In vivo Phosphorylierung von Kv7 Kanälen
In vivo phosphorylation in Kv7 channels
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (45%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (55%)
Keywords
-
Phosphorylation,
Ion Channel,
Mass Spectrometry,
Kv7,
KCNQ
Kv7 Kalium Kanäle umfassen Kv7.1 bis Kv7.5, und diese 5 Proteine sind für zahlreiche menschliche Erkrankungen (z.B. neonatale Epilepsien) von Bedeutung. Während Kv7.1 zum Aktionpsotential im Herzen beiträgt, steuern Kv7.2, Kv.7.3, und Kv.7.5 die neuronale Erregbarkeit. Die Funktion dieser Kanäle wird durch verschiedene Mediatoren und Neurotransmitter über G Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCRs) streng reguliert, wobei die Reduktion von Phosphatidylinositol-4,5-Biphosphat (PIP2) in der Membran bzw. Ca2+/Calmodulin involviert sind. Außerdem konnte durch Phosphoprotein-Biochemie und Elektrophysiologie mit mutierten Kanälen gezeigt werden, dass auch Physophorylierung die Funktion dieser Kanäle beeinflusst. Allerdings geben diese Resultate keinen Aufschluss über die Phosphorylierung im lebenden Organismus, und für verfügbare Daten bezüglich dieser in vivo Phosphorylierung sind keinerlei funktionelle Konsequenzen beschrieben worden. Daher untersucht dieses Projekt die in vivo Phosphorylierung von Kv7 Kalium Kanälen durch "Proteomics" mittels Massenspektrometrie (MS), sowie deren funktionelle Folgen mittels Elektrophysiologie, Mutagenese und Immunfluoreszenz-Mikroskopie. Die geplanten Experimente werden mittels MS weitere in vivo Phosphorylierungsstellen in Kv7 Kalium Kanäle identifizieren um deren komplettes Phosphorylierungsmuster darzustellen. Weiters werden die involvierten Kinasen charakterisiert, die Bedeutung für die Modulation über GPCRs analysiert, die Rolle im Assemblieren und im Membraneinbau aufgeklärt und mögliche Veränderungen in der Spannungsabhängigkeit untersucht werden. Wir erwarten, so eine komplette Übersicht über die in vivo Phosphorylierungsstellen in Kv7 Kanälen zu erhalten und deren Bedeutung für die Modulation über GPCRs sowie für Assemblierung, Oberflächenexpression, und Aktivierung aufzuklären.
Neuronale spannungsabhängige Kalium Kanäle der Kv7 Familie (Kv7.2, Kv7.3 und Kv7.5) spielen eine grundlegende Rolle für die Kontrolle der neuronalen Erregbarkeit. Sie stabilisieren das Ruhemembranpotential und limitieren die Anzahl der gefeuerten Aktionspotentiale. Einige Mutationen in den KCNQ2 (für den Kv7.2 Kanal) und KCNQ3 (Kv7.3 Kanal) Genen verursachen kindliche Formen der Epilepsie. Aus diesem Grund wurden Epilepsiemedikamente entwickelt, die die Funktion dieser Kanäle verstärken. Ein bestimmtes Membranphospholipid, Phosphatityl-4,5-bisphosphat (PIP2), kontrolliert die Funktion vieler Membranproteine. PIP2 interagiert mit Zielproteinen üblicherweise über elektrostatische Wechselwirkungen, welche durch die Aminosäuresequenz des Proteins bestimmt wird. Die Funktion der Kv7 Kanäle wird durch die Verfügbarkeit von PIP2 bestimmt welche von G-Protein gekoppelten Rezeptoren genau reguliert wird. Unterschiedliche Kv7 Untereinheiten unterscheiden sich stark durch ihre Affinitäten für PIP2. Es ist jedoch unklar, was diese unterschiedliche Affinität verursacht, denn die Aminosäuresequenz in den vorgeschlagenen PIP2 Bindungsstellen unterscheidet sich nicht wesentlich in den verschiedenen Kanaluntereinheiten. In diesem Projekt wurden eine große Anzahl neuer Phosphorylierungsstellen in Kv7.2, Kv7.3 und Kv7.5 Kanälen bestimmt sowie die für diese Prozesse verantwortlichen Kinasen. Im Speziellen wurden fünf phosphorylierte Serine in Kv7.2 Kanälen gefunden, die in einer der vorgeschlagenen PIP2 Bindungsstellen gebündelt vorkommen. Dephosphorylierung dieser Serinreste führte zu einer Erhöhung der Affinität für PIP2. Das bedeutet, dass die Phosporylierung speziell dieser Serinreste notwendig ist, um die bekannt niedrige Affinität von Kv7.2 Kanälen für PIP2 zu gewährleisten. Nur diese niedrige Affinität ermöglicht die engmaschige Kontrolle der Kanäle mittels G-Protein gekoppelter Rezeptoren. Außerdem wurde durch diese Studie bewiesen, dass die elektrostatischen Eigenschaften eines Proteins nicht nur durch die Aminosäuresequenz selbst, sondern auf durch Posttranslationale Modifikation, im speziellen die Phosphorylierung, bestimmt werden kann. Interessanterweise besitzen Kv7.3 Kanäle in der homologen Region nur eine einzige Phosphorylierungsstelle. Es wäre interessant zu bestimmen, ob genau dieser Unterschied zwischen Kv7.2 und Kv7.3 Kanälen in der Anzahl der Phosphoyrlierungsstellen den 100-fachen Unterschied in der PIP2 Affinität erklären kann. Außerdem wurden in Kv7.2 und Kv7.5 Kanälen verschiedene Phosphorylierungsstellen gefunden, die durch Proteinkinase A (PKA) phosphoryliert werden. Jedoch unterscheidet sich sowohl die Anzahl, als auch die Lokalisation dieser Phosphorylierungsstellen. Interessanterweise verändern diese PKA- mediierten Phosphorylierungen nur die Funktion von Kv7.5 Kanälen und nicht die von Kv7.2 Kanälen. Spezifischen Inhibitoren von Proteinkinasen können in Zukunft helfen sowohl die Funktion der Kinasen, als auch die Funktion der Kanäle genauer zu bestimmen.
Research Output
- 293 Zitationen
- 11 Publikationen
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2018
Titel Dephosphorylation of human dopamine transporter at threonine 48 by protein phosphatase PP1/2A up-regulates transport velocity DOI 10.1074/jbc.ra118.005251 Typ Journal Article Autor Yang J Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 3419-3431 Link Publikation -
2012
Titel Phosphorylation of Dopamine Transporter Serine 7 Modulates Cocaine Analog Binding* DOI 10.1074/jbc.m112.407874 Typ Journal Article Autor Moritz A Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 20-32 Link Publikation -
2012
Titel Dopamine transporter phosphorylation site threonine 53 regulates substrate reuptake and amphetamine-stimulated efflux DOI 10.1186/2050-6511-13-s1-a45 Typ Journal Article Autor Yang J Journal BMC Pharmacology and Toxicology Link Publikation -
2012
Titel Dopamine Transporter Phosphorylation Site Threonine 53 Regulates Substrate Reuptake and Amphetamine-stimulated Efflux* DOI 10.1074/jbc.m112.367706 Typ Journal Article Autor Foster J Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 29702-29712 Link Publikation -
2012
Titel Concomitant facilitation of GABAA receptors and KV7 channels by the non-opioid analgesic flupirtine DOI 10.1111/j.1476-5381.2011.01821.x Typ Journal Article Autor Klinger F Journal British Journal of Pharmacology Seiten 1631-1642 Link Publikation -
2016
Titel Phosphorylation regulates the sensitivity of voltage-gated Kv7.2 channels towards phosphatidylinositol-4,5-bisphosphate DOI 10.1113/jp273274 Typ Journal Article Autor Salzer I Journal The Journal of Physiology Seiten 759-776 Link Publikation -
2015
Titel d Subunit-containing GABAA receptors are preferred targets for the centrally acting analgesic flupirtine DOI 10.1111/bph.13262 Typ Journal Article Autor Klinger F Journal British Journal of Pharmacology Seiten 4946-4958 Link Publikation -
2015
Titel The anticonvulsant retigabine is a subtype selective modulator of GABAA receptors DOI 10.1111/epi.12950 Typ Journal Article Autor Treven M Journal Epilepsia Seiten 647-657 Link Publikation -
2017
Titel Updating In Vivo and In Vitro Phosphorylation and Methylation Sites of Voltage-Gated Kv7.2 Potassium Channels DOI 10.1002/pmic.201700015 Typ Journal Article Autor Erdem F Journal PROTEOMICS Seiten 1700015 Link Publikation -
2014
Titel Excitation of rat sympathetic neurons via M1 muscarinic receptors independently of Kv7 channels DOI 10.1007/s00424-014-1487-1 Typ Journal Article Autor Salzer I Journal Pflügers Archiv - European Journal of Physiology Seiten 2289-2303 Link Publikation -
2012
Titel Functional implications of KV7 channel phosphorylation DOI 10.1186/2050-6511-13-s1-a46 Typ Journal Article Autor Salzer I Journal BMC Pharmacology and Toxicology Link Publikation