Menschliches Cochleanervenmodell
Human cochlear nerve model
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (20%); Informatik (30%); Klinische Medizin (30%); Medizintechnik (20%)
Keywords
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Human Cochlea,
Morphometry,
Neuron Cluster,
Computer Simulation,
Spiral Ganglion,
Cochlear Implant
Projektziel ist die Erfassung neuer detaillierter anatomischer und morphometrischer Daten des afferenten Teils des menschlichen Cochlearnervs (Spiralganglion), um mit einem daraus entwickelten Computermodel das Übertragungsverhalten (input-output) des akustisch wie auch des elektrisch stimulierten Ohres zu analysieren. Zusätzlich werden die Bahnen der Spiralganglienzellen untersucht. Die erzielten Ergebnisse sind von besonderem Interesse für die Cochlearimplantatsforschung, etwa zur besseren Spracherkennung bei Störgeräuschen. Die neuronalen Elemente für die Signalübertragung von der Cochlea zum Gehirn unterscheiden sich wesentlich zwischen Menschen und Säugetierspezies. Dies führt zu noch unbewiesenen Hypothesen über funktionelle Konsequenzen. Die Signalverarbeitung für Cochlearimplantate basiert gegenwärtig hauptsächlich auf Messungen von Aktionspotenzialen im Katzenohr, sodass wegen fehlendem Wissen über die neuronalen Elemente der menschlichen Cochlarnerven sogar die neuesten Strategien der Signalverarbeitung für Cochlearimplantatträger de facto für die Katze anstatt für den Menschen entwickelt wurden. Die Einzigartigkeit der menschlichen Spiralganglienzellen besteht in der Somaregion, typischer Weise mit wenig Isolierung durch Myelinschichten und durch Clusterbildung mehrerer Zellkörper. Um das Wissen über die relevante Ultrastruktur wesentlich zu erweitern, sollen die menschlichen Eigenheiten mit Hilfe von vorhandenem Equipment und Material (Menschen und Primaten) spezifiziert werden. Der Vergleich mit Primaten soll auch Aufschluss über die Entwicklung der speziellen humanen Morphologie geben. Als Alternative zu Ableitungen aus einzelnen Nervenfasern, die für den Menschen nicht verfügbar sind, wird ein allgemeines biophysikalisches Model der Cochlearneuronen inklusive Clustereigenschaften entwickelt, um die funktionellen Konsequenzen der menschlichen Sonderstellung zu erforschen. Damit wird der Einfluss relevanter elektrischer und geometrischer Parameter analysiert. Mit diesem neuen Model soll untersucht werden wie die drei (i-iii) Hauptprinzipien der Codierung im Hörnerv des Menschen mit der spezifischen menschlichen Anatomie und Morphometrie zusammenhängen und welche Konsequenzen für Cochlear-implantatträger zu erwarten sind bzgl. (i) tonotopischer Organisation: Verschiebung der Frequenzzuordnung von distalen Faserenden, die dem Cortischen Organ entspringen (fast 2 Windungen) zur Somaregion im Rosenthalkanal (1 Windungen) (ii) temporaler Feinstruktur des neuronalen Codes: a) für kurze Interspikeintervalle in den distalen Axonen gibt es einen möglichen Verlust von Signalen in der Somaregion und b) im Fall von elektrischer Stimulation: eine konfuse bimodale Verteilung von Verzögerungszeiten als Konsequenz von verschiedenen Regionen der Spikeentstehung (iii) Spontanaktivität: das ist ein Verstärkungsmechanismus für akustische Signale an der Hörschwelle woraus eine Mischung von Spikes mit und ohne temporaler Information über das akustische Eingangssignal resultiert; Cluster mit einigen eingeschlossenen Zellkörpern könnten als Filterelemente dienen und damit die erste Stufe der neuronalen Informationsübertragung bedeuten.
Projektziel war die Erfassung neuer detaillierter anatomischer und morphometrischer Daten des afferenten Teils des menschlichen Hörnervs (Spiralganglion), um mit einem daraus entwickelten Computermodel das Übertragungsverhalten (input-output) des akustisch wie auch des elektrisch stimulierten Ohres zu analysieren. Zusätzlich wurden die Bahnen der Spiralganglienzellen untersucht. Die erzielten Ergebnisse sind von besonderem Interesse für die Cochleaimplantatforschung, etwa zur besseren Spracherkennung bei Störgeräuschen.Die neuronalen Elemente für die Signalübertragung von der Cochlea zum Gehirn unterscheiden sich wesentlich zwischen Menschen und Säugetierspezies was zu überraschenden funktionellen Konsequenzen führt. Die Signalverarbeitung für Cochleaimplantate basiert gegenwärtig hauptsächlich auf Messungen von Aktionspotenzialen im Katzenohr, sodass wegen fehlendem Wissen über die neuronalen Elemente der menschlichen Hörnervs sogar die neuesten Strategien der Signalverarbeitung für Cochleaimplantatträger de facto für die Katze anstatt für den Menschen entwickelt wurden.Die Einzigartigkeit der menschlichen Spiralganglienzellen besteht in der Zellkörperregion, typischer Weise mit wenig Isolierung durch Myelinschichten und durch Clusterbildung mehrerer Zellkörper. Es wurde gezeigt, dass die Zellkörper kleiner sind als ursprünglich angenommen, dass beim Menschen die Nervenfasern vor dem Zellkörper genau halb so dick sind wie im zentralen Bereich und dass die Clusterbildung sehr häufig vorkommt. Alle drei Beobachtungen sind konträr zu den Verhältnissen bei Katzen. Ferner wurde ein spiralförmiger Verlauf der Nervenfasern im Tieftonbereich festgestellt, der für weit in die Cochlea eindringende Implantate die Verletzung der Frequenzzuordnung bedeutet, weil jede dieser Fasern zu mehreren frequenzspezifischen Elektroden kurze Abstände hat. Bei der Analyse der Signalübertragung des Hörnervens von den Rezeptorzellen (innere Haarzellen) zum Stammhirn wurde folgendes für den Humanfall festgestellt. Das synaptische Anregungssignal ist ca. 15mal stärker als notwendig. Diese scheinbare Energieverschwendung bringt eine Beschleunigung der Signalübertragung und damit der Wahrnehmung von einer halben Millisekunde. Die durchmesserabhängige Weiterleitungsgeschwindigkeit in den Fasern deckt sich mit denen peripherer Nerven, liefert aber einen Wert der zu einer neuen Interpretation der so genannten auditory brainstem response (ABR) führt. ABR ist eine Messtechnik, die zur Interpretation von Fehlern in der Signalweiterleitung klinisch eingesetzt wird. Hier gibt es in der Fachliteratur widersprüchliche Interpretationen darüber welche neuronalen Elemente die Generatoren der 7 gemessenen Wellen sind. Wir fanden, dass der erste Maximalwert im ABR Signal dann entsteht wenn das Nervensignal den Zellkörper passiert.Die geometrische Form der Strukturen in der Cochlea wurde durch Mikro-CT datenmäßig erfasst und mit einem Finite Elemente Programm ausgewertet, um damit ein Analysewerkzeug für die elektrische Anregung mit Cochlea Implantaten zur Verfügung zu stellen.
- Anneliese Schrott-Fischer, Medizinische Universität Innsbruck , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Helge Rask-Andersen, Uppsala University Hospital - Schweden
- Tania Hanekom, University of Pretoria - Südafrika
Research Output
- 644 Zitationen
- 20 Publikationen
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2020
Titel Finite element analysis and three-dimensional reconstruction of tonotopically aligned human auditory fiber pathways: A computational environment for modeling electrical stimulation by a cochlear implant based on micro-CT DOI 10.1016/j.heares.2020.108001 Typ Journal Article Autor Potrusil T Journal Hearing Research Seiten 108001 -
2017
Titel Molecular composition and distribution of gap junctions in the sensory epithelium of the human cochlea—a super-resolution structured illumination microscopy (SR-SIM) study DOI 10.1080/03009734.2017.1322645 Typ Journal Article Autor Liu W Journal Upsala Journal of Medical Sciences Seiten 1-11 Link Publikation -
2017
Titel Role of BDNF and neurotrophic receptors in human inner ear development DOI 10.1007/s00441-017-2686-9 Typ Journal Article Autor Johnson Chacko L Journal Cell and Tissue Research Seiten 347-363 Link Publikation -
2016
Titel Neurosensory Differentiation and Innervation Patterning in the Human Fetal Vestibular End Organs between the Gestational Weeks 8–12 DOI 10.3389/fnana.2016.00111 Typ Journal Article Autor Chacko L Journal Frontiers in Neuroanatomy Seiten 111 Link Publikation -
2015
Titel Nanoparticle mediated drug delivery of rolipram to tyrosine kinase B positive cells in the inner ear with targeting peptides and agonistic antibodies DOI 10.3389/fnagi.2015.00071 Typ Journal Article Autor Glueckert R Journal Frontiers in Aging Neuroscience Seiten 71 Link Publikation -
2014
Titel Development of the innervation of the human inner ear DOI 10.1002/dneu.22242 Typ Journal Article Autor Pechriggl E Journal Developmental Neurobiology Seiten 683-702 Link Publikation -
2011
Titel Neurotrophic Receptors as Potential Therapy Targets in Postnatal Development, in Adult, and in Hearing Loss-Affected Inner Ear DOI 10.1097/mao.0b013e31821f7cc1 Typ Journal Article Autor Bitsche M Journal Otology & Neurotology Seiten 761-773 -
2011
Titel Current-Distance Relations for Microelectrode Stimulation of Pyramidal Cells DOI 10.1111/j.1525-1594.2011.01224.x Typ Journal Article Autor Wenger C Journal Artificial Organs Seiten 263-266 -
2011
Titel Lateral superior olive function in congenital deafness DOI 10.1016/j.heares.2011.01.012 Typ Journal Article Autor Couchman K Journal Hearing Research Seiten 163-175 Link Publikation -
2013
Titel Nanomedicine strategies for drug delivery to the ear DOI 10.2217/nnm.13.104 Typ Journal Article Autor Pritz C Journal Nanomedicine (London, England) Seiten 1155-1172 -
2010
Titel Enhancement of vowel encoding for cochlear implants by adding a high frequency signal: a modelling study. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Paredes L Konferenz Proceedings 10th Vienna international workshop on functional electrical stimulation -
2010
Titel Which elements of the mammalian central nervous system are excited by low current stimulation with microelectrodes? DOI 10.1016/j.neuroscience.2010.07.032 Typ Journal Article Autor Rattay F Journal Neuroscience Seiten 399-407 Link Publikation -
2014
Titel Peak I of the human auditory brainstem response results from the somatic regions of type I spiral ganglion cells: Evidence from computer modeling DOI 10.1016/j.heares.2014.07.001 Typ Journal Article Autor Rattay F Journal Hearing Research Seiten 67-79 Link Publikation -
2013
Titel Research in Electrical Stimulation Fundamentals DOI 10.1111/aor.12258 Typ Journal Article Autor Rattay F Journal Artificial Organs Seiten 1023-1026 Link Publikation -
2013
Titel Impact of Morphometry, Myelinization and Synaptic Current Strength on Spike Conduction in Human and Cat Spiral Ganglion Neurons DOI 10.1371/journal.pone.0079256 Typ Journal Article Autor Rattay F Journal PLoS ONE Link Publikation -
2012
Titel Morphometric classification and spatial organization of spiral ganglion neurons in the human cochlea: Consequences for single fiber response to electrical stimulation DOI 10.1016/j.neuroscience.2012.03.033 Typ Journal Article Autor Potrusil T Journal Neuroscience Seiten 120-135 Link Publikation -
2012
Titel Sheep as a Large Animal Model for Middle and Inner Ear Implantable Hearing Devices DOI 10.1097/mao.0b013e318248ee3a Typ Journal Article Autor Schnabl J Journal Otology & Neurotology Seiten 481-489 -
2012
Titel Strength–duration relationship for intra- versus extracellular stimulation with microelectrodes DOI 10.1016/j.neuroscience.2012.04.004 Typ Journal Article Autor Rattay F Journal Neuroscience Seiten 1-13 Link Publikation -
2012
Titel Human Cochlea: Anatomical Characteristics and their Relevance for Cochlear Implantation DOI 10.1002/ar.22599 Typ Journal Article Autor Rask-Andersen H Journal The Anatomical Record: Advances in Integrative Anatomy and Evolutionary Biology Seiten 1791-1811 -
2011
Titel Improving Hearing Performance Using Natural Auditory Coding Strategies DOI 10.1007/978-3-642-11934-7_12 Typ Book Chapter Autor Rattay F Verlag Springer Nature Seiten 249-261