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Ökoakustische Einflüsse auf das Hören der Welse

Ecoacoustical constraints on hearing in catfishes

Friedrich Ladich (ORCID: 0000-0001-6836-4191)
  • Grant-DOI 10.55776/P22319
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2010
  • Projektende 31.12.2013
  • Bewilligungssumme 256.048 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Catfishes, Ambient noise, Hearing, Acoustic Communication, Auditory Evoked Potentials, Evolution

Abstract Endbericht

Fische besitzen sehr unterschiedliche Hörfähigkeiten, deren funktionelle Bedeutung nicht verstanden wird. Während die Hörgeneralisten (z.B. Barsche, Lachse) nur niederfrequenten Schall von einigen hundert Hertz wahrnehmen, besitzen Hörspezialisten (z.B. Welse, Karpfen) eine Verbindung zwischen dem Innenohr und der Schwimmblase und erweitern den hörbaren Frequenzbereich auf mehrere Kilohertz bei gleichzeitiger Verbesserung der Hörempfindlichkeit. Im vorangegangenen FWF-Projekt fanden wir Hinweise, dass ökoakustischen Einflüsse wie der Hintergrund-(Umgebungs-)lärmpegel die primäre Ursache für das Herausselektieren von Hörspezialisierungen bei Fischen war. Diese ökoakustische Einfluss-Hypothese postuliert, dass niedrige Umgebungslärmpegel zum Herausselektieren von verbesserten Hörvermögen bei Fischen führen. Welse besitzen eine Vielzahl von peripheren Hörstrukturen die von großen unpaaren Schwimmblasen bis zu winzigen paarigen Blasen und 1-4 Gehörknöchelchen reichen, die die Schwimmblasen-Vibrationen ans Innenohr weiterleiten. Reduktion der Schwimmblasengröße und Knöchelchenanzahl führt zu einer Abnahme der Fähigkeit hohe Frequenzen zu hören. Wir planen die ökoakustische Einfluss-Hypothese an Welsen zu testen. Welse sind eine große Ordnung innerhalb der Knochenfische, die mehr als 3000 Arten umfasst und die eine große Zahl verschiedener Habitate bewohnen. Um die Korrelation zwischen Hören, akustischer Kommunikation und Umgebungslärm zu analysieren, planen wir Lärmpegel und Lärmspektren in verschiedenen Habitaten weltweit aufzuzeichnen und mit den dort vorkommenden Arten in Beziehung zu setzen. Nahverwandte Arten, die in lärmenden Korallenriffen und leisen Süßgewässern leben als auch Arten die in ruhigen stehenden und lauten fließenden Gewässern leben werden miteinander verglichen. Es wird erwartet, dass die Lärmpegel dort niedrig sind wo Arten mit gut entwickelten peripheren Hörstrukturen vorkommen. Um unsere Erwartungen zu testen werden wir mittels der Ableitung von akustisch evozierten Potentialen (AEP) die Hörschwellen von Welsarten messen, die verschiedene Habitate bewohnen. Die notwendige AEP-Technik wurde im Rahmen eines Vorprojektes in unserem Labor etabliert. Die Hörkurven (Audiogramme) werden unter ruhigen Laborbedingungen und während der gleichzeitigen Präsentation von verschiedenen Habitatlärmarten bestimmt. Dies soll klären ob und in welchen Ausmaß sich Hören aufgrund von Umgebungslärm verschlechtert (d.h. maskiert wird). Um Herauszufinden ob Habitatlärm akustische Kommunikation beeinflusst, werden die Laute von verschiedenen Welsarten aufgezeichnet und ihre Wahrnehmbarkeit in Relation zu den Audiogrammen analysiert. Dies wird zeigen ob Lautkommunikation an den Umgebungslärm angepasst ist, oder ob letzterer die Wahrnehmung von arteigenen Lauten erschwert. Dies wird die erste umfassende Studie sein, die die Bedeutung ökoakustischer Einflüsse auf die Selektion von akzessorischen Hörstrukturen bei Fischen untersucht. Sie wird im Besonderen den Einfluss von Umgebungslärm auf die Evolution und Lautkommunikation von nahverwandten Fischen aufzeigen.

Ziel des Projektes war es die für Wirbeltiere untypische Vielfalt der peripheren Hörstrukturen (Schwimmblasen, Gehörknöchelchen) und der Hörfähigkeiten bei Fischen sowie deren Evolution zu untersuchen. Die vom Projektleiter basierend auf den Ergebnissen zweier Vorprojekte formulierte ökoakustische Hypothese impliziert, dass die Vielfalt eine Anpassung an unterschiedliche Umgebungslärmsituationen darstellt. Diese Hypothese sollte durch weltweite Messungen des Gewässerlärms und der Hörfähigkeiten der dort vorkommenden Welse untersucht werden. Leider kam es wegen nicht vorhersehbarer Schwierigkeiten (Besorgung der technischen Geräte; Fang und Transport der Versuchstiere) zu starken Verzögerungen im Ablauf des Projektes. Nichtsdestotrotz, konnten im Zuge des Projektes zahlreiche weitere Untersuchungen durchgeführt und publiziert werden. Untersuchungen an Welsen zeigten den Einfluss der Entwicklung der Gehörknöchelchen, unterschiedlicher Schwimmblasenformen und -größen sowie von Pigmentmangel (Albinismus) auf das Hörvermögen auf. Weiters wurde der Einfluss der Umgebungstemperaturen auf die Lautproduktion sowie das Hören bei einer Dornwelsart beschrieben. Im Zuge einer internationalen Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität in München konnten zahlreiche Daten an Buntbarschen gewonnen werden. Diese sehr artenreiche Familie von Süßwasserfischen dürfte die größte Vielfalt an peripheren Hörstrukturen innerhalb der Fische besitzen. Arten mit direktem Kontakt der Schwimmblase zum Innenohr hören deutlich besser als Arten ohne Kontakt oder gar winzigen Schwimmblasen. Lärm verschlechtert das Hören bei Arten mit hoher Hörempfindlichkeit in weit stärkerem Maß (im Einklang mit der ökoakustischen Hypothese) als bei Buntbarschen mit geringer Empfindlichkeit. Wir konnten bei Buntbarschen auch die komplexeste Anbindung der Schwimmblase ans Innenohr beschreiben, die bislang bei Fischen bekannt ist. Weiters zeigen unserer Daten an Buntbarschen, dass neben den peripheren Hörstrukturen auch das Innenohr sehr vielfältig strukturiert ist und damit beides die Hörempfindlichkeit beeinflussen dürfte. Eine Studie an Krötenfischen ergab, dass deren Hörsystem trotz Fehlens von peripheren Hörstrukturen in der Lage ist Lautäußerungen von Artgenossen (Balz- und aggressive Laute), von denen Artfremder und von Beutegreifern (Delfinen) zu unterscheiden. Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, dass ökoakustische Faktoren (Umgebungslärm) und weniger akustische Kommunikation und Orientierung die treibenden Kräfte in der Entwicklung des Hörvermögens der Fische waren.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 747 Zitationen
  • 15 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Relationship between Swim Bladder Morphology and Hearing Abilities–A Case Study on Asian and African Cichlids
    DOI 10.1371/journal.pone.0042292
    Typ Journal Article
    Autor Schulz-Mirbach T
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Effects of Noise on Sound Detection and Acoustic Communication in Fishes
    DOI 10.1007/978-3-642-41494-7_4
    Typ Book Chapter
    Autor Ladich F
    Verlag Springer Nature
    Seiten 65-90
  • 2013
    Titel Does the Hearing Sensitivity in Thorny Catfishes Depend on Swim Bladder Morphology?
    DOI 10.1371/journal.pone.0067049
    Typ Journal Article
    Autor Zebedin A
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2013
    Titel A unique swim bladder-inner ear connection in a teleost fish revealed by a combined high-resolution microtomographic and three-dimensional histological study
    DOI 10.1186/1741-7007-11-75
    Typ Journal Article
    Autor Schulz-Mirbach T
    Journal BMC Biology
    Seiten 75
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Hearing in Cichlid Fishes under Noise Conditions
    DOI 10.1371/journal.pone.0057588
    Typ Journal Article
    Autor Ladich F
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Otolith morphology and hearing abilities in cave- and surface-dwelling ecotypes of the Atlantic molly, Poecilia mexicana (Teleostei: Poeciliidae)
    DOI 10.1016/j.heares.2010.04.001
    Typ Journal Article
    Autor Schulz-Mirbach T
    Journal Hearing Research
    Seiten 137-148
    Link Publikation
  • 2010
    Titel How do albino fish hear?
    DOI 10.1111/j.1469-7998.2010.00762.x
    Typ Journal Article
    Autor Lechner W
    Journal Journal of Zoology
    Seiten 186-192
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Are accessory hearing structures linked to inner ear morphology? Insights from 3D orientation patterns of ciliary bundles in three cichlid species
    DOI 10.1186/1742-9994-11-25
    Typ Journal Article
    Autor Schulz-Mirbach T
    Journal Frontiers in Zoology
    Seiten 25
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Fish bioacoustics
    DOI 10.1016/j.conb.2014.06.013
    Typ Journal Article
    Autor Ladich F
    Journal Current Opinion in Neurobiology
    Seiten 121-127
  • 2010
    Titel Representation of complex vocalizations in the Lusitanian toadfish auditory system: evidence of fine temporal, frequency and amplitude discrimination
    DOI 10.1098/rspb.2010.1376
    Typ Journal Article
    Autor Vasconcelos R
    Journal Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences
    Seiten 826-834
    Link Publikation
  • 2011
    Titel EFFECTS OF AQUARIUM AND POND NOISE ON HEARING SENSITIVITY IN AN OTOPHYSINE FISH
    DOI 10.1080/09524622.2011.9753639
    Typ Journal Article
    Autor Gutscher M
    Journal Bioacoustics
    Seiten 117-136
  • 2011
    Titel Ontogenetic Development of Weberian Ossicles and Hearing Abilities in the African Bullhead Catfish
    DOI 10.1371/journal.pone.0018511
    Typ Journal Article
    Autor Lechner W
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Effects of Temperature on Sound Production and Auditory Abilities in the Striped Raphael Catfish Platydoras armatulus (Family Doradidae)
    DOI 10.1371/journal.pone.0026479
    Typ Journal Article
    Autor Papes S
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Diversity in Hearing in Fishes: Ecoacoustical, Communicative, and Developmental Constraints
    DOI 10.1007/2506_2013_26
    Typ Book Chapter
    Autor Ladich F
    Verlag Springer Nature
    Seiten 289-321
  • 2013
    Titel Auditory evoked potential audiometry in fish
    DOI 10.1007/s11160-012-9297-z
    Typ Journal Article
    Autor Ladich F
    Journal Reviews in Fish Biology and Fisheries
    Seiten 317-364
    Link Publikation

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