St. Stephan in Wien. Architektur der Schriftquellen
St Stephan in Vienna. Architecture of the Written Sources
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (20%); Kunstwissenschaften (80%)
Keywords
-
Architecture,
Building History,
Written Sources,
Medieval society,
Architectural-archaeological evidence,
Medieval history
Wie lässt sich der Bauverlauf der Wiener Stephanskirche unter Berücksichtigung der Schriftquellen darstellen? Wie veränderte oder stabilisierte dieser die mittelalterliche Gesellschaft? Und wie beeinflusste der Entstehungsprozess zeitspezifische Vorstellungen von Zusammengehörigkeit, Gemeinschaft- und Gruppenbildung? "St. Stephan in Wien. Architektur der Schriftquellen" nähert sich diesen Fragestellungen mit einer erstmals in der 200jährigen Forschungsgeschichte durchgeführten systematischen Erfassung der Schriftquellen. Eine problemorientierte Analyse bezieht erstens bauarchäologische Fakten und gesteinskundliche Untersuchungen auf die "Architektur der Schriftquellen", zeigt Unstimmigkeiten aber auch Lücken im Quellenbefund auf und sucht, dort wo es Divergenzen gibt, nach Lösungen. In einer vergleichenden Darstellung geht es zweitens um zeitspezifische Vorstellungen von Zusammengehörigkeit und Gemeinschaftsbildung bei der Errichtung einzelner Bauabschnitte, um eine gemeinsame Anstrengung der am Bau beteiligten sozio-kulturellen Gruppen und um den vielschichtigen Symbolgehalt der Stephanskirche.
Erstmals in der 200-jährigen Forschungsgeschichte der Wiener Stephanskirche wurde eine umfassende Dokumentation der im Kontext zur Stephanskirche stehenden Schriftquellen und deren quellenkritische Auswertung im Hinblick auf den Bauverlauf und im Hinblick zeitspezifischer Gemeinschaftsvorstellungen unternommen. Die systematische Erfassung der Schriftquellen begrenzte sich auf den Zeitraum vom Ende des 12. bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts - also der Entstehungszeit der Kirche. Die Auswertung erbrachte im Wesentlichen folgende Erkenntnisse: Der Bauverlauf muss wesentlich differenzierter dargestellt werden, als dies bisher geschah. Es gilt nicht nur die bautechnischen, handwerklichen Ressourcen und lokalen Gegebenheiten zu berücksichtigen, sondern es sind auch die Funktionserweiterungen und die Baukonzeptänderungen der Stephanskirche - also zunächst Pfarrkirche, ab Rudolf IV. Kollegiatsstift mit Habsburgergrablege und Sitz der Universität, und schließlich ab 1469/89 Bischofskirche - zu beachten. Bestehende Rekonstruktionsvorschläge sind vor allem hinsichtlich der chronologischen Abfolge bei der Errichtung einzelner Bauabschnitte (Fundamente, Jochfolge, Umfassungsmauern, Gewölbekonstruktion, Dachkonstruktion) und der zeitlichen Dimension zu korrigieren. Zu berücksichtigen sind zudem temporäre (provisorische) Zwischenlösungen.
- Universität Wien - 100%
- Johann Josef Böker, Universität Karlsruhe - Deutschland