Selektive Hemmung von mesenchymalen und hämatopoetischen RANKLs
Selective inhibition of mesenchymal and hematopoietic RANKL
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (25%); Klinische Medizin (50%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (25%)
Keywords
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RANKL,
Osteoprotegerin,
Bone marrow transplantation,
Osteoporosis,
Myocardial infarction,
Monoclonal antibody
Receptor activator of NF-B ligand (RANKL) ist nicht nur ein essentielles Zytokin für die Differenzierung, Aktivierung und das Überleben von Osteoklasten, sondern könnte auch in die Pathogenese des akuten Myokardinfarkts (MI) und von Herzversagen involviert sein. Aufgrund der fundamentalen Rolle des RANKL/Osteoprotegerin (OPG)-Systems im Knochen wurden monoklonale Antikörper gegen humanen RANKL (hRANKL) wie Denosumab und AMG161, die IgG1-Version von Denosumab, entwickelt. Darüber hinaus wurden kürzlich hRANKL knock-in (KI)-Mäuse generiert, in denen das Exon 5 im RANKL-Gen gegen die hu-mane Sequenz ersetzt wurde. Dieses chimäre RANKL-Protein kann zum einen die Knochen-resorption in Mäusen induzieren, wird zum anderen jedoch von Denosumab und AMG161 vollständig inhibiert. Noch unpublizierte Studien in meinem Labor haben klar gezeigt, dass bei einer Transplantation mit unfraktioniertem Knochenmark nur hämatopoetische und endotheliale, nicht jedoch mesenchymale Vorläuferzellen transplantiert werden. Das vorlie- gende Projekt basiert auf der Idee, dass - zusammen mit einem anti-hRANKL-Antikörper wie zum Beispiel AMG161 - hRANKL-KI-Mäuse als ein Werkzeug benutzt werden könnten, um zwischen der pathophysiologischen Rolle von RANKL aus hämatopoetischen/endothelialen und mesenchymalen Quellen zu separieren. Um dieses Ziel zu erreichen, schlagen wir vor, Wildtyp (WT)- und hRANKL-KI-Mäuse letal zu bestrahlen und mit Knochenmark von hRANKL-KI bzw. WT-Mäusen zu transplantieren. In bestrahlten WT-Mäusen, die mit Kno-chenmark von homozygoten hRANKL-Donoren rekonstituiert wurden, produzieren alle hämatopoetischen und einige endotheliale Zellen chimären hRANKL, während alle mesenchymalen Zellen murinen RANKL produzieren. Nachdem AMG161 nur humanen, aber nicht murinen RANKL blockt, wird AMG161 in diesem Modell nur chimären RANKL aus hämatopoetischen/endo-thelialen Zellen blocken. Umgekehrt, wenn homozygote hRANKL-KI-Mäuse mit Knochenmark von WT-Mäusen rekonstituiert werden, wird nur RANKL aus mesenchymalen Zellen geblockt. Zusammen mit hRANKL-KI-Mäusen als Kontrolle für eine komplette RANKL-Inhibition könnte ein derartiges System einzigartige Einblicke in die Pa-thophysiologie von Krankheiten ermöglichen, in denen RANKL-Signaling eine Rolle spielt. Dieses Vorhaben ist auf Osteoimmunologie und MI fokussiert und zielt darauf ab, folgende Fragen zu beantworten: 1) Was ist der relative Anteil von RANKL aus mesenchymalen oder Immun-/endothelialen Zellen an der Pathophysiologie von Sexualhormonmangel-induziertem Knochenverlust? 2) Hat eine totale RANKL-Inhibition oder eine selektive Hemmung von RANKL aus hämatopoetischem/endothelialem bzw. mesenchymalen Zellen eine positive Wirkung auf die Heilung von myokardialen Läsionen? Dieses Vorhaben wird das Wissen über die pathophysiologische Rolle von RANKL aus unterschiedlichen Zelltypen bei Osteoporose und MI signifikant erhöhen. Osteoporose und MI sind Hauptursachen für Invalidität und Tod in modernen Gesellschaften mit einem hohen Anteil von älteren Menschen. Unser Vorhaben könnte deshalb wichtige Auswirkungen auf unsere Gesundheitssysteme haben.
Wir haben in diesem Projekt eine bisher unbekannte Rolle von Knochenbelegzellen in der Regulation des Knochenumbaus entdeckt. Knochenbelegzellen differenzieren sich aus knochenbildenden Osteoblasten und bedecken die gesamte ruhende Knochenoberfläche. Bisher wusste man, dass Sexualhormone - also Östrogene und Androgene - den Knochenstoffwechsel über die Expression von Receptor activator of NF-B ligand (RANKL) regulieren. RANKL ist ein Botenstoff, der für die Differenzierung und Aktivierung von knochenabbauenden Osteoklasten essentiell ist. Gesteigerte Expression von RANKL führt zu vermehrtem Knochenabbau und Osteoporose. Es war bisher umstritten, welche Zielzellen im Knochen vermehrt RANKL exprimieren, so dass es im Sexualhormonmangel zu einem verstärkten Knochenabbau kommt. Durch eineKombinationverschiedener Analysemethoden ist es nun in Mausexperimenten gelungen, zu zeigen, dass die gesteigerte Expression von RANKL in der Zellmembran von Knochenbelegzellen die Zunahme des Knochenumbaus im Östrogenmangel bewirkt. Um das Zellkompartiment näher einzugrenzen, dessen gesteigerte RANKL-Expression für die Sexualhormonmangel-induzierte Osteoporose verantwortlich ist, verwendeten wir ein genetisch verändertes Mausmodell, in dem wir durch Knochenmarkstransplantationen und einen spezifischen Antikörper gegen humanes RANKL selektiv RANKL aus der blutbildenden oder der mesenchymalen Zellreihe hemmen konnten. Im Knochen gibt es zwei große Zellkompartimente: Das hämatopoetische Kompartiment, das alle roten und weißen Blutkörperchen sowie Osteoklasten umfasst, und das mesenchymale Zellkompartiment, das Osteoblasten, Osteozyten (allseits von Knochen umgebene Zellen), knorpelbildende Chondrozyten und eben auch Knochenbelegzellen an der Knochenoberfläche einschließt. Es zeigte sich, dass in Östrogen- und Androgen-defizienten Mäusen nur die Hemmung von RANKL, das von mesenchymalen Zellen produziert wurde, den Knochenturnover beeinflusste. Die Hemmung den RANKL aus hämatopoetischen Zellen blieb ohne Wirkung auf den Knochen. Um die Ergebnisse weiter zu verfeinern, etablierten wir eine neue Technologie, mit der man mit Hilfe eines Lasers bestimmte Zellen aus Gefrierschnitten von Knochen ausschneiden und analysieren kann. Es zeigte sich, dass im Östrogenmangel die Expression von RANKL selektiv in Knochenbelegzellen, nicht aber in Osteoblasten und Osteozyten, hochreguliert wurde. Bisher nahm man an, dass Osteozyten und hämatopoetische Zellen den Knochenumbau regulieren. Das vorliegende Projekt leistet somit einen Beitrag zum Verständnis der molekularen und zellulären Mechanismen der Regulation des Knochenumbaus und verbessert unser Verständnis der Mechanismen, die Knochenerkrankungen wie Osteoporose zugrunde liegen.
- Michael Schoppet, Universität Marburg - Deutschland
- Lorenz C. Hofbauer, Universitätsklinikum Dresden - Deutschland
- Paul Kostenuik, University of Michigan - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 239 Zitationen
- 7 Publikationen
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2018
Titel Selective inhibition of receptor activator of NF-?B ligand (RANKL) in hematopoietic cells improves outcome after experimental myocardial infarction DOI 10.1007/s00109-018-1641-x Typ Journal Article Autor Slavic S Journal Journal of Molecular Medicine Seiten 559-573 Link Publikation -
2011
Titel Physiological supplementation of sex steroids suppresses bone turnover in male but not female gonadectomized mice. Typ Journal Article Autor Erben Rg Et Al Journal J Bone Miner Res -
2011
Titel Hematopoietic bone marrow cells participate in endothelial, but not epithelial or mesenchymal cell renewal in adult rats DOI 10.1111/j.1582-4934.2010.01216.x Typ Journal Article Autor Odörfer K Journal Journal of Cellular and Molecular Medicine Seiten 2232-2244 Link Publikation -
2017
Titel Estrogen Regulates Bone Turnover by Targeting RANKL Expression in Bone Lining Cells DOI 10.1038/s41598-017-06614-0 Typ Journal Article Autor Streicher C Journal Scientific Reports Seiten 6460 Link Publikation -
2015
Titel Hypothesis: Coupling between Resorption and Formation in Cancellous bone Remodeling is a Mechanically Controlled Event DOI 10.3389/fendo.2015.00082 Typ Journal Article Autor Erben R Journal Frontiers in Endocrinology Seiten 82 Link Publikation -
2012
Titel RANKL derived from mesenchymal but not hematopoietic cellular sources is relevant for bone turnover in mice DOI 10.1016/j.bone.2012.08.013 Typ Journal Article Autor Streicher C Journal Bone -
2012
Titel Estrogen regulates physiological bone turnover by targeting mesenchymal cells in mice DOI 10.1016/j.bone.2012.08.033 Typ Journal Article Autor Heyny A Journal Bone