Auswirkungen der Klimavariabilität auf Gletscher in Peru
Impacts of Climate Variability on Glaciers in Peru
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (100%)
Keywords
-
Dynamical Downscaling,
Glaciology,
Climate Variability,
Parameterization,
Automatic Weather Stations,
Mass Balance Modeling
Die meisten Gletscher weltweit - einschließlich der Gletscher in den Tropen - sind im vergangenen Jahrhundert geschrumpft. Im Allgemeinen wird ihr Rückgang mit der globalen Erwärmung begründet. Während die globalen Klimabedingungen sicherlich eine wichtige Rolle dabei spielen, die Umwelt zu formen, in der die Gletscher existieren, werden die Massen- und Energiebilanz jedes einzelnen Gletschers von den lokalen Gegebenheiten bestimmt. Aufgrund der komplexen Topographie um die Gletscher herum, natürlicher Klimavariabilität und regionaler Unterschiede in der Entwicklung des Klimasystems ist es schwierig, eine direkte Verbindung zwischen globalem Klimawandel und dem Verhalten eines einzelnen Gletschers zu finden. In der Cordillera Blanca in Peru dienen die Gletscher als wichtige Regulatoren und Quellen der Wasserversorgung des dicht besiedelten Rio Santa Tals. Im Rahmen dieses Projektes werden wir auf ein besseres Verständnis der Prozesse hinarbeiten, die die große Skala der Klimavariabilität mit Auswirkungen auf einzelne Gletscher in der Cordillera Blanca verknüpfen. Um eine umfassende Datenbasis für die Forschung im Projekt zu begründen, wird ein bereits bestehendes Beobachtungsnetz aus automatischen Wetterstationen und glaziologischen Beobachtungen erhalten und ausgebaut werden. Mit einem hochauflösenden regionalen Modell soll die atmosphärische Dynamik in der Studienregion für ausgewählte Zeitfenster simuliert werden, wobei Reanalysedaten als Randbedingungen dienen. Aus der Modellvalidierung und Analyse der Modelldynamik wollen wir jene Prozesse identifizieren, die für die Übersetzung von großräumigem Klima in die lokalen Bedingungen im Gebirgsterrain am wichtigsten sind. Für diese Prozesse werden Parametrisierungen entwickelt, die sich mit Hilfe der Messdaten verifizieren lassen. Schließlich wird ein auf der Energiebilanz basierendes, zweidimensionales Gletscher-Massenbilanzmodell zunächst mithilfe der Beobachtungsdaten optimiert. Dann wird das Massenbilanzmodell über den gesamten Zeitraum der Verfügbarkeit von Reanalysedaten gerechnet, wobei die benötigten Input-Daten aus den neu entwickelten Parametrisierungen stammen. Die produzierte Massenbilanzreihe wird Aufschluss über hochalpine Klimavariabilität in dieser Region geben. Die meteorologischen und glaziologischen Messungen aus dem Projekt werden auch für Forschung außerhalb des Projektes sehr wertvoll sein, da die mittlere Troposphäre in den Tropen - wo die Studienregion liegt - durch eine extrem dünne Datenlage gekennzeichnet ist. Das dynamische "downscaling" der Reanalysedaten mit dem numerischen Modell, verifiziert durch die Messungen, wird das Verständnis für die Fähigkeiten und Grenzen der hochauflösenden Modellierung über vergletscherter, rauer Topographie vergrößern. Die Entwicklung der Parametrisierung von lokalen meteorologischen Variablen, die man für die Gletschermassenbilanzmodellierung als Input-Daten benötigt, muss als erster Schritt zur Einbeziehung von tropischen Gebirgsgletschern in Zirkulationsmodellen verstanden werden. Sie ist damit eine notwendige Voraussetzung dafür, die Folgen des Klimawandels für Gletscher, Wasserressourcen und die lokale Bevölkerung in Peru zu erforschen.
Die Gletscher in der Cordillera Blanca (Peru) sind von besonderer sozio-ökonomischer und wissenschaftlicher Bedeutung. Zum einen beeinflussen die Gletscher maßgeblich die saisonale Wasserverfügbarkeit im dicht besiedelten Rio Santa Tal, und stellen gleichzeitig - als Auslöser von Eislawinen und Gletscherseeausbrüchen mit katastrophalen Folgen - eine Bedrohung dar. Zum anderen befinden sich die Gletscher in der tropischen mittleren Troposphäre, ein Gebiet welches historisch nur sehr spärlich durch meteorologische Messungen abgedeckt ist. Aufgrund ihrer Lage in komplexer Topographie ist es schwierig, die Auswirkungen der in Globalen Klimamodellen (GCMs) errechneten Klimavariabilität auf die Gletscher zu quantifizieren. Die Forschungsarbeit des Projekts kann wie folgt in vier Punkte unterteilt werden: (1) Ein meteorologisch-glaziologisches Messnetzwerk wurde um und auf Gletschern der Cordillera Blanca aufgebaut und unterhalten. Die daraus gewonnenen Messdaten stellen eine wertvolle Grundlage für atmosphärische und glaziologische Modellierungen dar und werden der Wissenschaftsgemeinde frei zugänglich gemacht. (2) Um aus grobaufgelösten GCMs die für Gletscher relevante Wettervariabilität zu gewinnen, wurde zunächst eine auf Prozess-Verständnis basierende Methode angewandt. Diese Methode erzielte sehr positive Resultate, allerdings konnten aufgrund der hohen Rechenintensität nur kürzere Zeiträume simuliert werden. (3) Gleichzeitig wurden innovative, weniger rechenaufwendige statistische Modelle entwickelt, um empirische Zusammenhänge zwischen GCMs und dem kleinräumigen Wettergeschehen zu finden. Die Bestimmung der Vorhersagequalität dieser statistischen Modelle fand unter besonderer Berücksichtigung der Probleme statt, welche in Zusammenhang mit knappen meteorologischen Messzeitreihen auftreten. Da viele vergletscherte Gebirge auf der ganzen Welt nur wenige oder gar keine Messungen aufweisen, ist dieses im Rahmen des Projekts entwickelte Evaluierungskonzept für die Glaziologie, aber auch andere Disziplinen von besonderer Relevanz. Die Resultate zeigen, dass die Auswahl des geeigneten GCMs die Vorhersagegüte signifikant beeinflusst, und dass insbesondere die Daten von älteren GCMs (der sogenannten ersten Generation) eine deutlich niedrigere Vorhersagequalität aufweisen. (4) Ein generalisiertes Gletschermassenbilanz-Modell wurde entwickelt, welches auf objektiven Kalibrierungsmethoden und unabhängigen Validierungsprozeduren basiert. Das Modell ist insbesondere auch für jene Gletscher anwendbar, für welche keine Massenbilanzmessungen existieren. Mit diesem Model konnte die Relevanz des Gletscherabflusses für die Wasserverfügbarkeit in allen großen Einzugsgebieten der ganzen Welt (und speziell des Rio Santa-Tals) quantifiziert werden.
- Universität Innsbruck - 100%
- Patrick Wagnon, Université Joseph Fourier Grenoble I - Frankreich
- Idar Barstad, University of Bergen - Norwegen
- Luyo Marco Zapata, Ministerio de Agricultura - Peru
- Mathias Vuille, State University of New York at Albany - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 1394 Zitationen
- 15 Publikationen
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2013
Titel A priori selection and data-based skill assessment of reanalysis data as predictors for daily air temperature on a glaciated, tropical mountain range DOI 10.5194/gmdd-6-2883-2013 Typ Preprint Autor Hofer M Seiten 2883-2925 Link Publikation -
2013
Titel Modeling energy and mass balance of Shallap Glacier, Peru DOI 10.5194/tcd-7-4015-2013 Typ Preprint Autor Gurgiser W Seiten 4015-4064 Link Publikation -
2013
Titel Modeling energy and mass balance of Shallap Glacier, Peru DOI 10.5194/tc-7-1787-2013 Typ Journal Article Autor Gurgiser W Journal The Cryosphere Seiten 1787-1802 Link Publikation -
2012
Titel Spatial patterns of North Atlantic Oscillation influence on mass balance variability of European glaciers DOI 10.5194/tc-6-661-2012 Typ Journal Article Autor Marzeion B Journal The Cryosphere Seiten 661-673 Link Publikation -
2012
Titel Spatial patterns of North Atlantic Oscillation influence on mass balance variability of European Glaciers DOI 10.5194/tcd-6-1-2012 Typ Preprint Autor Marzeion B Seiten 1-35 Link Publikation -
2012
Titel Past and future sea-level change from the surface mass balance of glaciers DOI 10.5194/tc-6-1295-2012 Typ Journal Article Autor Marzeion B Journal The Cryosphere Seiten 1295-1322 Link Publikation -
2012
Titel Limited forcing of glacier loss through land-cover change on Kilimanjaro DOI 10.1038/nclimate1390 Typ Journal Article Autor Mölg T Journal Nature Climate Change Seiten 254-258 -
2012
Titel Comparing the skill of different reanalyses and their ensembles as predictors for daily air temperature on a glaciated mountain (Peru) DOI 10.1007/s00382-012-1501-2 Typ Journal Article Autor Hofer M Journal Climate Dynamics Seiten 1969-1980 Link Publikation -
2011
Titel A minimal model for reconstructing interannual mass balance variability of glaciers in the European Alps DOI 10.5194/tcd-5-2799-2011 Typ Preprint Autor Marzeion B Seiten 2799-2839 Link Publikation -
2012
Titel Past and future sea-level change from the surface mass balance of glaciers DOI 10.5194/tcd-6-3177-2012 Typ Preprint Autor Marzeion B Seiten 3177-3241 Link Publikation -
2012
Titel KILIMANJARO ICE CLIFF MONITORING WITH CLOSE RANGE PHOTOGRAMMETRY DOI 10.5194/isprsarchives-xxxix-b5-441-2012 Typ Journal Article Autor Winkler M Journal ISPRS - International Archives of the Photogrammetry, Remote Sensing and Spatial Information Science Seiten 441-446 Link Publikation -
2012
Titel A minimal model for reconstructing interannual mass balance variability of glaciers in the European Alps DOI 10.5194/tc-6-71-2012 Typ Journal Article Autor Marzeion B Journal The Cryosphere Seiten 71-84 Link Publikation -
2010
Titel Empirical-statistical downscaling of reanalysis data to high-resolution air temperature and specific humidity above a glacier surface (Cordillera Blanca, Peru) DOI 10.1029/2009jd012556 Typ Journal Article Autor Hofer M Journal Journal of Geophysical Research: Atmospheres Link Publikation -
2010
Titel Contribution potential of glaciers to water availability in different climate regimes DOI 10.1073/pnas.1008162107 Typ Journal Article Autor Kaser G Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Seiten 20223-20227 Link Publikation -
2015
Titel A statistical downscaling method for daily air temperature in data-sparse, glaciated mountain environments DOI 10.5194/gmd-8-579-2015 Typ Journal Article Autor Hofer M Journal Geoscientific Model Development Seiten 579-593 Link Publikation