Wohneinheit 7 im Hanghaus 2 von Ephesos
Dwelling Unit 7 of Terrace Houses 2 in Ephesos
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Bauwesen (20%); Geschichte, Archäologie (50%)
Keywords
-
Ephesos,
Architecture,
Terrace House 2,
Contextual analysis,
Unit 7,
House inventory
Das Hanghaus 2 in Ephesos stellt aufgrund seines exzellenten Erhaltungszustandes, seiner hochwertigen Ausstattung und seines umfangreichen Fundinventars ein einzigartiges Zeugnis zur Wohnkultur der römischen Kaiserzeit dar. Die durch eine Erdbebenzerstörung bedingte Aufgabe der insula hat eine Hinterlassenschaft ergeben, die in Architektur - die Obergeschosse blieben zum Teil erhalten -, Fundinventar und Ausstattung für eine kontextuelle Auswertung prädestiniert sind. Das Hanghaus 2 umfasst sieben Wohneinheiten, von denen bis auf die Wohneinheit 7 bereits alle publiziert bzw. in Vorbereitung zur Publikation sind. Die Wohneinheit 7 besitzt neben der Wohneinheit 6 die größte Fläche; wie Türverbindungen zwischen diesen beiden Wohneinheiten nahelegen, ist - jedenfalls in bestimmten Perioden - ein gemeinsamer Besitzer aus der Familie des C. Flavius Furius Aptus (durch Inschriften in der Wohneinheit 6 belegt) anzunehmen. Während Haustypus und Raumtypen den anderen Wohneinheiten des Hanghauses 2 grundsätzlich entsprechen, sind einzelne Raumtypen ebenso wie Anordnung und Ausstattung von einzelnen Räumen genauer zu untersuchen. Archäologisch nachzuweisen ist in dieser Wohneinheit die Verehrung des Kaiserhauses, was sowohl im Hanghaus 2 als auch in anderen Wohnhäusern und Villen bisher zwar literarisch, jedoch kaum durch Funde zu belegen war. Um die Einrichtung des Kultes, der bis zur Zerstörung und eventuell darüber hinaus andauerte, chronologisch exakt zu bestimmen, müssen alle Funde in die Auswertung miteinbezogen werden. Die Darstellung aller Befunde und Funde ist generell die Grundvoraussetzung für eine kontextuelle Gesamtauswertung dieses Hauses, die im Zuge des Projektes erarbeitet werden soll. Dies ermöglicht auch das im Vergleich zu den anderen Wohneinheiten des Hanghauses 2 Neue und nur für die Wohneinheit 7 Charakteristische herauszustreichen. Ferner soll, wie bereits vor allem bei der Wohneinheit 6, anhand der Befunde und Funde untersucht werden, ob eine späthellenistische Nutzung auf dem Areal des Hauses zu belegen ist, und in welcher Weise eine Nutzung nach der Erdbebenzerstörung im 3. Jh. n. Chr. greifbar ist. Die Arbeiten, die im Zuge des Projektes durchgeführt werden sollen, umfassen eine Bauaufnahme mit Bauanalyse, eine Auswertung aller Funde (Skulpturen, Terrakotten, Glas, Keramik, Kleinfunde, Münzen, Graffiti, Steininschriften, Tierknochen etc.) und eine kontextorientierte Gesamtdarstellung. Die Wand- und Bodendekorationen wurden bereits im Rahmen der FWF-Projekte P 13185, P 15242, P 15790 von K. Koller, V. Scheibelreiter, N. Zimmermann bearbeitet; die entsprechenden Manuskripte sind nur durch die im vorliegenden Projektantrag zu leistenden Arbeiten zu ergänzen und zu aktualisieren. Im Unterschied zu den Wand- und Bodendekorationen der Wohneinheiten 1 bis 5, die bereits von V. M. Strocka und W. Jobst vorgelegt worden sind, werden jene der Wohneinheit 7 bei der Gesamtvorlage des Hauses in den FiE erstmals publiziert. Sie werden die neuen Ergebnisse der Wand- und Bodendekorationen der bereits bearbeiteten Wohneinheiten erweitern bzw. ergänzen. Bei einer Bewilligung des Projektes kann 2012 das Gesamtmanuskript der Wohneinheit 7 zum Druck vorgelegt werden.
Die Wohneinheit 7 im Hanghaus 2 wurde im frühen 1. Jh. n. Chr. als ein großes Peristylhaus auf zwei Geschoßen erbaut. Das Haus war von Bauphase I (2. Viertel 1. Jh. n. Chr.) bis IV (ca. 220/230 n. Chr.) mit der östlich benachbarten Wohneinheit 6 verbunden, weshalb für beide Häuser eine einzige Besitzerfamilie anzunehmen ist. Diese ist durch in situ-Inschriften in der Wohneinheit 6 bekannt. Es handelt sich um die Familie des Gaius Flavius Furius Aptus, die seit der flavischen Zeit hohe städtische Ämter und Funktionen im Rahmen des offiziellen Kaiserkultes wahrgenommen hat.Die Publikation der Wohneinheit 7 umfasst neben einem detaillierten Baubefund die Rekonstruktion der Bauphasen von der Errichtung bis zur Zerstörung des Hauses im 3. Viertel des 3. Jhs. n. Chr., die Wand- und Bodendekorationen und alle Funde (Keramik, Glas, Münzen, Skulpturen, Kleinfunde, Marmorinventar, Tier- und Pflanzenreste) sowie die Graffiti und die Steininschriften; ferner wurden auch die Ergebnisse aus den Nachgrabungen berücksichtigt, die wichtige Erkenntnisse zur Bebauung und Nutzung des Areals in späthellenistischer Zeit (2 und 1. Jh. v. Chr.) liefern. Wahrscheinlich bestand auf der Fläche der Wohneinheit 7 bereits im 1. Jh. v. Chr. ein Wohnhaus, das durch das Erdbeben von 23 n. Chr. zerstört worden war.Hinsichtlich der Raumfunktionen der Wohneinheit 7 ist besonders hervorzuheben, dass hier dem archäologischen Befund zufolge kultische Feiern zu Ehren des Kaisers Tiberius und seiner vergöttlichten Mutter Livia stattfanden. Diese Verehrung manifestiert sich durch lebensgroße Porträts des Tiberius und der Livia, denen auf einem Marmoraltar und -tisch geopfert wurde. Während die für diesen Kult und die Repräsentation genutzten Räume im Erdgeschoss liegen, befanden sich im Obergeschoss die intimeren Wohnbereiche sowie die Küche und Lagerräume.
Research Output
- 45 Zitationen
- 3 Publikationen
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2016
Titel Human impact on Holocene sediment dynamics in the Eastern Mediterranean – the example of the Roman harbour of Ephesus DOI 10.1002/esp.3914 Typ Journal Article Autor Stock F Journal Earth Surface Processes and Landforms Seiten 980-996 -
2011
Titel Wall Painting of the Roman Imperial Period in Ephesos. Terrace House 2 in Ephesos. Typ Book Chapter -
2010
Titel Wandmalereien der römischen Kaiserzeit in Ephesos. Das Hanghaus 2 in Ephesos. Typ Book Chapter