Die illuminierten Handschriften in der UB Graz 1200-1300
Illuminated Manuscripts in Graz University Library 1200-1300
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (10%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)
Keywords
-
Manuscripts,
Book Illumination,
Cultural History,
Middle Ages,
Monasteries,
Codicology
Ziel des Projekts ist, die illuminierten Handschriften des 13. Jahrhunderts der Universitätsbibliothek Graz der Öffentlichkeit in Form eines kunsthistorischen Katalogs zu erschließen. Dieser ist der dritte Teil der vom FWF geförderten Reihe "Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln der Universitätsbibliothek Graz", die von O. Univ.-Prof. Dr. Michael Viktor Schwarz herausgegeben wird. Die Bearbeitung der Codices führen die beiden Kunsthistorikerinnen Dr. Anna Reisenbichler und Dr. Michaela Schuller-Juckes durch. Entstehen soll ein reich illustrierter Katalog, der jede der illuminierten Handschriften einzeln vorstellt. Neben der Bestimmung der Provenienz und der Entstehungszeit der Buchmalereien wird er eine stilistische und ikonographische Analyse des Buchschmucks sowie eine Besprechung der paläographischen und codicologischen Merkmale beinhalten. Das Projekt leistet in erster Linie Grundlagenforschung, die den Interessenten eine Fülle ansonst nur schwer zugänglicher Quellen eröffnet. Obwohl der Katalog ein kunsthistorischer ist, wird er auch für andere historische Wissenschaftsdisziplinen von Interesse sein (z. B. für Paläographen, Philologen, Theologen, Historiker, Realienkundler). Die Beschäftigung mit der Geschichte der Klöster und der Skriptorien, aus denen die Codices stammen, wird neues Licht auf die Bildungs-, Lokal- und Kulturgeschichte der Steiermark im 13. Jahrhundert werfen. Die Universitätsbibliothek Graz besitzt die nach der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien größte Handschriftensammlung Österreichs. Die Fortsetzung ihrer kunsthistorischen Bearbeitung ist dringend erforderlich, soll einmal ein abgerundetes Bild von der Kunst- und Kulturgeschichte Österreichs im Mittelalter entstehen.
Mit dem digitalen Zeitalter hat sich die Situation für die Erforschung mittelalterlicher Buchmalerei grundlegend verändert. Die weltweiten Bemühungen, wichtige historische und kulturhistorische Quellen online zur Verfügung zu stellen, führen zu einer Flut von Bildern, die erklärt werden müssen, und bieten gleichzeitig eine neue Basis für die Erforschung mittelalterlicher Handschriften. Im Projekt zur kunsthistorischen Erschließung der Handschriften des 13. Jahrhunderts in der Universitätsbibliothek Graz wurden diese Möglichkeiten genutzt, um Neues zum besseren Verständnis, zur historischen und geographischen Verankerung der einzelnen Werke sowie zu den Entstehungsumständen der Buchmalerei des 13. Jahrhunderts beizutragen.In der Grazer Bibliothek werden die Buchbestände der aufgehobenen Klöster der Steiermark und Kärntens aufbewahrt. Damit lag es nahe, bei der Bestimmung von Entstehungsort und -zeit der Handschriften zunächst danach zu fragen, ob und inwieweit die Klöster selbst Buchmalerei produziert haben. Tatsächlich konnte gezeigt werden, dass in einigen Klöstern zumindest zeitweise hauseigene Buchausstattung entstanden ist, wie zum Beispiel im Augustiner-Chorherrenstift Seckau um die Mitte des 13. Jahrhunderts. In der Regel engagierte man jedoch professionelle Buchmaler, die für verschiedene Auftraggeber an verschiedenen Orten tätig waren. So ließ sich das Profil eines Malers erstellen, der gegen Ende des 13. Jahrhunderts für das Benediktinerstift St. Lambrecht und das Augustiner-Chorherrenstift Vorau tätig war. Daneben wurden Hinweise gefunden, dass sich in der Region die ersten professionellen Buchmalerateliers etablierten: Vor allem anhand stilistischer Merkmale konnte ein Buchmaler nachgewiesen werden, der ein kommerziell betriebenes Atelier in Friesach unterhielt. Diese Stadt war das bedeutendste wirtschaftliche, kirchliche und kulturelle Zentrum des 13. Jahrhunderts im Raum Steiermark-Kärnten.Einen weiteren Schwerpunkt des Projektes bildeten etwa 15 illuminierte Rechtshandschriften, die aus Italien importiert worden waren. Sie konnten aufgrund ihrer Textzusammenstellung und des Stils ihrer Ausstattung datiert und dem jeweiligen Herkunftsort zugewiesen werden. Es hat sich dabei gezeigt, dass der Import dieser Bücher in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts einen Höhepunkt erreichte und dass Bologna das wichtigste Zentrum für deren Produktion gewesen ist. Der intellektuelle und künstlerische Transfer, den diese Handschriften dokumentieren, beeinflusste die Entwicklung der Buchmalerei in der Steiermark ebenso wie jene anderer Regionen.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 2 Publikationen
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2014
Titel Ubi pictor ibi Roma DOI 10.7767/boehlau.9783205793069.105 Typ Book Chapter Autor Schwarz M Verlag Brill Osterreich Seiten 105-124 -
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Titel Wege zum illuminierten Buch. Herstellungsbedingungen für Buchmalerei in Mittelalter und früher Neuzeit. Typ Other Autor Beier C