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Ausdruck, Emotion und Imagination in der Musik

Expression, Emotion and Imagery in Music Performance

Erica Bisesi (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P24336
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2012
  • Projektende 28.02.2017
  • Bewilligungssumme 257.431 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Informatik (25%); Kunstwissenschaften (25%); Physik, Astronomie (25%); Psychologie (25%)

Keywords

    Music, Expression, Performance, Emotion, Psychology, Imagery

Abstract Endbericht

Im Lise Meitner-Projekt M 1186-N23 (2009-2011, FWF) wird der Bezug zwischen interpretatorischen Akzenten (Zeitgestaltung, Dynamik, Artikulation) und werkimmanenten Akzenten (strukturell, metrisch, harmonisch, melodisch) untersucht. Durch die Anpassung des DM (Director Musices: ein System kontextabhängiger Interpretationsregeln; Sundberg et al., 2003) wurde ein neues Gleichgewicht zwischen kurzen und langen Zeitspannen bzw. zwischen einzelnen Ereignissen und hierarchischer Phrasengliederung erreicht (Bisesi & Parncutt, 2011; Bisesi et al., 2011; vgl. Cook, 2011). Auch Emotionen können sowohl durch die Interpretation hervortreten als auch dem Werk immanent sein ("träumerische Nocturne", "heroischer Marsch", usw.), doch - Welche Emotionen werden bei welchen werkimmanenten Akzenten durch welche Akzentuierungen hervorgerufen? Was verbindet die zeitliche/dynamische Gestaltung einzelner Akzente mit Emotion oder Bewegung? Wie wirkt sich dies auf die Bedeutung der Musik (Vorstellungen, Assoziationen, Metaphern, Archetypen) aus? Wie entsteht die kognitive Gliederung in Erklärungen solcher Prozesse seitens MusikerInnen? Können wissenschaftlich fundierte Antworten auf solche Fragen in aktuelle Kontrollschnittstellen für musikalischen Ausdruck integriert werden? Dabei werden strukturelle, emotionale und gestische Ausdrucksregeln (Juslin et al., 2002; GERM) und mehrdimensionale Repräsentation von Emotionen (Russell, 1980; Schubert, 1999) berücksichtigt. Sloboda (1991) stellt Zusammenhänge zwischen physiologischen Reaktionen wie Schauern oder Tränen und werkimmanenten Strukturen wie Sequenzen oder unerwarteten Harmoniewechseln fest. Er nimmt unseren akzentbezogenen Ansatz damit vorweg, doch wie kann ein reduktionistischer Ansatz die emotionale Qualität einer musikalischen Passage erklären? Folgende Teilprojekte sind vorgesehen: (1) Die MIR toolbox (Lartillot & Toiviainen, 2007) wird erweitert, um bei der automatischen Stilzuordnung werkimmanente Akzente mit einzubeziehen. (2) Fribergs pure data-DM wird mittels akzentorientierter Algorithmen und gestischer Schnittstellen auf der Grundlage neuer qualitativer Daten für eine Echtzeitkontrolle musikalischen Ausdrucks erweitert. (3) Interpretationen von Klavierwerken, die sich in der Auswahl relevanter Ereignisse, in der Art der Akzentuierung und in der beabsichtigten Emotion unterscheiden, werden algorithmisch generiert und ästhetisch bewertet. (4) Ein Verfahren zur Extraktion von Timing- und Dynamikprofilen aus Audioaufnahmen wird entwickelt, um Aufführungen zu klassifizieren und einem mehrdimensionalen Modell von Emotionen zuzuordnen. Forschungsmethoden beinhalten verschiedene empirische Verfahren (grounded theory, Multidimensionale Skalierung, Korrespondenzanalyse). Kooperationen: Richard Parncutt (Graz, Musikpsychologie), Anders Friberg (Stockholm, performance rendering), Petri Toiviainen (Jyväskylä, Emotionsmodelle), Sergio Canazza (Padova, Klang- und Musikinformatik) und Giuseppe Cabras (Udine, digitale Signalverarbeitung).

Ausdruck ist für die Musikaufführung grundlegend; dabei werden Emotionen und Bedeutung kommuniziert. Beeindruckende Interpretationen entstehen, indem ein Interpret die Struktur der Musik intuitiv erfasst und auf dieser Basis versucht, die Intentionen des Komponisten zu verstehen und diese dann im Klang umzusetzen. Der Interpret fügt dann kreativ eine eigene persönliche Interpretation hinzu. Dabei werden abhängig von musikalischen Strukturen (z.B. Phrasierung, Akzente, Motive, Form) Agogik und Dynamik systematisch manipuliert. Diese Manipulationen beeinflussen den gestischen Charakter der musikalischen Darstellung und die den Zuhörern mitgeteilten Bilder und Bedeutungen. Das Projekt war eine Fortführung des FWF Lise-Meitner-Projekts M 1186-N23, dessen Ziel es war, die Beziehung zwischen musikalischer Struktur und Ausdruck zu erforschen. In dem aktuellen Einzelprojekt (P 24336-G21) wurden Ergebnisse vorangegangener Studien mittels Computermodellen umgesetzt. Somit konnten neue Fragen zur Beziehung zwischen musikalischer Struktur und emotionaler Kommunikation untersucht werden. Wir haben (i) bereits existierende Modelle strukturbezogener (werkimmanenter) Akzentuierung in tonaler Musik getestet und revidiert; (ii) ein Verfahren für die automatische Analyse musikalischer Struktur und musikalischen Ausdrucks bei Tonaufnahmen entwickelt; (iii) diese Software verwendet, um Interpretationsstile zu klassifizieren und in mehrdimensionalen Emotionsräumen darzustellen; und (iv) die Beziehung zwischen Struktur, Ausdruck und Bedeutung erforscht, wobei auch affektive bzw. sensorische Kategorien und intuitive physische Metaphern berücksichtigt wurden. Diese Punkte wurden in mehreren Teilprojekten behandelt, darunter: (1) Erweiterung des Projekts M 1186-N23, um ein stilabhängiges Modell für harmonische Akzente bzw. Spannung zu integrieren, das auch empirisch getestet wurde; (2) Untersuchung von Beziehungen zwischen von der Akzenttheorie vorhergesagten musikalischen Strukturen und wahrgenommener Emotion in einem spezifischen Repertoire (Variationen über La Folia von verschiedenen Komponisten); (3) eine qualitative Untersuchung des durch Teilnehmer unterschiedlicher Expertise verwendeten Vokabulars für Struktur, Ausdruck, Emotionen und Assoziationen in der Klaviermusik; (4) die Entwicklung neuer Methoden im Bereich des Music Information Retrieval, um Agogik und Dynamik in Klavieraufführungen zu messen; (5) Klassifizierung von Musikaufführungen je nach Betonung unterschiedlicher Akzenttypen und persönlicher Strategien für die Kommunikation von Struktur, Ausdruck und Emotion; (6) Anwendung neuer Algorithmen und Methoden zur Untersuchung historischer Kompositionsverläufe (vom späten Schubert über späten Liszt und Wagner zum frühen Schönberg) aus der Doppelperspektive der Musikanalyse und Musikpsychologie. Unser Projekt trug zur Musikperformanzforschung bei, indem derzeit übliche Ansätze zur Musikpsychologie und zur Musikanalyse zusammengeführt wurden. Darüber hinaus haben wir die Intentionen der Interpreten berücksichtigt sowie die Art und Weise, wie sie ihre musikalischen Darbietungen kontrollieren. Im Bereich der Methodik wurden Top-down- und Bottom-up-Ansätze sowie qualitative und quantitative Analysen kombiniert. Im Gegensatz zum eher reduktionistischen Ansatz früherer psychologischer Erforschung des musikalischen Ausdrucks haben wir ein komplexeres Modell entwickelt, welches das Wissen und die Intuitionen aufführender Musiker und Musiktheoretiker berücksichtigt. Zu den internationalen Kooperationspartnern gehörten KTH Stockholm, CSI Lugano und Universitäten in Jyväskylä, Padova, Udine, Bologna und Montreal.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Petri Toiviainen, University of Jyväskylä - Finnland
  • Giuseppe Cabras, Università degli Studi di Udine - Italien
  • Sergio Canazza, Università degli studi di Padova - Italien
  • Anders Friberg, Royal Institute of Technology - Schweden

Research Output

  • 16 Zitationen
  • 23 Publikationen
Publikationen
  • 2019
    Titel Analyser l'interprétation : Une étude comparative des variations de tempo dans le premier prélude de l'Art de toucher le clavecin de François Couperin (forthcoming); In: Analyse et perception, Actes des Journées d'Analyse Musicale 2016
    Typ Book Chapter
    Autor Caron S
    Verlag Éditions Universitaires de Dijon
  • 2019
    Titel De quoi depend la perception du tempo optimal ? Une étude du role de la structure musicale (forthcoming); In: Le Tempo dans l'acte de performance
    Typ Book Chapter
    Autor Bisesi E
    Verlag La revue du Conservatoire de Paris (CNSMDP) en ligne
  • 2017
    Titel The relationship between musical structure and emotion in classical piano scores: A pilot study on the Theme of La Folia
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bisesi E
    Konferenz ESCOM 2017, Ghent, Belgium, 31 Jul - 4 Aug 2017
    Seiten 18-22
    Link Publikation
  • 2017
    Titel The relationship between musical structure and emotion in classical piano scores: A pilot study on the Theme of La Folia.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bisesi E
    Konferenz E. Van Dyck (Ed.), Proceedings of ESCOM 2017, Ghent, Belgium, 31 Jul - 4 Aug, Ghent: IPEM
  • 2014
    Titel Listeners' informal vocabulary for structure, expression, emotions and associations in piano music.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bodinger M
    Konferenz M. K. Song (Ed.), Proceedings of the ICMPC13 - APSCOM-5, Seoul, South Korea, 4-8 Aug 2014, Seoul, South Korea: College of Music, Yonsei University
  • 2014
    Titel Listeners' informal vocabulary for structure, expression, emotions and associations in piano music
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bisesi E
    Konferenz ICMPC13 - APSCOM-5, Seoul, South Korea, 4-8 Aug 2014
    Seiten 76-79
    Link Publikation
  • 2019
    Titel A Computational Model of Immanent Accent Salience in Tonal Music
    DOI 10.3389/fpsyg.2019.00317
    Typ Journal Article
    Autor Bisesi E
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 317
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Using Computational Models of Music Performance to Model Stylistic Variations
    DOI 10.1093/acprof:oso/9780199659647.003.0014
    Typ Book Chapter
    Autor Friberg A
    Verlag Oxford University Press (OUP)
    Seiten 240-259
  • 2013
    Titel What emotions and free associations characterize different musical styles?
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bisesi E
    Konferenz G. Luck and O. Brabant (Eds.), Proceedings of the 3rd International Conference on Music and Emotion, Jyväskylä, Finland, 11-15 Jun 2013. Jyväskylä, Finland: University of Jyväskylä, Department of Music
  • 2013
    Titel What emotions and free associations characterize different musical styles?
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bisesi E
    Konferenz 3rd International Conference on Music and Emotion, Jyväskylä, Finland, 11-15 Jun 2013, University of Jyväskylä, Department of Music
    Link Publikation
  • 2014
    Titel The immanent emotion of a musical score: An exploratory study
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bisesi E
    Konferenz ICMPC13 - APSCOM-5, Seoul, South Korea, 4-8 Aug 2014
    Seiten 124-126
    Link Publikation
  • 2014
    Titel A computational model of immanent accent salience in tonal music: Perceptual evaluation
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bisesi E
    Konferenz ICMPC13 - APSCOM-5, Seoul, South Korea, 4-8 Aug 2014
    Seiten 248-250
    Link Publikation
  • 2013
    Titel A preliminary computational model of immanent accent salience in tonal music.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Friberg A Et Al
    Konferenz R. Bresin (Ed.), Proceedings of Sound and Music Computing Conference SMAC - SMC 2013, Stockholm, Sweden, 30 Jul - 3 Aug 2013
  • 2013
    Titel A preliminary computational model of immanent accent salience in tonal music
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bisesi E
    Konferenz SMAC - SMC 2013, Stockholm, Sweden, 30 Jul - 3 Aug 2013
    Seiten 335-340
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Structural communication in piano duos: Musical compatibility and individual differences in interpretation
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bisesi E
    Konferenz ISPS 2013, Vienna, Austria, 28-31 Aug 2013
    Seiten 263-268
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Structural communication in piano duos: Musical compatibility and individual differences in interpretation.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bisesi E
    Konferenz A. Williamon and W. Goebl (Eds), Proceedings of the International Symposium on Performance Science, Vienna, Austria, 28-31 Aug 2013, Brussels, Belgium: European Association of Conservatoires (AEC)
  • 2015
    Titel The perception of an optimal tempo. The role of melodic event density.
    Typ Book Chapter
  • 2012
    Titel Applicazioni didattiche della ricerca scientifica sull'esecuzione musicale.
    Typ Book Chapter
    Autor Bisesi E
  • 2012
    Titel Applicazioni didattiche della ricerca scientifica sull'esecuzione musicale; In: A.A.V.V. La Musica in testa
    Typ Book Chapter
    Autor Bisesi E
    Verlag Mimesis Edizioni
  • 2012
    Titel Recorded interpretations of Chopin Preludes: Performer's choice of score events for emphasis and emotional communication
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bisesi E
    Konferenz ICMPC - ESCOM 2012, Thessaloniki, Greece, 23-28 Jul 2012
    Seiten 106-107
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Recorded interpretations of Chopin Preludes: Performer's choice of score events for emphasis and emotional communication.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bisesi E
    Konferenz E. Cambouropoulos et al. (Ed.), Proceedings of ICMPC - ESCOM 2012, Thessaloniki, Greece, 23-28 Jul 2012
  • 0
    DOI 10.1093/oxfordhb/9780198722946.013.37
    Typ Book
  • 0
    Titel Probing the underlying principles of perceived immanent accents using a modeling approach
    Typ Journal Article
    Autor Bisesi E
    Journal Under revision

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