Die Hörfunkjournale des ORF der 1990er Jahre
"Journale" - The Radio News of ORF 1990 - 1999
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (70%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (30%)
Keywords
-
Contemporary History,
Edition,
Radio News,
Multi Media On-Line Platform,
Digitisation,
Digital Mass Storage System
Ziel des vorliegenden Projekts ist die Erschließung, digitale Sicherung und wissenschaftliche Erstanalyse der Hörfunk-Journalsendungen des Senders Österreich 1 (Ö1) der 1990er Jahre. Basierend auf vorangegangenen Arbeiten, sollen die Jahre von 1990 - 1999 aufgearbeitet werden. Dieses in den Archiven der Österreichischen Mediathek auf DAT-Kassetten archivierte Material ist für einschlägig wissenschaftlich arbeitende Historikerinnen und Historiker eine unabdingbare, aber bislang kaum genutze Quelle für politische, soziale und kulturelle Entwicklungen des Untersuchungszeitraumes. Deshalb ist es vorrangiges Ziel des Projekts, diese Quellen in einer Weise zugänglich zu machen, die künftige Arbeit mit ihnen nicht nur ermöglicht, sondern auch anregen wird. Die Hörfunkjournale werden formal und inhaltlich erschlossen. Die Veröffentlichung sämtlicher Projektergebnisse im Rahmen der Webplattform der Österreichischen Mediathek ist ein Schritt zur Entwicklung einer neuen Kultur wissenschaftlichen Edierens von Quellen: Einerseits sind Digitalisate der Journalsendungen online frei zugänglich (MP3). Andererseits werden mittels eigens gestalteter Vorlagen (Templates) die Ergebnisse der wissenschaftlichen Analyse dargestellt. Alle Seiten ermöglichen durch die Einbindung von Tonbeispielen in den Text eine dem Medium gerechte Aufarbeitung von Audioquellen. Darüber hinaus soll ein Forum für user generated content geschaffen werden. Einer fachlich breit gestreuten, einschlägig wissenschaftlich arbeitenden community soll damit die Gelegenheit zur Publikation ihrer aus diesen Quellen gewonnenen Erkenntnisse geboten werden. Audiovisuelle Quellen haben generell eine kurze Lebensdauer, die einzige Möglichkeit ihrer dauerhaften Erhaltung liegt in der Digitalisierung und der digitalen Langzeitarchivierung. Dieser Aspekt ist derzeit noch zu wenig im Bewusstsein wissenschaftlicher Kreise verankert, deshalb ist diese exemplarische Lösung im Bereich der dauerhaften Erhaltung und Zugänglichkeit dieser Medien ein integraler Bestandteil des Projekts. Anhand von beispielhaften Schwerpunktthemen soll gezeigt werden, wie audiovisuelle Quellen für die wissenschaftliche Arbeit herangezogen werden können. Der Umgang mit diesem Quellentypus erfordert eine spezielle Methodik, denn AV-Quellen wie Hörfunkjournale sind nicht bloß gesprochener Text, verbunden mit Hintergrundgeräuschen, sondern haben eine spezielle Qualität, nonverbale Informationen wie Gefühle oder den "Klang der Zeit" zu transportieren.
Radio-Nachrichten für immer bewahrt: Sicherung fragiler Quellen durch Digitalisierung, inhaltliche Aufarbeitung der Dokumente (Metadatenerfassung), freier Zugang zu allen Dokumenten via Internet, digitale Langzeitarchivierung und Analyse ausgewählter Themen: Das waren die Schwerpunkte des Projektes zur Aufarbeitung der Hörfunkjournale des ORF der Jahre 1990-1999. Die Journale für alle frei zugänglich: Zentrales Ergebnis des Projektes ist die Internetplattform www.journale.at: Über 3.000 Stunden Journale der 1990er Jahre sind derzeit digital in voller Länge abrufbar, der Schwerpunkt liegt vor allem bei den Mittagsjournalen. Das entspricht rund 45.000 Einzelbeiträgen zu den wichtigsten österreichischen als auch internationalen Themen der Jahre 1990 bis 1999. Unter Einbeziehung von zwei Vorgängerprojekten (Journale 1967-1989) sind damit insgesamt über 8.000 Stunden Sendezeit und über 100.000 Einzelbeiträge zugänglich: Material für wissenschaftliche Forschung, den Bildungsbereich und für alle Interessierte. Im Zentrum des Projektes standen die Mittagsjournale die Hauptnachrichtensendung des Senders Ö1 (ORF), die eine knappe Stunde Information aus den Bereichen Innen- und Außenpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur bringt. Diese Sendungen im Archiv der Österreichischen Mediathek auf Tonband und DAT-Kassette vorhanden wurden digitalisiert und digital langzeitarchiviert, bis auf Einzelbeitragsebene in einer Datenbank erfasst (inklusive aller vorkommenden Originaltöne) und in die Online-Plattform integriert. Adaptiert auch für Smartphone ist eine intensivere Nutzung einer bislang kaum zugänglichen Quellenform nun möglich.Geschichte sinnlich erleben: Die Journale bieten Kurznachrichten, Reportagen, Interviews, Hintergrund- und Korrespondentenberichte zu allen wichtigen Ereignissen der Dekade. Durch das Hörerlebnis wird zusätzlich zur Ebene der Information auch Zeitkolorit und Atmosphäre vermittelt. Hier liegt ein grenzenloser Fundus vor, vor allem, wenn man die Ereignisse nochmal im Original nachhören will. Retrospektiv werden diese archivierten Sendungen des flüchtigen Mediums Radio allerdings zu wichtigen akustischen Dokumenten nicht nur der österreichischen Zeitgeschichte. Wissenschaftliche Aufarbeitung: Was man aus diesen Quellen heraushören kann und welche Ansätze einer möglichen wissenschaftlichen Analyse möglich sind, wurde versucht in einigen Artikeln zum Thema aufzuzeigen. Journale als Quelle der zeit- und medienhistorischen Forschung, online in einer Form, die dem Charakter der Quelle gerecht zu werden versucht: Audio-Dokumente nicht als Illustration zum Thema sondern als Thema selbst. Diese Artikel sind ein ebenfalls Teil der Plattform www.journale.at.
- Technisches Museum Wien - 100%