Von der Kupfer- zur Bronzezeit in zwei Regionen Anatoliens
From Chalcolithic to Bronze Age in two Anatolian regions
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (10%); Biologie (15%); Geschichte, Archäologie (75%)
Keywords
-
Prehistory,
Early Metallurgy,
Regional studies,
Western Anatolia,
Settlement systems,
Surveys
Seit dem Beginn archäologischer Unternehmungen in Westanatolien vor mehr als hundert Jahren spielt die Erforschung der Prähistorie nur eine geringe Rolle. Besonders die mittlere Westküste zwischen den antiken Stätten von Pergamon und Ephesos repräsentiert eine solche terra incognita für die meisten prähistorischen Perioden der Menschheitsgeschichte. Dementsprechend ist prähistorische Grundlagenforschung die notwendige Voraussetzung, um zentrale Fragen wie Technologietransfer (Bsp. Metallurgie) oder die Entwicklung von einfachen Gesellschaftsstrukturen hin zu protourbanen Gesellschaften untersuchen zu können. Das vorliegende Projekt konzentriert sich vor allem auf einen chronologischen Kulturhorizont - das späte Chalkolithikum und die frühe Bronzezeit, konkret das späte 4. Jt. und die erste Hälfte des 3. Jt. v. Chr. Obwohl verhältnismäßig wenige prähistorische Fundorte an der anatolischen Westküste aufgrund massiver Sedimentations- und Verlagerungsprozesse bekannt sind, bieten sich zwei Mikroregionen für neue und weitere systematische Forschungen an: die Region von Ephesos mit dem Kaystrostal (Küçük Menderes) und das Kaikostal (Bak?r ay) im weiteren Umland von Pergamon. Die Möglichkeit inter-regionaler Studien an der zentralen anatolischen Ägäisküste durchzuführen, verspricht neue wissenschaftliche Ergebnisse für den fokussierten Zeitraum. Archäologische Vergleichsanalysen beider Mikroregionen lassen darüber hinaus auch mehr Resultate erwarten, als die Untersuchung nur einer der beiden Regionen erlauben würde. Ihr Vergleich scheint des weiteren besonders erfolgsversprechend, da ihre ökologischen Rahmenbedingungen als Flusstäler mit Zugang zur Ägäis einerseits ähnlich sind, sie aber andererseits weit genug voneinander entfernt liegen, um unterschiedliche kulturelle Charakteristika aufzuweisen. Des weiteren sind beide Regionen von antiken Metropolen dominiert, die in der Forschung bislang auch die zentrale Rolle spielten. Die Kombination in ein übergeordnetes Projekt setzt sich aus zwei Arbeitsbereichen zusammen: Die Aufnahme und Auswertung bereits ausgegrabener Befunde und Funde des frühen 3. Jts. v. Chr. vom ukuriçi Höyük und die Durchführung weiterer archäologischer Surveys im Umland von Pergamon für Modelrekonstruktionen der Besiedlungsprozesse in derselben Periode. Diese neuen Daten werden mit einem interdisziplinären Team aus Wissenschaftern und Studierenden aufbereitet und untersucht. Neben der Archäologie, bilden Geophysik, Paläogeographie, Metallurgie, anorganische Chemie, Petrographie/Mineralogie, Zoologie, Botanik und Physik einen integralen Bestandteil in diesem Projekt. Die Antragsstellerin führte bereits erste Feldforschungen in beiden Regionen durch und kann damit die Relevanz und das Potential für wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn prähistorischer Grundlagenforschung an beiden Orten belegen. Ihre bisherigen Forschungsergebnisse sowie ihre Möglichkeiten in beiden Regionen zu arbeiten bilden die Grundlage für dieses systematische interdisziplinäre Projekt zum prähistorischen Westanatolien.
- Mathias Mehofer, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Ursula Thanheiser, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Sabine Kölle, Veterinärmedizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Bernhard Weninger, Universität Köln - Deutschland
- Felix Pirson, Deutsches Archäologisches Institut, Istanbul - Türkei
- Ulf-Dietrich Schoop, University of Edinburgh - Vereinigtes Königreich