes Staindl oder Meister des Wiguleus Fröschl versehen, wenn ihnen Werkgruppen zugewiesen werden konnten. Als Entstehungsorte konnten darüber hinaus unter anderem Leipzig, Speyer oder Kaisheim, aber auch Paris oder Rom ermittelt werden. Des Weiteren erlaubte es die Zusammensetzung des Bestandes, die Entwicklung der Buchmalerei etwa in Augsburg und Nürnberg oder in Klöstern wie Suben oder Garsten nachzuzeichnen. Besonders aufschlussreich war die Untersuchung der Inkunabeln mit ihrem häufig seriell hergestellten Buchschmuck. Schließlich konnten zahlreiche Vorbesitzer der beschriebenen Bände identifiziert werden. Somit kann die im vorliegenden Projekt geleistete Arbeit als überaus wichtige Grundlagenforschung bezeichnet werden, durch die einerseits eine Fülle an Einzeldaten über die Objekte der OÖLB ermittelt wurde und die andererseits wertvolle neue allgemeine Erkenntnisse über die spätmittelalterliche Buchproduktion erbrachte; auch über die Geschichte der Bibliotheken, die in die jetzige OÖLB gelangten, wurden zahlreiche neue Informationen gesammelt. Insofern kann das Projekt als innovativ und bahnbrechend bezeichnet werden. Die Ergebnisse beider Projekte sollen in der von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Reihe Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln in Österreich publiziert werden.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 5 Publikationen
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2012
Titel Mitteleuropäische Schulen V (ca. 1410-1450): Wien und Ostösterreich. Typ Book Chapter Autor Hranitzky K -
2010
Titel Augsburger Brevier (Linz, OÖLB, Cod. 154). Typ Book Chapter Autor Ch. Wagner -
2009
Titel Die Arbeit des Salzburger Buchkünstlers Ulrich Schreier im Übergang von der Handschrift zum gedruckten Buch. Typ Journal Article Autor Schuller M Journal Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte -
2009
Titel Der Fleuronnee-Dekor in den Inkunabeln und Handschriften Des 15. Jahrhunderts aus dem Benediktinerstift Garsten DOI 10.7767/wjk.2009.58.1.225 Typ Journal Article Autor Hranitzky K Journal Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte Seiten 225-242 -
2009
Titel Handschriften aus dem 15. Jahrhundert und Inkunabeln. Zwischenergebnisse aus dem Katalogisierungsprojekt. Typ Book Chapter Autor Hranitzky K