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Hypocrea/Trichoderma: Bioressourcen aus Südeuropa

Hypocrea/Trichoderma bioresources from Southern Europe

Walter Jaklitsch (ORCID: 0000-0002-4999-9199)
  • Grant-DOI 10.55776/P22081
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2010
  • Projektende 30.04.2014
  • Bewilligungssumme 382.618 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Hypocrea, Trichoderma, Biological Resources, Taxonomy, Biodiversity, Phylogeny

Abstract Endbericht

Hypocrea ist eine Gattung der Ascomycota (Schlauchpilze), besser bekannt in ihrer asexuellen Schimmelpilz-Form Trichoderma, deren Arten hohe wirtschaftliche und ökologische Bedeutung aufweisen, als Quellen industriell verwendeter Enzyme, als Quellen von Pharmazeutika und Mycotoxinen, als biologische Schädlingsbekämpfungsmittel phytopathogener Pilze, aber auch als Bedrohung von Speisepilzkulturen und der menschlichen Gesundheit. Hypocrea-Arten stellen daher wertvolle biologische Ressourcen dar. Um diese und vor allem neue, mit neuen Fähigkeiten ausgestattete Ressourcen nutzen zu können, müssen sie in der Natur aufgespürt und in Lebendkultursammlungen konserviert werden. Zudem muß ihre Taxonomie und systematische Position klar definiert und charakterisiert werden, damit man sie von anderen Arten unterscheiden und wiedererkennen kann. Über die Biodiversität und Ökologie der Gattung auf der Bodenoberfläche ist nur wenig bekannt, weil die Forschung größtenteils an Bodenisolaten durchgeführt wurde. Die Hypocrea-Teleomorphe kommen auf totem Pflanzenmaterial und Pilzen vor. Aufgrund ihrer geringen morphologischen Variabilität ist eine sichere Identifizierung der Hypocrea-Arten nur durch Analyse von Gensequenzen aus DNA möglich, die aus Kulturen extrahiert wird, welche durch Isolierung von Ascosporen der Hypocrea-Teleomorphe hergestellt werden. In einem vorangegangenen Projekt wurden Hypocrea-Teleomorphe in 14 europäischen Ländern mit temperatem Klima gesammelt und identifiziert. Eine Reihe unerwarterer Ergebnisse resultieren aus dieser Arbeit. Die Biodiversität der Arten, die Hypocrea-Teleomorphe bilden, übertrifft demnach die Biodiversität von Trichoderma im Boden und übersteigt die Erwartungen hinsichtlich der Artenzahl beträchtlich: 75 gegenüber ca. 20 erwarteter Arten, davon 30 neu für die Wissenschaft. Alle Teleomorph-bildenden Arten werden in einer Monographie beschrieben. Trotz der bisherigen Anstrengungen wissen wir nichts über die Gattung in wärmeren Gebieten Europas, im Besonderen mediterrane und makaronesische Regionen, welche einige Biodiversitäts-Hotspots aufweisen. Nur zwei Untersuchungen an bodenbewohnenden Trichoderma-Anamorphen wurden auf Sardinien und Teneriffa durchgeführt, wobei diese im Lichte der obigen Ergebnisse keineswegs als repräsentativ für die Mykoflora oberhalb der Rhizosphäre gelten können. Außerdem nimmt in den letzten Jahren die Anzahl von Waldbränden und langer Trockenperioden in Südeuropa zu, was zu einer Bedrohung von Pilz-Habitaten führt. Das neue Projekt dient daher dazu (1) die Biodiversität von Hypocrea in Regionen zu analysieren, deren Klimata und Pflanzendiversitäten grundlegend vom temperaten Europa abweichen, (2) endemische und andere neue Arten, die sich auf Inseln aufgrund geographischer Isolation entwickelt haben sollten, aufzuspüren, zu beschreiben und als Lebendkultur zu konservieren, (3) die molekulare Artenabgrenzung durch Entwicklung neuer phylogenetischer Marker zu verbessern, und (4) die Ökologie aller identifizierten Arten zu analysieren und zu dokumentieren.

Dieses Projekt ist der dritte Teil einer Serie von Arbeiten, die die ökonomisch wichtige Pilzgattung Trichoderma und einige andere Vertreter der Ordnung Hypocreales in Europa hinsichtlich Diversität, Ökologie und auf DNA-Sequenzen basierende Phylogenie durchleuchten. Es galt hierbei als wichtigste Frage zu beantworten, wie viele und welche Arten auf diesem Kontinent existieren, wobei im vorliegenden Projekt Südeuropa unter Einbeziehung der Kanarischen Inseln untersucht wurde: Aus mehr als 650 in der Natur gesammelten Proben wurden Lebendkulturen hergestellt und bestimmte DNA-Sequenzen ermittelt. Letztere wurden zur Artenabgrenzung und Analyse von Verwandtschaftsverhältnissen verwendet. Damit wurden in Südeuropa 74 klar definierte Trichoderma-Arten detektiert, von denen 30 nach Ermittlung morphologischer sowie Wachstumseigenschaften neu beschrieben wurden. Insgesamt wurden in den 3 Projekten 120 Trichoderma-Arten in Europa nachgewiesen. Kulturen der neuen Arten stellen potentielle Bioressourcen dar und wurden daher in einer offiziellen Stammsammlung (CBS, Utrecht) konserviert, wo sie für weitere Forschungsaktivitäten zur Verfügung stehen. Pilze sind der Allgemeinheit wenig bekannt noch sind sie besonders populär. Generell hinkt die systematische Pilzforschung jener anderer Organismen wie Pflanzen oder Tiere deutlich nach, und noch immer bzw. nach Einführung von Gensequenzen in Artendefinition und -identifizierung vor ca. 20 Jahren umso mehr, werden viele neue Arten und Gattungen entdeckt. Genaue Beobachtung der Organismen auf der einen Seite und chemische Analysen von Sekundärstoffwechselprodukten im natürlichen Ökosystem und im Labor auf der anderen Seite haben wichtige Erkenntnisse über die Koexistenz und Interaktionen der Lebewesen zu Tage gefördert. Solche Erkenntnisse ermöglichen es potentielle Nutzbarkeit bestimmter Organismen abzuleiten. Ein Beispiel dazu: Trichoderma-Arten greifen andere Pilze an und verwenden sie als Nahrungsquelle. Diese Eigenschaft wird in der biologischen Kontrolle von Schadpilzen, zum Beispiel, solche die Krankheiten an Nutzpflanzen verursachen, zunutze gemacht. Trichoderma ist auch deshalb eine bedeutende Pilzgattung, weil diverse Arten eine Vielzahl von Stoffen herstellen können, z.B. Antibiotika (Peptaibole oder Peptaibiotika genannt) und Enzyme wie Cellulasen (zum Abbau von Pflanzenmaterial) oder Chitinasen (zur chemischen Zerlegung von Pilzen). Daher werden sie in verschiedenen Bereichen eingesetzt, wie z.B. in der Textil- und Papierindustrie, aber auch in der Biotreibstoffproduktion. In diesem Projekt haben wie nicht nur die Anzahl der Trichoderma-Arten maßgeblich erhöht, sondern auch den mit 228 Arten bisher vollständigsten Stammbaum der Gattung Trichoderma konstruiert. Erstmals präsentieren wir auch einen gattungsüberspannenden Stammbaum basierend auf einem neu sequenzierten Gen (Acetat-Citrat-Lyase, acl1). Die zahlreichen, in diesem Projekt hergestellten Kulturen haben es uns auch ermöglicht schwierige Artengruppen zu entwirren, zu erhärten, dass Trichoderma eine sehr artenreiche (hyperdiverse) Gattung ist, dass die Artenzahl auf Pflanzen- und Pilzmaterial jene im Boden stark übersteigt und dass das Vorkommen bestimmter Arten stark von ökologischen, zum Beispiel klimatischen Bedingungen abhängt. Dementsprechend unterscheidet sich Südeuropa, besonders Gebiete mit ausgesprochen mediterranen Klimatypen, deutlich von anderen europäischen Regionen hinsichtlich Artenzusammensetzung und -häufigkeit, und nur 37 Trichoderma-Arten wurden in Süd-, Mittel- und Nordeuropa nachgewiesen. Im Laufe dieses Projektes wurden auch mehrere neue Gruppen von Peptaibol-Antibiotika nachgewiesen und die Verteidigung bestimmter Trichoderma-Arten gegen Konkurrenzorganismen wie Bakterien und andere Pilze in der Natur experimentell bestätigt. Aufgrund unserer Arbeit ist Europa nun der bestuntersuchte Kontinent hinsichtlich Artendiversität der Gattung Trichoderma. Diese Projekte schaffen Anreiz für andere Forscher ähnliche Studien in anderen Gebieten durchzuführen und bieten dafür auch fachliche Anleitung. Erkennung, Charakterisierung und Namensgebung von Arten innerhalb schwieriger Komplexe hilft maßgeblich bei der Ergründung widersprüchlicher Ergebnisse bei anwendungsorientierten Untersuchungen wie bei Biokontroll-Feldversuchen oder in der Antibiotika- und Toxinforschung, aber auch bei medizinischen Fragestellungen wie z.B. Infektionen immunkompromittierter Patienten.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Gary J. Samuels, United States Department of Agriculture - Agricultural Research Service - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 1396 Zitationen
  • 21 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Blue pigment in Hypocrea caerulescens sp. nov. and two additional new species in sect. Trichoderma
    DOI 10.3852/11-327
    Typ Journal Article
    Autor Jaklitsch W
    Journal Mycologia
    Seiten 925-941
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Systematics of the Trichoderma harzianum species complex and the re-identification of commercial biocontrol strains
    DOI 10.3852/14-147
    Typ Journal Article
    Autor Chaverri P
    Journal Mycologia
    Seiten 558-590
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Accepted Trichoderma names in the year 2015
    DOI 10.5598/imafungus.2015.06.02.02
    Typ Journal Article
    Autor Bissett J
    Journal IMA Fungus
    Seiten 263-295
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Biodiversity of Trichoderma (Hypocreaceae) in Southern Europe and Macaronesia
    DOI 10.1016/j.simyco.2014.11.001
    Typ Journal Article
    Autor Jaklitsch W
    Journal Studies in Mycology
    Seiten 1-87
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Reassessment of Allantonectria, phylogenetic position of Thyronectroidea, and Thyronectria caraganae sp. nov.
    DOI 10.1007/s11557-016-1218-4
    Typ Journal Article
    Autor Voglmayr H
    Journal Mycological Progress
    Seiten 921-937
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Front line defenders of the ecological niche! Screening the structural diversity of peptaibiotics from saprotrophic and fungicolous Trichoderma/Hypocrea species
    DOI 10.1007/s13225-013-0276-z
    Typ Journal Article
    Autor Röhrich C
    Journal Fungal Diversity
    Seiten 117-146
    Link Publikation
  • 2014
    Titel The rise and fall of Sarawakus (Hypocreaceae, Ascomycota)
    DOI 10.3852/13-117
    Typ Journal Article
    Autor Jaklitsch W
    Journal Mycologia
    Seiten 133-144
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Two hundred Trichoderma species recognized based on molecular phylogeny.
    Typ Book Chapter
    Autor Atanasova L
  • 2013
    Titel Screening the Biosphere: The Fungicolous Fungus Trichoderma phellinicola, a Prolific Source of Hypophellins, New 17-, 18-, 19-, and 20-Residue Peptaibiotics
    DOI 10.1002/cbdv.201200339
    Typ Journal Article
    Autor Röhrich C
    Journal Chemistry & Biodiversity
    Seiten 787-812
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Disentangling the Trichoderma viridescens complex
    DOI 10.3767/003158513x672234
    Typ Journal Article
    Autor Jaklitsch W
    Journal Persoonia - Molecular Phylogeny and Evolution of Fungi
    Seiten 112-146
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Clonal Species Trichoderma parareesei sp. nov. Likely Resembles the Ancestor of the Cellulase Producer Hypocrea jecorina/T. reesei
    DOI 10.1128/aem.01184-10
    Typ Journal Article
    Autor Atanasova L
    Journal Applied and Environmental Microbiology
    Seiten 7259-7267
    Link Publikation
  • 2013
    Titel New combinations in Trichoderma (Hypocreaceae , Hypocreales)
    DOI 10.5248/126.143
    Typ Journal Article
    Autor Jaklitsch W
    Journal Mycotaxon
    Seiten 143-156
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Stromatonectria gen. nov. and notes on Myrmaeciella
    DOI 10.3852/10-240
    Typ Journal Article
    Autor Jaklitsch W
    Journal Mycologia
    Seiten 431-440
    Link Publikation
  • 2011
    Titel European species of Hypocrea part II: species with hyaline ascospores
    DOI 10.1007/s13225-011-0088-y
    Typ Journal Article
    Autor Jaklitsch W
    Journal Fungal Diversity
    Seiten 1-250
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Two hundred Trichoderma species recognized on the basis of molecular phylogeny.
    DOI 10.1079/9781780642475.0010
    Typ Book Chapter
    Autor Atanasova L
    Verlag CABI Publishing
    Seiten 10-42
  • 2014
    Titel Persistent hamathecial threads in the Nectriaceae, Hypocreales: Thyronectria revisited and re-instated
    DOI 10.3767/003158514x685211
    Typ Journal Article
    Autor Jaklitsch W
    Journal Persoonia - Molecular Phylogeny and Evolution of Fungi
    Seiten 182-211
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Hypocrea britdaniae and H. foliicola: two remarkable new European species
    DOI 10.3852/11-429
    Typ Journal Article
    Autor Jaklitsch W
    Journal Mycologia
    Seiten 1213-1221
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Molecular phylogeny and species delimitation in the section Longibrachiatum of Trichoderma
    DOI 10.1016/j.fgb.2012.02.004
    Typ Journal Article
    Autor Druzhinina I
    Journal Fungal Genetics and Biology
    Seiten 358-368
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Hypopulvins, novel peptaibiotics from the polyporicolous fungus Hypocrea pulvinata, are produced during infection of its natural hosts
    DOI 10.1016/j.funbio.2012.10.003
    Typ Journal Article
    Autor Röhrich C
    Journal Fungal Biology
    Seiten 1219-1231
    Link Publikation
  • 2012
    Titel The Longibrachiatum Clade of Trichoderma: a revision with new species
    DOI 10.1007/s13225-012-0152-2
    Typ Journal Article
    Autor Samuels G
    Journal Fungal Diversity
    Seiten 77-108
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Nectria eustromatica sp. nov., an exceptional species with a hypocreaceous stroma
    DOI 10.3852/10-178
    Typ Journal Article
    Autor Jaklitsch W
    Journal Mycologia
    Seiten 209-218
    Link Publikation

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