Alpine Flechten als Reservoir von Pilzendiversität
Alpine lichens as hot-beds of fungal diversification
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Ecology,
Phylogeny,
Lichenicolous Fungi,
Species Diversity,
life style
Flechten werden von einer Vielzahl von biologisch und phylogenetisch diversen, zusätzlichen Pilzen besiedelt. Gemäß ihrer Phänotypen zeigen lichenicole Pilze unterschiedliche Grade der Spezifität. Die Muster der Wirtspezifizität sind unseres Erachtens dennoch unzureichend bekannt. Wir stellen die Hypothese auf, dass lichenikole Pilze auch in zahlreichen Flechten vorkommen, ohne dass die typischen Befall-Symptome gebildet werden, und dementsprechend häufiger latent vorkommen, als bislang angenommen. Die Hypothese soll an flechtenreichen Standorten mit der Analyse von Flechtengemeinschaften geprüft werden. Alpine Höhenlagen sind durch flechten-dominierte Bio-Oberflächen gekennzeichnet. Besonders das von uns vorgesehene Untersuchungsgebiet ist darüber hinaus auch bezüglich der lichenikolen Pilzen gut bekannt. Die Diversität an flechten-assoziierten Pilzen in Flechtengemeinschaften wird mittels kulturabhängiger bzw. kulturunabhängiger, mikrobiologischer Methoden erforscht. Zudem wird die Pilzdiversität innerhalb einzelner Individuen und zwischen Standorten untersucht und verglichen. Unsere Forschung wird zeigen, dass Flechten als Reservoirs und eine Art Keimbeet der Pilzdiversität in der Natur bedeutend sind. Flechten sind mögliche evolutionäre "Rampen" für die Anpassung an andere Wirte.
Flechten sind symbiontische, mutualistische Verbindungen zwischen zwei Hauptpartnern: einem Pilz, dem Mykobionten, und einer oder mehreren Populationen von photoautotrophen Algen, den Photobionten. Flechten sind aber auch von zusätzlichen, biologisch und phylogenetisch unterschiedlichen Pilzen besiedelt. Diese zusätzlichen Pilze können sichtbar, symptomatisch, oder kryptisch im Flechtenthallus (dem Körper der Flechte) vorkommen und unterschiedliche Grade an Wirtsspezifität zum Ausdruck bringen. Die Symptom entwickelnden lichenicolen Pilze sind Arten mit schlecht entwickelten und oft melanisierten Hyphen und werden normalerweise anhand ihrer pathogenen Symptome und den sexuell oder asexuell Sporen produzierenden Strukturen am Flechtenwirt erkannt. Die kryptisch vorkommenden endolichenicolen Pilze werden nur erkannt, wenn sie in Kulturen wachsen. Die Symptom bildenden lichenicolen Pilze wurden hauptsächlich in Bezugnahme auf ihre Morpho-anatomischen Strukturen klassifiziert; wenig Wissen verbleibt über die Spezifitätsmuster und das kryptische Vorkommen. Hinzu kommt, dass die phylogenetischen Verwandtschaftsverhältnisse zwischen der Mehrheit von ihnen komplett unbekannt sind. Erst kürzlich wurden die molekularen Daten, die aus wenigen verfügbaren Kulturisolaten und Umweltproben von lichenicolen Pilzen erhalten wurden, verbunden, um ihre Platzierung zu bestätigen und Anamorph-Teleomorph Beziehungen zu entdecken. In unserem Projekt haben wir die Hypothese, dass viele Symptome entwickelnde lichenicole Pilze auch in anderen Flechten vorkommen können ohne das Ausbilden von Symptomen neben ihren bekannten Wirten. Um unsere Hypothese zu testen, sammelten wir Gesteins bewohnende Flechten in alpinen flechtenreichen Habitaten durch Anwendung eines Gemeinschafts-basierenden Zugangs. Wir schätzten die Artendiversität der Symptom bildenden lichenicolen Pilze und untersuchten die totale Pilzgemeinschaftsdiversität unter Verwendung von molekularem Fingerprinting, phylogenetischem und Kultur basierendem Zugang. Das Untersuchungsgebiet inkludiert ausgewählte Lokalitäten auf der Koralpe (Österreich), über der Baumgrenze, die charakterisiert sind von Gesteinsblöcken homogen bedeckt von Flechtenthalli, durch lichenicole Pilze infiziert oder nicht. Unser Sammeln hat zu einer Erhöhung der Symptom bildenden lichenicolen Pilzarten auf 17 in der untersuchten Region beigetragen. Das Sammeln bewies erfolgreich, wie es möglich ist, die beinahe komplette Diversität von symptomatischen lichenicolen Pilzen in einer gut definierten Nische abzuschätzen. Eine ähnliche Sammelstrategie würde auch die Anzahl von Arten in anderen Regionen erhöhen. Kulturisolate und Sequenzdaten zeigten, dass Pilze aus Flechten oft nah verwandt sind zu Pilzen aus anderen ökologischen Nischen. Wir folgerten, dass die symbiontischen Strukturen der Flechtenthalli ein geteiltes Habitat von phylogenetisch unterschiedlichen Stress toleranten Pilzen zu sein scheinen, die von der Flechtennische in anders bewohnbaren Habitaten profitieren. Die isolierten Pilzstrains repräsentieren nun ein wertvolles Material für weitere Analysen am Genom- und Chemie-Level.
- Universität Graz - 100%
- James D. Lawrey, George Mason University - Vereinigte Staaten von Amerika
- Cecile Gueidan, Natural History Museum - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 1115 Zitationen
- 16 Publikationen
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2017
Titel Effects of Growth Media on the Diversity of Culturable Fungi from Lichens DOI 10.3390/molecules22050824 Typ Journal Article Autor Muggia L Journal Molecules Seiten 824 Link Publikation -
2017
Titel ITS1 metabarcoding highlights low specificity of lichen mycobiomes at a local scale DOI 10.1111/mec.14244 Typ Journal Article Autor Fernández-Mendoza F Journal Molecular Ecology Seiten 4811-4830 -
2017
Titel Molecular analyses uncover the phylogenetic placement of the lichenized hyphomycetous genus Cheiromycina DOI 10.1080/00275514.2017.1397476 Typ Journal Article Autor Muggia L Journal Mycologia Seiten 588-600 Link Publikation -
2016
Titel Arthonia parietinaria – A common but frequently misunderstood lichenicolous fungus on species of the Xanthoria parietina-group DOI 10.1016/j.funbio.2016.06.009 Typ Journal Article Autor Fleischhacker A Journal Fungal Biology Seiten 1341-1353 -
2015
Titel Phylogenetic placement of the lichenicolous, anamorphic genus Lichenodiplis and its connection to Muellerella-like teleomorphs DOI 10.1016/j.funbio.2015.08.011 Typ Journal Article Autor Muggia L Journal Fungal Biology Seiten 1115-1128 Link Publikation -
2015
Titel Disentangling the complex of Lichenothelia species from rock communities in the desert DOI 10.3852/15-021 Typ Journal Article Autor Muggia L Journal Mycologia Seiten 1233-1253 Link Publikation -
2013
Titel Families of Dothideomycetes DOI 10.1007/s13225-013-0263-4 Typ Journal Article Autor Hyde K Journal Fungal Diversity Seiten 1-313 -
2013
Titel Niches and Adaptations of Polyextremotolerant Black Fungi DOI 10.1007/978-94-007-6488-0_25 Typ Book Chapter Autor Grube M Verlag Springer Nature Seiten 551-566 -
2019
Titel Extremotolerant Black Fungi from Rocks and Lichens DOI 10.1007/978-3-030-19030-9_7 Typ Book Chapter Autor Ametrano C Verlag Springer Nature Seiten 119-143 -
2019
Titel Phylogenetic relationships of rock-inhabiting black fungi belonging to the widespread genera Lichenothelia and Saxomyces DOI 10.1080/00275514.2018.1543510 Typ Journal Article Autor Ametrano C Journal Mycologia Seiten 127-160 -
2012
Titel Polyextremotolerant black fungi: oligotrophism, adaptive potential, and a link to lichen symbioses DOI 10.3389/fmicb.2012.00390 Typ Journal Article Autor Gostincar C Journal Frontiers in Microbiology Seiten 390 Link Publikation -
2015
Titel Community Analyses Uncover High Diversity of Lichenicolous Fungi in Alpine Habitats DOI 10.1007/s00248-015-0579-6 Typ Journal Article Autor Fleischhacker A Journal Microbial Ecology Seiten 348-360 Link Publikation -
2015
Titel Extremotolerant fungi from alpine rock lichens and their phylogenetic relationships DOI 10.1007/s13225-015-0343-8 Typ Journal Article Autor Muggia L Journal Fungal Diversity Seiten 119-142 Link Publikation -
2018
Titel ITS2 metabarcoding analysis complements lichen mycobiome diversity data DOI 10.1007/s11557-018-1415-4 Typ Journal Article Autor Banchi E Journal Mycological Progress Seiten 1049-1066 Link Publikation -
2018
Titel Fungal Diversity in Lichens: From Extremotolerance to Interactions with Algae DOI 10.3390/life8020015 Typ Journal Article Autor Muggia L Journal Life Seiten 15 Link Publikation -
2012
Titel The Lichen Connections of Black Fungi DOI 10.1007/s11046-012-9598-8 Typ Journal Article Autor Muggia L Journal Mycopathologia Seiten 523-535