Einfluss der Nitrierung von Aeroallergenen
Impact of nitration on air-borne allergens
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (15%); Chemie (40%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (45%)
Keywords
-
Allergens,
Immunogenicity,
Nitration,
Modifications
Allergene können in Gegenwart von Ozon, Stickoxid und Wasser nitriert werden. Zudem ist eine Nitrierung bei Vorliegen von Entzündungsreaktionen, z.B. im Lungengewebe, möglich. Die Nitrierung betrifft primär Tyrosinreste und führt zur Bildung von Nitrotyrosin. Die Spezifität dieser Reaktion kann mit einer Vielzahl von Faktoren in Zusammenhang gebracht werden, u.a. mit der Position, die die jeweiligen Tyrosinreste innerhalb der Proteinstruktur innehaben, der Sekundärstruktur sowie dem eingesetzten Nitrierungsreagens. Der unter natürlichen Bedingungen ablaufende Reaktionsmechanismus ist im Detail nicht geklärt. Für Modellstudien wird Tetranitromethan (TNM) eingesetzt, um Proteine in vitro zu nitrieren und die biologische Wirkung nitrierter und nicht nitrierter Allergene miteinander zu vergleichen. In den letzten Jahren ist der Einfluss einer Nitrierung der Isoform 1a des Hauptallergens des Birkenpollens (Bet v 1a) auf dessen Immunogenität untersucht worden. Dabei konnte gezeigt werden, dass Serum von Birkenpollenallergikern Antikörper des IgE Typs enthält, die spezifisch gegen nitriertes Bet v 1a gerichtet sind, aber keine nennenswerte Kreuzreaktivität mit nicht modifiziertem Bet v 1a aufweisen. Offensichtlich generiert die Nitrierung von Bet v 1a neue Epitope, die ihrerseits die Expression von spezifisch gegen nitriertes Bet v 1a gerichteten Antikörpern hervorrufen. Durch die Nitrierung konnte eine im Vergleich mit nicht nitrierten Referenzproben vermehrte Präsentation von Peptiden durch dendritische Zellen bei gleichzeitiger Zunahme der Diversität der Epitope induziert wird. Dies ruft letztlich eine gesteigerte T-Zell Aktivierung hervor. Diese Resultate legen wesentliche Änderungen in der Allergenstruktur unter dem Einfluss einer Nitrierung nahe, die entweder zu einer verstärkten Aufnahme des Allergens oder einem vermehrten intrazellulären Abbau führen. Die bisherige Charakterisierung von nitriertem Bet v 1a hat zudem eine gesteigerte Tendenz zur Bildung von Multimeren nachgewiesen. Paralleluntersuchungen für das Graspollenallergen Phl p 5 zeigten zwar ebenfalls Multimerenbildung, allerdings keine erhöhte Serumreaktivität. Entsprechend kann die Nitrierung von Proteinen als selektiver Mechanismus verstanden werden, der nicht alle Allergene im selben Ausmaß betrifft. Die Zielsetzung des eingereichten Projekts umfasst die Untersuchung des Einflusses, den eine Nitrierung auf die Struktur der jeweiligen Zielallergene sowie auf die durch die modifizierten Allergene induzierte Immunantwort ausübt. Das Projekt ist in drei Fragestellungen untergliedert: (1) Untersuchung, ob die Titer von gegen nitrierte allergiespezifische Allergene gerichteten IgEs im Verhältnis zu nicht modifizierten Allergenen bei Allergikern generell erhöht sind. (2) Einfluss der Nitrierung auf die Proteinkonformation sowie die Aggregationstendenz unterschiedlicher Allergene. (3) Einfluss des Nitrierungsgrades auf die zuvor diskutierten immunologischen und physikalisch-chemischen Eigenschaften. Zu diesem Zweck werden in rekombinanten Allergenen mittels TNM unterschiedliche Nitrierungsgrade induziert und der Einfluss auf immunologische und physikalisch-chemische Eigenschaften untersucht. Der Nitrierungsgrad wird mit Allergen, die entweder in der Umwelt oder in vivo nitriert wurden, verglichen. Die letzte Fragestellung richtet den Fokus dabei auf das Birkenpollenallergen Bet v 1a. Die Ergebnisse des eingereichten Projekts werden nicht nur Antworten hinsichtlich des Einflusses einer Nitrierung von Proteinen auf allergische Reaktionen liefern, sondern auch über den Mechanismus der Proteinnitrierung an sich. Zudem soll das Projekt eine erste Aufklärung der wahrscheinlichsten Mechanismen der Proteinnitrierung sowie die Auswirkungen der Nitrierung auf die Proteinstruktur, die Proteinfaltung und die Wechselwirkung mit immunrelevanten Proteinen liefern. Die Einbeziehung unterschiedlicher Allergene dient der Erweiterung des Verständnisses hinsichtlich der Spezifität von Nitrierungsreaktionen und des Einflusses dieser chemischen Modifikation auf die Immunogenität.
Die Zahl der Allergiepatienten hat sich in den letzten Jahrzehnten in den Industrieländern erhöht. Die genaue Ursache für diese Zunahme ist unbekannt und derzeit werden unterschiedliche Erklärungsmodelle untersucht. So wurde gezeigt, dass Pollenallergene im Falle von Luftverschmutzung durch Ozon und Stickoxid chemisch modifiziert werden. Dabei stellt eine Nitrierung von Allergenen die häufigste chemische Modifikation dar und kann zu einer spezifischen Änderung der Allergeneigenschaften führen. Diese Kenntnis führte zu Untersuchungen hinsichtlich des Effekts von Allergennitrierungen auf allergische Reaktionen. Aus früheren Untersuchungen in unserem Labor ist eine erhöhte Immunantwort gegen nitrierte Allergene bekannt. Der zugrunde liegende Mechanismus ist allerdings unbekannt. Die durchgeführte Studie zielte auf eine Charakterisierung nitrierter Allergene auf verschiedenen Ebenen ab, mit dem Birkenpollenallergen Bet v 1.0101 als Modell.Die Immunantwort auf nitriertes Bet v 1.0101 wurde dabei unter Vermeidung von Tierversuchen mittels unterschiedlichster humaner Zellsysteme analysiert. Die Ergebnisse zeigten, dass bei Kontakt von Immunzellen mit nitrierten Allergenen der entzündungsfördernde Zweig des Immunsystems inhibiert wurde. Da im Antwortverhalten unseres Immunsystems ein Gleichgewicht zwischen allergischem und Entzündungspfad unseres Immunsystems besteht, fördert die Unterdrückung einer Entzündungsreaktion die Entstehung einer Allergie. In Zusammenarbeit mit dem Max-Planck Institut (Mainz, Deutschland) wurden drei Methoden zur Proteinnitrierung getestet. Neben einer routinemäßig im Labor durchgeführten klassischen Nitrierungsreaktion, wurden Allergene auch mit Ozon und Stickoxid sowie mittels einer Reaktion, die bei Entzündungen auftritt, nitriert. Die klassische Nitrierungsreaktion kann als Modell für biologische Nitrierungsmethoden verwendet werden, wobei Oxidation in der Luft und im entzündlichen Gewebe die Allergene zusätzlich beeinflussen kann. Im zweiten Teil des Projektes wurden strukturelle Änderungen, die unterschiedlichen Nitrierungsstellen sowie die resultierenden Varianten der nitrierten Allergene untersucht. Für die meisten analytischen Methoden müssen Proteine zur Analyse in kleine Stücke geschnitten werden, was zu einem Informationsverlust führt. In unserer Studie wurden intakte nitrierte Allergene mittels Kapillarelektrophorese mit UV- und massenspektro-metrischer Detektion (MS) analysiert. Neue analytische Methoden, in Kombination mit einer selbstentwickelten Schnittstelle für MS, wurden erfolgreich etabliert und eingesetzt. Zudem konnten unterschiedlichste biochemische Methoden miteinander verknüpft werden und erlaubten dadurch eine genaue Analyse der Proteinstruktur und der durch Nitrierung verursachten Änderungen. Ein wichtiges Ergebnis war die häufige Bildung stabiler Agglomerate, sogenannter Multimere, durch Nitrierung von Allergenen. Multimere Proteine/Allergene sind bekannt für ihre stimulierende Wirkung auf das Immunsystem.
- Universität Salzburg - 100%
Research Output
- 222 Zitationen
- 10 Publikationen
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2018
Titel Top-down and bottom-up characterization of nitrated birch pollen allergen Bet v 1a with CZE hyphenated to an Orbitrap mass spectrometer DOI 10.1002/elps.201700413 Typ Journal Article Autor Gusenkov S Journal ELECTROPHORESIS Seiten 1190-1200 Link Publikation -
2012
Titel Impact of nitration on the immunogenicity of Bet v 1.0101. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Ackaert C Konferenz Conference: European Congress of Immunology Location: Glasgow, SCOTLAND Date: SEP 05-08, 2012 IMMUNOLOGY -
2015
Titel Nitration of ß-Lactoglobulin but Not of Ovomucoid Enhances Anaphylactic Responses in Food Allergic Mice DOI 10.1371/journal.pone.0126279 Typ Journal Article Autor Diesner S Journal PLOS ONE Link Publikation -
2014
Titel The Impact of Nitration on the Structure and Immunogenicity of the Major Birch Pollen Allergen Bet v 1.0101 DOI 10.1371/journal.pone.0104520 Typ Journal Article Autor Ackaert C Journal PLoS ONE Link Publikation -
2014
Titel Nitration of the Birch Pollen Allergen Bet v 1.0101: Efficiency and Site-Selectivity of Liquid and Gaseous Nitrating Agents DOI 10.1021/pr401078h Typ Journal Article Autor Reinmuth-Selzle K Journal Journal of Proteome Research Seiten 1570-1577 Link Publikation -
2013
Titel Stabilization of the Dimeric Birch Pollen Allergen Bet v 1 Impacts Its Immunological Properties* DOI 10.1074/jbc.m113.518795 Typ Journal Article Autor Kofler S Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 540-551 Link Publikation -
2011
Titel Impact of nitration on the immunogenicity of Bet v 1.0101. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Ackaert C Konferenz Conference: Annual Congress of the British-Society-for-Immunology Location: Liverpool, ENGLAND Date: DEC 05-08, 2011. IMMUNOLOGY -
2013
Titel The influence of food protein nitration on the anaphylactic response in a murine food allergy model. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Diesner Sc Konferenz Conference: World Allergy and Asthma Congress of the European-Academy-of-Allergy-and-Clinical-Immunology and World-Allergy-Organization Location: Milan, ITALY Date: JUN 22-26, 2013 ALLERGY -
2013
Titel Separation and characterization of nitrated variants of the major birch pollen allergen by CZE-ESI-µTOF MS DOI 10.1002/elps.201300151 Typ Journal Article Autor Gusenkov S Journal ELECTROPHORESIS Seiten 2695-2704 Link Publikation -
2013
Titel Determination of nitration degrees for the birch pollen allergen Bet v 1 DOI 10.1007/s00216-013-7324-0 Typ Journal Article Autor Selzle K Journal Analytical and Bioanalytical Chemistry Seiten 8945-8949