Zur Neurobiologie sozialer Interaktion als Alternative zu Suchtmitteln
Neurobiology of social interaction as an alternative to drugs of abuse
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (50%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)
Keywords
-
Addiction,
Conditioned Place Preference,
Social Interaction,
Cocaine,
Neurobiology,
Therapy
Der Gebrauch von Suchtmitteln hat in den letzten Jahren, vor allem bei Jugendlichen, stetig zugenommen und stellt ein ernsthaftes soziales und gesundheitspolitisches Problem dar. Das Verhalten der Betroffenen auf andere - nicht mit der Droge in Verbindung stehende - Aktivitäten zu richten, ist immer noch eine der größten Herausforderungen in der Therapie von Abhängigkeitserkrankungen. In Tiermodellen wurde gezeigt, dass soziale Interaktion in Verbindung mit dem Suchtmittel die Abhängigkeit verstärken kann. Jedoch wurden kaum Untersuchungen bezüglich sozialer Interaktion als Alternative zu Substanzmissbrauch durchgeführt. Wir beabsichtigen die Anwendung eines vertikalen Ansatzes vom Verhalten bis hin zum Gen um herauszufinden, inwieweit sich soziale Interaktion gegen Abhängigkeit, sowohl auf Verhaltens-, neurochemischer als auch molekularer Ebene, als nützlich erweist. Wir beabsichtigen: die Anwendung des Verhaltensmodells "Conditioned Place Preference" (CPP), um einerseits den Einfluss von sozialer Interaktion auf Kokain-CPP zu untersuchen und andererseits Kokain-CPP mit CPP für soziale Interaktion zu vergleichen. (1) die Anwendung von Mikrodialyse, für den Vergleich der belohnenden Wirkung von Kokain mit jener von sozialer Interaktion in ausgewählten Regionen, vor allem im Nucleus Accumbens (Acb) Shell und Core. (2) molekulare und zelluläre Methoden einzusetzen, um die Neurobiologie sozialer Interaktion zu untersuchen: wir planen i) einen Vergleich der Aktivität der cholinergen Interneurone im Acb Shell und Core von Ratten mit Kokain-CPP vs CPP für soziale Interaktion; ii) die Ausprägung der Transkriptionsfaktoren DeltaFosB und pCREB bei Ratten, die für Kokain-CPP trainiert wurden und anschließend Exstinktionstraining mit oder ohne soziale Interaktion bekamen, zu vergleichen; iii) zu bestimmen, ob die Aktivierung von p38 MAPK selektiv für Drogen (insbesondere Kokain) im Vergleich zu sozialer Interaktion ist; die Auswirkung von p38 Inhibitor-Mikroinjektionen in Acb Shell und Core auf CPP für Kokain vs soziale Interaktion zu untersuchen; CPP für Kokain und CPP für soziale Interaktion in p38 knock-out Mäusen zu erzeugen und zu vergleichen; iv) erstmalig im Bereich der Suchtforschung die Auswirkungen des Zellmatrixproteins SATB2 in Drogen-induzierter Plastizität zu untersuchen. Alles in allem wird unserer Forschungsarbeit ein tieferes Verständnis des positiven Einflusses von sozialer Interaktion auf die Abhängigkeitseffekte von Kokain bieten. Diese Kenntnisse könnten zentral für die Gestaltung von wirksamen Verhaltensansätzen und sozialen Strategien zur Prävention drogenassoziierter Störungen sein. Zusätzlich könnte die ausführliche Untersuchung von zellulären und molekularen Mechanismen zur Identifikation neuer Ziele für die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von Abhängigkeit und anderen psychiatrischen Erkrankungen führen.
Wir konnten zeigen, dass Versuchstiere den Kontakt mit einem Artgenossen bevorzugen, auch wenn sie von einer Droge abhängig sind. Derartger sozialer Kontakt hat auch einen Anti-Stress Effekt. Unsere Ergebnisse können die therapeutischen Strategien bei der Behandlung Drogenabhängiger beeinflussen. Der angenehme Effekt von anfänglichem Drogenkonsum führt einige Menschen dazu, den Konsum zu wiederholen was häufig zu einem Kontrollverlust führt. Diese verursachen oft sozialen Kontaktabbruch zu Familienmitgliedern und Freunden. Drogen verursachen lang anhaltende Veränderungen im Gehirn welche schließlich zur Sucht führen. Im vorliegenden Projekt untersuchten wir wie positive soziale Interaktion gegen Drogenmissbrauch schützen kann, wenn sie als Alternative zum Konsum angeboten wird. In einem Tiermodell können Ratten lernen, den angenehmen Effekt einer Droge mit einer bestimmten Umgebung zu verbinden. Wenn diese Tiere die Wahl zwischen zwei abgegrenzten Umgebungen haben, wählen sie bevorzugt die, welche sie mit der Droge assoziieren. Das nennt man konditionierte Platzpräferenz. Wenn diese Tiere die Möglichkeit erhalten, in der nicht bevorzugten Umgebung mit einem Artgenossen spielerisch zu verbringen, beginnen sie diese bevorzugt zu wählen. Wenn sie danach wieder eine Droge erhalten, bleiben sie trotzdem bevorzugt in der Umgebung wo sie die spielerische Erfahrung mit den Artgenossen gemacht haben. Im vorliegenden Projekt untersuchten wir die Ausprägung und Veränderung von biochemischen Substanzen in Nervenzellen in Gehirnen von Tieren, die einerseits gelernt hatten, eine drogenassoziierte Umgebung zu erkennen, bzw. anderseits gelernt hatten, eine Umgebung mit nicht konditionierten stressfreien Artgenossen zu bevorzugen. Wir fanden, dass bestimmte biochemische Marker für Stressmechanismen in Tieren die diese soziale Interaktion gelernt hatten, in geringerem Ausmaß als in drogenkonsumierenden Tieren auftraten.Unsere Ergebnisse bieten einen neuen Ansatz für psychotherapeutische Interventionen bei Drogenabhängigkeit bzw. Für Selbsthilfegruppen. Sie können auch helfen, neue biochemische Ziele für die Entwicklung von Arzneimitteln gegen Drogenabhängigkeit und vielleicht andere psychiatrische Erkrankungen zu identifizieren.
- Georg Dechant, Medizinische Universität Innsbruck , assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 218 Zitationen
- 8 Publikationen
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2020
Titel Is p38 MAPK Associated to Drugs of Abuse-Induced Abnormal Behaviors? DOI 10.3390/ijms21144833 Typ Journal Article Autor El Rawas R Journal International Journal of Molecular Sciences Seiten 4833 Link Publikation -
2015
Titel Reacquisition of cocaine conditioned place preference and its inhibition by previous social interaction: Neurochemical and electrophysiological correlates in the nucleus accumbens corridor DOI 10.1186/2193-1801-4-s1-l2 Typ Journal Article Autor Saria A Journal SpringerPlus Link Publikation -
2012
Titel Preventive role of social interaction for cocaine conditioned place preference: correlation with FosB/DeltaFosB and pCREB expression in rat mesocorticolimbic areas DOI 10.3389/fnbeh.2012.00008 Typ Journal Article Autor Rawas R Journal Frontiers in Behavioral Neuroscience Seiten 8 Link Publikation -
2012
Titel Brain regions associated with the acquisition of conditioned place preference for cocaine vs. social interaction DOI 10.3389/fnbeh.2012.00063 Typ Journal Article Autor Rawas R Journal Frontiers in Behavioral Neuroscience Seiten 63 Link Publikation -
2015
Titel Social interaction reward decreases p38 activation in the nucleus accumbens shell of rats DOI 10.1016/j.neuropharm.2015.08.029 Typ Journal Article Autor Salti A Journal Neuropharmacology Seiten 510-516 Link Publikation -
2015
Titel The Two Faces of Social Interaction Reward in Animal Models of Drug Dependence DOI 10.1007/s11064-015-1637-7 Typ Journal Article Autor El Rawas R Journal Neurochemical Research Seiten 492-499 Link Publikation -
2014
Titel Differences in social interaction- vs. cocaine reward in mouse vs. rat DOI 10.3389/fnbeh.2014.00363 Typ Journal Article Autor Kummer K Journal Frontiers in Behavioral Neuroscience Seiten 363 Link Publikation -
2015
Titel Social Interaction and Cocaine Conditioning in Mice Increase Spontaneous Spike Frequency in the Nucleus Accumbens or Septal Nuclei as Revealed by Multielectrode Array Recordings DOI 10.1159/000370314 Typ Journal Article Autor Kummer K Journal Pharmacology Seiten 42-49 Link Publikation