Segmentation und Strukturierung von Texten in Österreichischer Gebärdensprache
Segmentation and Structuring of Austrian Sign Language Texts
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Austrian Sign Language (ÖGS),
Segmentation,
Prosody,
Text-Structuring,
Unit-Formation,
Nonmanuals (Body And Head)
Das Projekt untersucht Texte/Diskurse der ÖGS bezüglich prosodischer Kodierungsphänomene, welche Anzeiger (cues) für Textsegmentierung bzw. -strukturierung sind. Dabei wird ein innovativer interaktional-funktionaler Ansatz gewählt, welcher davon ausgeht, dass sprachliche Mittel - insbesondere prosodische - eine wichtige Rolle bei der Konstruktion interaktionaler Einheiten (`interactional units` oder `turns`; vgl. Selting bzw. Couper-Kuhlen; Turn-taking-Signale und interaktionale Einheiten wurden für die ÖGS von Lackner 2007 bereits analysiert). Es werden mögliche prosodische Segmentationsanzeiger (`cues`) untersucht, und zwar sowohl solche, die bereits aus anderen Gebärdensprachen (GS) bekannt sind als auch solche, welche bisher nur wenig Beachtung fanden. Für letztere liegt der Fokus auf Kopf- und Körperbewegungen bzw. -haltungen. Es werden Segmentations- und/oder Organisationsfunktionen dieser Anzeiger untersucht, operationale Definitionen sowohl für diese als auch für mögliche prosodische Einheiten entwickelt und die Funktion letzterer beschrieben. Außerdem werden prosodische Anzeiger und Einheiten aus alltäglichen Dialogsituation mit jenen in ÖGS-Texten in speziellen Kontexten (z.B. Vorlesungen) auftretenden verglichen. In einem ersten Schritt werden mögliche prosodische Segmentationsanzeiger in der ÖGS mit Hilfe eines typologischen Vergleichs mit anderen GS und der für die ÖGS bereits analysierten Turn-taking-Signale eruiert. In einem zweiten Schritt werden die bisher wenig beachteten Kopf- und Körperbewegungen bzw. -haltungen analysiert. Als Nächstes werden semantisch vergleichbare Sprachstrukturen - ausgeführt mit unterschiedlichen prosodischen Mitteln - untersucht. Die Resultate werden darüber Aufschluss geben, wie prosodische Einheiten im Korpus `konstruiert` sind, wie sie miteinander zusammenspielen und wie die prosodischen Anzeiger und ihre Kombinationsmuster über verschiedene Textsorten oder individuelle GebärdensprachbenutzerInnen usw. verteilt sind. Am Projekt werden GS-ForscherInnen und Personen, welche die ÖGS als Erstprache benutzen, mitarbeiten. Auf nationaler Ebene werden enge Kooperationen mit GS- ForscherInnen und dem Österreichischen Gehörlosenbund bzw. Gehörlosenvereinen genutzt. Auf internationaler Ebene wird ein wissenschaftlicher Austausch mit Experten im Bereich der GS-Prosodie bzw. des GS-Textlinguistik stattfinden, sowie ein Workshop zu "Segmentation und Strukturierung von GS-Texten" durchgeführt werden. Davon versprechen wir uns Rückmeldungen zum methodischen Ansatz und zu den Projektergebnissen im Interesse von Revision und innovativer Weiterentwicklung. Das Projekt wird sowohl Beiträge zur ÖGS-Forschung als auch zur GS-Forschung im Allgemeinen und zu Prosodie und Textlinguistik liefern.
Im Projekt Segmentation und Strukturierung von Texten in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS) wurden anhand eines überschaubaren Korpus manuelle und nicht-manuelle Elemente in gebärdeten Texten hinsichtlich ihrer sprachlichen und/oder interaktiven Funktion identifiziert und analysiert. Zwei innovative Methoden zur Mittelung und Analyse der jeweiligen gebärdensprachlichen Elemente kamen zum Einsatz: Zum Ersten wurden sowohl ÖGS-MuttersprachlerInnen als auch Personen ohne ÖGS-Kompetenz instruiert, gebärdete Texte in Einheiten zu segmentieren und manuelle und nicht-manuelle Anzeiger für diese Segmentation anzugeben. Größere Texteinheiten, gekennzeichnet durch längere Pausen und mehrere gleichzeitig auftretende relativ saliente Anzeiger, aber auch kleinere Einheiten, die mittels schwieriger zu perzipierender Anzeiger zu identifizieren sind, wie Blinzeln, kurze Pausen / Handfläche-nach-oben oder Halten der Position eines Artikulators (z.B. des Kopfes), wurden von den TeilnehmerInnen zu mehr als 40% erkannt. Nicht-manuelle Anzeiger wurden fast ausschließlich von ÖGS-BenutzerInnen angegeben, während manuelle Anzeiger und Pausen von beiden Gruppen genannt wurden. Ein Vergleich mit Turn-Taking-Signalen in der ÖGS ergab, dass eine Vielzahl der angeführten Anzeiger (wie Ruheposition der Hände, Pause, Halten einer Gebärde, Handfläche-nach-oben, Kopf- und Körperbewegungen, Blinzeln, Blickrichtung) auch als Anzeiger für einen Turnwechsel dienen.In der zweiten Untersuchung mussten MuttersprachlerInnen der ÖGS nicht-manuelle Elemente bezüglich ihrer Form und Funktion bestimmen. Diese Studie ergab, dass nicht-manuelle Elemente auch zur Satz- und Textstrukturierung beitragen. Aufgrund gemeinsamer Charakteristika wurden die ermittelten Elemente in drei Gruppen untergliedert: (1) Kopf- und Körperbewegungen, die Negation, Assertion, Interrogativität und Konditionalität ausdrücken; (2) Elemente zum Ausdruck hypothetischer Gedanken oder Alternativen; (3) Kopf- und Körperbewegungen, die (epistemische) Modalität anzeigen; z.B. kann ein Neigen des Kopfes/Oberkörpers zur Seite dazu dienen, dass Alternativen aufgelistet, gegenübergestellt, ein-/ausgeschlossen oder hervorgehoben werden bzw. dass ihre temporale oder kausale Beziehung ausgedrückt wird. Schnelle, kleine Nickbewegungen können auf eine positiv überzeugte Einschätzung des/r Sprechers/in bezüglich einer Aussage hinweisen, während langsame, klein und zaghaft ausgeführte Kopfschüttelbewegungen die negative Haltung vermitteln. Die Arbeit in einem bilingualen und bikulturellen Team, bestehend aus SprachwissenschaftlerInnen, ÜbersetzerInnen und ÖGS-ExpertInnen, sicherte die Validität der Ergebnisse. Diese Konstellation bot aber auch die Chance, dass gehörlose und hörende StudentInnen der Sprachwissenschaft und der Translationswissenschaft in die Forschungsarbeit der ÖGS eingebunden werden konnten. Die Resultate des Projekts sind wesentlich für Gebärdensprachgrammatiken und den typologischen Vergleich zwischen Gebärden- und Lautsprachen. Auch stellen die Ergebnisse einen wesentlichen Beitrag für den ÖGS-Unterricht dar. Sie wurden zusammengefasst, editiert und auf der Projekt- Homepage (signnonmanuals.aau.at) in ÖGS, Deutsche und Englisch zugänglich gemacht.
- Universität Klagenfurt - 100%
Research Output
- 6 Publikationen
-
0
Titel SignNonmanuals. Typ Other Autor Dotter F Et Al -
2014
Titel Signing Thoughts. A methodological approach within the semantic field work used for coding nonmanuals which express modality in Austrian Sign Language (ÖGS). Typ Conference Proceeding Abstract Autor Lackner A Konferenz Proceedings of the Workshop on the Representation and Processing of Sign Languages. 6th International Conference on Language Resources and Evaluation, LREC 2014, Reykjavik, May 30, 2014 -
2013
Titel Coding modality in Austrian Sign Language. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Lackner A Konferenz Proceedings of the International Congress of Linguistics (ICL), July 21-27, 2013, Geneva -
2013
Titel The head takes it all! Functions of head and body movements in Austrian Sign Language (ÖGS). Typ Conference Proceeding Abstract Autor Lackner A Konferenz Proceedings of the Theoretical Issues in Sign Language Research (TISLR) Conference 11, University College London, July 10-13, 2013 -
2012
Titel The power of the source text and the responsibilities of team members - advantages and challenges of working in a bilingual team. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Stalzer C Et Al Konferenz Poster presented at the European Forum of Sign Language Interpreters (EFSLI) conference, Vienna, September 15-16, 2012. -
2012
Titel Segmentation und Strukturierung von Texten in Österreichischer Gebärdensprache. Prosodische Organisation von Texten/Diskursen der ÖGS / Segmentation and structuring of texts in Austrian Sign Language. Prosodic organization of texts/discourse in ÖGS). Typ Conference Proceeding Abstract Autor Lackner A Konferenz In: Proceedings of the 39th Austrian Conference on Linguistics, Verbal-Workshop on Sign Language Research, University of Innsbruck, October 16-28