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Difference and the City: Minoritäre MigrantInnen Wiens 1900

Difference and the City: Minority Migrants in Vienna ca 1900

Wladimir Florian Fischer-Nebmaier (ORCID: 0000-0002-6725-9012)
  • Grant-DOI 10.55776/P21493
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2009
  • Projektende 30.06.2013
  • Bewilligungssumme 230.088 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (40%); Geschichte, Archäologie (45%); Soziologie (15%)

Keywords

    Ambivalent Ethnicities, Self-representation in discourse, Practice of Everyday Life in History, Nationalism and Difference, Migrants´ history (migration history), Networks in historical urban spaces

Abstract Endbericht

Dieses Forschungsprojekt wendet sich einem spezifischen Aspekt historischer Diversität in der späten österreichisch-ungarischen Monarchie zu: das Projekt soll MigrantInnen aus den südöstlichen, vorwiegend südslavischen Provinzen der Habsburger Monarchie in der Hauptstadt Wien um 1900 beschreiben, und die Ambivalenzen von Repräsentation und Selbst-Repräsentation dieser MigrantInnen im Kontext des zeitgenössischen Nationalismus erkunden. Dabei ist es von besonderer Bedeutung, die Bedeutung der ethnischen Kategorie in Konkreten migrantischen Lebenswelten und Diskursen zu beschreiben und zwar im damaligen kontingenten Kontext von Differenz allgemein. Mit anderen Worten sollen migrantische Strategien, mit der eigenen Differenz im urbanen Habitat umzugehen beschrieben werden: sowohl als Praxis des Alltags (Wohnen, Geselligkeit, Arbeit, Geschäft, Freizeit usw.) als auch als Versuche, Differenz absichtsvoll zu verwalten und gestalten (Organisationen, Publikationen, öffentliche Veranstaltungen usw.). Wie verhielt sich die transregionale hybride Realität von MigrantInnen in der Metropole zu zeitgenössischen Identitätsprojekten und den entstehenden vorherrschenden Projekten der Nationalisierung oder gar Ethnifizierung, wie etwa die verschiedene Schattierungen südslavischer, kroatischer, serbischer oder zionistischer Projekte? Wie und wann wurden die Ethnizitäten von MigrantInnen konstruiert? Organisierten MigrantInnen ihr Leben entsprechend ethnischen Prinzipien und wenn ja, wie? Gab es ethnische Cluster oder Gemeinschaften aus den südslavischen Regionen? Auf welchen Ebenen und in welchen Kontexten war ethnische Identität überhaupt relevant? Wann standen andre Differenzen im Vordergrund, besonders Gender und Klasse, und wie kann ihre Kontingenz beschrieben werden? Welchen ökonomischen Einfluss hatte Gender unter MigrantInnen? Sorgfältige Archivforschung, hauptsächlich beruhend auf Kirchenmatriken, Verwaltungsakten, sowie sozioökonomische Daten betreffend Wohnbesitz und Mieten werden es erlauben, Archivmaterial so zu verschränken, dass sich sowohl individuelle Leben als auch die Netzwerke bis dato nicht beschriebener MigrantInnen rekonstruieren lassen, um historische Alltagspraktiken im Umgang mit Differenz zu beschreiben. Um auch die Versuche (vornehmlich) südslavischer MigrantInnen, in die Verwaltung und Gestaltung derartiger Differenz einzugreifen, darstellen zu können, werden diese Ergebnisse wiederum mit Diskursanalysen von Publikationen und anderen Repräsentationspraktiken verbunden werden von öffentlich sichtbaren MigrantInnen (inklusive Parlamentsarbeit). Die Forschung wird in enger Zusammenarbeit mit internationalen KollegInnen betrieben werden, es wird Reisen in diverse europäische und kanadische Institutionen geben, sowie begleitend einige hochwertige Zeitschriftenpublikationen.

Zusammenfassung für die Öffentlichkeitsarbeit Nie zuvor hatten in Wien mehr Serben, Kroaten und Slovenen gelebt als im späten 19. Jh. Zur selben Zeit waren ihre nationalen Identitätsprojekte im Aufschwung begriffen. Warum gab es dennoch keine Öffentlichkeit in ihren Sprachen in Wien? Welche Netzwerke hatten sie entwickelt und in/mit welchen Räumen kommunizierten sie, wenn nicht in der Öffentlichkeit? Difference and the City hat Antworten auf diese Fragen entwickelt. Aber das Projekt hat auch neue Fragen angeschnitten. Dies hat zu einem breiteren und tieferen Verständnis davon geführt, wie migrantische Identitätspolitik in der modernen Stadt funktioniert. Dabei griff die Forschung auch über den Atlantik aus, zurück ins 18 Jh. und wieder vorwärts ins 19. Jh. Paradoxer Weise waren nationale Identitätsprojekte Verfechter des Territorialismus und dennoch hätten sie ohne ein großes Maß an Mobilität nie entstehen können. Zur Erklärung empfiehlt es sich, Gemeinschaft und Identität als Projekte zu verstehen, also als offene Prozesse. Zielführend ist es auch, einen unorthodoxeren Forschungsansatz zu verwenden, der auf die Infrastrukturen und die Orte fokussiert, welche die mobilen Identitätsmanager für sich verwendeten. Um einen handhabbaren Erklärungsrahmen zu erhalten, hat sich Difference and the City auf Zeitungsprojekte Habsburgischer Serben zwischen 1891 und 1929 konzentriert, die an vordergründig beziehungslosen Orten entstanden: Wien, Novi Sad und Pittsburgh (USA). Warum Wien um 1800? Dort war die größte Bibliothek und kyrillisches Drucken war anderswo verboten. Eine kleine Gruppe slavisch-orthodoxer Kaufleute mit einem multilokalen System der Familienverbindungen und mit Infrastruktur in Wien, die mit vielen orthodoxen Städten des Balkan verbunden waren, trafen auf ein slavophiles Netzwerk aus einzelnen Intellektuellen, welche die Infrastruktur des Wissens um den Hof herum nutzten, um Artefakte der slavischen Selbstidentifikation zu sichern. 1891 erschien in Wien die bis dato erste serbische Zeitung. Natürlich war Novi Sad mit seiner serbischen Bevölkerung, die nächste Station im Jahr 1848. Als multinationale Stadt mit Verkehrs- und Handelsinfrastruktur nahe der Metropolie, war Novi Sad offen für den Transfer von zuvor beschränktem Know-how, das nun slavische Publikationen beförderte. 1848 war die Stadt Zentrum sowohl revolutionärer als auch konterrevolutionärer Aktivitäten und so entstand hier die erste serbische Zeitungslandschaft. Doch warum gab es in Wien im späten 19. Jh. keine serbischen Zeitungen mehr? Obwohl es viele potenzielle Leser gab, führte der geänderte politische Status Wiens nach 1867 zu einer Abnahme des Interesses, hier Politik für ungarische Bürger zu machen. Wissen und Technologie waren verbreiteter als zuvor. Um 1900 jedoch, war ein weiteres Land zum Ort für Politik Habsburgischer Serben geworden: die USA. Wie andere Migranten auch, etablierten sie dort eigene Öffentlichkeiten. 1906 erschien in Pittsburgh die erste serbische Tageszeitung der USA. Ihre proletarischen Leser standen in grellem Kontrast zur Zeit 100 Jahre früher.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 2 Zitationen
  • 6 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Migration und Innovation um 1900: Perspektiven auf das Wien der Jahrhundertwende
    Typ Book
    Autor Heimann
    Verlag Bohlau Verlag
  • 2012
    Titel A Worker Writes His Life: Narrative Strategies of an Austro-Hungarian Migrant to the United States
    DOI 10.1007/978-3-7091-0950-2_17
    Typ Book Chapter
    Autor Fischer W
    Verlag Springer Nature
    Seiten 187-201
  • 2014
    Titel Transatlantischer Heiratsmarkt und Heiratspolitik von MigrantInnen aus Österreich-Ungarn in den USA, 1870–1930
    DOI 10.7788/lhomme-2014-0105
    Typ Journal Article
    Autor Steidl A
    Journal L'Homme
    Seiten 51-68
  • 2018
    Titel Identitätsmanagement von südslavischen MigrantInnen aus Österreich-Ungarn in den USA, ca. 1890-1940; In: Migrationsregime vor Ort und lokales Aushandeln von Migration, Migrationsgesellschaften,
    Typ Book Chapter
    Autor Fischer-Nebmaier
    Verlag Springer VS
    Seiten 189-218
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Von Einschusslöchern und Gesäßabdrücken. Spuren von MigrantInnen aus der südöstlichen Peripherie in Wiens Großstadttextur um 1900.
    Typ Book Chapter
    Autor Fischer W
  • 0
    Titel From a Multiethnic Empire to a Nation of Nations: Austro-Hungarian Migrants in the Us, 1870-1940
    Typ Book
    Autor Fischer-Nebmaier Wladimir
    Verlag Studienverlag GesmbH

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