Mittelalterliche Handschriften in Salzburg: Streubestände
Medieval Manuscripts in Salzburg: Scattered Manuscripts
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (70%); Geschichte, Archäologie (30%)
Keywords
-
Documentation,
Catalogue of medieval manuscripts,
Medieval Latin and German literature
Nach der Katalogisierung der mittelalterlichen Handschriften in deutscher Sprache der Bibliothek der Erzabtei St. Peter (1982) und der Universitätsbibliothek (1988) sowie des Gesamtbestandes der mittelalterlichen Handschriften der Biotheken des Benediktinerstifts Michaelbeuern (2000) und des Benediktiner-Frauenstifts Nonnberg (Drucklegung 2008/2009) sollen nunmehr die Bestände der kleineren Bibliotheken des Landes Salzburg erfasst werden. Es handelt sich dabei um die Bibliotheken des Kollegiatstifts Mattsee, des Erzbischöflichen Priesterseminars, des Erzbischöflichen Konsistorialarchivs, des Salzburg-Museums (früher: Salzburger Museum Carolinum-Augusteum), des Stadtarchivs und des Landesarchivs. Insgesamt beläuft sich dieser Bestand auf mehr als 120 Handschriften und 50 Fragmente aus der Zeit zwischen dem 9. und 16. Jahrhundert. Damit setzt dieses Forschungsvorhaben den Schlussstein in das Katalogisierungsunternehmen im Bereich des Landes Salzburg, das in Zusammenarbeit mit der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters der Österr. Akademie der Wissenschaften durchgeführt wird. Für alle aufgeführten Bibliotheken gilt, dass ihre Handschriftenbestände nur unzureichend durch oftmals alte Zettelkataloge vor Ort erschlossen sind. Lediglich Teile des mittelalterlichen Bestandes der Bibliotheken des Erzbischöflichen Priesterseminars, des Konsistorialarchivs und des Salzburg-Museums sind in einem Kurz-Inventar 1981 publiziert worden (Donald Yates: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed fort he Hill Monastic Library. Austrian Libraries, Vol. I. Collegeville 1981). Nach Anlage und Methode folgen die Beschreibungen den Kriterien, die von der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erarbeitet wurden; für die Herstellung der Druckvorlage gilt dasselbe.
Im vorliegenden Katalog wurden die kleineren Handschriftenbestände des Landes Salzburg katalogisiert, zu denen das Archiv der Stadt Salzburg, das Salzburger Landesarchiv, das Archiv der Erzdiözese Salzburg, die Bibliothek des Salzburg Museum und die Stiftsbibliothek und das Stiftsarchiv Mattsee zählen. Der Katalog schließt damit an eine Reihe der bisher schon bearbeiteten größeren Sammlungen der deutschen Handschriften von St. Peter und der Universitätsbibliothek sowie der deutschen und lateinischen Handschriften des Stifts Michaelbeuern an. Die Mattseer Sammlung ist unter den Beständen, die in diesem Katalog beschrieben werden, mit 41 vorhandenen Handschriften die verhältnismäßig größte. In ihr sind vor allem Bücher, die der pastoralen Praxis dienten, Predigtsammlungen, Handbücher für die Seelsorge, Beicht- und Messtraktate aufbewahrt. Besondere Berücksichtigung finden Autoren der Wiener Universität. Neben den Handschriften sind drei karolingische Fragmente von Bedeutung, deren spezifische Machart auf ein Mattseer Skriptorium im Frühmittelalter schließen lässt.Einen geringeren Grad an Geschlossenheit weisen die übrigen Handschriftensammlungen auf. Die 16 Handschriften des Archivs der Erzdiözese sind thematisch breit gestreut, eine Gruppe von vier juristischen Handschriften aus Italien bildet zumindest in Ansätzen einen thematischen Schwerpunkt. Deutsche Handschriften stammen ausnahmslos aus dem 16. Jahrhundert. Neben den Handschriften sind noch 68 Fragmente zum Großteil erstmalig beschrieben worden. 50 Fragmente haben liturgischen Inhalt, drei davon stammen aus dem 9. bzw. 11. Jahrhundert. Sowohl das Archiv der Stadt Salzburg als auch das Landesarchiv bewahren in ihrem Handschriftenbestand so gut wie ausschließlich Stadt-, Landes- und Polizeiordnungen und Salzburger Chroniken aus dem 16. Jahrhundert. Im Landesarchiv gibt es darüber hinaus noch eine Sammlung von Fragmenten, deren Inhalt nur in wenigen Fällen bereits bekannt war. Zu den wichtigsten Funden zählen zwei Blätter der St. Georgener Predigten, neun Blätter aus einem Codex discissus des Liber de exemplis et similitudinibus des Johannes a Sancto Geminiano und sieben Doppelblätter aus einem Codex discissus der Historia scholastica des Petrus Comestor bzw. Petrus Pictaviensis. Bemerkenswert ist auch der Fund eines Fragments der Altercatio Aecclesia contra Synagogam, das auf die Mitte des 14. Jahrhunderts datiert und im süddeutschen Raum geschrieben wurde; bisher waren von diesem Text nur zwei Überlieferungsträger aus England aus dem 12. Jahrhundert bekannt.Im Salzburg Museum schließlich, das 39 Handschriften und drei Fragmente verwahrt, ist immerhin ein Kernbestand von 15 medizinischen Handschriften aus Oberitalien auszumachen, der schon im 15. Jh. geschlossen im Besitz des Apothekers Zacharias Stewitz war und seit der Gründung des Museums als Museum Carolino-Augusteum dort verwahrt wird. Unter den deutschen Handschriften ist besonders eine bisher nicht bekannte Übersetzung von De occulta philosophia des Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim zu erwähnen. Die Fragmente sind für die germanistische Forschung von einiger Bedeutung: Bisher schon bekannt und bearbeitet waren ein Fragment des Parzival Wolframs von Eschenbach (Mitte 13. Jh.) und ein Fragment der Sächsischen Weltchronik. Ebenfalls schon bekannt, aber zwischenzeitlich verschollen und im Zuge der Katalogisierungsarbeiten wiedergefunden war ein Fragment der Weltchronik Heinrichs von München.
- Universität Salzburg - 100%
Research Output
- 1 Publikationen
-
2010
Titel Die mittelalterlichen Handschriften des Salzburg Museum. Typ Book Chapter Autor Czifra N