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Troja im Trecento. Erzählen mit Bildern, im Bild und zwischen Wort und Bild

Troja in the Trecento. Narration with Images, within the Image, and between Word and Image

Michael Viktor Schwarz (ORCID: 0000-0001-5795-7821)
  • Grant-DOI 10.55776/P22925
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 17.10.2010
  • Projektende 16.01.2014
  • Bewilligungssumme 208.582 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (25%); Kunstwissenschaften (70%); Sprach- und Literaturwissenschaften (5%)

Keywords

    Italian art, Trojan Romances, 14th century, Visual Narration, Austrian National Library

Abstract Endbericht

Gegenstand der Untersuchung sind umfangreiche Bilderfolgen zum Trojastoff in italienischen Prunkhandschriften des 14. Jahrhunderts. Es handelt sich dabei um Ausgaben des Roman de Troie von Benot de Sainte-Maure und der Historia destructionis Troiae von Guido de Columnis, einer lateinischen Prosafassung von Benots französischem Langgedicht. Mehr noch als andere Epen aus Nordwesteuropa war der Trojastoff in Italien durchschlagend erfolgreich. Seine Aneignung, die nach dem Vorbild der Äneis oft im Sinn einer lokalen Gründungslegende geschah, führte unter anderem zur Produktion neuer Bildwelten auf regional unterschiedlicher Grundlage. Ziel der Untersuchung ist es, die Bedeutung dieser noch kaum erschlossenen, äußerst reichen Bildwelten für die Ausdifferenzierung der Trecento-Malerei und die Entwicklung der Textillustration zu reklamieren. Zu diesem Zweck werden die Manuskripte auf das verarbeitete Vorbildmaterial hin untersucht und verglichen. Dabei soll sowohl von der Darstellungstechnik als auch von den Erzählformen her argumentiert werden: Wie wird der um 1300 jeweils gegebene (und sich langsam erweiternde) Stand der Darstellungstechnik genutzt, um die in den Texten sehr anspruchsvoll beschriebenen und bis dahin noch kaum visualisierten Handlungen in Bilder und Sequenzen von Bildern zu übersetzen? Worin besteht das regionale Profil, worin der Neuigkeitswert dieser Kreationen? Wie werden lokale Traditionen im Sinn einer kulturellen Aneignung des Textes eingesetzt, wo wird die Fremdartigkeit des Textes in visuelle Innovation umgemünzt? Welche Folgen haben die Bilderzyklen in der Buchmalerei und im monumentalen Medium? Das Bild von der visuellen Kultur des Trecento und von der vorneuzeitlichen visuellen Kultur Italiens ist ohne die angemessene Berücksichtigung der noch wenig beforschten Illustrationen zu französischen Epen einseitig. Das zeigten gerade die Überblickspublikationen und Ausstellungen der letzten Jahre, die dem Nachleben Giottos gewidmet waren und - den großen Erzählungen von Humanismus und Renaissance verpflichtet - diesen Aspekt ausblendeten. Die Illustrationen zum Trojastoff sind ein zugleich überschaubarer und in seinen reichen Kontexten vielversprechender Komplex, der sich anbietet, die Lücke zu verkleinern und das Bild zu korrigieren.

Ein im Frankreich des 12. Jahrhunderts geschriebener Versroman über den Troja-Stoff hat seinen größten Erfolg im Italien des 14. Jahrhunderts. Hier entstehen illustrierte Ausgaben mit Hunderten von Miniaturen. Die Codices helfen der politischen Elite, den Streit zwischen Guelfen und Ghibellinen welthistorisch einzuordnen und verändern zugleich die Kunst visuellen Erzählens. Die Leser des Texts und Betrachter der Miniaturen sind aufgefordert, die Differenzen zwischen Worten und Bildern in Gedankenspielen zu überbrücken und werden dadurch in einer neuartigen Weise aktiviert. Die wichtigste und schönste dieser Handschriften gelangte aus dem Besitz des Prinzen Eugen in die Österreichische Nationalbibliothek.Die Ergebnisse des Projekts sind wichtig für die Kenntnis der italienischen Malerei im Jahrhundert zwischen Giotto und Masaccio. Stärker als es im Bewusstsein ist, hat sie sich als Buchmalerei konkretisiert, war sie erzählerisch orientiert und mit profanen Inhalten befasst. Ohne Kenntnis der Epen-Illustrationen bleibt der Weg von Giotto zur Kunst der Renaissance unverständlich. Andererseits scheint es gerade das Renaissance-Paradigma gewesen zu sein, das der kunsthistorischen Forschung bei der Untersuchung dieser Werke lang im Weg stand: Es ist eine befremdliche Vorstellung, dass nicht Homers oder Vergils Texte, die Vorlagen für die Entwicklung neuer Erzähltechniken geliefert haben sollen, sondern die Texte hochmittelalterlicher Autoren, welche die klassischen Erzählungen für ein in Kategorien des Rittertums denkendes Publikum in Nordostfrankreich umformten.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 2 Publikationen
Publikationen
  • 2011
    Titel Ein Troja-Roman für Kaiser Ludwig den Bayern?
    Typ Journal Article
    Autor Cipollaro C
    Journal Codices manuscripti
  • 2012
    Titel Turone de Maxio, miniatore del Roman de Troie di Parigi (Bibliothèque Nationale de France, ms. Français 782).
    Typ Journal Article
    Autor Cipollaro C
    Journal Codices manuscripti

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