Politische Verbindungen und Firmeneffizienz in CEEC
Political Connections and Firms´ Performance in CEEC
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (50%); Wirtschaftswissenschaften (50%)
Keywords
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Eastern Europe
Politische Verbindungen, ihre Kosten und ihr Einfluss auf Firmeneffizienz haben in jüngerer Zeit Aufmerksamkeit in der Finanzliteratur erregt. Existierende Studien mit Daten auf Firmenniveau benutzen meist unterschiedliche Definitionen des Phänomens "Politische Verbindung" und konzentrieren sich auf einzelne Staaten. Das macht den Ländervergleich unmöglich. Das Ziel dieses Projekts ist die Erforschung von politischen Verbindungen, ihrer Distribution und Kovarianz mit firmen- oder landesspezifischen Charakteristiken in Zentral- und Osteuropa. Unser Interesse für zentral- und osteuropäische Länder ist durch ihr spezifisches legislatives und ökonomisches Umfeld begründet. Diese Länder haben einen Übergangsprozess von der Plan- zur Marktwirtschaft durchlebt. Bedeutende Veränderungen in Eigentums- und Kontrollstrukturen waren das Resultat. Da die Corporate Governance- und Marktinstitutionen in diesen Ländern am Beginn des Übergangsprozesses häufig unterentwickelt waren, resultierte der Handel mit Aktien oft in Konzentration von Eigentum in den Händen von Personen mit engen politischen Beziehungen. Es ist zu vermuten, dass politische Verbindungen in diesem Umfeld besondere Bedeutung erlangen. Mit diesem Projekt wollen wir vier Fragen beantworten. Erstens möchten wir das Phänomen "Firmen mit politischen Verbindungen" in Zentral- und Osteuropa empirisch erforschen. Es soll ermittelt werden, welche Firmen als "politisch verbunden" bezeichnet werden können und wie ihre Distribution aussieht. Das zweite Ziel ist es, den Effekt dieser Beziehungen zu erforschen. Unsere Hypothese ist, dass die politischen Beziehungen die Firmeneffizienz verbessern können und oft als Substitute für unterentwickelte Institutionen benutzt werden. Weiter wollen wir feststellen wie diese Beziehungen den Firmenwert und die Kapitalstruktur beeinflussen. Die Finanzkrise erlaubt uns zusätzlich noch eine spannende Frage zu beantworten. Wir wollen das Verhalten von Firmen beobachten um festzustellen, ob politisch verbundene Firmen in der Krise anders reagieren als nicht- verbundene. Als Basis des Projekts benutzen wir Daten, die bereits vorliegen. Wir haben Firmendaten in Zentral- und Osteuropa erhoben und ihre Eigentümer im Zeitraum zwischen 2000 und 2007 ermittelt. Für dieses Projekt ist es notwendig, unsere Datenbank mit Informationen bezüglich der politischen Beziehungen von Firmeneigentümern und Managern zu erweitern.
Die Auswirkungen von politischen Beziehungen auf die Profitabilität von Unternehmen, sowie deren Bewertungsniveaus und Finanzierungskosten erlangte in den letzten Jahren zunehmende Aufmerksamkeit in der finanzwirtschaftlichen Forschung. Die existierenden Studien analysieren fast ausschließlich einzelne Länder und verwenden dabei unterschiedliche Definitionen von politischen Beziehungen, was Querschnittsvergleiche zwischen verschiedenen Ländern faktisch unmöglich macht. Darüber hinaus ist es noch weitgehend unklar, über welche spezifischen Kanäle die Effekte politischer Beziehungen erfolgen. Zentral- und Osteuropäische Länder (CEEC) stellen einen idealen Rahmen dar, um diese Fragen zu untersuchen. Erstens fand mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein quasi natürliches Experiment statt, bei dem in den Nachfolgeländern neue politische und regulatorische Strukturen entstanden. Zweitens gab es, trotz ähnlicher Anfangsbedingungen, signifikante Unterschiede in den institutionellen Strukturen, die in den verschiedenen Ländern etabliert wurden. Dies ermöglicht es, das Zusammenwirken zwischen politischen Verbindungen und Unternehmensperformance einerseits, und den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen eines Landes andererseits, zu untersuchen. Ziel des vorliegenden Projekts ist es, politische Beziehungen von Unternehmen in CEEC zu dokumentieren und deren Auswirkungen in den verschiedenen Ländern zu analysieren. Grundlage der Forschung ist ein einzigartiger Datensatz, den wir zusammengestellt haben. Er besteht aus einem Panel über den Zeitraum von 2000 bis 2011 für 11 CEE Länder: Russland, Slowenien, Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Tschechische Republik, Litauen, Lettland, Estland und Polen. Für jedes Firmenjahr haben wir Informationen über die Eigentumsverhältnisse (ultimate ownership), die politischen Beziehungen des Unternehmens und weitere unternehmensspezifische Informationen, wie z.B. Bilanzdaten und Aktienkapitalisierung. Zusätzlich wurden länderspezifische Informationen erhoben, wie z.B. Indices zur politischen Stabilität etc.. Unsere empirischen Ergebnisse zeigen dass größere, weniger riskante Unternehmen häufiger über politische Beziehungen verfügen. Darüber hinaus haben Unternehmen in Sektoren wie z.B. Telekommunikation oder Energie wesentlich häufiger politische Beziehungen als Industrien wie z.B. Manufacturing oder Consumer Non-Durables. Schließlich zeigen unsere Ergebnisse, dass Unternehmen in Ländern mit schwachen institutionellen Rahmenbedingungen wesentlich häufiger politische Beziehungen eingehen. Wir finden, dass politische Beziehungen eindeutig mit einer Verbesserung der Performance von Unternehmen einhergehen, was sich z.B. in höheren Tobin's q oder höheren Return on Assets widerspiegelt. Unternehmen, die über politische Beziehungen verfügen und von einem einzelnen Großinvestor kontrolliert werden, weisen die beste Performance auf. In weiteren Forschungen wäre es interessant zu untersuchen, ob der positive Zusammenhang zwischen politischen Beziehungen und Unternehmensperformance aufgrund gestiegener Unternehmenseffizienz oder über das Abschöpfen von Renten erfolgt.
- Wirtschaftsuniversität Wien - 100%
Research Output
- 25 Zitationen
- 1 Publikationen
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2014
Titel Ownership and control in Central and Eastern Europe DOI 10.1016/j.jcorpfin.2014.03.001 Typ Journal Article Autor Gugler K Journal Journal of Corporate Finance Seiten 145-163