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GOBI -Geschlechtsidentität, Betätigungsbalance & Immunologie

Gender, Occupational balance and Immunology: The GOBI Study

Tanja Stamm (ORCID: 0000-0003-3073-7284)
  • Grant-DOI 10.55776/P21912
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2009
  • Projektende 31.08.2014
  • Bewilligungssumme 264.406 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Humanmedizin, Gesundheitswissenschaften (70%); Klinische Medizin (15%); Soziologie (15%)

Keywords

    Occupational science, Mixed-methods study, Chronic diseases, Life stories, Occupation and functioning related to time

Abstract Endbericht

Hintergrund: Betätigungswissenschaft ist eine neue, sich schnell entwickelnde wissenschaftliche Disziplin, die sich der Erforschung von Menschen als "tätige Menschen" widmet. Betätigung (englisch: occupation) wird in diesem Zusammenhang nicht mit bezahlter Arbeit gleichgesetzt, sondern als zielgerichtete Aktivität verstanden, die für jeden Lebensabschnitt charakteristisch ist, sowie typischerweise auch im Zeitablauf eines Tages variiert. Ein Schlüsselkonzept in der Beschreibung des Zusammenhanges zwischen Betätigung und Gesundheit könnte die so genannte "Betätigungsbalance" sein. "Betätigungsbalance" ist ein umfassenderes Konzept als die vielfach bekannte "work-life balance", die bezahlte Arbeit betont und für Menschen, die keiner bezahlten Arbeit nachgehen oder nachgehen können nicht relevant sein mag, wie z.B. traditionellerweise Frauen oder Menschen mit chronischen Erkrankungen. Es besteht allerdings ein Mangel an empirischen Daten über das Konzept der Betätigungsbalance im Allgemeinen, als auch darüber, inwieweit Betätigungsbalance mit biologischen Faktoren in gesunden und chronisch kranken Menschen korreliert. Geschlechtsspezifische Aspekte von Betätigungsbalance könnten außerdem in der Beratung hinsichtlich gesundheitsförderlicher Aktivitäten und in der Karriereplanung von Menschen mit chronischen Autoimmunerkrankungen wichtig sein. Außerdem können Geschlechtsunterschiede und Geschlechtsidentitäten den Verlauf und die Behandlung von chronischen Autoimmunerkrankungen beeinflussen. Zielsetzung: In diesem Projekt soll ein möglicher Zusammenhang zwischen den Erfahrungen von Menschen hinsichtlich einer möglichen Betätigungsbalance, Geschlechtsidentität, biologischen und immunologischen Variablen und dem Verlauf von chronischen Autoimmunerkrankungen untersucht werden. Methode: Drei Studien werden durchgeführt. (i) In einer qualitativen Studie am Beginn des Projekts werden mittels biographisch-narrativer Methodik die Lebensgeschichten von Menschen mit rheumatoider Arthritis (RA), Sclerodermie (SSc), Systemischem Lupus Erythematosus (SLE) und M. Crohn (CD) und so genannten "gesunden" Menschen ohne chronische Erkrankung erhoben und hinsichtlich einer möglichen Erfahrung von Betätigungsbalance, geschlechtspezifischen Unterschieden, sowie der Erfahrung von Zeit und Betätigungskarriere untersucht. (ii) Aus den Resultaten dieser qualitativen Studie wird ein Fragebogen zu Betätigungsbalance entwickelt, in einer Pilotstudie getestet, Rasch analysiert und wenn möglich urheberrechtlich geschützt. (iii) Die dritte Teilstudie des Projekts besteht aus einer Befragung und Erhebung von biologischen und immunologischen Variablen und dem Verlauf der chronischen Erkrankung über 6 Monate bei insgesamt 500 Personen um einen möglichen Zusammenhang zwischen Betätigungsbalance, Geschlecht und biologischen und immunologischen Variablen und dem Verlauf der Erkrankung zu untersuchen.

Betätigungswissenschaft ist eine neue, sich schnell entwickelnde wissenschaftliche Disziplin, die sich der Erforschung von Menschen als "tätige Menschen" widmet. Betätigungswissenschaft ist die (in Österreich bisher kaum existierende) wissenschaftliche Disziplin der Ergotherapie. Betätigung (englisch: occupation) wird in diesem Zusammenhang nicht mit bezahlter Arbeit gleichgesetzt, sondern als zielgerichtete Aktivität verstanden, die für jeden Lebensabschnitt charakteristisch ist, sowie typischerweise auch im Zeitablauf eines Tages variiert. Ein Schlüsselkonzept in der Beschreibung des Zusammenhanges zwischen Betätigung und Gesundheit könnte die so genannte "Betätigungsbalance" sein. "Betätigungsbalance" ist ein umfassenderes Konzept als die vielfach bekannte "work-life balance", die bezahlte Arbeit betont und für Menschen, die keiner bezahlten Arbeit nachgehen oder nachgehen können nicht relevant sein mag, wie z.B. traditionellerweise Frauen oder Menschen mit chronischen Erkrankungen. Es besteht allerdings ein Mangel an empirischen Daten über das Konzept der Betätigungsbalance im Allgemeinen, als auch darüber, inwieweit Betätigungsbalance mit biologischen Faktoren in gesunden und chronisch kranken Menschen korreliert. Geschlechtsspezifische Aspekte von Betätigungsbalance könnten außerdem in der Beratung hinsichtlich gesundheitsförderlicher Aktivitäten und in der Karriereplanung von Menschen mit chronischen Autoimmunerkrankungen wichtig sein. Außerdem können Geschlechtsunterschiede und Geschlechtsidentitäten den Verlauf und die Behandlung von chronischen Autoimmunerkrankungen beeinflussen. In diesem Projekt wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen den Erfahrungen von Menschen hinsichtlich einer möglichen Betätigungsbalance, Geschlechtsidentität, biologischen und immunologischen Variablen und dem Verlauf von chronischen Autoimmunerkrankungen untersucht. Basierend auf einer qualitativen Studie mit 90 TeilnehmerInnen (mit und ohne chronische Autorimmunerkrankung) wurde ein neuer Fragebogen zur Betätigungsbalance entwickelt, der sogenannte "Occupational Balance-Questionnaire (OB-Quest)". Konstruktvalidität und Reliabilität basierend auf interner Konsistenz wurden anhand quantitativer Daten mittels Rasch Analyse berechnet. 132 PatientInnen mit Rheumatoider Arthritis und 76 gesunde Personen füllten den Fragebogen aus. Zusätzlich wurden immunologische Parameter, wie z.B. Interleukin-6 (IL-6) und -8 (IL-8), Interferon Alpha (INF), Tumor Nekrose Faktor Alpha (TNF), Rheumafaktor (RF), C-reaktives Protein (CRP) und Antikörper gegen citrullinierte Peptide/Proteine (ACPA) gemessen. Wir konnten zeigen, dass Betätigungsbalance einerseits mit funktionaler Gesundheit korreliert und andererseits auch mit immunologischen Parametern zusammenzuhängen scheint. Die stärksten Zusammenhänge zeigten sich bei nicht-arbeitstätigen Gesunden, bei denen die immunologischen Parameter im normalen Bereich lagen. So korrelierten z.B. die OB-Quest Fragen "Ruhe und Schlaf" (rho = -0.71, p = 0.01) und "eine Vielfalt unterschiedlicher Aktivitäten" (rho = -0.74, p < 0.01) mit der SF-36 Subskala "social functioning". Für die Frage "herausfordernde Aktivitäten" wurde ein Zusammenhang mit dem Chemokin IL-8 (rho = -0.63, p = 0.04) und ACPA (rho = 0.65, p = 0.03) gefunden. Die SF-36 Subskala "bodily pain" korrelierte signifikant mit IFN (rho = -0.69, p = 0.02). Arbeitstätige und nicht-arbeitstätigen Personen unterschieden sich im Alter und den CRP-Werten (diese waren bei älteren Menschen erhöht). Zusätzlich fanden wir Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei zwei OB-Quest Fragen: Frauen konnten ihre Betätigungen an geänderte Lebensumstände besser anpassen und erlebten andererseits aber mehr Stress als Männer. Zusammenfassend konnten wir deutliche "physiologische" Hinweise für den Zusammenhang zwischen Betätigungsbalance und Gesundheit etablieren.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Hans Jonsson, Karolinska Institute - Schweden
  • Linda Lovelock, University of Brighton - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 254 Zitationen
  • 7 Publikationen
Publikationen
  • 2018
    Titel Functional consultation and exercises improve grip strength in osteoarthritis of the hand – a randomised controlled trial
    DOI 10.1186/s13075-018-1747-0
    Typ Journal Article
    Autor Stoffer-Marx M
    Journal Arthritis Research & Therapy
    Seiten 253
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Initial evidence for the link between activities and health: Associations between a balance of activities, functioning and serum levels of cytokines and C-reactive protein
    DOI 10.1016/j.psyneuen.2015.12.015
    Typ Journal Article
    Autor Dür M
    Journal Psychoneuroendocrinology
    Seiten 138-148
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Do patient-reported outcome measures cover personal factors important to people with rheumatoid arthritis? A mixed methods design using the International Classification of Functioning, Disability and Health as frame of reference
    DOI 10.1186/s12955-015-0214-8
    Typ Journal Article
    Autor Dür M
    Journal Health and Quality of Life Outcomes
    Seiten 27
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Development of a new occupational balance-questionnaire: incorporating the perspectives of patients and healthy people in the design of a self-reported occupational balance outcome instrument
    DOI 10.1186/1477-7525-12-45
    Typ Journal Article
    Autor Dür M
    Journal Health and Quality of Life Outcomes
    Seiten 45
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Patient education, disease activity and physical function: can we be more targeted? A cross sectional study among people with rheumatoid arthritis, psoriatic arthritis and hand osteoarthritis
    DOI 10.1186/ar4339
    Typ Journal Article
    Autor Dragoi R
    Journal Arthritis Research & Therapy
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Development of patient-centred standards of care for osteoarthritis in Europe: the eumusc.net-project
    DOI 10.1136/annrheumdis-2014-206176
    Typ Journal Article
    Autor Stoffer M
    Journal Annals of the Rheumatic Diseases
    Seiten 1145-1149
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Health determining concepts important to people with Crohn's disease and their coverage by patient-reported outcomes of health and wellbeing
    DOI 10.1016/j.crohns.2012.12.014
    Typ Journal Article
    Autor Dür M
    Journal Journal of Crohn's and Colitis
    Seiten 45-55
    Link Publikation

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