Rebodiment - Bienen-emulierende Roboterschwärme erkunden 2-dimensionale Temperaturfelder
Rebodiment - Robotswarms Emulating Bees explore 2-Dimensional Temperature fields
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (55%); Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (35%); Informatik (10%)
Keywords
-
Embodiment,
Honeybees,
Collective Behaviour,
Bio-Inspired Robotics,
Bio-Mimicry,
Temperature
Honigbienen sind soziale Insekten die eine große Bandbreite an kollektiven Verhaltensweisen zeigen. Diese führen zu Emergenzphänomenen welche die Bienen zu Leistungen befähigen, die einzelne Individuen nicht erbringen könnten. So sind etwa Gruppen von Bienen in der Lage, gemeinschaftlich ein Temperaturoptimum in einem zweidimensionalen Temperaturgradienten aufzufinden, während Einzelbienen an dieser Aufgabe scheitern. Dieser spezielle Aspekt des Schwarmverhaltens von Bienen wurde von uns in einem FWF-geförderten Projekt (FWF - P 19478-B16) detailliert erforscht. REBODIMENT wird an dieses Projekt anknüpfen, das Schwarmsystem jedoch aus einem neuen Blickwinkel beleuchten. Dazu werden wir die durch Verhaltensbeobachtungen gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um Schwärme von Bienen in Simulationen (Computermodellen) und Emulationen (Robotern) detailgetreu nachzubilden und "von innen" zu betrachten. Wir erwarten uns davon Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen individuellem und kollektivem Verhalten und den Einfluß, den die physikalische Verkörperung (embodiment) auf das Zusammenspiel beider Erscheinungen ausübt. Wir werden ein mathematisches Modell erstellen, welches das Verhalten eines Schwarmes von körperlosen, nicht an physikalische Gesetze gebundenen Individuen (Agenten) mithilfe einfacher Differentialgleichungen beschreibt. Mit einem Multi-Agenten-Modell werden wir Bienen wahlweise als körperlose Agenten ohne physikalische Umwelt oder aber als körperbehaftete Agenten simulieren, die miteinander und mit einer vereinfacht simulierten physikalischen Umwelt interagieren. Eine Implementierung der Verhaltensalgorithmen unter realistischen physikalischen Bedingungen wird in Form von ePuck-Roboter erfolgen, die wir um zwei am Ende von Fühlern befindliche Temperatursensoren erweitern werden. Diese ThermoBots werden sich ähnlich den Bienen im laufenden Projekt in einer Arena bewegen, auf deren Boden wir einen Temperaturgradienten erzeugen werden. Die Wahrnehmung des Temperaturgradienten wird aufgrund der vergleichbaren Verkörperung (Fühler) jener der Bienen nahekommen. Wir erwarten, einen Kernalgorithmus als gemeinsame Grundlage des Verhaltens in allen Formen der Verkörperung wiederzufinden, wobei zusätzliche, spezifische Parameter den Kernalgorithmus an die jeweilige Verkörperung anpassen. Weiters werden wir ein neues Paradigma zur Programmierung von Roboterschwärmen ausarbeiten, das auf der Variabilität individuellen Verhaltens beruht. Das ultimative Verhalten eines Schwarmes wird dabei durch seine Zusammensetzung aus Einzelindividuen mit verschiedenen Verhaltensmerkmalen gesteuert. Die Erkenntnisse aus den geplanten Experimenten sowie die Einführung des neuen Konzeptes zur Schwarmprogrammierung werden zur Lösung technischer Probleme beitragen, die von Roboteringenieuren bislang nicht gelöst werden konnten. Außerdem erwarten wir uns neue Erkenntnisse über jene Prinzipien, die das kollektive Verhalten biologischer Organismen auf der grundlegendsten Ebene steuern.
Das Ziel von REBODIMENT war es das individuelle und kollektive Verhalten von Honigbienen zu untersuchen um dieses in Roboterschwärme zu implementieren. Dazu schufen wir Schwarmroboter die das Verhalten von Bienen emulieren. Wir wählten als Benchmark die Aufgabe optimale Aufenthaltsorte in komplexen Temperaturgradienten zu finden. Die Roboter wurden mit einem einfachen Verhaltensmodell programmiert, um einen reichen Satz von Verhaltensweisen (und deren Mischformen) zu zeigen. Dazu extrahierten wir Bewegungsprogramme von Bienen mit Computeralgorithmen und übertrugen diese auf die Roboter. Eine einzige einfache Gleichung wurde schließlich gefunden die ausreicht um alle beobachteten Bienenverhalten im Temperaturfeld zu emulieren. Diese Verhaltensweisen wurden in einfachen Partikelmodellen (ohne Physik), in Multiagenten- Simulationen (Physik-Engine) und in einem echten Roboterschwarm (echte Physik) umgesetzt. Wir haben festgestellt, dass die Zusammensetzung von Gruppen einen starken Einfluss auf die Gesamtleistung des Schwarms hat. Um nach einer optimalen Gruppenzusammensetzung zu suchen, verwendeten wir evolutionäre Algorithmen: Der optimale Roboterschwarm hatte eine ähnliche Zusammensetzung wie sie bei echten Honigbienen gefunden wird. Dies validiert nicht nur unsere Methode und unser Bewegungsmodell, es lässt auch eine neue Abschätzung der Optimalität in der Diversität des Bienenvolkes zu. Wir entwickelten hier eine neuartige Methode künstliche Schwarmsysteme zu erzeugen indem wir computer-gestützt Verhaltensprogramme für Roboter aus natürlichen Organismen extrahieren. Interessanterweise sind Schwärme auch von sozialen Gradienten beeinflusst, z.B. von Agenten die andere Ziele verfolgen und dadurch das lokale Optimum über das globale stellen. Dadurch kann das System auch von außen gesteuert werden. So wie ein VIP Programm einer Firma Einfluss auf die Kaufentscheidungen von Kunden nimmt, so ziehen diese speziellen Agenten den Roboterschwarm in eine andere Entscheidungsfindung. Hingegen verhielten sich die Schwärme sehr robust, wenn einige Schwarmmitglieder körperliche Einschränkungen hatten und z.B. den Gradienten nicht wahrnehmen konnten. Die Eigenschaften die wir durch Modellierung, Simulation und Roboter im System Honigbiene gefunden haben eröffnen neue Perspektiven für künftige selbstorganisierende technische Systeme: z. B. smart traffic mit autonomen Fahrzeugen, wo Vielfalt, Flexibilität, Robustheit und kollektive Intelligenz ebenfalls nötig sind. Einerseits kann das Entstehen emergenter Phänomene zu Problemen führen, wenn sie nicht rechtzeitig adressiert wurden, so dass ihr Verständnis und ihre Vorhersage wichtig sind. Andererseits können sie auch Vorteile bieten, z.B. zusätzliche Effizienz und Robustheit. Dazu muss man Emergenz aber zuerst verstehen und dann im Design nutzen oder sie aus bereits natürlich evolvierten Organismen extrahieren. Wir legen hier den Grundstein zu diesem Verständnis emergenter Verhaltensweisen, die sich aus der Agentenvielfalt in kooperativen Systemen ergeben.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 318 Zitationen
- 19 Publikationen
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2013
Titel Dynamics of Collective Decision Making of Honeybees in Complex Temperature Fields DOI 10.1371/journal.pone.0076250 Typ Journal Article Autor Szopek M Journal PLoS ONE Link Publikation -
2013
Titel Adaptive collective decision-making in limited robot swarms without communication DOI 10.1177/0278364912468636 Typ Journal Article Autor Kernbach S Journal The International Journal of Robotics Research Seiten 35-55 -
2013
Titel Analysis of Swarm Behaviors Based on an Inversion of the Fluctuation Theorem DOI 10.1162/artl_a_00097 Typ Journal Article Autor Hamann H Journal Artificial Life Seiten 77-93 Link Publikation -
2014
Titel The efficiency of the RULES-4 classification learning algorithm in predicting the density of agents DOI 10.1080/23311916.2014.986262 Typ Journal Article Autor Salem Z Journal Cogent Engineering Seiten 986262 Link Publikation -
2013
Titel Time Delay Implies Cost on Task Switching: A Model to Investigate the Efficiency of Task Partitioning DOI 10.1007/s11538-013-9851-4 Typ Journal Article Autor Hamann H Journal Bulletin of Mathematical Biology Seiten 1181-1206 -
2013
Titel Cooperation of two different swarms controlled by BEECLUST algorithm DOI 10.7551/978-0-262-31709-2-ch169 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Meister T Seiten 1124-1125 -
2013
Titel Influence of a Social Gradient on a Swarm of Agents Controlled by the BEECLUST Algorithm DOI 10.7551/978-0-262-31709-2-ch155 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Kengyel D Seiten 1041-1048 -
2013
Titel ASSISI: Charged Hot Bees Shakin' in the Spotlight DOI 10.1109/saso.2013.26 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Schmickl T Seiten 259-260 -
2017
Titel Towards swarm level optimisation: the role of different movement patterns in swarm systems DOI 10.1080/17445760.2017.1404600 Typ Journal Article Autor Kengyel D Journal International Journal of Parallel, Emergent and Distributed Systems Seiten 241-259 -
2018
Titel Virtual Animal Studies/Hybrid Societies DOI 10.1007/978-3-658-16358-7_34-1 Typ Book Chapter Autor Schmickl T Verlag Springer Nature Seiten 1-23 -
2020
Titel Virtual Animal Studies/Hybrid Societies DOI 10.1007/978-3-658-16342-6_34 Typ Book Chapter Autor Schmickl T Verlag Springer Nature Seiten 629-651 -
2015
Titel Potential of Heterogeneity in Collective Behaviors: A Case Study on Heterogeneous Swarms DOI 10.1007/978-3-319-25524-8_13 Typ Book Chapter Autor Kengyel D Verlag Springer Nature Seiten 201-217 -
2015
Titel How regulation based on a common stomach leads to economic optimization of honeybee foraging DOI 10.1016/j.jtbi.2015.10.036 Typ Journal Article Autor Schmickl T Journal Journal of Theoretical Biology Seiten 274-286 -
2012
Titel Tracking of Multiple Honey Bees on a Flat Surface DOI 10.1109/icetet.2012.25 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Kimura T Seiten 36-39 -
2014
Titel Sting, Carry and Stock: How Corpse Availability Can Regulate De-Centralized Task Allocation in a Ponerine Ant Colony DOI 10.1371/journal.pone.0114611 Typ Journal Article Autor Schmickl T Journal PLoS ONE Link Publikation -
2014
Titel Development of a New Method to Track Multiple Honey Bees with Complex Behaviors on a Flat Laboratory Arena DOI 10.1371/journal.pone.0084656 Typ Journal Article Autor Kimura T Journal PLoS ONE Link Publikation -
2013
Titel Algorithmic requirements for swarm intelligence in differently coupled collective systems DOI 10.1016/j.chaos.2013.01.011 Typ Journal Article Autor Stradner J Journal Chaos, Solitons & Fractals Seiten 100-114 Link Publikation -
2016
Titel Collective Decision Making in a Swarm of Robots: How Robust the BEECLUST Algorithm Performs in Various Conditions DOI 10.4108/eai.3-12-2015.2262332 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Kengyel D Seiten 264-271 Link Publikation -
2016
Titel How a life-like system emerges from a simplistic particle motion law DOI 10.1038/srep37969 Typ Journal Article Autor Schmickl T Journal Scientific Reports Seiten 37969 Link Publikation