Edition der "Stuttgarter Privatvorlesung" F.W.J. Schelling
Edition of Schellings "Stuttgarter Privatvorlesung"
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
Editionsprojekt,
Theologiegeschichte,
Philosophiegeschichte,
Deutscher Idealismus,
Wissenschaftsgeschichte
Die historisch-kritische Edition der Vorträge, die der Philosoph F. W. J. Schelling im Jahr 1810 vor einem Kreis von hohen Beamten in Stuttgart gehalten hatte, umfasst die textkritische Aufbereitung der vorhandenen Dokumente: der Nachschrift aus dem Nachlass von E. F. v. Georgii sowie des von Schellings Sohn in den Sämmtlichen Werken unter dem Namen Stuttgarter Privatvorlesungen veröffentlichen Textes, wie der entsprechenden Briefe und Tagebucheintragungen des Philosophen. Der Blick auf die Hörer der privaten Vortragsreihe und die Einsicht ihrer Briefe zeigt, dass die philosophischen Diskussionen auch jenseits der einzelnen Sitzungen fortgesetzt wurden und vor allem, worüber man diskutierte: die Bedeutung des Religionsunterrichts nach der Pestalozzischen Methode, für die Schelling gewonnen werden sollte. Mit der Veröffentlichung des bislang unbekannten Briefwechsels Wangenheim-Niederer-Schelling können der Forschung neue Quellen zum Verhältnis von Philosophie, Theologie und Pädagogik zur Verfügung gestellt werden. Die Stuttgarter Privatvorlesungen nehmen eine zentrale Stellung im Gesamtwerk Schellings ein, das zu diesem Zeitpunkt den entscheidenden Umbruch zu einem religionsphilosophischen System vollzieht. Die historisch-kritische Edition soll hierbei die vermittelnde Funktion des Systementwurfs von 1810 zwischen der Freiheitsschrift (1809), in welcher Schelling einen ganz neu konzipierten Gottes-Begriff vorgelegt hatte, und den Weltalter-Fragmenten (1811-1815) aufzeigen, welche zuerst als eine Geschichte des göttlichen Seins und Werdens gelesen werden können.
Das Forschungsprojekt zu F. W. J. Schellings Stuttgarter Privatvorlesungen sah die historisch-kritische Edition jener Texte vor, welche die Vortragsreihe dokumentieren, die der Philosoph Schelling im Jahre 1810 für einen kleinen Kreis hoher württembergischer Beamter veranstaltete. In einem ersten Schritt wurden philologische Arbeiten durchgeführt: die Nachschrift aus dem Nachlass des Organisators der Vorlesungsreihe, E. F. v. Georgii, wurde transkribiert und die von Schellings Sohn, K. F. A. Schelling, zu einem Text zusammengestellten und erst postum veröffentlichten Vorlesungs-Notizen seines Vaters aufbereitet. So entstanden zwei saubere Textgrundlagen, die wiederholt überprüft und schließlich miteinander verglichen wurden. Die Differenzen zwischen den beiden Dokumenten konnten jetzt klar erkannt und ausgewiesen werden: Die Nachschrift enthält nicht nur längere Zusätze, die in dem anderen Text nicht vorhanden sind, sondern auch sprachliche Variationen in Form von Vereinfachungen sowie zuletzt sinnverkehrte Darstellungen, die unter Verweis auf den Text von Schelling korrigiert werden konnten.Bei der Arbeit an den texterklärenden Anmerkungen, welche den ideengeschichtlichen Hintergrund des Texts erforschen, stellte sich überraschenderweise heraus, dass die Stuttgarter Privatvorlesungen eine Vielzahl von Bezügen zu Schriften von Autoren des schwäbischen Pietismus beinhalten. Die Tagebucheinträge des Philosophen legen offen, dass Schelling verschiedene Werke seines Landmanns, des Pfarrers F. Chr. Oetinger studierte, unter welchen sich auch eine Übersetzung aus dem Opus des schwedischen Visionärs und Geistersehers E. Swedenborg sowie Darstellungen der theosophischen Lehre des Schuhmachers und Magiers J. Böhme befanden. Außerdem konsultierte der Philosoph die theologisch-philosophischen Schriften J. C. Lavaters sowie die Werke des württembergischen Pfarrers und Feinmechanikers Ph. M. Hahn. Durch die Lektüre der von dem Philosophen angegebenen theosophischen Schriften konnte die Bandbearbeiterin Einflüsse auf Schellings Darstellung des Gottesbegriffs (Oetinger), die Unsterblichkeitslehre (Lavater, Hahn) und die Philosophie der Geisterwelt (Swedenborg) aufzeigen, die in den Stuttgarter Privatvorlesungen neu entwickelt werden. Auffällig waren hierbei die vielen Bezüge zu den Schriften Oetingers, der weniger als Erschaffer eines eigenen Systems als ein Sammler von raren Manuskripten und Prüfer mystischen Gedankenguts bezeichnet werden kann. Als Resultat der Forschungsarbeiten kann festgehalten werden, dass Schelling in den Jahren, in welchen sich sein Denken im Umbruch befand und zunehmend von religiösen Fragen bestimmt wurde, neue Anregungen von Autoren seiner schwäbischen Heimat gewann. Das gilt insbesondere für Oetinger, über den der Philosoph kabbalistische Elemente sowie die magischen Lehren Böhmes rezipierte. Hat die Forschung bis heute über die Quellen des Philosophen gerätselt und spekuliert, so hat die vorliegende Arbeit nachgewiesen, dass Oetinger die entscheidende Rolle bei der Vermittlung mystischen Gedankenguts gespielt hat, welches Schelling vielmehr aus zweiter anstatt aus erster Quelle schöpfte.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 19 Publikationen
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2024
Titel "Die Philosophie ist daher wesentlich System". System und Geschichte in Schellings Münche-ner Philosophie der Offenbarung; In: Metaphysik des Konkreten und der Geschichtlichkeit. System der Vernunft 1821-1854 Typ Book Chapter Autor Christian Danz Verlag Felix Meiner Seiten 475-490 -
2024
Titel Der Herr des Seins. Schellings Gottesbegriff im theologie- und philosophiegeschichtlichen Kontext; In: Schelling e la filosophia medievale Typ Book Chapter Autor Christian Danz Seiten 476-489 -
2024
Titel Einleitung; In: Theologische Jugendschriften Typ Book Chapter Autor Christopher Arnold Verlag frommann-holzboog -
2024
Titel Geschichtsphilosophie und Trinität in Schellings Philosophie der Offenbarung; In: Metaphysik des Konkreten und der Geschichtlichkeit (18211854) Typ Book Chapter Autor Christopher Arnold Verlag Felix Meiner Seiten 453-473 -
2024
Titel Mythologie und Tatsachen. Fortschritt des Wissens im Spätwerk Schellings; In: Metaphysik des Konkreten und der Geschichtlichkeit (1821-1854) Typ Book Chapter Autor Michael Hackl Verlag Felix Meiner Seiten 437-449 -
2024
Titel Vom "Zulassen menschlicher Freiheit". Schelling und Jonas über Natur und Gott; In: Religionsphilosophie in und nach der Klassischen Deutschen Philosophie Typ Book Chapter Autor Michael Hackl Seiten 85-103 -
2023
Titel Editorischer Bericht zu: Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Ueber die Gottheiten von Samothrace. Zur Entstehungsgeschichte des Textes. Hinweise auf die frühe Rezeption; In: Beiträge aus "Allgemeine Zeitschrift von Deutschen für Deutsche" (1813), Ueber die Gottheiten von Samothrace (1815), Bericht über die Aeginetischen Bildwerke (1817) Typ Book Chapter Autor Christian Danz Verlag frommann-holzboog Seiten 153-203 -
2023
Titel Editorischer Bericht zu: Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, "[Ankündigung]" der "Allgemeinen Zeitschrift von Deutschen für Deutsche"; In: Beiträge aus "Allgemeine Zeitschrift von Deutschen für Deutsche" (1813), Ueber die Gottheiten von Samothrace (1815), Bericht über die Aeginetischen Bildwerke (1817) Typ Book Chapter Autor Christian Danz Verlag frommann-holzboog Seiten 3-19 -
2023
Titel Editorischer Bericht zu: Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Texte aus der "Allgemeinen Zeitschrift von Deutschen für Deutsche". Zur Entstehungsgeschichte der Texte. Hinweise auf frühe Rezeption; In: Beiträge aus "Allgemeine Zeitschrift von Deutschen für Deutsche" (1813), Ueber die Gottheiten von Samothrace (1815), Bericht über die Aeginetischen Bildwerke (1817) Typ Book Chapter Autor Christian Danz Verlag frommann-holzboog Seiten 33-79 -
2023
Titel Editorischer Bericht zu: Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Preisaufgabe der philologisch philosophischen Klasse der Königl. Baier'schen Akademie der Wissenschaften zu München.; In: Beiträge aus "Allgemeine Zeitschrift von Deutschen für Deutsche" (1813), Ueber die Gottheiten von Samothrace (1815), Bericht über die Aeginetischen Bildwerke (1817) Typ Book Chapter Autor Christian Danz Verlag frommann-holzboog Seiten 407-411 -
2023
Titel Komplementarität von Materie und Geist. Jonas' Ontologie des Lebens im Lichte des Schellingschen Idealismus; In: Das Konzept "Leben" in der Geschichte der Philosophie Typ Book Chapter Autor Michael Hackl Seiten 271-288 -
2022
Titel The "Absolute Idea" in the Presentation of the Process of Nature. Some Observations Concern-ing the Historical Development of Schelling's Negative Philosophy during His Early Berlin Years.; In: Freedom and Creation in Schelling Typ Book Chapter Autor Christian Danz Verlag frommann-holzboog Seiten 179-205 -
2022
Titel "Vorstellungsarten der alten Welt" und Erzählungen der Geschichte Jesu. Schellings Traditionskritik der Evangelien als früher Beitrag zur Leben-Jesu-Forschung; In: Philosophische Schriftauslegung. Geschichte eines ungewöhnlichen Programms Typ Book Chapter Autor Christopher Arnold Seiten 125-143 -
2013
Titel Der irdische Gott. Religion und Staat im Spätwerk Schellings. Typ Journal Article Autor Danz C Journal Schelling-Studien. Internationale Zeitschrift zur klassischen deutschen Philosophie -
2013
Titel Von der Vernunftreligion zur spekulativen Religionsgeschichte. Anmerkungen zu Schellings später Religionsphilosophie im Kontext der Hegel-Schule. Typ Book Chapter Autor Danz C -
2013
Titel Geist ist Feuer. Der Begriff des Geistes in Schellings Naturphilosophie und Psychologie. Typ Book Chapter Autor Heuer -
2012
Titel Weissagung und Erfüllung. Schellings Prophetendeutung und ihre hermeneutischen Grundlagen. Typ Book Chapter Autor C. Danz (Hrsg.) -
2011
Titel Schelling und Georgii: Freunde über den Tod hinaus ... Typ Journal Article Autor Müller-Lüneschloß V Journal Schwäbische Heimat. Zeitschrift für Regionalgeschichte, württembergische Landeskultur, Naturschutz u. Denkmalpflege. 62. Jg. -
0
Titel Über das Verhältnis von Natur und Geisterwelt. Ihre Trennung, ihre Versöhnung, Gott und den Menschen. Typ Other Autor Müller-Lüneschloß V