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Österreichische Listen verbotener Bücher von 1750-1848

Records of Banned Books in Austria 1780-1848

Norbert Bachleitner (ORCID: 0000-0001-8285-6205)
  • Grant-DOI 10.55776/P22320
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2010
  • Projektende 30.09.2012
  • Bewilligungssumme 70.676 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)

Keywords

    Censorship, Habsburg monarchy, Literary History, Social History

Abstract Endbericht

Bekannt sind die Schwierigkeiten, die einzelnen Autoren wie Grillparzer oder Nestroy beim Druck ihrer Schriften bzw. bei der Aufführung ihrer Stücke bereitet wurden; weit weniger bekannt ist, dass im Zeitraum von 1750 bis 1848 insgesamt fast 50.000 Titel aus ganz Europa verboten wurden. Die Freiheit, sich zu politischen Themen zu äußern, wurde drastisch beschnitten; die katholische Religion wurde gegen verbale Angriffe verteidigt; selbstverständlich trachtete die Zensur auch die sittliche Unbedenklichkeit der auf dem österreichischen Buchmarkt zugänglichen Literatur zu gewährleisten. Das Forschungsprojekt hebt diesen versunkenen Kontinent des Verbotenen und Verdrängten durch die Auswertung der Listen verbotener Bücher aus der Phase des Übergangs in die Moderne ans Tageslicht. Dieser Modernisierungsprozess wurde in Österreich durch eine restriktive Gesetzgebung betreffend die Buchproduktion und -distribution, die auch eine strenge Zensur einschloss, erheblich behindert. Das Projekt legt eine literaturgeschichtliche Perspektive an, es ist aber für eine ganze Reihe wissenschaftlicher Disziplinen von Interesse: die verbotenen Bücher betreffen Politikwissenschaft, Historiographie, Ökonomie, Geographie, Medizin, Philosophie, Pädagogik, Jurisprudenz und Theologie. Die Bücherverbote eröffnen daher nicht nur neue Zugänge zur Literaturgeschichte, sondern darüber hinaus auch zur Kultur-, Sozial- und Wissenschaftsgeschichte. Das Projekt schließt an ein früheres Forschungsprojekt an (FWF-Projekt Nr. 13220), in dem die Einträge auf den Verbotslisten von 1795 bis 1848 erfasst wurden. Die Lücken in den in Wien verfügbaren Listen wurden geschlossen, die Titel wurden transkribiert und in das Programm ProCite eingegeben, zum Teil Sachgebiet, Sprache, Publikationstyp (Buch, Zeitschrift, Zeitschriftenartikel etc.) und Zensurgrad bestimmt. Die Daten waren aber zu "roh", um in der Datenbank veröffentlicht zu werden. Vor neun Monaten hat Herr Mag. Syrovy begonnen, die Daten sorgfältig zu überprüfen, gegebenenfalls zu ergänzen und zu homogenisieren, als Ergebnis wurden die ca. 20.000 Einträge aus dem Zeitraum 1833 bis 1848 fertig bearbeitet. Sie können unter der Adresse http://www.univie.ac.at/censorship eingesehen werden; darüber hinaus wurde auch die Datenbank adaptiert und getestet. Innerhalb des beantragten Projekts werden die noch nicht bearbeiteten ca. 30.000 Titel aus dem Zeitraum 1795 bis 1832 revidiert und für die Veröffentlichung fertig gestellt, dazu die Verbote aus der Zeit 1750 bis 1795 (ca. 5000 Titel) neu aufgenommen und bearbeitet werden (= work load im ersten Jahr). Statistische Auswertungen und qualitative Analysen bilden den Schwerpunkt im zweiten Projektjahr: Die Zahl der verbotenen Bücher pro Jahr, die Häufigkeit bestimmter Publikationstypen und Verbotsgrade, die einen Eindruck vom intellektuellen "Klima" zu einem bestimmten Zeitpunkt geben, die Zahl der verbotenen Bücher in den einzelnen Fremdsprachen und in Übersetzung, die Anteile der verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, die Rolle einzelner Verlage wie Wigand, Campe oder Reclam, die häufig auf den Verbotslisten aufscheinen - das ist nur eine kleine Auswahl der geplanten Auswertungen und Analysen. Schließlich werden stichprobenweise verbotene Bücher im Hinblick auf ihre "Gefährlichkeit" und den Grund ihres Verbots unter die Lupe genommen. Alle diese Untersuchungen werden schließlich in einer Monographie zusammengefasst und präsentiert.

Während der zweijährigen Laufzeit des Projekts (1. Oktober 2010 30. September 2012) wurden die bereits in einem früheren Projekt (P13220; March 1999 February 2002) begonnenen Arbeiten zu Ende geführt; die Ergebnisse, die über 52.000 Einträge verbotener Bücher umfassen, sind nun unter der Adresse http://univie.ac.at/censorship als open source zugänglich. Das erste Ziel des Projekts war es, der Scientific community eine vollständige Datenbank über die in der Habsburgermonarchie zwischen 1750, als die systematische staatliche Zensur von Druckwerken und Manuskripten eingeführt wurde, und 1848, dem Datum der formellen Abschaffung der Zensur, verbotenen Werke zur Verfügung zu stellen. Die verbotenen Titel wurden verschiedenen Quellen entnommen, Sachkategorien zugeordnet und suchbar gemacht. Neben der Erstellung der Datenbank war es Ziel des Projekts, Einsichten in die Zensurvorgänge hinter den Verboten durch Recherchen in diversen Archiven in Wien und anderen Orten (Innsbruck, Graz, Mailand) zu bieten. Die Ergebnisse dieser ergänzenden Recherchen werden im Rahmen einer Monographie, die sich in Vorbereitung befindet und voraussichtlich Ende 2013 fertiggestellt sein wird, präsentiert. Spezifische Erkenntnisse betreffen etwa die Verifizierung und Vervollständigung der Mehrzahl der Titelangaben anhand diverser Bibliothekskataloge, die Entdeckung neuer Quellen über verbotene Werke, insbesondere im Zeitraum zwischen 1750 und 1795. Ferner treten die Unterschiede der Zensurtätigkeit und -motive im historischen Verlauf während der Regentschaften von Maria-Theresia, Joseph II., Leopold II., Franz I. und Ferdinand I. hervor.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Ernst Fischer, Johannes Gutenberg-Universität Mainz - Deutschland
  • Christine Haug, Ludwig Maximilians-Universität München - Deutschland

Research Output

  • 6 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Die Zensur der Habsburger. Zur Datenbank der in Österreich zwischen 1750 und 1848 verbotenen Bücher.
    Typ Book Chapter
    Autor Bachleiotner N
  • 2010
    Titel Datenbank der in Österreich zwischen 1750 und 1848 verbotenen Bücher eröffnet!
    Typ Journal Article
    Autor Bachleitner N
    Journal Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich
  • 2010
    Titel Die Theaterzensur in der Habsburgermonarchie im 19. Jahrhundert.
    Typ Journal Article
    Autor Bachleitner N
    Journal LiTheS. Zeitschrift für Literatur- und Theatersoziologie
  • 2010
    Titel Verpönt, verdrängt - vergessen? Eine Datenbank zur Erfassung der in Österreich zwischen 1750 und 1848 verbotenen Bücher.
    Typ Journal Article
    Autor Bachleitner N
    Journal Paul Ferstl, Stefan Wedrac (Hg.): Owning the Mind. Beiträge zur Frage des geistigen Eigentum. Frankfurt/Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien: P. Lang
  • 2010
    Titel Bericht über die Datenbank der in Österreich zwischen 1750 und 1848 verbotenen Bücher.
    Typ Journal Article
    Autor Bachleitner N
    Journal Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte
  • 2011
    Titel Der Dialog zwischen den Literaturen und seine Behinderung. Der französisch-österreichische Transfer im 19. Jahrhundert.
    Typ Book Chapter
    Autor Bachleitner N

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