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Angiolinis Spätwerk in der Wissenskultur der Aufklärung

Angiolini in the Enlightenment´s Culture of Knowledge

Sibylle Dahms (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P21949
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 28.12.2009
  • Projektende 27.12.2012
  • Bewilligungssumme 70.907 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (15%); Geschichte, Archäologie (20%); Kunstwissenschaften (50%); Sprach- und Literaturwissenschaften (15%)

Keywords

    Ballet En Action, Angiolini, Gasparo, Cultural Politics, Theatre reform, Critical Edition, Ballet Libretto

Abstract Endbericht

Gasparo Angiolini (1731-1803), neben Jean Georges Noverre der wichtigste Tanztheoretiker und -reformator des 18. Jahrhunderts, hat mit seinen innovativen Handlungsballetten, aber auch mit seinen theoretischen Äußerungen entscheidend zur radikalen Neuorierung des Bühnentanzes um die Mitte des 18. Jahrhunderts beigetragen. Seine Schriften - die Vorreden zu den mit Christoph Willibald Gluck geschaffenen Wiener Reformballetten Don Juan, Citera assediata und Sémiramis, die tanztheoretischen Abhandlungen im engeren Sinne (Lettere di Gasparo Angiolini a Monsieur Noverre sopra i balli pantomimi, Riflessioni di Gasparo Angiolini sopra l`uso dei programmi nei balli pantomimi etc.) sowie die erläuternden Einleitungen ("avvisi") in Opern- und Ballettlibretti - sind in gedruckter Form überliefert und bilden ein vielgestaltiges Korpus höchst heterogenen Charakters, das in der Forschung bislang nur in Teilen beachtet wurde. Im Rahmen des FWF-Projektes "Tanztheoretische Schriften von Gasparo Angiolini" (P19568) konnte eine kommentierte Ausgabe sämtlicher Schriften Angiolinis erarbeitet werden, die als Voraussetzung für eine künftige eingehendere Beschäftigung mit dem Choreographen und Tanztheoretiker Angiolini unverzichtbar ist. Ziel des Folgeprojektes Angiolinis Spätwerk in der Wissenskultur der Aufklärung, das unmittelbar an die im Vorgängerprojekt geleisteten Arbeiten und Forschungsergebnisse anknüpft, ist eine systematische Untersuchung und Auswertung neuer und bislang ganz oder weitgehend unbekannter, überwiegend handschriftlicher Quellen von erheblichem Umfang, durch die nicht nur der bekannte Bestand der Schriften Angiolinis erweitert wird, sondern vor allem das bislang wenig erforschte letzte Drittel seines Lebens in neuem Licht erscheint. Durch die hinzugekommenen Quellen (autobiographische Schriften, Ballett-Szenarien und theoretische Abhandlungen), deren Berücksichtigung für eine umfassende Auseinandersetzung mit Angiolinis Werk und Wirken unverzichtbar ist, eröffnen sich neue Dimensionen: Die Dokumente fügen den bisherigen Erkenntnissen zu Angiolini und seiner Rolle in den kunstästhetischen Debatten der Zeit neue Facetten hinzu, die aus dem bisher bekannten Quellenbestand in dieser Weise nicht zu erschließen waren. Die späten Schriften offenbaren insbesondere eine neue Sichtweise des Theaters als moralischer Bildungsanstalt, die Überzeugung, dass das Theater dazu dienen soll, gesellschaftliche Ideen zu transportieren, und damit eine grundsätzlich gewandelte Auffassung von Theater, die bereits auf das 19. Jahrhundert vorausweist. Die Quellenfunde versprechen somit neue Erkenntnisse zur Persönlichkeit Angiolinis und insbesondere zur Entwicklung seines Denkens über Tanz und Theater, das sich in der letzten Phase seines Lebens zu einer globaleren Betrachtung theatraler Phänomene im kulturellen und gesellschaftlichen Kontext einer Epoche historischen Umbruchs ausweitete.

Ziel des Projektes war die analytische Sichtung, Auswertung und Kontextualisierung neuer Quellen zu Leben und Werk des Tänzers, Choreographen und Theoretikers Gasparo Angiolini (17311803), die im im Vorgängerprojekt (Writings on Dance Theory by Gasparo Angiolini, FWF P 19568) erschlossen werden konnten, und deren Integration in die kommentierte Ausgabe der tanztheoretischen Schriften Angiolinis, die als Abschluss der Projektarbeiten vorgelegt wird. Bei den neuen Quellen handelt es sich im Unterschied zu den bisher bekannten Zeugnissen Angiolinis zum größten Teil um handschriftliches, unveröffentlichtes und ganz oder weitgehend unbekanntes Material, das in Angiolinis letzter Lebensphase (ab 1790) entstand. Der umfangreiche, heterogene Bestand autobiographischer Schriften, Briefe, Ballettszenarien, Notizen und Fragmente sowie kulturpolitischer Abhandlungen dieses Spätwerks lässt Angiolinis Persönlichkeit in einem ganz neuen Licht erscheinen und erschließt den Mann des Tanzes in seiner politischen und soziokulturellen Dimension: Die Auswertung der späten Schriften erweitert und modifiziert den Wissensstand zu Angiolini und belegt in eindrucksvoller Weise, dass seine Bedeutung nicht nur in seinem bekannten Beitrag zur Ballettreform des 18. Jahrhunderts bestand, sondern auch darin, in Zeiten des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs im Zuge der Französischen Revolution entscheidende neue Impulse für die Rolle des Theaters über die Perspektive des (Bühnen-)Tanzes hinaus gegeben zu haben. In der letzten Phase seines Lebens gingen Angiolinis Überlegungen zunehmend über rein tanzspezifische Fragen hinaus und mündeten schließlich in einer erweiterten Sichtweise auf das Theater ganz allgemein, wobei dem Tanz im Verband mit anderen theatralen Phänomenen nunmehr explizit eine soziale und politische Funktion zugewiesen wird. Angiolini artikuliert in den späten Schriften seine Vorstellung von Theater als einer moralischen Bildungsinstitution und vertritt die Überzeugung, dass die szenisch-dramatische Kunst dazu zu dienen habe, gesellschaftliche und politische Ideen zu transportieren, eine Sichtweise, die auf die theaterreformatorischen Ideen J. Chr. Gottscheds und vor allem Friedrich Schillers verweist. Insgesamt erfordert die Auseinandersetzung mit den neuen Quellen des Spätwerks eine generelle Neubewertung der Persönlichkeit Angiolinis, seines uvres und seiner Rolle im kulturellen Kontext seiner Zeit, was wiederum Perspektiven für eine entsprechend breit gefasste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Forschungsgegenstand unter Einbeziehung soziokultureller Aspekte und aktueller kunstästhetischer Diskurse zum Theater insgesamt eröffnet.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%

Research Output

  • 14 Publikationen
Publikationen
  • 2011
    Titel Appuntamento con il diario. Alba de Céspedes, Quaderno proibito (1952).
    Typ Book Chapter
    Autor Aida Ribero
  • 2011
    Titel Die Bühnensituation zur Zeit Glucks.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Dahms S
    Konferenz Gluck auf dem Theater. Kongressbericht Nürnberg 2008, ed. Daniel Brandenburg and Martina Hochreiter, Kassel: Bärenreiter 2011 (Gluck-Studien vol. 5)
  • 2011
    Titel Angiolini, Noverre et la 'querelle de la danse'.
    Typ Book Chapter
    Autor Brandenburg I
  • 2013
    Titel Tanz und Archiv: ForschungsReisen, Heft 4: Geste und Affekt im 18. Jahrhundert.
    Typ Journal Article
    Autor Brandenburg I
    Journal Munich: epodium 2013, ed. Irene Brandenburg
  • 2013
    Titel Citera assediata - Angiolinis zweites 'ballet en action' im Gewand einer Opéra comique.
    Typ Journal Article
    Autor Dahms S
    Journal Tanz und Archiv: ForschungsReisen, Heft 4: Geste und Affekt im 18. Jahrhundert, ed. Irene Brandenburg, Nicole Haitzinger and Claudia Jeschke, Munich: epodium
  • 2013
    Titel Der musikalische Gestus im Tanzdrama der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
    Typ Journal Article
    Autor Dahms S
    Journal Tanz und Archiv: ForschungsReisen, Heft 4: Geste und Affekt im 18. Jahrhundert, ed. Irene Brandenburg, Nicole Haitzinger and Claudia Jeschke, Munich: epodium
  • 2013
    Titel Noverres Agamemnon vengé und die querelle de la danse.
    Typ Journal Article
    Autor Brandenburg I
    Journal Tanz und Archiv: ForschungsReisen, Heft 4: Geste und Affekt im 18. Jahrhundert, ed. Irene Brandenburg, Nicole Haitzinger and Claudia Jeschke, Munich: epodium 2013
  • 2010
    Titel Don Juan (Wien 1761) und Les Amours d'Alexandre et de Roxane (Wien 1764). Ballets pantomimes. Choreographie von Gasparo Angiolini.
    Typ Other
    Autor Brandenburg I
  • 2010
    Titel Der konservative Revolutionär. Jean Georges Noverre und die Ballettreform des 18. Jahrhunderts.
    Typ Book
    Autor Dahms S
  • 2010
    Titel Danseuses des Amateurs voluptueux". Zur Wahrnehmung von Wiener Tänzerinnen im Kontext des Ballet en action.
    Typ Journal Article
    Autor Brandenburg I
    Journal Tanz&Archiv: ForschungsReisen, Heft 3: Historiografie, ed. Claudia Jeschke and Nicole Haitzinger, Munich: epodium 2010
  • 0
    Titel Christoph Willibald Gluck und seine Zeit (Große Komponisten und ihre Zeit).
    Typ Other
    Autor Brandenburg I
  • 2010
    Titel Gli "effetti" e le "strade" della danza: l'eredità di Derra de Moroda e gli scritti teorici di Gasparo Angiolini.
    Typ Journal Article
    Autor Bandella M
    Journal Tanz&Archiv: ForschungsReisen, Heft 3: Historiografie, ed. Claudia Jeschke and Nicole Haitzinger, Munich: epodium 2010
  • 2012
    Titel "L'aspro senso del martir". La Saffo di Teresa Bandettini.
    Typ Book Chapter
    Autor Adriana Chemello (Ed.)
  • 2011
    Titel Noverre à Vienne (1767-1774, 1776): entre désastre et triomphe.
    Typ Book Chapter
    Autor Dahms S

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