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Frauen in der Landschaftsarchitektur in Österreich und Zentraleuropa

Women in Landscape Architecture in Austria and Central Europe

Lilli Licka (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P24421
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2012
  • Projektende 31.08.2014
  • Bewilligungssumme 182.443 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Technische Wissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (10%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (60%); Rechtswissenschaften (20%)

Keywords

    Landscape Architecture, Austria, Landscape History, Central Europe, Gender Studies

Abstract Endbericht

Das Forschungsvorhaben untersucht den Beitrag, den Frauen in der Entwicklung und Etablierung der Garten- und Landschaftsarchitektur im 20. Jahrhundert leisteten. Gartenarchitektinnen waren Teil einer größeren Gruppe von Fachleuten, die das Fach prägten und damit auch die Gestaltung von Freiräumen im weitesten Sinn beeinflussten. Somit eröffnet der gezielte Blick auf die berufsspezifische Rolle von Frauen auch ein tieferes Verständnis für die komplexe Struktur des Faches und - in weiterer Folge - für den Umgang mit Natur und Landschaft im 20. Jahrhundert. Das Untersuchungsgebiet umfasst Österreich und Zentraleuropa, und hier in erster Linie die Nachfolgestaaten von Österreich-Ungarn nach 1918. Im 20. Jahrhundert wandelte sich die Rolle von Frauen in Alltag und Berufsleben, insbesondere in technischen Berufen wie der Garten- und Landschaftsarchitektur. Die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen dieses Jahrhunderts hatten aber auch großen Einfluss auf den Beruf. Im Rahmen dieses Projektes wird die Entwicklung des Berufes aus Sicht der Frauen untersucht, ohne den Blick auf die Rolle ihrer Kollegen zu verlieren, da nur so ein vollständiges Bild entsteht. Dies gibt Aufschluss über Struktur und Inhalt von Berufsverbänden, Ausbildungsstätten, fachlichen Kooperationen sowie über Planungsaufgaben, Entwurfsverständnis und Entwurfszugang. Im Besonderen untersuchen wir, wie Garten- und Landschaftsarchitektinnen Arbeits- und Lebensbedingungen im Austro-Faschismus, Nationalsozialismus und Exil bewältigten. Darüber hinaus erwarten wir neue Erkenntnisse zur Arbeit von Garten- und Landschaftsarchitektinnen im Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg und in den folgenden Jahrzehnten, die von sozialer Befreiung und ökologischer Bewegung geprägt waren. Um ein profundes Zeugnis von Frauen zu sammeln, die im 20. Jahrhundert in Garten- und Landschaftsarchitektur arbeiteten, müssen wir über den fachlichen Tellerrand schauen, in Disziplinen wie Architektur, Botanik, Gartenbau, Literatur und bildende Künste. Nur so können möglichst viele Frauen erfasst werden, die Gärten und Landschaften entwarfen, Pflanzen kultivierten, bauten, oder schrieben und unterrichteten, und so für die Profession und die Entstehung von Freiraum wichtig waren und sind.

Im 20. Jahrhundert spielten Garten- und Landschaftsarchitektinnen bei der Konsolidierung des Berufes eine größere Rolle, als heute weithin bekannt ist. Der Zugang zu einer höheren Berufsausbildung verbesserte sich 1913 grundlegend, als Yella Hertzka eine Höhere Gartenbauschule für Frauen in Wien eröffnete. Fünfzehn Jahre nach ihrer Gründung waren hier bereits rund 180 Schülerinnen aus der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und Polen ausgebildet worden. Unter ihnen waren die meisten jener rund zehn Frauen, die sich in den 1920er- und 1930er-Jahre mit einer eigenen Gärtnerei selbstständig machten und daneben auch Gärten entwarfen. Gartenarchitektinnen, wie Anna Plischke und Helene Wolf etablierten den zeitgenössischen Wohngartenstil in Österreich; ihre umfangreiche Kenntnis von Stauden war eine wertvolle Fähigkeit in einer Zeit, als üppige Pflanzungen groß in Mode kamen.Die meisten jener Frauen, die in der Zwischenkriegszeit als Gartenarchitektinnen arbeiteten oder Gärtnereien besaßen, wurden 1938/39 gewaltsam von den Nationalsozialisten vertrieben, da sie aus jüdischen Familien stammten. Ihre Ausbildung und praktische Erfahrung im Gartenbau sicherten ihnen im Exil das ökonomische Überleben; darüber hinaus brachten die Frauen europäische Trends der Gartengestaltung und Pflanzenverwendung in ihre Exilländer Neuseeland, Schweden oder die USA. Es gab in den 1920er- und 1930er-Jahren aber auch einen freiwilligen fachlichen Austausch zwischen Wien und Maribor bzw. Belgrad, der noch eingehender zu untersuchen ist. Die meisten männlichen Kollegen konnten ihre Karriere während des Nationalsozialismus mehr oder weniger erfolgreich fortsetzen; auch hier gibt es noch erheblichen Forschungsbedarf. Nach dem Ende des 2.Weltkriegs war der Anteil an Frauen in der Profession auf einen Tiefstand gesunken. Erst allmählich erhielten Frauen wieder Aufträge für signifikante Projekte, so wie Hedi Renner 1965 für den Garten der deutschen Botschaft in Wien.Die gesammelten Daten werden kontinuierlich in eine Datenbank, genannt LArchiv, eingespeist. Mit Stand 10. Dezember 2014 sind dort 521 Personen, 1.389 Projekte, 1.401Publikationen, 50 Ausbildungsstätten und 78 Berufsorganisationen aus den Sparten Gartenbau und Landschaftsarchitektur erfasst. Was zunächst wie eine undeutliche Blase verstreuter Beweisstücke erschien, entwickelte sich nach und nach zu einem Inventar österreichischer Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts. Langfristig soll diese Datenbank der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sind nicht nur essentiell, um die Entwicklung des Berufes zu verstehen, sondern liefern auch wichtige Erkenntnisse für andere wissenschaftliche Disziplinen, wie Exil- und Frauenforschung, Gartenbau, Architektur und Stadtplanung.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für Bodenkultur Wien - 100%

Research Output

  • 2 Zitationen
  • 9 Publikationen
Publikationen
  • 2014
    Titel Viennese Modernism and Landscape Architecture
    DOI 10.1007/978-94-017-8536-5_10
    Typ Book Chapter
    Autor Meder I
    Verlag Springer Nature
    Seiten 129-142
  • 2013
    Titel Willi Vietsch - Gartenarchitektur zwischen politischen Systemen.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Krippner U
    Konferenz 10. Gartenhistorisches Forschungskolloquium
  • 2013
    Titel 'Natur und Architektur werden hier ineinandergeschoben' - Haus und Garten in der Werkbundsiedlung.
    Typ Book Chapter
    Autor Meder I
  • 2013
    Titel Autriche, paysagistes pionnières.
    Typ Book Chapter
    Autor Didier
  • 2013
    Titel Österreichische Staudengärtnerinnen des 20. Jahrhunderts.
    Typ Journal Article
    Autor Krippner U
    Journal zoll+ Österreichische Schriftenreihe für Landschaft und Freiraum
  • 2012
    Titel Jüdische Gartenarchitektinnen in Wien. Zur Rekonstruktion ihrer Biografien.
    Typ Book Chapter
    Autor Blumesberger
  • 2012
    Titel Auf den Spuren des Landschaftsarchitekten Willi Vietsch.
    Typ Journal Article
    Autor Krippner U
    Journal Historische Gärten: Mitteilungen der Österreichischen Gesellschaft für Historische Gärten
  • 2012
    Titel Von der VÖGA zur ÖGLA.
    Typ Book Chapter
    Autor Bacher B
  • 2012
    Titel Berufsvertretungen der Garten- und Landschaftsarchitektur in Österreich ab 1912.
    Typ Book Chapter
    Autor Krippner U

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