Experimente zu Geschlechterunterschieden in Wettbewerben
Gender differences in competition - Experimental studies
Wissenschaftsdisziplinen
Wirtschaftswissenschaften (100%)
Keywords
-
Competition,
Gender differences,
Experiment,
Affirmative action,
Efficiency
Trotz zahlreicher Fortschritte sind Frauen auch heute noch im Berufsleben in vielerlei Hinsicht benachteiligt. Beispielsweise sind Frauen in Spitzenpositionen unterrepräsentiert (etwa im Management von Unternehmen) und im Schnitt verdienen Frauen selbst dann weniger als Männer, wenn sie eine gleiche Qualifikation vorweisen können. Als mögliche Erklärungen für diese Geschlechterunterschiede werden in der Literatur verschiedene Faktoren diskutiert (etwa Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, unterschiedliche Präferenzen von Frauen oder auch Diskriminierung von Frauen). Neueste Forschungsergebnisse aus der Volkswirtschaftslehre zeigen, dass ein weiterer Faktor von besonderer Bedeutung ist: nämlich die geringere Wettbewerbsorientierung von Frauen. Frauen setzen sich selbst bei gleicher Qualifikation weniger gern einer Wettbewerbssituation aus als Männer. Dieser Geschlechterunterschied leistet einen wichtigen Erklärungsbeitrag für die geringeren Aufstiegschancen von Frauen im Berufsleben. In diesem Projekt werden mit experimentellen Methoden die Ursachen für diese Geschlechterunterschiede, die Konsequenzen derselben als auch mögliche Interventionen zur Kompensierung dieser Unterschiede untersucht. Aus ökonomischer Sicht kann die geringere Wettbewerbsorientierung von Frauen hohe Effizienzkosten haben, wenn hochqualifizierte Frauen sich dem Wettbewerb (etwa um Leitungspositionen) nicht stellen. Mithilfe ökonomischer Experimente wird unter kontrollierten Laborbedingungen untersucht, ob diese Unterschiede existieren und ob Risikopräferenzen oder strategisches Denken die Ursachen sind. Dann werden verschiedenste Interventionsformen untersucht, ob sie die Geschlechterunterschiede in Wettbewerben kompensieren oder gar beseitigen können. Dabei wird das Verhalten von Frauen und Männern in Wettbewerben experimentell untersucht, in denen Frauen gefördert werden durch Maßnahmen wie (a) die Einführung von Frauenquoten bei der Bestimmung der Gewinner in Wettbewerben, (b) Bevorzugung bei gleicher Qualifikation, (c) Wiederholung des Wettbewerbs, wenn zu wenige Frauen unter den Gewinnern sind, oder (d) Bevorzugung von Frauen selbst bei geringerer Qualifikation dann Männer. Während Maßnahme (a) bereits untersucht wurde in der Literatur, sind die Maßnahmen (b) bis (d) hinsichtlich ihrer Wirkung auf das Verhalten von Frauen und Männern noch nicht unter kontrollierten Bedingungen untersucht worden. Dies ist aber wichtig, um wirtschaftspolitische Interventionen zur Förderung von Frauen richtig einschätzen und dann auch einsetzen zu können. Im Gegensatz zur Literatur zu Maßnahme (a) untersucht dieses Projekt nicht nur die Auswirkungen von Maßnahmen (a) bis (d) auf das Verhalten von Männern und Frauen während eines Wettbewerbs, sondern auch wie die Maßnahmen (a) bis (d) das Verhalten von Männern und Frauen nach einem Wettbewerb beeinflussen. Häufig müssen nämlich im Wettbewerb zueinander stehende Personen danach auch wieder zusammenarbeiten (wenn auch oft auf unterschiedlichen hierarchischen Ebenen). Die Erkenntnisse aus diesem Projekt sind bedeutsam für ein besseres Verständnis des unterschiedlichen Wettbewerbsverhaltens von Männern und Frauen und möglichen Interventionen wirtschaftspolitischer Art. Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Verständnis und zur Beseitigung von Geschlechterunterschieden auf Arbeitsmärkten.
Geschlechterunterschiede in der Bereitschaft, sich einem Wettbewerb auszusetzen, sind einer der wichtigsten Gründe für nach wie vor bestehende Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf Arbeitsmärkten. Aus diesem Grund hat dieses Projekt solche Unterschiede untersucht. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf sogenannten Affirmative action-Politikinterventionen, wie etwa Quotenregelungen, Bestimmungen zur Bevorzugung von Frauen bei gleicher Qualifikation oder der Wiederholung eines Wettbewerbs, wenn zu wenige Frauen zum Zug kamen. Das wichtigste Projektergebnis zur Wirkung solcher Interventionen wurde 2012 in der Zeitschrift Science publiziert: Politikinterventionen, wie die genannten, (i) führen zu einer höheren Bereitschaft von Frauen, sich einem Wettbewerb zu stellen, (ii) beeinträchtigen in keiner Weise die Leistungsfähigkeit der SiegerInnen in Wettbewerben (weil vor allem die besten Frauen starker in den Wettbewerb eintreten), und (iii) führen auch zu keinen Verlusten in der Kooperationsbereitschaft nach einem Wettbewerb mit Interventionen.Dieselben Resultate sind auch für Kinder und Jugendliche repliziert worden (im Druck bei Experimental Economics). Aktuell noch laufende Studien untersuchen, wie sich solche Politikinterventionen endogen herausbilden. Insgesamt unterstützen die Projektergebnisse den Einsatz von Politikinterventionen, um Frauen starker zu Wettbewerbsverhalten zu motivieren.
- Universität Innsbruck - 100%
Research Output
- 819 Zitationen
- 18 Publikationen
- 2 Datasets & Models
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2020
Titel SSHOC D4.18 SSHOC Reference Ontology (beta version) DOI 10.5281/zenodo.3744861 Typ Other Autor Bekiari C Link Publikation -
2020
Titel SSHOC D4.18 SSHOC Reference Ontology (beta version) DOI 10.5281/zenodo.3744860 Typ Other Autor Bekiari C Link Publikation -
2021
Titel D4.19 linked files DOI 10.5281/zenodo.5106460 Typ Other Autor Kritsotaki A Link Publikation -
2021
Titel D4.19 Mapping of two indicative selected standards to the SSHOCro DOI 10.5281/zenodo.4457495 Typ Other Autor Kritsotaki A Link Publikation -
2021
Titel D4.19 Mapping of two indicative selected standards to the SSHOCro DOI 10.5281/zenodo.4457496 Typ Other Autor Kritsotaki A Link Publikation -
2021
Titel D4.19 linked files DOI 10.5281/zenodo.5106461 Typ Other Autor Kritsotaki A Link Publikation -
2012
Titel Sabotage in Tournaments: Evidence from a Natural Experiment DOI 10.1111/kykl.12000 Typ Journal Article Autor Balafoutas L Journal Kyklos Seiten 425-441 Link Publikation -
2012
Titel Distributional preferences and competitive behavior DOI 10.1016/j.jebo.2011.06.018 Typ Journal Article Autor Balafoutas L Journal Journal of Economic Behavior & Organization Seiten 125-135 Link Publikation -
2015
Titel Strive to be first or avoid being last: An experiment on relative performance incentives DOI 10.1016/j.geb.2015.08.008 Typ Journal Article Autor Dutcher E Journal Games and Economic Behavior Seiten 39-56 Link Publikation -
2015
Titel Cancelling out early age gender differences in competition: an analysis of policy interventions DOI 10.1007/s10683-015-9447-y Typ Journal Article Autor Sutter M Journal Experimental Economics Seiten 412-432 -
2018
Titel ENDOGENOUS ROLE ASSIGNMENT AND TEAM PERFORMANCE DOI 10.1111/iere.12313 Typ Journal Article Autor Cooper D Journal International Economic Review Seiten 1547-1569 Link Publikation -
2013
Titel Strategic sophistication of individuals and teams. Experimental evidence DOI 10.1016/j.euroecorev.2013.06.003 Typ Journal Article Autor Sutter M Journal European Economic Review Seiten 395-410 Link Publikation -
2012
Titel Affirmative Action Policies Promote Women and Do Not Harm Efficiency in the Laboratory DOI 10.1126/science.1211180 Typ Journal Article Autor Balafoutas L Journal Science Seiten 579-582 -
2012
Titel Sabotage in Tournaments: Evidence from a Natural Experiment DOI 10.2139/ssrn.2003629 Typ Preprint Autor Balafoutas L Link Publikation -
2014
Titel Decision time and steps of reasoning in a competitive market entry game DOI 10.1016/j.econlet.2013.10.019 Typ Journal Article Autor Lindner F Journal Economics Letters Seiten 7-11 Link Publikation -
2015
Titel Strive to Be First or Avoid Being Last: An Experiment on Relative Performance Incentives DOI 10.2139/ssrn.2663760 Typ Preprint Autor Dutcher G Link Publikation -
2015
Titel Gender Differences in the Willingness to Compete Emerge Early in Life and Persist DOI 10.1287/mnsc.2014.1981 Typ Journal Article Autor Sutter M Journal Management Science Seiten 2339-2354 -
2013
Titel Level- k reasoning and time pressure in the 11–20 money request game DOI 10.1016/j.econlet.2013.06.005 Typ Journal Article Autor Lindner F Journal Economics Letters Seiten 542-545 Link Publikation
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2020
Link
Titel D4.18 SSHOCro_v.1.0_beta version DOI 10.5281/zenodo.3744926 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2020
Link
Titel D4.18 SSHOCro_v.1.0_beta version DOI 10.5281/zenodo.3744925 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link