Maximale Hitzetoleranz Alpiner Pflanzen
Maximum Heat Tolerance of Alpine Plants
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Maximum Heat Tolerance,
Survival Of Alpine Plants,
Chlorophyll Fluorescence,
Photosynthesis,
Temperature Stress,
In Situ Measurements
In vielen terrestrischen Ökosystemen spielen bereits heute hohe Temperaturen als wichtiger abiotischer Stressfaktor eine große Rolle, dessen Bedeutung in den nächsten Jahrzehnten jedoch noch weiter zunehmen wird. Das gilt in besonderem Maße auch für hochalpine Regionen, da viele alpine und subnivale Pflanzenarten Wärme akkumulierende Wuchsformen, wie Polster- und Rosettenwuchs entwickelt haben, die - vor dem Hintergrund globaler Erwärmung betrachtet - in zunehmendem Maße auch als fatale Hitzefalle agieren und Hitzestress bis hin zu letalen Schädigungen mit bedingen können. Der globale Temperaturanstieg während des vorangegangenen Jahrhunderts betrug im Mittel +0.6 0.2 C. Für alpine Habitate fiel dieser Anstieg teilweise mehr als doppelt so hoch aus. Obgleich Pflanzen ihre Hitzetoleranz innerhalb kurzer Zeiträume (z.B. bis zu 2.2 K h-1 in Saxifraga paniculata) an die aktuellen Erfordernisse anpassen können, kann es an klaren und windstillen Sommertagen zu beträchtlicher Überhitzung von Pflanzenorganen kommen. Mögliche Folgen sind Störungen der photosynthetischen Prozesse als auch letale Schädigungen, was wiederum einen großen Einfluss auf die Überlebensfähigkeit von Pflanzenarten an ihrem Standort, sowie auf deren Verbreitungsgrenzen und das gesamte alpine Ökosystem haben kann. Gegenwärtig ist das Wissen betreffend die artspezifische, maximale Hitzetoleranz äußerst unzureichend, da nach wie vor keine geeigneten Meßsysteme zur Verfügung stehen. Darüberhinaus entsprechen bereits vorhandene Daten häufig keinem zeitgemäßen Standard, da ökologisch wirklich relevante Daten nur im Zuge von in situ Messungen erhoben werden können, welche auch das unbeschränkte Studium von Erholungs- und Reparatureffekten erlauben. Da viele Fragen zur Hitzetoleranz nach wie vor offen sind (z.B. ein möglicher Einfluss der Sonnenstrahlung auf deren Dynamik) und es bis heute kein brauchbares Meßsystem gibt, welches die in situ Messung der maximalen Hitzetoleranz gestattet, wird beabsichtigt, ein neuartiges und feldtaugliches Hitzetoleranz-Meßsystem (HTTS.12) zu entwickeln und herzustellen. An einer großen Anzahl repräsentativer alpiner und subnivaler Pflanzenarten werden die maximale Hitzetoleranz und ein möglicher Einfluss der Sonnenstrahlung, die max. Hitzegrenzen von PS II und Reaktionen des photosynthetischen Gaswechsels sowie der Poolgrößen der ROS-entgiftenden Systeme auf Hitzestress bestimmt. Darüberhinaus sind umfangreiche mikroskopische Studien geplant, um die ultrastrukturellen Äquivalente (Adaptationen, Störungen) zu Hitzestress, dem aktuellen Status der Hitzetoleranz und der photosynthetischen Funktionen beschreiben zu können. Zwei unterschiedliche Standorte in den Tuxer (1990 m) und Zillertaler (2660 m) Alpen werden ausgewählt, um den alpinen und den subnivalen Bereich sowie eine große Anzahl signifikanter Arten abzudecken. Während in alpinen Regionen Hitzestress stets als Folge starker Sonneneinstrahlung auftritt, erscheint diese im Schatten tropischer Regenwälder als Konvektionswärme bei niedrigen Strahlungsintensitäten und hoher relativer Luftfeuchte. Da vergleichende Studien an tropischen Arten unser Verständnis betreffend funktioneller und ultrastruktureller Adaptationen vertiefen können, werden ergänzende Messungen in einem tropischen Regenwald (Nepal) durchgeführt. Dieses Forschungsprojekt soll wichtige Erkenntnisse zur Überlebensfähigkeit alpiner und subnivaler Pflanzenarten an ihren Standorten, die in zunehmendem Maße von den Folgen globaler Erwärmung betroffen sein werden, liefern. Es soll offene Lücken in unserem Verständnis von Hitzestress und photosynthetischen Funktionen auch auf dem Niveau der zellulären Ultrastruktur schließen und dazu beitragen, Prognosen zum zukünftigen Schicksal hochalpiner Pflanzen genauer zu gestalten.
Viele alpine Pflanzen besitzen nieder liegende und dichte Wuchsformen, die es Ihnen ermöglichen, in der kühlen Umgebung der Gebirge ein für sie vorteilhaftes Temperaturklima zu schaffen. Bei Windstille und intensiver Sonnenstrahlung kann der wärmesammelnde Effekt solcher Wuchsformen jedoch zur Überhitzung von Blättern bis hin zu letalen Schädigungen führen. Vor dem Hintergrund des globalen Temperaturanstiegs (Österreich: +1.4C bis 2050 wahrscheinlich) ist es daher für eine zukünftige Risikoabschätzung erforderlich, mehr über die maximale Hitzetoleranz alpiner Pflanzen, ihre Anpassungsstrategien auf physiologischer Ebene und im Bereich der zellulären Ultrastruktur, insbesondere der Chloroplasten, sowie über die Häufigkeit des Auftretens potentiell gefährlicher Blatttemperaturen in Erfahrung zu bringen. Voraussetzung dafür ist eine Methodik, die es erlaubt, Hitzetoleranz mit hoher Genauigkeit und ökologischer Relevanz zu bestimmen. Dazu wurde ein neues Hitzetoleranztestsystem (HTTS) entwickelt, welches es gestattet, Pflanzen direkt an ihrem Wuchsort (in situ) einer kontrollierten Hitzebehandlung unter natürlichen Bedingungen inklusive intensiver Sonnenstrahlung auszusetzen und anschließend die Entwicklung der induzierten Effekte und auch Schäden ausreichend lange zu verfolgen und zu quantifizieren. Damit konnte erstmals gezeigt werden, dass die Hitzetoleranz der untersuchten Pflanzen meist um einige C höher liegt als es aufgrund von Tests, die an abgetrennten Blättern unter Laborbedingungen stattfinden, zu erwarten wäre. Die Präsenz natürlichen Lichtes während eines Hitzestressereignisses zeigte eine signifikante, protektive Wirkung auf die Hitzetoleranz der Photosynthese und der Blattgewebe, wobei die zu Grunde liegenden Mechanismen noch nicht vollständig bekannt sind. Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass bereits heute unter bestimmten Standortsbedingungen Blatttemperaturen auftreten können, die zu letalen Blattschäden führen. Auch können bereits kurze Hitzeepisoden eine mehrere Tage anhaltende Verminderung der Photosyntheseleistung nach sich ziehen. In beiden Fällen zeigte natürliche Sonnenstrahlung eine deutliche, protektive Wirkung auf photosynthetische Funktionen und auf die Blattgewebe insgesamt. Blattpigmente wie beispielsweise Xanthophylle und Antioxidantien wie Ascorbinsäure und Glutathion spielen eine wichtige Rolle bei der Stressbewältigung. Die maximale Hitzetoleranz verschiedener Arten konnte erfolgreich experimentell induziert und bestimmt werden. Die erhobenen Daten ermöglichen erste Risikoabschätzungen unter gegenwärtigen und zukünftigen Temperaturbedingungen. Das Projekt lieferte wesentliche neue Erkenntnisse sowohl in methodischer als auch (öko-) physiologischer und ultrastruktureller Hinsicht. Von der Entwicklung des HTTS können darüber hinaus auch angewandte Disziplinen wie beispielsweise Züchtung und Testung besonders hitzeresistenter Agrarpflanzen, für die bereits heute ein großer Bedarf besteht, profitieren.
- Universität Innsbruck - 100%
- Biva Aryal, Tribhuvan University - Nepal
Research Output
- 182 Zitationen
- 17 Publikationen
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2012
Titel Heat damage to alpine plants - steps for risk assessment. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Buchner O Konferenz Neuner, Wagner et al (Eds): 19 Tagung der Austrian Society of Plant Biology (ATSPB), Book of abstracts, (Berichte des naturwissenschaftlich-medizinischen Vereins in Innsbruck, Supplement 19) -
2018
Titel Solar irradiation levels during simulated long- and short-term heat waves significantly influence heat survival, pigment and ascorbate composition, and free radical scavenging activity in alpine Vaccinium gaultherioides DOI 10.1111/ppl.12686 Typ Journal Article Autor Karadar M Journal Physiologia Plantarum Seiten 211-230 Link Publikation -
2014
Titel Impact of long term in situ heat hardening under different irradiation on heat tolerance, xanthophyll cycle pigments and antioxidative defense mechanisms in the alpine dwarf-shrub Vaccinium gaultherioides L. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Bucher O Et Al Konferenz Hietz (ed), 20 Tagung der Austrian Society of Plant Biology (ATSPB), Book of Abstracts. -
2012
Titel A novel system for determining heat tolerance of plants in situ. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Buchner O Konferenz Neuner, Wagner et al (Eds): 19 Tagung der Austrian Society of Plant Biology (ATSPB), Book of abstracts, (Berichte des naturwissenschaftlich-medizinischen Vereins in Innsbruck, Supplement 19) -
2012
Titel A novel system to determine heat tolerance of plants in situ. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Buchner O Konferenz International Conference on Plant Abiotic Stress Tolerance II (PAST II). -
2023
Titel Heat Acclimation under Drought Stress Induces Antioxidant Enzyme Activity in the Alpine Plant Primula minima DOI 10.3390/antiox12051093 Typ Journal Article Autor Roach T Journal Antioxidants Seiten 1093 Link Publikation -
2017
Titel Drought affects the heat-hardening capacity of alpine plants as indicated by changes in xanthophyll cycle pigments, singlet oxygen scavenging, a-tocopherol and plant hormones DOI 10.1016/j.envexpbot.2016.10.010 Typ Journal Article Autor Buchner O Journal Environmental and Experimental Botany Seiten 159-175 Link Publikation -
2014
Titel Application of heat stress in situ demonstrates a protective role of irradiation on photosynthetic performance in alpine plants DOI 10.1111/pce.12455 Typ Journal Article Autor Buchner O Journal Plant, Cell & Environment Seiten 812-826 Link Publikation -
2015
Titel Chloroplast protrusions in leaves of Ranunculus glacialis L. respond significantly to different ambient conditions, but are not related to temperature stress DOI 10.1111/pce.12483 Typ Journal Article Autor Moser T Journal Plant, Cell & Environment Seiten 1347-1356 Link Publikation -
2015
Titel Maximum heat tolerance of alpine plants: methodological, (eco-) hysiological and ultrastructural aspects. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Buchner O Konferenz Plant Biology Scandinavia - 26th congress of the Scandinavian Plant Physiology Society (SPPS), Book of Abstracts. -
2015
Titel Maximum heat tolerance of alpine plants: (1) Methodological, physiological and biochemical aspects; (2) Heat tolerance of alpine plants in the context of global warming. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Buchner O Konferenz Action Day "Alpine Space - Man and Environment", Book of Abstracts. -
2015
Titel Formation of chloroplast protrusions and catalase activity in alpine Ranunculus glacialis under elevated temperature and different CO2/O2 ratios DOI 10.1007/s00709-015-0778-5 Typ Journal Article Autor Buchner O Journal Protoplasma Seiten 1613-1619 Link Publikation -
2014
Titel Impact of heat as simulated in situ under natural solar irradiation and in darkness on photosynthesis of Senecio incanus L. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Buchner O Konferenz Hietz (ed), 20 Tagung der Austrian Society of Plant Biology (ATSPB), Book of abstracts. -
2014
Titel The occurrence of Chloroplast protrusions in mesophyll cells of Ranunculus glacialis L as a response to variable climate conditions. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Buchner O Et Al Konferenz Hietz (ed), 20 Tagung der Austrian Society of Plant Biology (ATSPB), Book of Abstracts. -
2015
Titel The impact of short-term heat spells on photosynthetic performance, xanthophyll cycle pigments and radical scavenging activity in Senecio incanus L. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Buchner O Konferenz International conference Plant Abiotic Stress Tolerance III (PAST III), Book of abstracts. -
2011
Titel Heat tolerance of alpine plants - what are the limits? Typ Conference Proceeding Abstract Autor Buchner O Konferenz Borsdorf, Stötter, Veulliet (eds), Managing Alpine Future II - Inspire and drive sustainable mountain regions, Book of Abstracts (IGF- Forschungsbericht). -
2013
Titel A novel system for in situ determination of heat tolerance of plants: first results on alpine dwarf shrubs DOI 10.1186/1746-4811-9-7 Typ Journal Article Autor Buchner O Journal Plant Methods Seiten 7 Link Publikation