Die Tobin Steuer auf Finanzmärkten
The Tobin Transaction Tax in Financial Markets
Wissenschaftsdisziplinen
Wirtschaftswissenschaften (100%)
Keywords
-
Tobin Tax,
Volatility,
Financial Markets,
Experimental Economics,
Market Efficiency
1978 publizierte der Nobelpreisträger für Ökonomie James Tobin einen Aufsatz über die Einführung einer Devisentransaktionssteuer. Mit dieser Steuer würde bei jedem Handel am Devisenmarkt 0,01% bis 0,1% vom Transaktionsvolumen eingehoben werden. Primäres Ziel ist es Spekulanten aus dem Markt zu drängen, um die Währungen zu stabilisieren. Seitdem hat sein Vorschlag zu lebhaften Diskussionen von Volkswirten und Politikern geführt. Die Wissenschafter konzentrierten sich darauf die möglichen Auswirkungen einer Tobin Steuer auf Preisvolatilität, Markteffizienz und Spekulationsverhalten vorherzusagen, konnten aber bisher zu keinem eindeutigen Ergebnis kommen. Für Politiker stellt die Steuer ein Instrument zur Bekämpfung von Spekulation und zur Stabilisierung von Währungen und Aktienmärkten dar. Neben diesen Effekten spielen bei ihren Überlegungen aber auch die erzielbaren Steuereinnahmen eine wichtige Rolle. Bisher kam es zu keiner Einführung einer Tobin Steuer auf realen Märkten. Wir untersuchen deshalb mögliche Folgen in einen Experiment mit realen Händlern, die eine fiktive Währung auf zwei Märkten handeln können. Je nach Setting wird in keinem, in einem oder in beiden Märkten eine Tobin-Steuer eingeführt oder abgeschafft. Die bisherige Literatur untersucht in überwiegendem Maß die Auswirkungen einer Steuereinführung auf nur einem Markt. Mit unserem Design wollen wir zusätzlich der Möglichkeit Rechnung tragen, dass Händler auf mehreren Märkten handeln und somit die Steuer umgehen können. Bei unserer Analyse der Marktdaten legen wir besonderes Augenmerk auf die ungeklärten Auswirkungen einer Steuer auf Preisvolatilität, Markteffizienz und Steuereinnahmen. Auf Händlerebene untersuchen wir, ob die Steuer Spekulationsverhalten eindämmt. Neben einem Basistreatment planen wir weitere Experimente, die diverse reale Marktgegebenheiten nachbilden. Zunächst untersuchen wir die Auswirkungen von asymmetrischer Information (Insider, mittelmäßig Informierte und Uninformierte handeln im gleichen Markt) und heterogenen Anfangsausstattungen auf das Verhalten von Händlern unter verschiedenen Steuergesetzgebungen. Der Handel an Währungsmärkten wird oft von Import- und Exporttätigkeiten bestimmt. In einem Treatment untersuchen wir daher die Auswirkungen auf diese Händler, die die Steuer nicht umgehen können, indem sie auf anderen Märkten handeln. In einem nächsten Schritt untersuchen wir die Auswirkungen von unterschiedlichen Steuerhöhen auf die Preisstabilität, Steuereinnahmen und Markteffizienz. Auf realen Märkten kann eine Steuer nicht ohne Ankündigung eingeführt bzw. abgeschafft werden. Im letzten Treatment untersuchen wir daher die Auswirkungen einer frühzeitigen Ankündigung der Steuereinführung/abschaffung und inwiefern schon Effekte vor der tatsächlichen Einführung/Abschaffung zu sehen sind. Über die Sinnhaftigkeit einer Tobin Steuer wurde in den letzten Jahren immer wieder heftig diskutiert (v.a. unter Politikern). Besonders seit der Subprime Krise und deren massiven Auswirkungen auf die Realwirtschaft wurden Stimmen laut, die die Spekulation eindämmen und somit die Markteffizienz erhöhen wollen. Klarerweise würde eine Tobin Steuer die Spekulanten am Stärksten treffen, da diese am Meisten handeln, jedoch sind die daraus resultierenden Konsequenzen auf Markteffizienz und Preisstabilität noch unklar. Mit diesem Projekt möchten wir zu einem besseren Verständnis dieser Mechanismen beitragen.
Die Idee der Einführung einer Finanztransaktionsteuer (FTS) auf Devisenmärkten wurde erstmalig von James Tobin in den frühen 1970er-Jahren formuliert. Er argumentierte, dass eine marginale Transaktionssteuer vornehmlich die häufig handelnden Spekulanten treffen würde, was zu einer Reduktion der Preisvolatilität und zu einer Erhöhung der Effizienz der Märkte führen würde. In diesem Forschungsprojekt testen wir den Einfluss von Finanztransaktionssteuern auf Markteffizienz, Preisvolatilität und Händlerverhalten in kontrollierten Laborexperimenten. In einer ersten Studie untersuchen wir den Einfluss des Handelsmechanismus auf Markteffizienz und Preisvolatilität wenn eine FTS eingeführt ist. Wir finden, dass in Märkten ohne Market Maker eine unilateral eingeführte FTS (i.e. es kann nach wie vor auf steuerfreie Märkte ausgewichen werden) die Preisvolatilität erhöht, was diametral zu den Ideen von Tobin steht. Im Gegensatz dazu führt eine unilateral eingeführte FTS in Märkten mit Market Makern zu einer Reduktion der Preisschwankungen, wohingegen eine globale Einführung einer FTS (i.e. keine steuerfreien Märkte existieren mehr) keinen Einfluss auf die Preisvolatilität in beiden Settings hat. Der Grund ist, dass Market Maker durch das Setzen von Kauf- und Verkaufangeboten verpflichtend Liquidität bereitstellen, egal ob eine Steuer besteht oder nicht. Somit leiden besteuerte Märkte ohne Market Maker unter starken Liquiditätsverlusten, da Händler steuerfreie Märkte bevorzugen und Liquidität abziehen. Diese Liquiditätsverluste machen die Märkte anfälliger für Spekulanten mit der Folge von erhöhter Preisvolatilität. Zusätzlich testen wir die Auswirkungen unterschiedlicher Besteuerungsprinzipien. Wir untersuchen experimentell ob eine FTS unterschiedlich wirkt, je nachdem ob alle Händler am Markt der Besteuerung unterliegen (i.e. unabhängig von deren Herkunft - Marktprinzip), nur die Händler eines Landes der Besteuerung unterliegen (i.e. egal ob sie im In- oder Ausland handeln - Ansässigkeitsprinzip), oder eine Mischung angewendet wird. Wir finden negative und unerwünschte Effekte einer FTS auf Preisvolatilität und Markteffizienz bei der Einführung des Marktprinzips, wohingegen das Ansässigkeitsprinzip keinen dieser negativen Effekte zeigt. Zusätzlich zeigen wir, dass sich bei Einführung einer FTS Händler mit unterschiedlicher Risikoneigung sehr ähnlich verhalten. Somit können wir festhalten, dass bereits kleine Unterschiede in der Einführung der FTS große Auswirkungen haben. Daher sind unsere Ergebnisse für Politiker, Regulierungsbehörden, Finanzmarktteilnehmer und die Gesellschaft gleichermaßen wichtig. Wir konnten zeigen, dass nur die gemeinsame Einführung einer FTS zumindest keine negativen Konsequenzen für die Preisstabilität hervorbringt mit dem Vorteil hoher Steuereinnahmen. Kaum ungewünschte Effekte können auch erwartet werden, wenn ein einzelnes Land eine FTS nach dem Ansässigkeitsprinzip einführt. Abzuraten ist die autonome Einführung einer FTS nach dem Marktprinzip, da dadurch die Preisvolatilität erhöht wird.
- Universität Innsbruck - 100%
Research Output
- 218 Zitationen
- 5 Publikationen
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2014
Titel Rank matters–The impact of social competition on portfolio choice DOI 10.1016/j.euroecorev.2013.11.010 Typ Journal Article Autor Dijk O Journal European Economic Review Seiten 97-110 -
2011
Titel Market microstructure matters when imposing a Tobin tax—Evidence from the lab DOI 10.1016/j.jebo.2011.06.001 Typ Journal Article Autor Kirchler M Journal Journal of Economic Behavior & Organization Seiten 586-602 Link Publikation -
2011
Titel The impact of instructions and procedure on reducing confusion and bubbles in experimental asset markets DOI 10.1007/s10683-011-9290-8 Typ Journal Article Autor Huber J Journal Experimental Economics Seiten 89-105 -
2012
Titel The impact of a financial transaction tax on stylized facts of price returns—Evidence from the lab DOI 10.1016/j.jedc.2012.03.011 Typ Journal Article Autor Huber J Journal Journal of Economic Dynamics and Control Seiten 1248-1266 Link Publikation -
2014
Titel Do option-like incentives induce overvaluation? Evidence from experimental asset markets DOI 10.1016/j.jedc.2014.01.002 Typ Journal Article Autor Holmen M Journal Journal of Economic Dynamics and Control Seiten 179-194 Link Publikation