Wald und habsburgische Ressourcenpolitik im Siebenbürgen des 18. Jh.
The Forest Relationship and the Habsburg Resource Policy in 18th Century Transylvania
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (50%); Soziologie (25%); Wirtschaftswissenschaften (25%)
Keywords
-
Policy,
Management,
Forest,
Sustainability
Zentrales Anliegen des Vorhabens ist eine Analyse der Wechselwirkung zwischen ländlichen Gemeinden und dem ökologischen Lebensraum Wald im Siebenbürgen des 18. Jahrhunderts sowie der Gefahren, denen die Umwelt als Resultat dieser Beziehung ausgesetzt war. Zugleich wird der Forscher die damalige Wahrnehmung und Annäherung der Menschen an ihre Umwelt analysieren. Das Projekt zielt auf ein besseres Verständnis der Ressourcenpolitik während der Holzkrise des 18. Jahrhunderts ab, wodurch die zeitgenössischen normgebenden Verfahren in Bezug auf diese Umwelt aufgezeigt werden. Dadurch kann man eine Datenbasis für ein besseres Verständnis der gegenwärtigen globalen Ressourcenkrise schaffen. Die Forschung soll anthropologische Konstanten beleuchten, die zum einen auf struktureller Ebene bestehen, die oft die Verwendung der Wälder vornehmlich aus ökonomischer Sicht betrachten, sowie den Konflikt, der bei der Erfüllung dieser Bedürfnisse entsteht, ebenso moralische, gewohnheitsmäßige und juristische Barrieren, die sich unterschiedlich auf die materiellen Ressourcen einer Gemeinschaft im Allgemeinen beziehen. Diese Studie soll analysieren, wie und im welchem Ausmaß die "Aufklärung" die individuelle und gesellschaftliche Sichtweise für die Umwelt in Siebenbürgen verändert hat. Das 18. Jahrhundert beweist die Notwendigkeit eines Konzepts für die Nachhaltigkeit des Waldes, die nicht nur ökonomische, sondern auch die ökologische und gesellschaftliche Funktion berücksichtigt. Diese Forschungsarbeit analysiert die Strategien der Wiener Entscheidungsträger über Wälder in Siebenbürgen und die anschließenden Konflikte über die Wälder, die daraus hervorgingen. Daher kann der Wald unterschiedlich entsprechend dem kulturellen Hintergrund beschrieben werden, indem man Konflikte und die daraus resultierenden Gerichtsprozesse studiert. Darüber hinaus bleibt im Rahmen der Forschungsarbeit zu erörtern, bis zu welchem Ausmaß die These über die Emotionalisierung des Themas Wald im 18. Jahrhundert weiterhin besteht. Zentrale Frage der Forstgeschichte bleibt, wer, wann, für welchen Zweck und aus welcher Sichtweise Interesse an Wäldern zeigte. Diese Forschung soll ein Beitrag zur allgemeinen europäischen Geschichtsschreibung zum Thema Wald aufgrund seines Bezugs auf Ergebnisse der Schulen in Österreich, Deutschland, England, Frankreich, Italien und der skandinavischen Länder sein. Die Erforschung der Geschichte der Wahrnehmung der Umwelt, im besonderen des Waldes, ist Teil der neuen europäischen Bestrebung zur Sicherung und Entwicklung eines Konzeptes der Nachhaltigkeit im gegenwärtigen europäischen kulturellen Kontext.
Das Projekt hat sich mit der Rezeption der Wälder und der Umweltgeschichte Siebenbürgens zur Zeit der Aufklärung beschäftigt. Die Hauptfrage des Projektes war, wie mit dem Wald und den Ressourcen in Siebenbürgen des 18. Jahrhunderts umgegangen wurde. Den Schwerpunkt der Untersuchung bildete dabei die Analyse der Wahrnehmung des Waldes in Siebenbürgen, im Vergleich mit anderen Waldgebieten des Habsburgischen Reiches im karpatischen Raum.Der Umgang mit dem Wald in Siebenbürgen des 18. Jahrhunderts könnte in zwei Epochen geteilt werden: die erste umfasst die Zeitspanne von der Eroberung des Landes durch das österreichische Kaiserreich bis zu den Reformen Maria Theresias und Joseph II. als Basis einer regelkonformen Forstwirtschaft und des rationellen Umgangs mit dem Wald. Der österreichische Merkantilismus zielte auf die Ausbeutung der Ressourcen Gold, Eisen, Mineralien und Salz, was zu großen Ausnutzungen des Holzes und Waldes führte. Die intensive Verwendung dieser Ressourcen führte zu lokalen Holzkrisen, und somit zu einer Neuorientierung in der Aufforstungspolitik, indem man zur Verwendung schnellwachsender Holzarten tendierte.Der in zahlreichen zeitgenössischen Berichten erwähnte Holzmangel, der eine vorhandene Holzkrise vermuten lässt, hätte als Ursache die klägliche Situation der Transportwege sowie die übermäßige Ausnutzung bestimmter Holzarten (vor allem Eichen und Buchen) gehabt.Gegen Ende des 18. Jahrhunderts lassen sich jedoch Bestrebungen zur Schonung des Waldes bemerken, wie die Einführung neuer Technologien im Bergbau, die weniger Holz verbrauchten, Beschränkung des freien Zugangs der Menschen und Tiere zu dem Wald, Errichtung von Holzmagazinen und anderer Holzsparmaßnahmen; sie können vor allem als ökonomisch ausgerichtete Maßnahmen betrachtet werden.Von einer extensiven Nutzung vollzog sich ein Wandel hin zur intensiven Waldnutzung. Dazu musste der sich entwickelnde moderne Staat jedoch ursprünglich seine militärische Macht und seine soziale Autorität einsetzen. Erst durch die soziale Disziplinierung des Adels und des Bauerntums konnte der Staat Zugriff auf die neuen wichtigen Rohstoffe des Waldes gewinnen. Hierbei ist auch zu sagen, dass auch die Fiskaldomänen eine wichtige Rolle spielten, da diese die erste Zugriffsmöglichkeit des modernen Staates waren.Um jedoch die eigenen Waldflächen nutzen zu können, musste man zuerst eine Forstverwaltung aufbauen. Diese hatte durch das Zeitalter der Aufklärung und der damit einhergehenden Rationalisierung der Welt die Nutzung nach ökonomischen Bedingungen zu erwägen. Dafür bedurfte es natürlich auch ausgebildeten Personals. Hier tauchten auch zum ersten male die Gedanken der systematischen Ausbildung der Forstbeamten auf, damit diese befähigt waren, den Wald nach wirtschaftlichen Erwägungen zu nutzen.Die Ergebnisse sind nützlich auch für weitere Forschungsbereiche: Ethnographie (Entwicklung des Habitats und Bevölkerungsstruktur), Kulturgeschichte, Umweltgeschichte.
- Universität Graz - 100%
- Erika Schneider, Universität Karlsruhe - Deutschland
- Konstantin Dragulescu, Lucian Blaga-Universität Sibiu - Rumänien
Research Output
- 1 Zitationen
- 14 Publikationen
-
2014
Titel Human habitat and the forest in Transylvania during the First World War. Case study: Sighisoara. Typ Journal Article Autor Rus Di Journal Anuarul Institutului de Istorie si Arheologie 'A. D. Xenopol' Academia Republicii Socialiste Romania. Institutul de Istorie si Arheologie 'A.D. Xenopol -
2014
Titel Aspects of Urban Life in Eighteenth-Century Transylvania: Administrative History and Natural Phenomena in Martin Bredt's Town Chronicle of Reghinul Sasesc. Typ Journal Article Autor Rus Di Journal Transylvanian Review, Cluj-Napoca -
2014
Titel Der Umgang mit dem Wald in Siebenbürgen - widergespiegelt in den siebenbürgischen Volksmärchen und -sagen. Typ Journal Article Autor Rus Di Journal Forschungen zur Volks-und Landeskunde, Sibiu/Hermannstadt -
2014
Titel Wissenschaftliche Forschungen über die siebenbürgischen Wälder in der Neuzeit. Typ Journal Article Autor Rus Di -
2014
Titel Johann Ehrenreich von Fichtel über den Wald, Wirtschaft und Bevölkerung in Siebenbürgen am Ende des 18. Jahrhunderts. Typ Journal Article Autor Rus Di Journal Marisia-Etnografie, Cluj Napoca -
2017
Titel Wald- und Ressourcenpolitik im Siebenbürgen des 18. Jahrhunderts DOI 10.3726/b10609 Typ Book Autor Rus D Verlag Peter Lang, International Academic Publishers -
2014
Titel Regionalgeschichten des Waldes in Rumänien. Typ Journal Article Autor Rus Di Journal Marisia-Istorie, Tg.Mures -
2014
Titel Die Geschichtsschreibung über die Wälder in Rumänien nach dem zweiten Weltkrieg. Typ Journal Article Autor Rus Di -
2014
Titel Aspects of the Traditional and Scientific Knowledge of Forests in Eighteenth-Century Transylvania. Typ Book Chapter Autor In Memoriam Grigore Ploesteanu.Studii Si Evocari -
2014
Titel Wald und habsburgische Ressourcenpolitik in Siebenbürgen des 18. Jahrhunderts. Typ Journal Article Autor Rus Di Journal Das Achtzehnte Jahrhundert und Österreich -
2014
Titel Conflict and Consensus Regarding Resource Policies in a Borderland of the Habsburg Empire: Perspectives on and Perceptions of Forests and the Environment in Transylvania at the End of Eighteenth and Early Nineteen Century. Typ Journal Article Autor Rus Di Journal Ekonomska i Ekohistorja -
2013
Titel Jan Fridwaldsky und die Wahrnehmung der Wälder und der Bevölkerung in Siebenbürgen. Typ Journal Article Autor Rus Di Journal Marisia-Etnografie, Cluj Napoca -
2013
Titel Waldnutzung in Siebenbürgen des 18. Jahrhunderts. Typ Journal Article Autor Rus Di -
2013
Titel Landwirtschaftliche Nutzung der Wälder und Waldwirtschaft in Siebenbürgen des 18. Jahrhunderts. Typ Journal Article Autor Rus Di