Familienkorrespondenzen adeliger Nonnen (17./18. Jahrhundert)
Family correspondences of aristocratic nuns (17th/18th centuries)
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (70%); Soziologie (10%)
Keywords
-
Nuns,
Family Correspondences,
Early Modern Period
Briefe waren, von gelegentlichen Besuchen ihrer Verwandten abgesehen, das einzige Instrument von in Klausur lebenden Klosterfrauen Familienbeziehungen zu pflegen und Informationen auszutauschen. Familienkorrespondenzen von Nonnen erlauben die Verortung und Positionierung der Verfasserinnen in den Beziehungsgeflechten und Netzwerken innerhalb und außerhalb des Klosters, im Spannungsfeld zwischen Konvent und Herkunftsfamilie. Entgegen der Intention aller Ordensregeln blieben Nonnen auch im geistlichen Stand in einer ökonomischen und emotionalen Abhängigkeit von ihren Herkunftsfamilien. Die Pflege von Verwandtschaftsbeziehungen mittels Briefkontakt bestimmte wesentlich den Umgang der Klosterfrauen mit Geld und materiellen Gütern - und damit auch ihre soziale Position innerhalb des Konvents. Der Lebensstandard jener Nonnen, die von ihren Familien laufend materiell unterstützt wurden, war auch im Kloster höher. Darüber hinaus konnten adelige und wohlhabende Familien Einfluss auf das Kloster und die Oberin nehmen. Nonnen baten jedoch nicht nur für sich persönlich bzw. ihren Konvent, sondern auch für jüngere Geschwister, Nichten und Neffen sowie für bedürftige Personen aus dem sozialen Umfeld des Klosters um die Protektion des Vater bzw. des ältesten Bruders. Die Gegenleistung der Klosterfrauen bestand in erster Linie in ihrem Gebet. Darüber hinaus fertigten die Schwestern Handarbeiten und Gebäck an oder erledigten für ihre Angehörigen unterschiedlichste Aufträge und Besorgungen, sogar Geldgeschäfte. Nonnen thematisieren in ihren Familienkorrespondenzen zentrale Fragestellungen der Mentalitätsgeschichte: das Leben im "geistlichen" und "weltlichen" Stand, Familienereignisse und -beziehungen, Krankheiten und Tod in einem religiösen Kontext sowie gesellschaftliche und politische Vorkommnisse. Darüber hinaus enthalten ihre Briefe eine Fülle von Informationen zu unterschiedlichsten Themenbereichen der "klösterlichen" und "weltlichen" Alltags- und Sozialgeschichte. Mit der Auswertung von Familienkorrespondenzen adeliger Nonnen wird eine für den deutschen Sprachraum bis dato unbearbeitete Quellengattung erschlossen, die sowohl für die Erforschung frühneuzeitlichen Klosterlebens als auch von adeligen Familienbeziehungen wesentliche Impulse liefern kann. In einer Zusammenschau mit den "klassischen" Quellen in den Kloster- bzw. adeligen Familienarchiven erlauben diese Briefe neue Fragestellungen und lassen bereits Bekanntes in einem anderen Licht erscheinen. Privatbriefe von Klosterfrauen sind auch deshalb eine singuläre Quellengattung, weil es sich dabei in aller Regel um die einzigen persönlichen Aufzeichnungen, die von den Schwestern erhalten sind, handelt.
Briefe waren, von gelegentlichen Besuchen ihrer Verwandten abgesehen, das einzige Instrument von in Klausur lebenden Klosterfrauen Familienbeziehungen zu pflegen und Informationen auszutauschen. Familienkorrespondenzen von Nonnen erlauben die Verortung und Positionierung der Verfasserinnen in den Beziehungsgeflechten und Netzwerken innerhalb und außerhalb des Klosters, im Spannungsfeld zwischen Konvent und Herkunftsfamilie. Entgegen der Intention aller Ordensregeln blieben Nonnen auch im geistlichen Stand in einer ökonomischen und emotionalen Abhängigkeit von ihren Herkunftsfamilien. Die Pflege von Verwandtschaftsbeziehungen mittels Briefkontakt bestimmte wesentlich den Umgang der Klosterfrauen mit Geld und materiellen Gütern - und damit auch ihre soziale Position innerhalb des Konvents. Der Lebensstandard jener Nonnen, die von ihren Familien laufend materiell unterstützt wurden, war auch im Kloster höher. Darüber hinaus konnten adelige und wohlhabende Familien Einfluss auf das Kloster und die Oberin nehmen, entweder durch finanzielle Unterstützung oder indem sie ihren gesellschaftlichen Einfluss zu Gunsten des Klosters nutzten. Nonnen baten jedoch nicht nur für sich persönlich bzw. ihren Konvent, sondern auch für jüngere Geschwister, Nichten und Neffen sowie für bedürftige Personen aus dem sozialen Umfeld des Klosters um die Protektion des Vater bzw. des ältesten Bruders. Die Gegenleistung der Klosterfrauen bestand in erster Linie in ihrem Gebet. Darüber hinaus fertigten die Schwestern Handarbeiten und Gebäck als Geschenke an. Nonnen thematisieren in ihren Familienkorrespondenzen zentrale Fragestellungen der Mentalitätsgeschichte: das Leben im geistlichen und weltlichen Stand, Familienereignisse und -beziehungen, Krankheiten und Tod in einem religiösen Kontext sowie gesellschaftliche und politische Vorkommnisse. Mit der Auswertung von Familienkorrespondenzen adeliger Nonnen wird eine für den deutschen Sprachraum bis dato unbearbeitete Quellengattung erschlossen, die sowohl für die Erforschung frühneuzeitlichen Klosterlebens als auch von adeligen Familienbeziehungen wesentliche Impulse liefern kann. Privatbriefe von Klosterfrauen sind auch deshalb eine singuläre Quellengattung, weil es sich dabei in aller Regel um die einzigen persönlichen Aufzeichnungen, die von den Schwestern erhalten sind, handelt.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 1 Zitationen
- 3 Publikationen
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2012
Titel Die Auswirkungen der josephinischen Klosteraufhebungen auf den Wiener Ursulinenkonvent. Typ Book Chapter Autor Schneider C -
2014
Titel Briefe von Nonnen als Quelle für die Analyse familiärer Netzwerke: Die Augustiner Chorfrau Isabella von Thürheim (1663–1723) DOI 10.7788/miog-2014-0107 Typ Journal Article Autor Schneider C Journal Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Seiten 62-81 -
0
Titel Frauen im Kloster. Typ Other Autor Schneider C