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Diskurs- und kunstgeschichtliche Untersuchung von Erdteilallegorien

Discourse and art historical analysis of continent allegories

Wolfgang Schmale (ORCID: 0000-0001-8772-341X)
  • Grant-DOI 10.55776/P23980
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2012
  • Projektende 30.06.2016
  • Bewilligungssumme 338.483 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (60%); Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (30%)

Keywords

    Continent Allegories, Discourse, European consciousness, Hypermedia Surrounding, Baroque, Viusal Sources

Abstract Endbericht

Untersuchungsgegenstand dieses Projektes sind Erdteilallegorien (EA) auf räumlich verankerten Bildträgern wie Wand-Deckenmalerei, Stuck, Skulptur, Kacheln und Gemälden innerhalb von Klöster, Schlösser, Kirchen / Dorfkirchen, Gärten, Bürgerhäusern und auch auf öffentlichen Plätzen. Ausgehend von den Vorabuntersuchungen des Projektteams, die eine bis heute unerklärte auffällige Dichte von bislang 322 EA im Süden des Heiligen Römischen Reiches aufzeigt - EA gibt es natürlich auch anderswo, aber nicht in dieser Dichte und sozialen Streuung -, sowie einem Resümee der bisherigen, überwiegend kunsthistorischen Forschung wird deutlich, dass EA aus diskursanalytischer Sichtweise, wie es seit gut einem Jahrzehnt die historische Europaforschung vorschlägt, ein weitaus höherer Quellenwert beigemessen werden kann. Bildliche Diskurse sind unter bestimmten Voraussetzungen angetan, breitere Teile der Gesellschaft zu erreichen, als reine Wort- oder Textdiskurse bzw. hochaufgeladene Kunstprodukte, die nur einem sehr engen Kreis zugänglich und verständlich sind. EA finden wir an Orten, die, getrennt oder gemeinsam (wie gerade in Kirchen) ganz verschiedenen Gesellschaftsgruppen zugänglich und, wie zu zeigen sein wird, verständlich waren. Die Ikonographie der Erdteile, anders als andere Allegorien, erlaubt es auch dem Künstler, mit "exotischen" und fremdländischen Versatzstücken an Orten außerhalb des profanen Bereichs wie bspw. in Dorfkirchen zu spielen. Hierdurch werden sie zum Transporteur von zusätzlichen, von der originär allegorischen Botschaft unabhängigen geografischen, völkerkundlichen oder botanischen Informationen. Das erste Ziel des Projektes soll eine systematische Erfassung innerhalb des Untersuchungsgebiets sowie detaillierte Aufbereitung der EA im Hinblick auf eine Vielfalt von Zugängen durch unterschiedliche Disziplinen in einer Hypermediaumgebung sein. Ziel soll nicht lediglich das Verfügbarmachen eines großen Datenpools sein, sondern es soll vorrangig eine interaktive Datenbank entstehen, die die Fülle eines ansonst nur schwer zugänglichen Quellencorpus` so aufbereitet, dass der (die) Benutzer(in) interaktiv wesentliche Einblicke in Präsenz, Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie in die historisch funktional-kommunikative Rolle der EA gewinnt. Ähnlich wie durch Werkverzeichnisse oder gattungsspezifische Bestandsaufnahmen innerhalb nationaler Grenzen soll durch die Fokussierung auf ein bestimmtes ikonographisches Thema komparatistische Studien unterschiedlichster Art ermöglicht werden. Entscheidend ist die Begehung aller Anbringungsorte, Dokumentation der EA und die Durchführung von notwendigen Archivrecherchen durch die Projektmitarbeiter. Das zweite Ziel des Projektes soll auf Basis des erstellten Quellencorpus` das Schließen einer Forschungslücke in der Europaforschung sein. Im Mittelpunkt soll die bis dato aktuelle Frage von Peter Burke nach der "social history of the consciousness of Europe" stehen. Der Zugang zum Problem des Europabewusstseins und seiner gesellschaftlichen Breite und Verankerung in bestimmten Epochen erschließt sich uns vorwiegend über die Untersuchung der Europadiskurse. Europabewusstsein generiert Europadiskurse, Europadiskurse signalisieren Europabewusstsein, machen dieses öffentlich, und tragen zur weiteren Generierung von Europabewusstsein bei. Als Topos führen EA Diskursstränge aus allen diesen Primärquellen zusammen, als Topos betreffen sie verschiedenste Bevölkerungsschichten. Daher sind EA für eine systematische monographische Untersuchung, die Europadiskurse und Europabewusstsein bei unterschiedlichen, nicht zuletzt auch populären Gesellschaftsschichten analysieren will, ein besonders geeigneter Ausgangspunkt.

In der Renaissance um 1570 entwickelten Humanisten eine neue Kurzform zur Darstellung der Welt auf einen Blick: Personifikationen der vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Die seit der Antike existierende Ikonographie der vier Erdteile wurde von Humanisten und ihren Künstlern insofern angepasst, als sie ein Vier-Kontinenten-Schema und einen weitestgehend fixen Attributkanon entwickelten. Im Verlauf der nächsten 230 Jahre bis ca. 1800 wurde diese Ikonografie überaus erfolgreich mithilfe aller bekannten Medien in der Öffentlichkeit verbreitet. Der Höhepunkt dieser Verbreitung wurde im 18. Jahrhundert erreicht. Die Bildsprache der Erdteilallegorien wurde mit Texten, Dogmen, Erzählungen und Stereotypen verwoben. Welche Bedeutung aber hatten die Erdteilallegorien tatsächlich für den Barockmenschen? In einem vierjährigen Forschungsprojekt (20122016) ging das Projektteam u.a. dieser Frage nach. Zur Beantwortung wurde ein innovativer systematischer Weg eingeschlagen. Erstens wurde ein klares Untersuchungsgebiet definiert, das sich auf den Süden des Heiligen Römischen Reiches konzentrierte. Zweitens lag der Fokus auf fest verankerten Darstellungen der vier Erdteile (Fresken, Stuck, Kanzeln etc.) innerhalb von Schlössern, Klöstern, Kirchen etc. Insgesamt wurden 407 Erdteilallegorien gefunden. Zur Erleichterung der systematischen Erfassung wurde eine Datenbank entwickelt, die unter der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Diese Datenbank ermöglicht es, diese Grundlagenforschung für eine Bandbreite unterschiedlicher weiterführender Forschungsvorhaben nutzbar zu machen. Weitere Ergebnisse dieses Forschungsprojektes finden sich in dem auf Englisch herausgegebenen Sammelband The Language of Continent Allegories in Baroque Central Europe (Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2016) und in der Dissertation von Marion Romberg Die Welt im Dienst der Konfession. Erdteilallegorien in Dorfkirchen auf dem Gebiet des Fürstbistums Augsburg im 18. Jahrhundert (Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2017).

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 9 Publikationen
Publikationen
  • 0
    Titel The Language Of Continent Allegories in Baroque Central Europe.
    Typ Other
    Autor Köstlbauer J Et Al
  • 2016
    Titel Continent Allegories and History of Mankind in the 18th Century.
    Typ Book Chapter
    Autor Schmale W
  • 2016
    Titel Illud vero diligenter doceant episcopi...Allegories of the four continents in the context of catholic teaching of laymen.
    Typ Book Chapter
    Autor Romberg M
  • 2016
    Titel Seriality, Symmetry, and Double Coding: Thoughts on the Mediality of Baroque Allegories of the Four Continents from Austria and South Tyrol.
    Typ Book Chapter
    Autor Köstlbauer J
  • 2016
    Titel Data based analysis of the continent-allegories in Southern Germany with special focus on the prince bishopric of Augsburg.
    Typ Book Chapter
    Autor Köstlbauer
  • 2015
    Titel Gemalte Zivilisationsgeschichte, 'das Fremde' und die Definition Europas im 18. Jahrhundert. Im Licht der Würzburger Tiepolo-Fresken.
    Typ Book Chapter
    Autor Mark Häberlein
  • 2012
    Titel Continent allegories in the South of the Holy Roman Empire. A pictorial discourse.
    Typ Book Chapter
    Autor Schmale W
  • 2014
    Titel Die Kirchen von Schechingen und Leinweiler.
    Typ Book
    Autor Fischer R
  • 2013
    Titel Allsonntäglich Exotik in süddeutschen Dorfkirchen. Ein Beispiel vertikalen Kulturtransfers.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Romberg M
    Konferenz Mösender Karl/Thimann, Michael/Hofstetter, Adolf (Hg.), Barocke Kunst und Kultur im Donauraum. Beiträge zum Internationalen Wissenschaftskongress 9.-13. April 2013 in Passau und Linz

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